... Die Daten sprechen dafür, dass verheiratet zu sein – anders als bislang angenommen – kein Schutzfaktor gegenüber Demenz ist, sondern tendenziell ein Risikofaktor dafür. Aber warum zeichnen die aktuellen Daten ein so gegensätzliches Bild zu früheren Untersuchungen?
Eine naheliegende Erklärung ist der Klassiker der Statistik: Korrelation vs. Kausalität. Die Forscher betonen zu Recht, dass ihre Resultate nicht zwingend bedeuten, dass eine Ehe schädlich ist. Es könnte auch sein, dass Demenz bei Verheirateten einfach früher erkannt wird. Der Ehepartner oder die Ehepartnerin bemerken möglicherweise erste Anzeichen wie Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit oder leichteste Verhaltensänderungen schneller und drängen dann auf eine ärztliche Abklärung. Unverheiratete – vor allem Alleinlebende – haben seltener ein solches ‚Frühwarnsystem‘, was zu verspäteten Diagnosen führen könnte. Tatsächlich zeigten sich in der Studie Hinweise darauf, dass verwitwete Personen erst in fortgeschrittenem Alter und dann mit schwereren Symptomen diagnostiziert wurden.
Ein Gedanke, zu dem in der Studie leider nichts zu finden ist, ist der mental load der Ehepartner. Damit ist gemeint, dass Partnerinnen häufig für ihre Männer mitdenken und deshalb eine größere kognitive und emotionale Bürde tragen. (5, 6) Es gibt hinsichtlich des mental loads nun zwei Szenarien, die theoretisch einen Einfluss auf das Demenzrisiko haben könnten: das Mitdenken könnte die Damen kognitiv fit halten und ihre Männer kognitiv reduzieren – oder aber das ständige Mitdenken macht den Frauen im Alter zu schaffen. Liest man die Daten, die im Anhang der Studie fast versteckt sind, so kann man sehen, dass eine Ehe größere Effekte auf die Hazard Ratio für Männer hat als für Frauen. Sprich: Für die Männer in der Studie war ein Ehering besonders unvorteilhaft hinsichtlich des Demenzrisikos. Für die Frauen war der Unterschied geringer – was für erstere These spräche. Für belastbare Aussagen braucht es hier jedoch noch viel mehr Forschung. ...