Wir erschaffen selbst diese scheinbar "objektive" Welt/ da draußen/
Das habe ich selbst eine Zeit lang so gesehen. Das ist die Kernaussage von der Annahme, dass wir Menschen selbst Schöpfer unserer Realität sind. Dass wir nur die "richtigen" Gedanken haben müssen und dann erschaffen wir uns das und dass wir uns so alles erschaffen können, was wir wollen. Das dachte ich, bis zu dem Moment, als ich feststellte, dass nicht alles, was ich wahrnehmen kann und was existiert, auch von mir erschaffen wurde. Ich erkannte, dass es auch Dinge gibt, die ich nicht erschaffen habe, die ich auch gar nicht erschaffen kann, die aber auch Schöpfung sind. Entweder von anderen Menschen oder von einer (der) höchsten Instanz. Es ist der Wandel von der Entweder-oder-Sicht in die Sowohl-als-auch-Sicht. Das ist die göttliche Sicht, die Sicht, die ganzheitlich sieht, die holographisch betrachtet. Hier kommt man in die Bereiche der Paradoxien, die zugleich wahr sind. Von Sichtweisen, Umständen, die sich scheinbar wiedersprechen, aber zugleich richtig sind. Und es der Zustand, in dem alles angenommen wird, so wie es ist. Keine Ausschließlichkeiten mehr, keine Dualität mehr mit Spaltung und Trennung.
Dieser Prozess beinhaltet auch, eine höhere Ordnung und einen höheren Schöpfer (Gott) anzuerkennen, Demut, den Willen in Einklang mit dieser höchsten Instanz usw.. Den Schritt, dass wir zwar Mit-Schöpfer unserer Lebensumstände sind und auch materiell etwas "erschaffen", sprich bauen, können (aus den bereits erschaffenen, existierenden Stoffen), Umstände entsprechend unserem Inneren anziehen usw.., aber dass es auch eine "Welt" und Umstände in unserem Leben gibt, die wir nicht erschaffen haben und die wir als gegeben hinnehmen müssen. Es beeinhaltet den Schritt, zu erkennen, dass es Dinge gibt, auf die wir keinen Einfluss haben und somit auch Klarheit zu Verantwortungen und dadurch mehr Abgrenzung. Und das "Missionieren" anderer wird beendet, das Überzeugen-wollen anderer, das Recht-haben-Wollen, Belehren usw..
Mit der Sicht, dass wir diese scheinbare objektive Welt selbst erschaffen, sind wir in der Annahme, dass es keinen absoluten Gott gibt. Mit dem Schritt der Erkenntnis, dass es einen absoluten Gott gibt und dass wir Abbilder Gottes sind, sprich: Teil des Ganzen und als Teil wie das Ganze (holographisch, fraktal), ändert sich das und wir müssen relativieren und ordnen, was wir wirklich selbst erschaffen, wo wir Einfluss haben und was absolut von Gott geschaffen ist. Und wir müssen unseren Platz, unsere Bestimmung in dieser Schöpfung erkennen und unseren Willen in Einklang mit dieser Schöpfung bringen. Und das ist dann der jeweils individuelle Teil jedes Menschen. Wie in einem Orchester. Es gibt das Ensemble als Ganzes und zugleich jeden einzelnen Musiker und es wird das Musikstück des Komponisten gespielt.
Es ist die Erkenntnis der eigenen Individualität bei gleichzeitiger Ganzheit (eines von vielen Paradoxien) und das Erkennen von Entsprechungen, wie in der Hermetik, dass "im Kleinen, wie im Großen" und "wie oben, so unten" real sind.
Dann wird die Materie als eine Form (eine bestimmte Art) der Schöpfung gesehen, die zugleich auch geistig ist (eine geistige Form ist) und dass in allem alles auch immer beeinhaltet ist (das holographische Prinzip). Dann verbindet sich alles zu einem Ganzen und es wird nichts mehr ausgeschlossen. Die Dualität wird überwunden und die Polarität als Schöpfung bzw. in der Schöpfung erkannt. Dualität bedeutet die Trennung von unterschiedlichen Polen, Polarität bedeutet, die Abstufung von Polen, die zusammen gehören. Als Beispiel: Dualität wäre die Annahme, dass es entweder-oder gibt, es wird ein scheinbarer Pol als richtig angenommen und der andere, scheinbar gegentielige Pol, abgelehnt. Polarität ist das (An)Erkennen von polaren Prinzipien, wie z.B. Tag und Nacht, rechts und links, oben und unten, warm und kalt, usw.. Es ist das Prinzip von Sowohl-als-auch, bei dem die Pole als die äußeren Extreme erkannt werden, mit entsprechenden Zwischenzuständen, wodurch sich ein fließender Übergang ergibt und sich beides gegenseitig bedingt. Dabei stellt sich dann heraus, dass die dualen Pole eigentlich gar nicht existieren, dass sie "gemacht" sind.
