Die Sprache Shakespeares - nicht für jeden!

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Auf ein Wort | 14.01.2008 18:20 Uhr
Shakespeare für Schäferhunde

In der friedlichen englischen Grafschaft Derbyshire ist es neuerdings vorbei mit der Ruhe. Bobbies bellen lautstark Befehle: "Fass! Sitz! Aus!" Töne wie man sie sonst nur von teutonischen Schurken in schlechten Hollywoodfilmen hört. Doch in der Grafschaft wird kein Film gedreht. Gebrüllt wird im Interesse der öffentlichen Sicherheit: Deutsche Schäferhunde sollen lernen, zu parieren. Nun liegt das dem Schäferhund quasi im Blut, weshalb die Briten etliche Exemplare dieser vorbildlichen Rasse importierten. Schäferhunde waren auf der Insel so knapp, dass die Polizei von Derbyshire sich genötigt sah, in einer Berliner Zucht einzukaufen. Womit das Unglück für die Bobbies begann.
Rex, Hasso oder wie immer sie heißen, zeigten sich im Fach Fremdsprachen äußerst lernschwach. Sämtliche Versuche, sie mit "Lie down" oder "Go for it" an die Arbeit zu treiben, quittierten die Berliner Vierbeiner mit Unverständnis und ignorierten die Kommandos komplett.
Weil weder die Androhung von Beförderungsstopp noch andere disziplinarische Maßnahmen erfolgversprechend waren, gaben die Ordnungshüter schließlich nach - und lernten Deutsch.
Man darf unterstellen, dass sie das nicht ganz ohne Vergnügen taten. Sozusagen mit diebischer Freude. Falls man das über einen Polizeibeamten sagen darf.
In einem Land, das Vokabeln wie "Angst", "verboten", "Herrenvolk" und "Lebensraum" als Germanismen in seine Sprache übernommen hat, lässt sich eine gewisse Freude daran vermuten, deutsche Klischees zu parodieren. Der Hang zum Militärischen gehört dazu, und dann brüllt man doch gerne mal im Kasernenhofton pflichtbewusste Hunde an. Darf man das doch endlich mal ungestraft machen.
Der berüchtigte britische Humor ist ja für seine politische Unkorrektheit bekannt, man denke da an Prinz Harry, der zu einer Kostümparty in Nazi-Uniform kam. Den Polizisten ist zuzutrauen, ihre Hunde Adolf oder "mein Führer" zu nennen und ihnen Befehle zu erteilen wie "Blitz" oder "Angriff".
Das sind natürlich nur böse Klischees.
In Wahrheit sind die Berliner Schäferhunde Boten der deutsch-englischen Verständigung. Denn liebevoll und aufmerksam widmen sich die britischen Bobbies der Spracherziehung ihrer germanischen Gastarbeiter. Sie trainieren die wahrscheinlich ersten bilingualen Vierbeiner Europas: Denn die Polizisten rufen nun jeden Befehl erst auf Deutsch, dann auf Englisch. So sollen die Tiere langsam an die Sprache ihrer Majestät herangeführt werden. Von Kommandos wie "Let go" bis zu - gerade für Hunde heiklen - Gebrauchstexten wie: "This is Tibby. Tibby is a cat." Wie man hört, sind die Bobbies dabei so geduldig wie einst Professor Higgins mit dem Blumenmädchen Eliza Doolittle im Musical My Fair Lady.
Als nächstes auf dem Lehrplan für My fair Doggy folgen die Detektiv-Geschichten des Sherlock Holmes, eine für Polizeihunde überaus nützliche Lektion. Am Abend dann sitzen deutscher Hund und englischer Bobby in trauter Zweisamkeit auf dem Sofa und schauen Kriminalserien wie "Für alle Fälle Fitz" oder Miss Marple - im Original, versteht sich. Wenn sie nicht gerade im Theater sind und sich Shakespeares Königsdramen ansehen - da geht es um Mord und Totschlag, also irgendwie auch um Fälle für die Polizei.
Aber was tun Herr und Hund, wenn die Spracherziehung abgeschlossen ist und sie dienstfrei haben? - Dann findet man sie in Derbyshires lieblicher Landschaft, wo die großartige bilinguale Freundschaft begann. Herrchen rezitiert Shakespeare für Schäferhunde: Thou art more lovely and more temperate... Und endlich sind all die sprachlichen Unstimmigkeiten zwischen den Nationen vergessen. Und wenn der Mond aufgeht, hört man ein sanft geflüstertes "Harro, fass".

Autor: Lena Bodewein

Stand: 14.01.2008 18:03 Uhr
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