Möglichkeiten, dem Trauma zu begegnen

Beitritt
18.05.07
Beiträge
642
Sehe ich auch so, dass es keinen Sinn macht sich einem Komplextrauma allein zu stellen. Das mit dem "Staffellauf" bezüglich Therapeuten finde ich sehr treffend formuliert und auch, dass man bei den Erstgesprächen immer wieder etwas retraumatisiert wird.
Ich bin jetzt bei Nr. 4, habe insgesamt über 100h Therapie erlebt, nur ein Therapeut war ein Mann. Mir scheint es nicht wichtig, welches Geschlecht der Th. hat, obwohl es heißt, dass man Probleme mit seiner Mutter, die ja meist ursächlich massiv beteiligt sind, mit einer Frau bearbeiten soll.
Mir haben alle etwas gegeben, aber nach einer Weile, meist gut 30h bei den Kassenth., waren sie mit ihren Methoden am Ende bei mir.

Ich hatte anfangs zwei Kassentherapeutinnen mit VT und EMDR, das waren aber nicht die Werkzeuge, die ich als komplexer Fall brauchte.
Erst seit ich selbst zahle und über Empfehlung aus dem Forum an den Therapeuten geraten bin, geht es voran. Er hat mich nach einer Weile "weitergereicht" an eine Therapeutin, mit der er und seine "schweren Fälle" sehr gute Erfahrungen gemacht hatten. Mit ihr arbeite ich seit einigen Wochen.

EMDR ist nach meiner Erfahrung nicht geeignet, wenn man durch seine Traumata bereits gravierende langjährige gesundheitliche Probleme hat und massive Heilungsblockaden vorhanden sind so wie es bei mir war. Meine Tochter hatte beides nicht und hatte gute Erfolge.
Eine EMDR-Therapeutenliste findet man z.B. unter https://www.emdria.de/therapeuteninnen/, Wartezeit meist ein Jahr bei Kassenpatienten. Da stehen auch die Schwerpunkte des Therapeuten mit drin und ob Kasse oder privat.

Meine Tochter kommt derzeit auch gut mit dem Emotionscode voran, der wegen meiner starken Blockaden auch nicht wirkte. Der E.code ist relativ unemotional für meine Begriffe, eingeschlossene Emotionen etc. werden "weggemacht", aber keinesfalls durchfühlt, was bei Komplextraumata aber anscheinend nötig ist.

Mich bei einer Aufstellung von anderen zur Verfügung zu stellen, käme mir nicht in den Sinn, weil ich schon genug mit meinen eigenen Gefühlen zu tun habe :). Ich hätte sicher hinterher auch Probleme gehabt wie Du, Alexo.
Ich habe selbst aufgestellt, aber nicht mit Fremden, sondern die Therapeutin hat sich auf die Matten gestellt. Mir fiel es selbst in diesem geschützen Rahmen sehr schwer mich emotional zu öffnen, mit Fremden wäre das gar nicht gegangen. Sie ist als Medium ausgebildet, kann sich also super zurücknehmen und ich kann mich auf das verlassen, was sie fühlt. Das ist bei Aufstellungen mit "Amateuren" nicht immer gegeben.

Daher war die Aufstellung eine große Hilfe für mich, es folgte ein tagelanger positiver emotionaler Overflow, den ich niemals erwartet hätte. Danach gingen Dinge, die vorher nicht möglich waren, z.B. das Verändern von Gedanken wie meine Tochter und Alexo es schon beschrieben hatten: Ängste tauchten wieder auf und ich konnte sie zum ersten Mal als Teil von mir akzeptieren, mental gegensteuern und musste meine wenige Energie nicht mehr sinnlos mit Abwehr verplempern.
Es ist wirklich unglaublich was passiert, wenn man endlich mal an die richtigen Werkzeuge und Behandler geraten ist. Dabei stehe ich erst am Anfang und staune jetzt schon.
 
Beitritt
26.07.09
Beiträge
4.410
Ich hab jetzt erst nochmal den Startbeitrag richtig gelesen ...
seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit den Folgen von Traumen und Traumata, hier insbesondere den Small Traumata und die folge von chronischem Stress.

Was mich interessieren würde, diese Tief im Gewebe abgespeicherten Erlebnisse noch anders zu behandeln. Vielleicht eine andere Form von energetischer Arbeit ?
Small Trauma oder auch Small-t-Trauma hatte ich noch nicht gehört,
hier kann man kurz etwas dazu lesen shop.auditorium-netzwerk.de/ Lutz - small-t-trauma
Als Traumata im weiteren Sinn (sog. Small-t-Traumata) bezeichnet Francine Shapiro die scheinbar weniger katastrophischen Ereignisse, die mit Schreck und Angst in Verbindung mit einem hohen Maß an bestürzender Beschämung, Peinlichkeit, tiefer Verunsicherung, vermeintlicher oder real hervorgerufener Schuld einhergehen und mit der gleichen Unausweichlichkeit wie die "großen" Traumata den Betroffenen widerfahren.
Hier im Thread wurde ja nicht weiter speziell dazu geschrieben, wenn ich das richtig sehe, eher über Big-T-Trauma - das Wort gibt's also auch, wohl nach Francine Shapiro.
 

mehr

mehr

mehr

mehr

Beitritt
29.09.13
Beiträge
2.281
Ich hab jetzt erst nochmal den Startbeitrag richtig gelesen ...

