Sommer

wundermittel
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Rainer F. Storm
Der H O L Z B O C K !

Zwischen hohem Gras und Hecken,
leben nicht nur Weinbergschnecken.
Sondern - vielen ist´s ein Graus -
ein Getier groß wie ´ne Laus!

Dies gehört zum Kreis der Milben.
Welche sich schnell weiterbilden.
Schlüpfen gern in Hos´ und Rock, -
man nennt den Sauger auch Holzbock.

Besser noch ist er bekannt -
bei uns und überall im Land,
als Vampir, mit dem Namen Zecke,
mit Heimatort der Brombeerhecke.

Doch nicht nur dort sind sie zu finden.
Die Zecken, die sich an uns binden.
Sie kletten sich, fest wie die Pest,
und ihr Gesauge wird ihr Fest!

Dann irgendwann beginnt´s zu jucken.
Jetzt wird es Zeit um nachzugucken -
wo sich das Schreckgespenst versteckt.
und sich das Blut vom Maule leckt.

Ein schwarzer Punkt, so klitzeklein.
Sag - der soll uns gefährlich sein?
Nimm´s ernst, denn in dem kleinen Tier,
da steckt ein Gift, - und das heißt hier!

Doch sollten wir nicht gleich schwarz malen.
Frag´ deinen Arzt, der nennt dir Zahlen,
die dich beruhigen allgemein -
dazu die Impfung obendrein.

Willst du doch wirklich sicher geh´n,
dann meide Wälder, Wiesen, Höh`n.
Die dir als Zeckenland bekannt -
das ist vielleicht das einz´ge Pfand.


© rsto
https://www.e-stories.de/gedichte-lesen.phtml?60849

zecke.jpg

https://members.nextra.at/stewar/adv/zecke.jpg
:mad: ;) ,
Uta
 
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...Brrrrr.........
angry-smiley-050.gif


....Und sind sie erst in Eurer Hose,
mit ihnen auch die Borelliose,
seht zu dass Ihr zum Doktor geht,
der etwas davon versteht ... .

Herzliche Grüße von Leòn, den es jetzt ordentlich kribbelt.
 
regulat-pro-immune
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Es hat ganz offensichlich auch Vorteile, in Norddeutschland, auf dem flachen Land zu leben.
Zumindes am Meer, am Strand, gibts keine Zecken ....

images.google.de/images?q=tbn:BkgQfNNilVNTBM:www.ebend.de
Und im Wattenmeer schon gar nicht:

Watt wat is´n dat?

Andrea Blum

Meer ohne Wasser
soweit das Auge reicht.
Priele ganz seicht.
Die Stunden so leicht
das ist Watt.

Krebse und Muscheln
wo immer man sie sucht.
Urlaub den man nicht bucht.
Stunden ohne Sehnsucht
das ist Watt.

Pferdewagen die Menschen tragen
Schiffe die durch die Elbe fahren.
Reiter die nach Neuwerk traben.
Stunden voller Glück
das ist Watt.

Kinder die alleine spielen
Möwen die kreischend fliegen.
Menschen die sich lieben.
Stunden die die Zeit vertrieben
das ist Watt.


images.google.de/images?q=tbn:l0m2PgtNErI7iM:cdl.niedersachsen.de
 
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moewehinten.jpg



Fußspuren


von Marie Luise Kaschnitz

Heute sah ich wieder dich am Strand
Schaum der Wellen dir zu Füßen trieb
mit dem Finger grubst du in den Sand
Zeichen ein, von denen keines blieb.



Ganz versunken warst du in dein Spiel
mit der ewigen Vergänglichkeit
Welle kam und Stern und Kreis zerfiel
Welle ging und du warst neu bereit.



Lachend hast du dich zu mir gewandt,
ahntest nicht den Schmerz,
den ich erfuhr;
denn die schönste Welle
zog zum Strand
und sie löschte
deiner Füße Spur.



