Verstehe ich nicht ganz, was hat genau beim Laktosetest reagiert? H2 oder Methan erhöht?
Es war kein Laktosetest. Es gibt Atemtests auf Laktoseintoleranz, falls du das meinst, das ist aber ganz was anderes. Laktulose ist was anderes als Laktose (auch wenn es verwandt ist bzw. Laktulose anscheinend irgendwie aus Laktose entstehen kann).
Es gibt bei ihrlabor einen Atemtest auf H2/Methan und einen auf H2S (letzterer ist neu, gibts seit Juni 2025). In den USA benutzen sie andere Tests, da gibts z.B. den Triosmart, der misst alle 3 Gase gleichzeitig. Bei ihrlabor entscheidet man sich also, ob man H2&Methan oder H2S machen will (man muss, wenn man alle beide Tests will, 2 Wochen Abstand halten), und dann entscheidet man sich, ob man als Substrat dafür Glukose oder Laktulose nehmen will. Beide Substrate haben ihre Vor- und Nachteile und sind auch beide heftig umstritten in der "SIBO-Szene" (es gibt viele Videos auf youtube, sowohl Interviews mit Dr. Mark Pimentel, der die "SIBO" überhaupt erst "entdeckt" hat und dazu forscht und die Rifaximin&Neomycin Therapie entwickelt hat, als auch von anderen SIBO-Therapeuten (Dr. Siebecker, etc.), die da verschiedene Vor- und Nachteile ins Feld bringen. Z.B. Glucose: wird schnell vom Dünndarm resorbiert, wenn die SIBO weiter unten sitzt, kann der Test falsch negativ sein oder weniger hoch anschlagen. Wenn z.B. Methanogene überhaupt erst im Dickdarm sitzen, schlägt der Glukosetest oft gar nicht auf Methan an. Lactulose: wird nicht resorbiert, läuft also durch, auch was weiter unten sitzt, wird registriert bzw. taucht in den halbstündig abgegebenen Atemproben auf. Der Glukosetest dauert 2 Stunden, der Laktulosetest 3 Stunden.
Auf was ich reagiert hab: Beim ersten Test im August war nur Methan erhöht (64ppm, alles über 10 ist positiv) - allerdings war der Methanwert schon VOR dem Trinken der Glukose so hoch und erhöhte sich dann nicht mehr! Wasserstoff war bei 11ppm (scheint komplett normal zu sein, kann aber so niedrig gewesen sein, weil die Methanogenen alles Wasserstoff schon in Methan umgewandelt hatten).
Das bedeutet, das Methan war noch vom Vortag da und man kann nicht sagen, ob im Dickdarm oder Dünndarm, weil bei den Messungen alle 15 bzw. 30 Minuten nach Glukosegabe keine Reaktion mehr stattfand. Da hätte man am Vortag messen müssen, als das Methan so hoch anstieg, bzw. reagierten die Methanogenen (eigentlich ihre "Partner, die H2 für die Methanogenen produzieren) nicht auf die Glukose - entweder, weil Methan schon so hoch war, dass nichts mehr umgewandelt werden konnte in diesem Milieu, oder weil die Glukose zu schnell resorbiert wurde, um von den H2-Produzenten verstoffwechselt zu werden, oder - meine Vermutung - meine Dünndarm-Residenten nicht auf Glukose reagieren, sondern auf komplexe Kohlenhydrate (z.B. kriege ich von Zucker und Weißmehl oder weißem Reis keine Blähungen und Krämpfe, von Ballaststoffen aber schon).
Beim zweiten Test vor 2 Monaten bekam ich Laktulose und ich hielt die Diät am Vortag strenger ein, damit nicht wieder schon der Ausgangswert vor Substratgabe erhöht ist. Sie sagten mir dort vor Ort, der Methanwert sei schon wieder leicht über der Grenze, ich solle den Mund lange mit Wasser gründlich ausspülen und wiederkommen. Danach war der Methanwert knapp unter der Positivgrenze und sie gaben mir die Laktuloselösung. Diesmal stieg Methan nur auf 23ppm, dafür aber Wasserstoff auf 25ppm an. Also war diesmal beides positiv, Methan dafür aber sehr viel niedriger als beim ersten Test. Der Anstieg war relativ kontinuierlich, aber das Maximum war nach etwa 2 Stunden erreicht. Das heißt, die meisten methanogenen Archäen und Bakterien sitzen im unteren Dünndarm oder am Übergang zum Dickdarm, oder - laut Arzt - überhaupt erst im Dickdarm (was ich nicht glaube, da meine Verdauung sehr langsam ist und ich meine Blähungen so um den Bauchnabel herum habe).
Schwefelwasserstoff dürfte was anderes sein? Wie wird der genau getestet?
Ja, Schwefelwasserstoff ist ganz was anderes. Den Atemtest auf H2S gibt es erst seit Juni 2025 in ihrlabor. Davor konnte man den nicht testen. Man konnte bloß im Mikrobiomtest schauen, wie viele "Desulfo"-Bakterien man hat und auf dieser Basis hypothetisieren, ob Schwefelwasserstoff ein Problem ist. Die Sache mit H2S-SIBO ist, dass sie die schlimmsten Symptome macht von allen, H2S extrem giftig ist (Methan aber auch, Ammoniak natürlich extrem, und die Lipopolysaccharide von gramnegativen Bakterien natürlich auch), gehirngängig ist und massiv Brainfog und neurologische Symptome auslösen kann. In sehr geringen Mengen ist H2S normal und wird auch für bestimmte Prozesse im Darm gebraucht. Aber nicht im Dünndarm und nicht in rauhen Mengen. Der Test läuft genauso ab wie der Wasserstoff/Methan-Test. Man trinkt die Zuckerlösung und misst den Atem alle 15 Minuten am Anfang und dann alle 30 Minuten, 2 oder 3 Stunden lang (H2S hab ich noch nicht gemacht, daher weiß ich nicht genau, ob 2 oder 3 Stunden).
