Herzratenvariabilitäts- (HRV-)/Herzkohärenz-Training gegen Stress

Interessantes und wichtiges Thema. Leider scheint es die meisten Patienten warum auch immer nicht zu interessieren. Vielleicht auch weil ohne Hintergrundwissen die vielen erhobenen Parameter schwierig zu verstehen sind?

Ich kann jedenfalls als kostengünstige und valide Möglichkeit empfehlen die HRV mittels dem Polar H10 Brustgurt und der Software Kubios selbst zu messen. Auch der Vergleich von Patienten untereinander wäre dann leichter möglich.

Warum der H10? Dieser Brustgurt schreibt ein 1-Kanal EKG und detektiert darüber auch die Herzrate. Man kann die Abstände der Herzschläge so sehr genau bestimmen (im ms-Bereich). Handgelenksgeräte, die mit optischen Verfahren arbeiten, sind da meines Erachtens zu ungenau, aber das wäre auch eine Sache, die man mal untersuchen könnte.

Warum Kubios? Kubios ist mehr oder weniger der Standard in wissenschaftlichen Studien. Es gibt für den Desktop-PC eine abgespeckte kostenlose Variante (reicht aber für unsere Belange vollkommen aus) oder auch eine App-Variante für Android.

 
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Vielleicht auch weil ohne Hintergrundwissen die vielen erhobenen Parameter schwierig zu verstehen sind?
Ja, ich vermute auch, dass das eine Rolle spielt. Ich hab's privat bezahlt bei einem funktionellen Mediziner, der dann leider kaum etwas dazu gesagt hat, was ich eigentlich für mein Geld erwartet hätte (das betraf aber auch die übrigen Untersuchungen). Ich hab's dann selbst mit der Interpretation versucht, fand es aber nicht einfach, die Begriffe auch einigermaßen gut zu "begreifen" (d.h. nicht nur abgelesene Beschreibungen auswendig zu lernen o.ä.). Es sah nicht so schlimm aus, aber durchaus verbesserungswürdig und auch passend zu gewissen "Stress-Symptomen" (bin "COMTesse" ;)/Trägerin einer homozygot eingeschränkten COMT).

Danke auch für Deine Empfehlung. Wie ich sehe, gibt es für ältere Versionen (zuletzt Version 3.5.0 vom Mai 2021) auch Linux-Varianten. Es scheint alles auf englisch (die Entwickler sind Finnen) zu sein, was es etwas schwieriger für manch einen macht. Siehe: https://www.kubios.com/download/

Den H10 gibt es offenbar (Kurzrecherche) neben den fast 90 Euro Normalpreis auch ab ca. 60-70 Euro. Das kann man sich schon überlegen, wenn man es mit den Kosten für das HRV beim Arzt vergleicht - zumal es ja meist nur Sinn macht mit Verlaufskontrolle.
 
Hier auch interessant:
Von bunten VNS-Analysen (VNS=Vegetatives Nervensystem =ANS=Autonomes NS) bei Privatärzten und Heilpraktikern oder in teuren Geräten mit Apps für den Heimgebrauch sollte man im Übrigen tunlichst die Finger lassen, oder eben ohne größeres Gesamtbild keinen Deut auf deren Ergebnisse geben, da diese:
  1. nur die Herzfrequenvariabilität (HRV) für das SNS messen aber nicht die respiratorische Aktivität als unabhängiger Marker des PNS. Also keine absoluten Ergebnisse zu SNS und PNS sondern nur deren Verhältnis gegeben werden.
  2. selbst diese Messung nur in einem strikten Atemfrequenz-Bereich (z.B. 9-14/Min) verlässlich sind und es bei langsamerer oder schnellerer Atmung zur Interferenz kommt.
Entsprechend können auch diese Atmungsanweisungen für HRV-Resonanz meistens völliger Mist sein. Da diese einfach nur die messtechnische, nicht aber die biologische/physiologische Verbesserung anzeigen.
Zu bunten Neurotransmitter-Laboranalysen gilt das Gleiche.

