Mutti ist die Best(i)e

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Hallo

Hier der Wortlaut einer Passage aus einem kurzen Gespräch mit Dr. Torsten Milsch, Autor des Buches "Mutti ist die Best(i)e":

„Mutti Merkel können wir lange analysieren, aber kurze Antwort: Mutti Merkel hat bei Kohl gelernt, aber noch viel wichtiger, sie hat in einer Diktatur gelernt! Und in dem Buch des früheren Bonner Politjournalisten Leinemann wird sie zitiert mit dem Satz „Ich habe ein schizophrenes Leben geführt. Ich habe etwas anderes gemacht, als ich eigentlich machen und sagen wollte, weil die Diktatur das von mir verlangte.“
Das heisst, sie hat tatsächlich ein perfektes „Mutti-System“ in sich entwickelt, nämlich mit freundlicher Miene etwas anderes zu machen, als was sie eigentlich sagt. Das heisst, ihr fehlt weitgehend die Empathie und die Dialogfähigkeit, d.h. ihr fehlt Authentizität. Und das hat sie, nachdem sie bei Kohl gelernt hat, an der Spitze perfektioniert, weswegen es um sie herum immer stiller wird. Sie ist immer mehr alleine oder von Ja-Sagern und im neueren Fall von Ja-Sagerinnen umgeben, was die Demokratie in Deutschland, wie viele Kritiken zeigen, zunehmend schwächer macht.“

Wie kommt man den aus diesem „Mutti-System“ wieder raus?

„Man kommt so heraus, wie ich seit 30 Jahren in meiner Praxis mit jedem meiner Patienten praktiziere. Ich schaue ihn mir an, so wie ich sie jetzt anschaue, ich höre ihm zu, und nach 30 Minuten habe ich ein Gefühl dafür, woran dieser Mensch krankt. Davon weiss der noch nichts. Also ich stelle eine psychoanalytische Diagnose. Das ist das erste. Wir brauchen eine Diagnose für Deutschland. Das zweite ist, ich muss ein Konzept entwickeln, was könnte diesem Menschen gut tun, bei dem, was ihm fehlt. Und das sind immer seine EIGENEN Gefühle, das heisst, was uns in Deutschland, wie in jeder Gesellschaft, gut tun würde, sind mehr Menschen mit authentischen Gefühlen, die empathie- und dialogfähig sind und den Mut haben zum Widerspruch und zu Alternativen, denn nichts im Leben ist alternativlos! Wer uns das sagt, der belügt uns tagtäglich, so wie Mutti zuhause oder Mutti Merkel als Kanzlerin.“

Das Gespräch:

Das Buch: www.amazon.de/Mutti-ist-die-Best ... 3492055281

Beste Grüsse
Heliopolis
 
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Da das Ganze hier ja unter "Nachdenken" läuft, möchte ich schon mal fragen, welche Gedanken Du Dir zu diesem Interview und auch diesem Buch gemacht hast, falls Du es denn gelesen hast.

Oder hast Du eine Frage?



Gruß, Gerd
 

kopf

Hallo ,
Ich bin immer sehr überrascht ! !
immer wieder bekomme ich mit , wenn das kind fällt ,sagt Mutti : "das hat doch gar nicht weh getan ".
Woher weiß die das ?

LG kopf.
 
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Hallo Gerd

Dass ganze Thema ist ein Thema zum Nachdenken und ich meine, es lohnt sich, das Buch zu lesen, nachdem man das kurze Gespräch von ihm gehört hat.

Ich habe das Buch noch nicht zu Ende gelesen, ich bin dran.

Wie Torsten Milsch schon im Gespräch betont, geht es vor allem um Authentizität, also um ein Einssein mit seinen Gefühlen und Empfindungen. Das wollte er am Beispiel Merkel ganz deutlich aufzeigen.

Jetzt fällt mir grad ein, was der Verhaltensforscher Konrad Lorenz einmal sagte, nämlich "Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir" und da hat er nämlich recht, denn ohne Authentizität keine Empathie und also kein wirkliches Menschsein.

Schöne Grüsse
Heliopolis


@kopf: Das weiss Mutti natürlich nicht! Sie will ja auch "nur" die Gefühle des Kindes zerstören und ersetzen durch eine Vorstellung von einem Gefühl, dass es dabei zu haben hat... damit das Werk der Mutti der Mutti weitergeht... Böse Mutti!
 