Die genaue Zusammensetzung der Bakterien im Dünndarm muss man zur Therapie nicht genau wissen. Bei Imo weiß man, dass das die Archaen sind, die im Dünndarm Methan produzieren, bei H2 ist das wohl komplexer, aber auch da gibt es jedenfalls Mittel wie Rifaximin etc., die auf jeden Fall wirken, wenn auch leider nicht immer ausreichend.
Genau das, was du schreibst, wird eben immer behauptet, und hat mir auch mein Arzt, der mir Rifaximin und Neomycin gab, so gesagt. Und genau dem will ich hier grundlegend widersprechen. Das war nämlich bei mir eben nicht der Fall. Die beiden Antibiotika haben meine SIBO und IMO massiv verschlimmert und ich hatte danach Symptome, die ich davor nicht hatte, und die waren extrem schlimm. Vor dieser Therapie war ich trotz Long Covid und CFS schon in der Lage, Lauf-Geh-Intervalle zu machen und konnte die Laufintervalle steigern. Nach der Therapie vertrug ich plötzlich überhaupt kein Essen mehr, nicht mal low-fodmap und hatte nach jedem Essen schlimmste Krämpfe, und Verstopfung so schlimm, dass ich nur einmal pro Woche aufs Klo konnte und nur mit Abführmitteln, und die wirkten auch nicht gut. Der Darm stand komplett still und es bewegte sich nichts mehr. In den Monaten seitdem habe ich 10 Kilo abgenommen und kämpfe gegen die zusätzlichen Symptome und bin noch immer nicht auf dem Stand von vor der Therapie. Ich bin seitdem 90% hausgebunden und an manchen Tagen kann ich überhaupt nichts mehr machen, komme kaum vom Bett aufs Klo. Ich habe Zitterattacken und starke Muskelzuckungen, ganz schwache, weiche Beine und die ganzen Symptome, die ich vor der Therapie hatte, sind ebenfalls noch da. Es ging mir also nur schlechter durch diese Therapie, und kein Stück besser.
Meine Vermutung ist, dass eben nicht genug darauf geachtet wurde, dass ich die "typischen" SIBO-Keime eben NICHT habe, gegen die man Rifaximin & Neomycin gibt, und deshalb diese Therapie auch nicht wirken konnte. Sie hat mir wahrscheinlich genau die paar "guten", die ich noch hatte, dezimiert oder ausradiert und die Mundkeime, antibiotika-resistenten Bodenkeime und den MS-Keim nicht angegriffen. Da sie massive Verstopfung bei mir ausgelöst hat, die ich davor - trotz 64ppm Methan! - NICHT hatte, ist anzunehmen, dass die Archäen noch gewachsen sind statt zurückgingen. Offenbar wurden biologische Nischen frei, wo die sich noch besser durchsetzen konnten.
Mein Fazit: es ist ein großer Fehler, anzunehmen, dass jeder mit SIBO dieselben Keime hat und einfach ohne zu schauen, was genau los ist, "blind" die beiden Antibiotika gibt und einfach "hofft", dass es schon die richtigen Keime angreifen wird. Ist in meinem Fall total nach hinten los gegangen. Seit August, also seit 7 Monaten bin ich nun daran, die Symptome, die durch die AB-Therapie bei mir verursacht wurden, in den Griff zu kriegen und bin immer noch nicht am Stand von davor.
Da ich Imo habe und leider nach 2 Jahre Ruhe wieder ein Rückfall, ist das eben nicht nur ein Dünndarmproblem, sondern die Archaen müssten auch im Dickdarm reduziert werden.
Ja, das stimmt. Wobei ich denke, wenn sie im Dünndarm sitzen, ist das Problem noch massiver, denn das Gas im Dünndarm kann nicht entweichen, was zu heftigen, sehr schmerzhaften Krämpfen führt, die mich oft tagelang ans Bett und die Wärmeflasche fesseln und die Lebensqualität extrem beeinträchtigen. Die Giftgase im Dünndarm können sehr leicht in die Blutbahn und ins Nervensystem gelangen, haben von dort systemische Wirkung. Der Dickdarm hat nicht so viele Rezeptoren wie der Dünndarm, um Stoffe daraus systemisch aufzunehmen. Im Dünndarm fressen einem die Keime auch die Vitamine und Nährstoffe weg, um sich davon zu ernähren oder zu regenerieren (z.B. die ganzen NEMs für meine Mitochondrien, die ich eingenommen hatte, Lecithin, B-Vitamine, etc.), oder schlimmer noch, sie bauen daraus giftige Metaboliten (Indol, Skatol aus Tryptophan, Ammoniak aus Aminosäuren). Das ist im Dickdarm ein weniger großes Problem, da im Dünndarm die meisten Nährstoffe schon resorbiert wurden, und nur das, was dann noch in den Dickdarm kommt, dort von den Bakterien verstoffwechselt werden kann. Entstehen dabei giftige Metaboliten, können sie über die Dickdarmschleimhaut nicht so leicht ins System gelangen wie im Dünndarm. Zusätzlich schützen dort die Butyratproduzenten die Schleimhaut vor den Reizungen durch diese Metaboliten. Im Dünndarm hingegen gibt es keine Butyratproduzenten (und sollten auch keine sein).