Small Trauma oder auch Small-t-Trauma hatte ich noch nicht gehört,
hier kann man kurz etwas dazu lesen shop.auditorium-netzwerk.de/ Lutz - small-t-trauma
Hier im Thread wurde ja nicht weiter speziell dazu geschrieben, wenn ich das richtig sehe, eher über Big-T-Trauma - das Wort gibt's also auch, wohl nach Francine Shapiro.
Ich schreibe eigentlich nicht über Schocktrauma, sondern eher über Komplex- und Entwicklungstrauma.
Diese bestehen oft aus vielen, chronischen s-Traumata und darüber schreibe ich auch. Diese Gruppe sehe ich auch hier eher vertreten. Die Therapie ist komplexer und anders.
 
Beitritt
26.07.09
Beiträge
4.410
Hm, ja, ein bisschen verwirrend für mich - wenn dann die Folgen von small-Trauma big-Folgen sind, ist das Ganze dann small oder big, also groß oder klein....ist vielleicht nicht so wichtig, hatte das vorhin nur so gelesen bei ArmesHaschel im ersten Beitrag hier.

.​
 
Beitritt
29.09.13
Beiträge
2.281
Gerd, die Bezeichnung Small ist unangemessen finde ich. Vor allem, da die Folgen tatsächlich langwieriger und schlimmer sind als vom einen, großen Knall und schwieriger zu beseitigen.

LG
 
Beitritt
26.07.09
Beiträge
4.410
....also irgendwie "nur ein kleines Unglück" oder eine "kleine Katastophe" :cool: aber ich muss das gar nicht weiter kritisieren, habe nicht bei Shapiro oder Levine gelesen, bzw nur ganz wenig mal durch Hinweise einer Freundin schon vor einigen Jahren.

.​
 
Beitritt
18.05.07
Beiträge
642
Francine Shapiro ist die "Erfinderin" von EMDR.

Ich sehe es auch so, dass die kleinen Traumata, derer wir alle ganz viele haben aus unserer Sozialisierungszeit, für die meisten von uns das Problem sind und hier auch besprochen werden.
 
Beitritt
29.09.13
Beiträge
2.281
Francine Shapiro ist die "Erfinderin" von EMDR.

Ich sehe es auch so, dass die kleinen Traumata, derer wir alle ganz viele haben aus unserer Sozialisierungszeit, für die meisten von uns das Problem sind und hier auch besprochen werden.
Ich finde das Adjektiv "klein" passt nicht zu Trauma.
 
Beitritt
26.07.09
Beiträge
4.410
Ich war bis Januar fast 4 jahre bei einer Traumatherapeutin (tiefenpsychologisch, imaginative Traumatherapie), Thema war da eher, dass ich das Gefühl hatte, da gibt es nichts "wirklich Schlimmes" in meinem Leben, und eben auch in der Kindheit, und die Eltern waren (gefühlt) auch nicht "schlimm" oder gar böse, nein - trotzdem ist mein Leben aber mit 19 Jahren eigentlich zusammen gebrochen und eine steile bergab-Karriere begann. Ich hab ja an anderer Stelle geschrieben, dass das Leben meines Vaters mit 19 in russischer Gefangenschaft "endete" und davor seinen "Höhepunkt" in der 10. SS-Panzergrenadier-Division hatte, mit 18 Jahren, 1944. Vielleicht hätte er doch besser "Zivildienst" gemacht :confused: hätte er ja mal vorschlagen können ......
 
Beitritt
29.09.13
Beiträge
2.281
Hat jemand die beiden bzw. eines der Bücher gelesen:
"Bessel Van der Kolk-Verkörperter Schrecken "
"Dami Charf-Auch alte Wunden können heilen " ?
Wenn ja, was haltet Ihr davon bezüglich Selbsthilfe etc.?
 
Beitritt
05.03.19
Beiträge
159
@Piratin

Das Buch von van der Kolk "Verkörperter Schrecken" habe ich mir besorgt und/ aber nur einen Teil davon gelesen, (da ich immer und überall beim lesen einschlafe) kann nur soviel sagen, dass er bis dahin hauptsächlich von den Vietnam- Veteranen schrieb und auch die psychischen Vorgänge in ihnen dadurch, beschreibt..... ich habe deshalb auch erst überlegt, ob ich Dir davon überhaupt schreiben soll, da sehr wenig Auskunft.....
Vielleicht hat aber doch noch Jemand noch mehr dazu zu erzählen.

Liebe Grüße

Marwie!
 
Oben