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Das weiss Mutti natürlich nicht! Sie will ja auch "nur" die Gefühle des Kindes zerstören und ersetzen durch eine Vorstellung von einem Gefühl, dass es dabei zu haben hat... damit das Werk der Mutti der Mutti weitergeht... Böse Mutti!
Hallo
Ich habe das Buch nicht gelesen, werde ich auch nicht.
Hab schon genug davon hinter mir. Von Alice Miller bis
Hinz und Kunz.
Was ich im Video gehört habe ist mir zu einfach und
auch zu klischeehaft.Passt irgendwie in die vollanalytische Ecke.

"Mutter, Du hast mir meine Gefühle genommen, mein Leben versaut.
Deinetwegen bin ich Mensch ohne eigene Meinung.
Und muss auch auf ewig so weiterleben.Ich brauche eine Therapie.
Weil ich nicht weiß, wer ich bin.
Und Mutter da bist Du schuld dran :)"

Nach Jahren der Literatur in jeder dieser Richtungen von A-Z, bin ich das irgendwie leid.
Einmal sind die Mamas zu grausam, uninteressiert, dann wieder zu
überbehütend.
Aber eines scheinen sie dabei immer zu sein: Unauthentisch und gefühlsfressend.
Supermächtig und megaprägend.Negativ natürlich.


Ausser Mutter hat es nie einen Menschen gegeben, der anderes in mein Leben brachte?
(Wo ist denn der Daddy, die Kumpels, die Schule, die Umwelt?)

Ich weiß ja nicht, welche Mütter der beobachtet hat.

Ich kenne eigentlich mehr die Mamas, die schauen müssen, wie sie was organisieren,
die gar keine Zeit oder Geld haben, ihre Töchterchen und Söhnchen
täglich in die Schule zu chauffieren oder deren Zimmer nach Eigengeschmack
bis ins Detail auszuschmücken.

Die aber trotzdem die Gefühle der Kinder ernst nehmen und nicht als ihre eigenen vereinnahmen.
Oder die mit sich selbst extrem beschäftigt sind, an anderen Fronten kämpfen.
Was auch nicht gerade gut ist.

Wahrscheinlich war er in den besser beschichteten Beobachtungszentren unterwegs
Klar gibt es die Frauen, die in scheinbarer Perfektion für alles zuständig sind,
und sich daraus ihre Macht, ihr Ansehen und ihr "Geliebtwerden" ziehen.
Die Übermutti's.
Die heiraten vorher dann auch gerne einen "Sohn"
Sprich einen Mann, der nie selbst seine Klamotten gewaschen hat, noch nie eine
Kartoffel selbst gekocht hat, und möglicherweise schon gar nicht alleine wohnte.

Da hätte er nämlich dann genug Zeit und Möglichkeiten gehabt, sein eigenes Mutterbild
zu prüfen.Und das seines Vaters auch.
Ob Mutti zuviel oder zu wenig machte.Und Papi....
Und sich dann entweder eine Mutti angeln, oder eben eine Freundin, Geliebte, einen
Menschen, eine Frau.
Hmmpff.
Immer sind die Mamas an irgendwas Schuld.

Wahrscheinlich bin ich als Mutti zu egoistisch?
Will heissen. Mein armer Sohn muss sich manchmal sein Zeug selber kochen -
und kann dadurch schon Rührei machen oder Blechgemüse.
Und seine Mutti räumt nicht hinterher, sondern schmeisst ihm sein Zeug, das er verteilt
ins Zimmer.Das ist authentisch:D
Ich nehme mich und ihn und seine und meine Gefühle ganz ernst dabei.
Dann räumt er selber auf.
Der weiss, wie man mit der Straßenbahn und dem Zug von A nach B
alleine kommt.

Ich glaube er wünscht sich klammheimlich eine Mama, die sein Zimmer bis zur Perfektion eiinrichtet
ihn zur Schule fährt.....aber bloss nicht jeden Tag.

Wie man es macht, ist es falsch.
Und Merkel?
Ja die....

Und wo sind die Papis, die sich auf die Hinterbeine stellen, wenn Übermutti
kommt?
Will heissen: Die spielen in diesen Übermuttersystemen genauso mit. Weil sie bequem davon profitieren?
Ach so, die hatten ja vorher eine Übermami am Hals.
"Ich kann nicht anders weil meine Mutter so war" - das gilt bei mir nicht.
Es gibt immer die Möglichkeit, irgendwann sein Verhalten auch selbstkritisch zu hinterfragen.
Und das gilt für alle.