Danke, @Granit, für diesen tiefschürfenden Beitrag. Ich hatte bisher auch nicht den Eindruck, dass die üblichen HRV-Analysen so wirklich weiter helfen - zum Teil eben deshalb, weil sich zu viele Einflüsse überlagern. Ich habe mich allerdings nicht tiefer damit befasst. Falls Du dazu mehr schreiben magst: Bitte gern.
 
@Kate Dass HRV ohne gleichzeitige Erfassung der Atmungs-Aktivität keine gute Methode sei wurde an der Universität Harvard schon vor etwa 30 Jahren festgestellt. Für Erkenntnisgewinn bloß aus HRV muss die Studiengruppe sehr gut vorselektiert werden. Das verträgt sich nicht mit Patienten mit unbekannten und völlig durchmischten Krankheitsgeschehen.
Die zitierten GOÄ-Vorgaben mit Beschränkung auf kardiovaskuläre Ableitung geben da sicherlich keine Änderungsimpulse.

In den USA sind die ANS (P&S) Geräte von z.B. PhysioPS und VitalScan ANS+ von der FDA als medizinische Geräte zur Diagnostik formal zugelassen. Die erfassen sowohl Herzfrequenz (LFa) und respiratorische Aktivität (RFa). Die Verwendung könne über die meisten US-Krankenversicherungen abgerechnet werden.
Verortet sind diese dort meistens bei Kardiologen oder Neurologen. Gehören aber vom Sinn und Zweck auch in die Innere Medizin, (Neuro)-Endokrinologie und Diabetologie, Gastroenterologie und Geriatrie.

In DACH sind, wie im anderen Thread geschrieben ausnahmslos alle solchen seriösen ANS in circa einem Dutzend neurologischen Ambulanzen angesiedelt.
Entscheidend ist eben immer, dass eine respiratorische Aktivität miterfasst wird. Statisch in Ruhe und im Stehen und dynamisch auf Tiefenatmung-Stimulation zur Stimulation des PNS und kurze Valsalva-Manöver oder Aufstehen zur Stimulation des SNS.
Dauere gerade einmal circa 15 Minuten insgesamt.

Die weiter oben im Thread verlinkten Anbieter vnsanalyse und kubios bieten das nicht. Bei Kubios gibt es nur die optionale Möglichkeit, die Atmungfrequenz indirekt und ungenau via PPG (Photoplethysmogramm) einzubinden, also diese kleinen Fingerspitzen-Photomessdioden, d.h. die üblichen Pulsoximeter.
Wer solche Fingerspitzen-Geräte kennt, weiß, dass die nicht sehr verlässlich dafür sind, keine Atemfrequenzen <12/Min erkennen können und vor Allem auch nur in Ruhehaltung ohne Bewegungen funktionieren.
Die weiter oben im Thread verlinkten BioSign beinhalten nur bei der HRV-Scanner plus Variante eine Atemmessung per Gurtsensor. BioSign erwähnt außerdem ausdrücklich die Anwendung für Tiefenatmungs-Test, Valsalva- Manöver und Liegen/Stehen. Das könnte also geeignet sein. UVP 7475.-€ Setpreis laut Webseite.

Zum Teil gibt es noch weitere, spezifische Ergänzungen wie Fingerspitzentemperaturmessung als Marker peripherer Durchblutung (oft in Verbindung mit Biofeedback), Hautfeuchtemessung an verschiedenen Arealen auf (unmerklichen) Eletroimpuls hin usf. für die detaillierte Erfassung sudomotorischer (Schwitzen) Nervenenden und Small-Fibre-Neuropathien und vieles andere. Da am Besten mal bei den Leistungsspektren der verlinkten Funktionslaboren, z.B. an der UK Dresden sehr interessant, reinspicken.
 
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