 
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Die Erdbeerfrau

»A loadis Erdbeer-Jahr, natürli, gel!
Am Benno-Tag, der Frost, der hats dawischt!«
Sprach sie mich an und lächelte dazu
mit welkem Mund und wasserblauen Augen,
so harmlos wie ein Kind, die dürre Alte.
»Recht schlimm für uns, und schlimmer noch für Euch«,
erwidert' ich, »Ihr kommt um den Verdienst,
den besten wohl im Sommer.«
»I? No wissns,
geits ihrer weni, werns halt besser zahlt,
die Erdbeer, gar die schöni, ausm Gstoan,
wie ebba selli da!«
Sie rückt' hinweg
den Deckel ihres Korbs, und drinnen lagen
auf Tannenreislein und auf frischen Blättern
Erdbeeren duftend und so purpurrot,
daß schon ihr Anblick eine Labung war.
Der Alten bot er wahren Hochgenuß:
»Die wachsn aufn Staufn, in die Schluchtn«,
sagt sie und hebt voll Finderstolz ihr Körbchen.

Ich hätte seinen Inhalt gern erworben;
er war verkauft. Vom Berge kam die Frau,
nach langem Tagewerk, war hungrig jetzt,
ein wenig müd und sehnte sich nach Hause.
»Es warten Eure Kinder«, meinte ich,
»und Enkel dort auf Euch.«
»Auf mi wart koas,
i bin alloa«, gab sie zerstreut zurück,
und mit der Rechten ihre Augen deckend
blickt' in die Sonne sie, die goldig flutend
soeben hinter Bergeshöhn versank.

»Da schaugns hin, zum Zwisl schaugns hin,
da bin i morgn um die Zeit scho gwest
gon Abnd hoaßts zur Alm no auffikrabin,
im Heubüh drobn schlaft ma woltern guat
und fruh um zwoa gehts ani scho in d'Staudn.

Gsund bin i, Gott sei Dank!«, schloß sie vergnügt,
und zwinkert' nach den glutumsäumten Bergen
voll Liebe hin, »und hon aa koani Sorgn.«
»Im Sommer, doch wie sieht's im Winter aus?«
»Mit Gottes Gnad, halt so, a bißl wiescht,
ma hofft halt immer, daß bal Frühling wird.
An Oaschicks bringt ihm scho so kloanweis furt.«
»Das ist der Trost der Einsamen,« sagt' ich,
»wie Ihr es seid, vielleicht von jeher wart?«

Gutmütig, heitren Spotts zuckt sie die Achseln.
Ob meines Irrtums. »Na, von jeher nit,
i hon amal a schöns Awesn gheit'
an braven Mo, fünf Kinder - ja amal!«
»Fünf Kinder? Hab und Gut? Und steht allein
und arm jetzt in der Welt? ... Wie ging das zu?«
»No, schiefri ebba. 's Unglück hat uns hoamgsucht,
verbrunna san mer aa«, gab sie zur Antwort
und schien zu denken: Ei, was kümmert's dich?
Doch mählich eines Bessern sich besinnend,
hob leise seufzend sie von neuem an:
»Vor dreizehn Jahren - wartens - na, vor achtzehn,
ja wirkli, achtzehn - wie die Zeit vergeht!
Da is bei uns das großi Feuer gwest.
In d'Tenna eigschlagn hat der Blitz vom Himmi -
und voll mit Troad wies war, so is verbrunnen,
und aa der Mo, sechs Küh, zwoa Kinder, alls
verbrunna.«
»Wie? Verbrannt?!«
»Ja, ja, verbrennt.
Mi selba hat der Nachbar no am Zopf,
der damal armsdick war - wer möcht dees glaubn? -
herauszerrt aus die lichtrlohn Flammen.
Die Gloabiger hon si den Grund biholten,
und wiar i gangn, wiar i gstandn bin,
so bin i von der Brandgstätt weiterzogn.«
»Mit Euren Kindern?«
»Jo, mit denen drei,
die übri bliebn san, zwoa Diendln und
an kloan Buebn«, entgegnet sie gelassen.
»Und dann? Wie habt Ihr dann Euch fortgeholfen?«
Sie hob den Kopf empor: »No, ehrli halt.
Viel garbeit, viel, und aa a bißl bet,
a bißl nur, denn damaln, wissens, Frau,
da war i bös mit unsern lieben Herrgott,
und bins aa blieben no a lange Weil,
denn oans vo meini Diendl is schlecht gratn
und leit da draußn vor der Kirchhofmauer,
i mach en Umweg, mueß i dort vorbi.«
»Die zweite aber? - die?«
»Die hat an Bauern,
in Hammerau, an reichn, is versorgt.«
»Und sorgt für ihre Mutter, will ich hoffen.«
»Für mi? Was denkens denn? Si hat den Mo,
hat ihm ins Haus koan roti Heller bracht
und wird aa koanen naustragn - dees hoff i!«
»Und Euer Sohn?«
»Seidat war'r, Schandarm ...
I sag, er war, jetzunder is er tot,
erschossn von die Pascher an der Grenz.
Im letzten Hirgscht hon i di Nachricht kriegt.«
Sie sprach es langsam, leise, unbewegt,
sann nach ein Weilchen; wie ein Lichtstrahl flog's
erhellend freudig über ihr Gesicht.
»Der is mit mir gar oft in d'Erdbeer ganga
wier er a Bua no war und später aa,
der hat die Berg so guat gekennt, wiar i.«
Sie blickte in die Weite, ganz verklärt
vom sanften Glück des lieblichsten Erinnerns,
und wandt' zum Gehen sich mit kurzem Gruß.
Doch plötzlich hielt sie an. Die lichten Augen
erglänzten wild und stoben Zornesfunken.
An uns vorbeigeschritten kam ein Knabe,
der in der Hand ein Schüßlein voll mit Beeren,
armsel'gen, halbgereiften trug. - »Du Lump«,
rief ihm die Alte zu, »kannsts nit derwartn,
daaß d'Erdbeer rot wer'n, muaßt di greani rupfn?«
Mit hoch erhobner Faust bedroht' sie ihn,
und ein gewaltig Fluchwort flog ihm nach,
als schleunig er und still die Flucht ergriff.
Dann aber ganz erregt von Schmerz und Grimm
sprach sie: »Dees is mei allerirgster Kumma,
wenns d'Erdbeer brockn ureif und kloanleizi.
Ma mirkts ja deutli, 's tuat der Pflanzen weh.
Sie wehrt si drum, was sie nur ko, die Armi,
just wier a Muatta um ihr liebis Kind,
do wenn die Frucht erst zeiti worn is,
geits's geduldi her; no jo, sie hat
das Ihre redli to, und denkt ihm halt:
Jetz werst der endli aa dein Frieden gunna!«