Felis
 
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Auch bei Dr. Milsch sieht man, daß die eigene Geschichte einen großen Einfluß auf die Entwicklung eines Menschen hat. Das ist zwar eine Banalität, aber sie zeigt, daß es Wegkreuzungen gibt, an denen Entscheidungen getroffen werden (können).
Ich habe aus der Biografie heraus den Eindruck, daß er gute Gründe hatte, Psychologie zu studieren, und ich hoffe für seine Patienten, daß stimmt, was er auf dieser Seite schreibt:

... Entscheidend für den Therapie-Erfolg sind die Persönlichkeit des Therapeuten und die sich entwickelnde Vertrauens-Beziehung zwischen Patient und Therapeut, unabhängig von der angewandten Methode.

Ein Psychotherapeut kann seinen Patienten nur so weit wirklich in ihrer Persönlichkeits-Entwicklung helfen, wie er selbst in seiner eigenen Persönlichkeit entwickelt ist und selbst offen ist für seine eigene Weiterentwicklung.

Meine private Lebens- und Beziehungs-Geschichte:
Nach dem frühen Verlust meiner Mutter bekam ich eine Stiefmutter, einen Stiefbruder, eine Abschiebung ins Internat. Ich wurde Matrose der Handelsmarine, Offiziersanwärter im BGS, SanOA der BW und mit 28J Medizin-Student.

Die jahrelange Fremd-Bestimmung hatte meine Fähigkeit zu Selbst-Bestimmung und Selbst-Verantwortung verkümmern lassen. Selbst gewählte Beziehungen zu Männern und Frauen waren mir bis dahin unbekannt.

Gelernt hatte ich, zu gehorchen und zu befehlen, aber nicht, zufrieden stellend alleine zu leben und gut für mich selbst zu sorgen. So heiratete ich mit 30 die nächste Frau, hatte mit ihr trotz vieler Krisen zwei Kinder (1978/1988). Erst nach 18 Ehejahren traute ich mich den ersten schweren Schritt in die Selbständigkeit.

Nach sechs Jahren Beziehungs-Erfahrungen des Alleinlebens müde, heiratete ich mit 56 wieder zu rasch. Diesmal brauchte ich nur 3 Jahre, um mich zu trennen, und wagte den nächsten Schritt in die Selbständigkeit.
Meine tiefgreifende und fördernde Einsicht: „Besser spät als nie sich selbst und eine stimmige Beziehung finden.“

Jetzt habe ich ein Haus bezogen, verkehrsgünstig im Raum D-K-KR-MG, Wohnung und Praxis sind gewachsen. Aus meinen großzügigen & ruhigen Räumen auch für Gruppen & Seminare genieße ich den Blick weit in die Natur.

Patienten bestätigen mir die Wichtigkeit meiner besonderen Lebensgeschichte für ihre Akzeptanz meiner Aussagen: „Bei Ihnen fühlen wir uns gut behandelt, Sie haben selbst so viele schwierige Erfahrungen erfolgreich bewältigt.“
(s.: Patienten-Stimmen)
Facharzt für Psychosomatische Medizin, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalyse Milsch, Neuss | therapie.de

Abgesehen davon, daß ich der Psychoanalyse mit großer Skepsis gegenüber stehe, habe ich den Eindruck, daß dieser Therapeut für seine Patienten die Rolle der "großen Mutter" übernimmt, auch wenn er ein Mann ist.
Die Schuldzuweisung an die Mutter (vom Vater ist wieder einmal keine Rede) bleibt anscheinend bestehen, obwohl er doch viele Möglichkeiten in seinem abwechslungsreichen und auch leistungsorientierten Leben hatte, sich auf die eigenen Füsse und Entscheidungen zu stellen.

Einen Punkt erwähnt er gar nicht: daß es auch erbliche Anlagen gibt, die ein Mensch schon auf die Welt mitbringt. Systemisch gesehen mögen die auch mit der Familiengeschichte zusammen hängen, aber sie sind da und beeinflussen von vornherein auch ein Leben.

Grüsse,
Oregano
 
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14.08.10
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Hallo Oregano,
Danke für die Hintergrundinformationen .
Jetzt wollte ich gerade das analytische Durchleuchten endlich
etwas
wegpacken :D, um mich gleich wieder an dem Punkt zu finden, dass es doch immer nützlich sein kann,
über die Kindheit eines Therapeuten/ Menschen etwas zu erfahren,
um dessen Beweggründe für so manches besser nachvollziehen zu können.

