und plötzlich hat man eine Depression

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"Diagnose-Optimierungssystem" - Weniger schlimme Diagnosen aus der Liste der 80 schweren Krankheiten für den Risikostrukturausgleich zwischen den Kassen werden „genutzt, um "breit zu diagnostizieren".

und plötzlich hat man eine Depression
oder einen Bluthochdruck

Sprecher: Zahlreiche Krankenkassen wollen Ärzte offenbar dazu bringen, für Patienten möglichst viele Diagnosen zu dokumentieren, vielleicht viel mehr als die eigene Diagnose, die eigene ärztliche Überzeugung so hergibt. Denn bei mehreren Krankheitsbildern des Patienten gibt es mehr Geld für die Krankenkassen aus dem sogenannten Strukturfonds und einen kleinen Bonus für die Ärzte. Viele Gesundheitsexperten halten das für kriminell.

Glaeske:.... als problematisch erkennen, nämlich dass Ärzte angehalten werden, relativ weitgehend bestimmte Diagnosen zu stellen und dafür ein gesondertes Honorar zu kassieren Das Ganze heißt dann Betreuungs-Strukturverträge und es soll sich den Anschein geben, dass dort innerhalb dieser Verträge die Patienten bei bestimmten Diagnosen besser versorgt werden. Ob das stimmt, wage ich zu bezweifeln. Es scheint doch eher etwas zu sein, was zur Diagnoseoptimierung dient, weil dadurch Krankenkassen mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds bekommen. ….

Das heißt, man weiß sehr genau, bei welchen Diagnosen die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds an die Kassen fließen, und dass in diesem Bereich versucht wird, möglichst viele Diagnosen zu bekommen, ... möglichst viel Geld letzten Endes in die Krankenkassen zu bringen, das ist etwas, was wir schon seit vielen Jahren beobachten. Aber dass es jetzt vertraglich geregelt ist seit einigen Jahren, das ist allerdings neu und das hätten die Aufsichtsbehörden merken müssen.

Sprecher: könnte man sagen, dass die Krankenkassen etwas davon haben, wenn der Patient kränker ist als er ist?

Glaeske: Das wäre die kurze Formel. Das ist in der Tat richtig. Bei diesen 80 Krankheiten geht es eigentlich darum, dass sehr schwere Krankheiten eine Rolle spielen, Dialyse, onkologische Erkrankungen, Krebserkrankungen, …. Das heißt, wir haben eine Situation, wo eigentlich es richtig ist, dass es diesen Ausgleich gibt zwischen den Kassen, weil die Kassen unterschiedliche Versicherte haben ….. Nur es gibt auch Krankheiten innerhalb dieses Katalogs, die am Rande sozusagen so etwas ausfransen. Da kann ich mir überlegen, muss ich diese Diagnose stellen, oder kann ich sie stellen, und das ist natürlich dann ein Punkt, wo die Krankenkassen dann offensichtlich doch mehr darauf drängen, dass man dieses "kann ich sie stellen" in den Vordergrund stellt und damit auch die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds abrufen kann. ...

Sprecher: Können Sie uns da einige Beispiele geben, Krankheiten am Rande? Was sind das?

Glaeske: Es geht um Krankheiten, die man nicht unbedingt behandeln muss … Es geht zum Beispiel um milde Depressionen, es geht zum Beispiel um Bluthochdruck, den man codieren kann, aber den man nicht codieren muss, weil er noch sich im sehr weit unteren Bereich befindet. Es geht darum, dass man bei Depressionen zum Beispiel weiß, dass man leichte Depressionen nicht unbedingt behandeln muss, also auch nicht unbedingt dann codieren muss, ….. Das heißt, wir haben eine ganze Reihe von sogenannten Volkskrankheiten, die dann genutzt werden, um sie letzten Endes breit zu diagnostizieren, und da liegt jetzt im Prinzip die Versuchung, auch der Krankenkassen, hier die Ärzte doch etwas stärker anzureizen, hier genauer und optimiert zu diagnostizieren.
Quelle: Deutschlandfunk
 
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Deine Wegweiser:
Ärzteblatt
12. Oktober 2016
Fast alle größeren Krankenkassen an Diagnosemanipulationen beteiligt
Die mutmaßlichen Diagnosemanipulationen bei der Einstufung von Krankheiten haben einem Bericht zufolge ein größeres Ausmaß als bisher bekannt. Wie das Handelsblatt heute berichtete, sollen nicht nur Ortskrankenkassen und die Techniker Krankenkasse durch Beratung oder Verträge mit Ärzten Einfluss auf deren Diagnoseverhalten genommen haben, sondern auch DAK Gesundheit, Barmer GEK, KKH sowie eine größere Zahl von Betriebs- und Innungskrankenkassen.

Die Einflussnahme erfolgte dem Bericht zufolge vor allem über sogenannte Betreuungsstrukturverträge, die von den genannten Kassen mit Ärzten abgeschlossen worden seien. Formal gehe es dabei um eine bessere Betreuung der Versicherten. Allerdings würden Ärzte Extrahonorare dann erhalten, wenn der Arzt in seinem Computer die Krankheit im Sinne der Kasse kodiere.......
 

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