Da stockte sie und sah mich fragend an,
bestürzt beinah ob dieser Worte Sinn,
der dämmernd nur ihr zum Bewußtsein kam.

»Wo wohnens?« sprach sie hastig,
»in Sankt Zeno.«

»Da kimm i lei an nächstn Sunnta hin,
und Erdbeer bring i Ihna' solchi habens
no niemal koana gsegn. Bfüt Ihna Gott!«

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (* 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz (tschechisch: Zdislavice u Zdounek) bei Kremsier in Mähren; † 12. März 1916 in Wien) war eine österreichische Schriftstellerin und gilt mit ihren psychologischen Erzählungen als bedeutendste deutschsprachige Erzählerin des 19. Jahrhunderts.
https://de.wikipedia.org/wiki/Marie_von_Ebner-Eschenbach

images.google.de/images?q=tbn:qBx_dT7ns4NZDM:www.novasol.de
 

Malve

Sommer 2006 in Deutschland...

Fußball

Vierundvierzig Beine rasen
durch die Gegend ohne Ziel,
und weil sie so rasen müssen,
nennt man das ein Rasenspiel.

Rechts und links stehn zwei Gestelle,
je ein Spieler steht davor.
Hält den Ball er, ist ein Held er,
hält er nicht, schreit man: "Du Toooor !"

Fußball spielt man meistens immer
mit der unteren Figur.
Mit dem Kopf, obwohl's erlaubt ist,
spielt man ihn ganz selten nur.

Heinz Erhardt
 
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*ggg* uma - Der Heinz Ehrhard ist doch immer wieder gut ...

Und die Kaschnitz auch. Die mag ich sehr.

Gruss,
Uta
 
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Ja, das geht mir auch so. Die mundartlichen Anteile in dem Gedicht von Marie Ebner - Eschenbach fand ich teilweise schwer verständlich. Ich Nordlicht, ich.

images.google.de/images?q=tbn:ClFyZBCl-5WQBM:www.wanderverband-norddeutschland.de

Braakmand

von Walter Pieper

An'n blauen Heven steiht de Sünn.
Se warmt us Lief un Seel.
De Immen summt in'n Appelboom.
Du nimmst dat wahr, so as in'n Droom,
in disse Middaagsstünn.
An'n Heven witte Wulken sweevt.
De Wind, de weiht van't Meer.
De Sscheep, de dümpelt up un dal,
de Luft, de rückt na Teer.


