Passionsblumen-Extrakt ist ein GABA-Wiederaufnahmehemmer - Wirkmechanismus entschlüsselt

Kate

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Hallo zusammen,

wir hatten uns vor Jahren schon mal in der Rubrik Oxidativer/Nitrosativer Stress Gedanken über den Wirkmechanismus von Passionsblumen-Extrakt gegen Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen etc. gemacht. In einer Untersuchung des Passionsblumen-Extraktes aus Pascoflair® 425 mg (Dosierung 450 mg) gab es dazu inzwischen neue Erkenntnisse:
Die Passionsblume wird seit mehreren Jahrhunderten in der Behandlung stressbedingter Symptome eingesetzt. Im den letzten 10 Jahren wurde die Wirksamkeit durch klinische Studien bestätigt, der Wirkmechanismus war aber lange Zeit ungeklärt. Aktuelle Studien zeigen, dass Extrakte aus Passionsblumenkraut die GABA-Wiederaufnahme hemmen, an die GABA-Bindungsstelle des GABAA-Rezeptors binden und nicht mit der Benzodiazepin- und Ethanolbindungsstelle interagieren.

Der Artikel enthält eine Fülle chemische Details, die ich nicht annäherend verstehe. Ich greife einige Details heraus, die ich noch einigermaßen allgemeinverständlich finde:
In vivo (Maus) konnten für einen Passionsblumen- Extrakt (...) anxiolytische Effekte gezeigt werden; sie waren GABA-vermittelt und vergleichbar mit Diazepam ([16]). In einer Arbeit von 2010 konnte erstmals ein Nachweis des genauen Wirkmechanismus eines Passiflora-incarnata- Extraktes in vitro erbracht werden ([5]). (...)

Der Passionsblumen-Extrakt zeigte eine potente Hemmung der GABA-Wiederaufnahme in Cortex-Synaptosomen der Ratte mit einer mittleren effektiven Konzentration (EC50) von 95,7 μg/ml und einer maximalen Hemmung von 97,5 ± 7,2% ([5]) (Abb. 2). Passionsblumen-Extrakt ist also ein GABA-Wiederaufnahmehemmer.

Zusammengefasst scheinen folgende Mechanismen für die Wirkung und das offenbar fehlende Abhängigkeitspotenzial verantwortlich zu sein:
  • GABA-Wiederaufnahmehemmung
  • Bindung an die GABA-Bindungsstelle des GABAA-Rezeptors
  • keine Interaktion mit der Ethanol- oder Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABAA-Rezeptors
  • antagonistische Wirkung am GABAB-Rezeptor
Grund für meine Recherche war u.a., dass bei mir verschiedene genetische Einschränkungen im Fremdstoffmetabolismus festgestellt wurden (u.a. eine homozygote Reduzierung des Leberenzyms CYP2D6 und eine heterozygote bei MAO-A) und ich ergründen wollte, ob dies für Passionsblumen-Extrakt relevant ist. Dies scheint nicht der Fall zu sein:
Untersuchungen zur Arzneimittelsicherheit belegen, dass für Pascoflair® 425 mg kein genotoxisches Potenzial vorhanden ist [gemäß ([13])]. Außerdem wurde das Interaktionspotenzial [gemäß ([11])] untersucht, um Cytochrom-P450-vermittelte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen. Hierzu wurden Effekte auf alle relevanten Isoformen in humanen Hepatozyten und Lebermikrosomen gemessen. Der Passionsblumen-Extrakt in Pascoflair ® 425 mg zeigte keine klinisch-relevante Induktion oder Inhibition.

Hinweis:
Interessenkonflikt: Die Autorinnen sind Mitarbeiter der Firma Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH, dem Hersteller von Pascoflair® 425 mg.

An anderer Stelle (Quelle habe ich nicht parat) las ich allerdings, es handele sich um einen milden MAO-Hemmer.
 
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Kürzlich fand ich auf einer Recherche eine recht ausführliche Arbeit zur Passionsblume:

PASSIFLORA INCARNATA
Zertifikatslehrgang "Therapeutische Möglichkeiten evidenzbasierter Phytotherapie"
ausgeführt an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
Vorgelegt von Dr. med. dent. Christina-Marie Kaune aus Hildesheim

Download pdf (236,6 kB): www.kl.ac.at/de/media/16846/download

Mich hatten die Wirkmechanismen interessiert, dabei fand ich auch diesen Aspekt aus der WHO-Monografie interessant:

Schlaf fördern: Die Pflanze verbessert die Schlafqualität, indem sie die Einschlafzeit verkürzt und die Gesamtschlafdauer verlängert.

Hier das Inhaltsverzeichnis:
1 EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG ...................................................................... 1
2 BOTANIK ............................................................................................................... 3
2.1 Systematik ..................................................................................................... 3
2.2 Morphologie (Beschreibung der Pflanze) ...................................................... 4
2.2.1 Makroskopisch (Beschreibung der Pflanze) .............................................. 4
2.2.2 Mikroskopisch (Anatomie der verwendeten Droge) ................................... 5
2.3 Verbreitung der Pflanze (Verbreitungsschwerpunkt) .................................... 6
2.4 Traditionelle Anwendungsgebiete der Droge ................................................ 6
3 MONOGRAPHIEN ................................................................................................. 8
3.1 Zusammenfassung der HMPC Monographie zur Passionsblume (Passiflora
incarnata) .................................................................................................................. 8
3.2 Zusammenfassung der WHO-Monographie zur Passionsblume (Passiflora
incarnata) .................................................................................................................. 9
3.3 Passionsblumenkraut (Passiflorae herba) – Europäisches Arzneibuch...... 10
3.4 Zusammenfassung der ESCOP-Monographie zur Passionsblume
(Passiflorae herba) ................................................................................................. 11
4 PHYTOCHEMIE .................................................................................................. 13
4.1 Inhaltsstoffe (gegliedert in Stoffklassen) ..................................................... 13
5 PHARMAKOLOGIE ............................................................................................. 15
5.1 Pharmakologisches Wirkprofil ..................................................................... 15
5.2 Wirkmechanismen ....................................................................................... 16
5.3 Toxikologische Aspekte .............................................................................. 17
6 KLINISCHE STUDIEN ......................................................................................... 19
7 PRÄPARATE IN ÖSTERREICH .......................................................................... 25
7.1 Monopräparate ............................................................................................ 25
7.2III
7.3 Nahrungsergänzungsmitte .......................................................................... 31
8 DISKUSSION, SCHLUSSFOLGERUNGEN, AUSBLICK .................................... 33
8.1 Ausblick ....................................................................................................... 34
9 Literaturverzeichnis ............................................................................................. 35
10 Tabellenverzeichnis

Also: Wer mal stöbern mag...

Ein schönes Wochenende wünsche ich,
 

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