Es scheint, dass es um einen Prozess geistiger Evolution geht, der sich selbst in dieser unermesslichen Vielschichtigkeit ent-deck-t. Im Grunde genommen sind Schöpfer und Schöpfung wie zwei Seiten derselben Medaille, und der gesamte Prozess entfaltet zudem mehr und mehr Emergenz – sie ist inhärent, immer vorhanden. Es scheint, dass der Geist sich in der Materie selbst entdeckt.
Da bin ich ganz bei Dir. Schöpfung und Wahrnehmung der Schöpfung existieren und wirken zugleich, um eine Bewusstwerdung/Selbsterkenntnis zu ermöglichen. Dann ist nur die Frage, wer ist dieses Schöpfer/Schöpfung? Gibt es einen Gott oder nicht? Falls es keinen Gott gibt, macht der Mensch normalerweise sich selbst zu diesem Schöpfer und will alles nach seinen eigenen Vorstellungen erschaffen. Er spielt dann selbst Gott bzw. sieht sich selbst als Gott. Andere Ansichten werden dann nicht anerkannt und abgelehnt usw. Dann gibt es nur die eine Sichtweise (die eigene) und alles soll nach den eigenen Vorstellungen gestaltet (erschaffen) werden, da ja alles auch die eigene Schöpfung ist. Gibt es einen Gott, dann wird der Mensch sich als Teil erkennen und gleichzeitig eine höhere Ordnung anerkennen. Dann wird die Existenz gesehen, wie oben beschrieben. Der Mensch sieht sich als Individuum (individuell) und zugleich als Teil des Ganzen. Es existiert eine höhere Schöpfungsinstanz (Gott) und gleichzeitig sieht man sich als Mitschöpfer (nach Gottes Ebenbild). Es gibt kein Entweder-oder mehr, sondern nur noch Sowohl-als-auch (keine Dualität mehr, sondern Polarität), usw.. Hier gibt es dann auch noch versch. Sichtweisen im Detail. Es wird aber bspw., obwohl erkannt wird, dass es in Wirklichkeit keine Dualität gibt, die Dualität bei anderen Sichtweisen erkannt und anerkannt, da aus der eigenen Erfahrung heraus, die duale Sichtweise bekannt ist und verstanden wird. Es kann nachvollzogen werden, warum jemand diese Sichtweise hat und sie als existierend angesehen werden (dann als Irrtum, als irrtümliche Sicht, die aber gelebt werden kann und darf - wieder sowohl-als-auch).
Für die versch. Weltbilder/Sichtweisen kann ich Armin Risi empfehlen. Er hat die versch. Gottes-/Weltbilder mit enstprechenden Bezeichnungen beschrieben. Ich konnte beim Lesen gut die versch. Ansichten nachvollziehen und wie sich aus der jeweiligen zugrunde liegenden "Gottes-Sicht" (der Vorstellung davon, was das Absolute ist und was der Mensch) die jeweiligen Schlussfolgerungen ergeben, was die Welt ist, was der Mensch ist, wer was erschafft, usw. und auch die daraus resultierenden Folgen und Schlussfolgerungen. Denn das entspr. Welt-/Selbstbild ermöglicht z.B., dass Krieg oder Übergriffigkeit als nützlich oder erforderlich gesehen wird oder dass die eigenen Taten als sinnvoll und legitimiert begründet werden (der Zweck heiligt die Mittel) usw., aber auch, dass jeder Mensch als Individuum gesehen und behandelt wird, dass nicht alles als Schicksal und Leid betrachtet wird oder dass wir uns als Mitschöpfer verantwortlich sehen, aber nicht als Schöpfer von allem und für die Schöpfungen anderer verantwortlich.