Dat Water laadt to'n Baden in.
An'n Nord- un Ostseestrand
Kaamt de Minschen, söökt Pläseer
Van wiet van't Binnenland.
images.google.de/images?q=tbn:UDfUGvWv41CR0M:www.arndt-bildergalerie.de
 
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images.google.de/images?q=tbn:bOkVQb8kHh3bkM:www.w-rusch.deSommergarten

von Paul Boldt (1885-1921)


Die Vögel sprangen von den Winden auf den Garten
Und fielen auf die hellen Rasenbeete,
Betäubt vom Duft der blühenden Stakete
Am weißen Haus mit vierzehn Rosenarten.
Die gelben Steige, die den Rasen masern,
Kommst du in Weiß, berieselt von den Winden,
Und deine Augen ,duften noch den Blinden -
*Die warmen Blumen an den Nervenfasern.
https://images.google.de/images?q=tbn:LeT1LcZpsW-szM:www.mbr-pwrc.usgs.gov/id/htmsl/h5210pi.jpg
Freude der Tropen wächst. Im blauen Raum
Zünden die Wolken, leuchtende Phantome.
Und du, in deines Blutes Aura und Arome,

Nimmst Sonne mit - in eine Liebesnacht.
Gleich goldnen Bienen hängt das Licht im Baum,
Das deinen Mund wie eine Frucht benagt.
 
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Es hat ganz offensichlich auch Vorteile, in Norddeutschland, auf dem flachen Land zu leben.
Zumindes am Meer, am Strand, gibts keine Zecken ....

Dafür vielleicht Vogelgrippe ? ;)

Lass dir die Freude am Sommer aber nicht verderben, wie ich sie mir auch eigentlich nicht von den Zecken verderben lassen will.:)

Anne
 
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images
Sommergarten

von Paul Boldt (1885-1921)


Die Vögel sprangen von den Winden auf den Garten
Und fielen auf die hellen Rasenbeete,
Betäubt vom Duft der blühenden Stakete
Am weißen Haus mit vierzehn Rosenarten.
Die gelben Steige, die den Rasen masern,
Kommst du in Weiß, berieselt von den Winden,
Und deine Augen ,duften noch den Blinden -
*Die warmen Blumen an den Nervenfasern.
images

Freude der Tropen wächst. Im blauen Raum
Zünden die Wolken, leuchtende Phantome.
Und du, in deines Blutes Aura und Arome,

Nimmst Sonne mit - in eine Liebesnacht.
Gleich goldnen Bienen hängt das Licht im Baum,
Das deinen Mund wie eine Frucht benagt.
 
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Hallo, Anne,
es ist ist ja leider auch nicht so, dass es hier oben gar keine Zecken gibt.
Ich letzten Jahr habe ich einige mit nachhaus gebracht.... . Ich bin nämlich eigentlich mehr ein Wald- denn ein Strandtyp!

images.google.de/images?q=tbn:xjknCZ4oR4k7kM:www.sso-chemnitz.de

Herzliche Grüße von
Leòn
 
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Nach dem Regen

von Ada Christen (1839-1901)

Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.
Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niedern Dach,
Im Garten jagen spielend
Die Buben den Mädeln nach.

Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.


180px-22_Regen_ubt.jpeg
 
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Martin Greif
Der Bergsee
Zwischen Wäldern eingebettet,
Traf ich seinen Wellenschoß,
Zitternd kaum, wie fast geglättet,
Und er ließ mich immer los.

Wohl erschien mir fremd sein Schweigen,
Bis ich tiefer mich besann,
Und die Stille, die ihm eigen,
Mich auch zog in ihren Bann ...
 
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Martin Greif:

Hochsommernacht

Stille ruht die weite Welt,
Schlummer füllt des Mondes Horn,
Das der Herr in Händen hält.

Nur am Berge rauscht der Born
Zu der Ernte Hut bestellt
Wallen Engel durch das Korn


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Vor der Ernte
Nun störet die Ähren im Felde
Ein leiser Hauch,
Wenn eine sich beugt, dann bebet
Die andere auch.