Liebe Grüße von Felis
 

kopf

ich glaube ,es geht nicht darum ,jemanden zu verurteilen .
sondern sich bewusst zu werden ,was da seit zeiten manchmal abläuft und ja ,es stimmt , männer haben gut reden !

LG kopf .
 
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ich glaube ,es geht nicht darum ,jemanden zu verurteilen .
sondern sich bewusst zu werden ,was da seit zeiten manchmal abläuft
Hallo kopf :)
Stimmt, da hast du recht.

und ja ,es stimmt , männer haben gut reden !
Vielleicht manchmal?
Kommt halt dann doch auch wieder auf deren Erlebnisse an.
Ein alleinerziehender Vater redet wieder anders möglicherweise,
als ein Familienvater oder alleinstehender Mann.

Liebe Grüße von Felis
 

kopf

da ist ja einer der es wissen muss ,der Seelengott (grade vor kurzem bemerkte ich wieder massiv , die arbeiten sich selbst auf und nicht zu wenig , also vorsicht ). schon hier liegt das problem- Autorität,Dependenz !
ich wundere mich immer ,warum die mich angreifen ! jetzt weiß ich es !
ich bin niemandem Schaf !

eine gessellschaftsform ,jetzt und in vergangenheit ! wer bestimmt ,bestimmte diese form . sicherlich nicht die frau .
mein vater hat abends nie mit meiner mutter gesprochen .er sagte : "ich muss schon im Büro genug reden " und legte sich ca. 2 stunden ins bett , jeden abend !
wenn er kam ,hatte ich oft angst ! meine mutter hatte 3 kinder zu versorgen und oft sagte er zu ihr , beim heimkommen : " du liegst den ganzen tag mit dem arsch auf der couch "
kein wunder ,wenn ich mich nicht binden kann !




es ist verrückt ! niemals war ich dagegen schuld zu verteilen ,ganz im gegenteil . aber dies kann nur eine phase sein ,um dann eigenständig zu werden .
geschieht dieses so nicht ,ist die bleibende verbändelung nur offensichtlich .

oft denke ich ,meine mutter war genauso krank wie ich und nur zu gut weiß ich ,was das bedeutet .zu meinem Vater hab ich , Betreff : frühere Zeit , keine meinung ,weil es ihn so gar nicht gab ,in der Funktion !

LG kopf .
 
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10.01.04
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Das sind schlimme Erfahrungen, kopf...

Zum Themenkreis "Mütter sind immer schuld, Rabenmütter, Bestie Mutter, unsichtbare Väter" usw. passt auch dieser lange Artikel aus der ZEIT:

Eltern sind immer schuld | DIE ZEIT | DIE ZEIT Archiv | Ausgabe 43/1981

Zitate:

In seiner berühmten Selbstanalyse beschreibt Tilman Moser, was er empfand, als seine Mutter ihn in Pflege gab: „Wenn ich Mütter mit kleinen Kindern sehe und sehe, wie sie an ihnen herumkrabbeln dürfen, macht es mich manchmal fast rasend vor Neid.“

Kinder als Ersatzeltern

Daß die Ablehnung oder Verlassenwerden nicht immer so eindeutig erlebt wird wie in diesen Fällen, macht die Situation für das Kind besonders, undurchschaubar. Viele Menschen berichten fast in einem Atemzug von der überwältigenden Liebe ihrer Mutter und der häufigen Einsamkeit und Verlassenheit in ihrer Kindheit.

Was uns fehlt, um ihre Berichte zugestehen, ist die Geschichte ihrer Mutter. Wie war ihre Kindheit? Die Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter und Alice Miller haben dargestellt, wie Eltern (keineswegs nur Mütter), die als Kinder nicht genug Liebe erhalten haben, von ihren Kindern nun die früher versagte Zuwendung zu bekommen versuchen. Sie benutzen ihre Kinder als Ersatzeltern. Ihr Verhalten kann in der Tat so aussehen, als sei es besonders liebevoll....
... . Eltern sind auch Kinder, das Erlebnis ihrer eigenen Kindheit hat sie geprägt, aber nicht festgelegt. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern kann nicht an irgendeiner beliebigen Stelle der Entwicklung als Ist-Zustand festgehalten und retrospektiv für irgend etwas verantwortlich gemacht werden. Sie ist ein Prozeß, in dem keineswegs nur die Mutter oder der Vater agiert, sondern (von vielen anderen abgesehen) auch das Kind. Und ebenso ist es nicht nur das Kind, das reagiert. Auch die Eltern reagieren auf das Verhalten des Kindes.
...
Grüsse,
Oregano
 

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