Die Herdprämie

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Ach wie schön war es damals, in der Steinzeithöhle und auf der Ritterburg. Damals war alles noch klar. Da war der Mann ein Mann und die Frauen wussten, wo sie hingehörten :D

Auf ein Wort | 15.01.2008 18:20 Uhr
UNWORT DES JAHRES: HERDPRÄMIE

Eigener Herd ist Goldes wert! Der Herd, das war einmal der Mittelpunkt von Küche und Familie, die drum herum saß und - von der zahnlosen Oma bis zu den zahllosen Enkeln - ihr kärgliches Brot in die klägliche Suppe tunkte. So was gibt es heute nur noch in Doku-Soaps aus dem Schwarzwald und in den Köpfen von CSU-Patriarchen, selbst wenn die unter dem Arm den Laptop tragen.

Die Mitglieder der Patchwork-Rotte von heute streunen einzeln oder in Grüppchen marodierend durch die Küche, in der Mutti räudige Pizza-Baguettes aus der Mikrowelle zaubert. Wer da noch in der heimischen Küche bleibt, egal ob da ein Kreuz oder Madonna an der Wand hängt, und nicht freiwillig ausreist in die Raucherkneipe, der hat eine Prämie verdient - finden verdiente Politiker und Bischofshut-Aufhaber südlich des Mains. Finde ich als miterziehender Papa übrigens auch.

Nur am Begriff für so ein Handgeld stoßen sich sowohl konservative Familienpolitiker, als auch die sonst gar nicht so konservativen Geister um Professor Schlosser von der Unwort-Jury. Herdprämie, das sei eine Diffamierung von vor allem Frauen, die ihre Kinder zu Hause groß ziehen, statt einen Krippenplatz zu beanspruchen.

Und was ist mit Männern?, wenn ich mal zaghaft fragen darf. Und was ist mit Mamas oder Papas, die ihr Kind gerne in eine Krippe gäben aber keinen der immer noch rar gesäten Plätze finden und daher Stütze für den eigenheimischen Wickeltisch haben möchten? Sind das Herdprämienabstauber? Und überhaupt: Krippen gab´s im Osten flächendeckend, da ging es um planerfülltes kollektives Auf´s-Töpfchen-gehen. Wer heute aus pädagogischen Gründen seinem Sprösschen ganztags Nestwärme geben will, ist der ein Feind von Fortschritt und Emanzipation?

Sie sehen, es steckt viel Zündstoff in der Herdprämie, nicht nur für den immer wieder auflodernden Streit in der Union zwischen Traditionalisten (Frauen gebärt und betet!) - und Modernisierern (Frauen gebärt und macht Karriere!). Ich als Vater finde, jeder, der sich auf das große Kinder-Abenteuer einlässt, verdient Unterstützung, sei es als Krippenplatz oder Geld stattdessen. Da ist es wurscht, ob es "Herdprämie" heißt, "Gluckengehalt", "Aufzuchtprämie" oder christlich-politisch korrekt "Betreuungsgeld" - Hauptsache her mit der Kohle für Mutti und Vati! Und alles wird Knut.

Autor: Erik Heinrich

Stand: 15.01.2008 16:55 Uhr
Auf ein Wort | 15.01.2008 18:20 Uhr
UNWORT DES JAHRES: HERDPRÄMIE

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Leòn
 
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Ich fand das Unwort dieses Jahr ziemlich lasch, muss ich sagen.
Der Begriff als solcher ist für mich kein Problem, sicher das ganze Drum-Herum undsoweiter.
Aber statt "Humankapital", "Freiwillige Ausreise" usw hat man letztes Jahr echt ein ziemlich banales Wort gefunden.
"Klimaneutral" war auf dem zweiten Platz und "entartet" auf dem dritten. Für mich hätte es interessante Begriffe gegeben: "Klimakatastrophe" oder "Gefährder" oder "Geruchsproben" oder "Quasi-Verteidigungsfall".

Unwort des Jahres - Informationen zu einer sprachkritischen Aktion
 
Hallo Oli,
das kommt sicher drauf an, aus wessen Perspektive das Wort betrachtet wird ... dann kann es schon eine ganz schöne Brisanz entfachen! ;)

Herzliche Grüße von
Leòn
 

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