Es ist, als ahnten sie alle
Der Sichel Schnitt —
Die Blumen und fremden Halme
Erzittern mit
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Martin Greif, eigentl. Friedrich Hermann Frey
18. Juni 1839 Speyer gest. 1911 in Kufstein; Lyriker, Dramatiker
 
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Hi, Uta,
von dem Martin Greif habe ich noch nie etwas gehört. Das Gedicht über den Bergsee finde ich wunderschön....!
Liebe Grüße von
Leòn
 
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HBXIEkTj4Zy.jpg
Fliegender Sommer

Seidel, Heinrich (1842-1906)

Durch die sonnenklaren Lüfte
Fliegt's in Fäden und in Flocken -
Sind es die gebleichten Haare
Aus des Sommers sonn'gen Locken?
Sind es luftige Gefährte
Für der Elfen leichte Schaaren,
Drauf sie - Menschenaug' verborgen -
Durch die klaren Lüfte fahren?
Sind's des Herbstes leichte Fahnen,
Die, nach Endigung des Krieges
Mit dem Sommer, der entfaltet
Im Triumphe seines Sieges?
Oder ist 's die zarte Fessel,
Die den Sommer hielt am Norden?
Er zerriss sie - fliegt gen Süden
Jubelnd, dass er frei geworden!
Schwingt sich über Land und Meere
Dorthin, wo sein Herz gewohnet,
Wo er wieder in den bunten,
Duft'gen Prachtpalästen thronet!
 
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10.01.04
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Ich kannte den Martin Greif auch nicht.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ludwig Uhland

Der Mohn
Wie dort, gewiegt von Westen, images.google.de/images?q=tbn:ZrdgLRtKCoMUUM:norwegen.piranho.de
Des Mohnes Blüte glänzt!
Die Blume, die am besten
Des Traumgotts Schläfe kränzt;
Bald purpurhell, als spiele
Der Abendröte Schein,
Bald weiß und bleich, als fiele
Des Mondes Schimmer ein.
Zur Warnung hört ich sagen,
Dass, der im Mohne schlief,
Hinunter ward getragen
In Träume, schwer und tief;
Dem Wachen selbst geblieben
Sei irren Wahnes Spur,
Die Nahen und die Lieben
Halt' er für Schemen nur.

In meiner Tage Morgen,
Da lag auch ich einmal,
Von Blumen ganz verborgen,
In einem schönen Tal.
Sie dufteten so milde!
Da ward, ich fühlt es kaum,
Das Leben mir zum Bilde,
Das Wirkliche zum Traum.

Seitdem ist mir beständig,
Als wär es so nur recht,
Mein Bild der Welt lebendig,
Mein Traum nur wahr und echt;
Die Schatten, die ich sehe,
Sie sind wie Sterne klar:
O Mohn der Dichtung! Wehe
Um's Haupt mir immerdar!
 
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Hallo, Uta,
ich mag Mohn sehr gerne - am liebsten draußenm, in den Feldern. Früher hatte ich mal eine mehrjährige Mohnpflanze auf dem Balkon. Die hielt sich sogar in der Vase recht gut.

Hier hier auch ein Gedicht, in dem der Mohn eine Rolle spielt:

juni_mohn.jpg


Begegnung

von Richard Dehmel

Ich sah dich schon.
Im Sonnenschein
beim Roggenfeld am Wiesenrain
stand wilder Mohn;
die Kelche blühten blutrot breit,
den Schoß voll blauer Dunkelheit,
und jäh aus einer Knospe quoll
ihr glühendes Seelchen, unruhvoll.

So sah ich Dich, du knospiges Kind, erglühn,
gestern im Feld am stillen Fichtenhain,
als im Vorübergehn mein Blick dich küßte;
mit allen Adern schienst du aufzublühn,
so scheu und rein,
als ob ich um Verzeihung bitten müßte.

War's ein Erglühn? War's nur ein Widerschein?
das Rot des roten Sommerkleids um dich?
das Abendrot, das fern verglomm im Tann?
War's ein Erglühn, das erste war es dann,
das deine jungen Schläfen so beschlich;
so bang, so schwer sahst du mich an,
so fast voll Angst zurück nach mir,
als du verschwandest sacht im dichten
Gewühl der silbergrünen Fichten.

Doch meine Seele folgte dir,
dein blautief Auge blieb in mir.

Ich sah dich schon,
du flüchtendes Kind:
heiß durch den Roggen strich der Wind
und bebend neigte sich der Mohn.
Ich hab eine rote Blüte verwehn,
zwischen den Halmen zerflattem sehn,
und habe den Blättern nachgeträumt;
und immer ist mir noch, ich schaue
in ihren Kelch, der glutumsäumt
sich jäh vertieft ins Dunkle, Blaue...
 
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