Angst

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Wer hat Angst? Was ist Angst? Was bewirkt Angst? Wer schürt Angst und wer profitiert davon?

Sprichwörter wie: Angst zieht an, und Angst essen Seele auf! sind deutliche Aussagen.

Brauchen wir überhaupt Ängste oder sind sie lediglich Sand im Getriebe?
Und bestehen möglicherweise Zusammenhänge zwischen Angst und Krankheit im Sinne von Ursache und Wirkung?

Ich freue mich auf einen bereichernden Austausch persönlicher Meinungen und Erfahrungen weit weg von psychologischen Deutungen - einfach aus dem Bauch heraus, dort wo man sie ja auch spürt.

Bis bald - herzlichst - Phil
 
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Nur so nebenbei: "Angst essen Seele auf" war ein Film von Fassbinder ...

Grüsse,
Uta
 

Bei Depressionen kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Eine Depression ist ein Symptom, welches eine Ursache hat. Das alleinige Wissen, warum man depressiv ist, hilft nur bedingt, weil dies ein bewusster Prozess ist und das Problem nicht löst. Aber die im Unterbewusstsein gespeicherten Emotionen und belastenden Ereignisse, die zur Depression geführt haben, können mittels der aufdeckenden Hypnosetherapie gelöst werden.

Die Hypnosetherapie ist ein natürlicher Weg zu mehr Eigenstärkung, zur Wiederherstellung der Balance und zur Lebensfreude.
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Danke Uta,
wusste nicht woher ich das hatte, den Film hab ich nicht gesehen, der Titel ist mir geblieben.

Gruss - Phil
 
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Hallo Phil,

Angst schnürt die Kehle zu
Angst macht einen handlungsunfähig
Angst fährt die Adrenalinzufuhr hoch
Angst erhöht die Wachsamkeit
eigentlich ein Zustand, höchster Alarmbereitschaft und bereit zum Überlebenskampf.
Vielleicht ist das der Sinn der Angst, der Körper signalisiert einen Ausnahme- zustand bzw. zwingt einen sich mit bestimmten Themen oder Zuständen auseinanderzusetzten.
Angst zerstört das innere Gleichgewicht, und der Körper ist bestrebt es wieder herzustellen.

Gruß Kerstin
 
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19.03.06
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phil schrieb:
Danke Uta,
wusste nicht woher ich das hatte, den Film hab ich nicht gesehen, der Titel ist mir geblieben.

Gruss - Phil
Mit Brigitte Mira in der weiblichen Hauptrolle ... ein Super - Film!

Wie schön, dass Uta wieder da ist ... hatte mir ja fast schon Sorgen gemacht!:)

Hallo, Phil,

nach Fritz Riemann (Grundformen der Angst) tritt Angst als Reaktion auf Prinzipien auf, die er (Riemann), sowohl im naturwissenschaftlich - physikalischen Bereich als auch im menschlich - psychischen und sozialen Leben wahrnimmt.

Rotation (Drehung der Erde um sich selbst), Revolution (Erde bewegt sich um die Sonne herum), Schwerkraft und Fliehkraft.

Der Rotation der Erde entspricht der Wunsch des Menschen nach Induviduation,
der "Revolution" der Wunsch des Menschen nach Einordnung, nach Gesellschaft.
Der Schwerkraft entspricht der Wunsch des Menschen nach Beständigkeit und Dauer und der Fliehkraft das Streben nach Neuem, nach Veränderung.

Der Mensch ist also vier Grundanforderungen ausgesetzt, die sich zwar wiedersprechen, jedoch sich gegenseitig ergänzen und nur in ihrer Gesamtheit, mit ausgewogenen Anteilen, eine "harmonische" Persönlichkeit ergeben.

Diesen vier "Forderungen" - so Riemann - sind vier Grundängste jeweils entgegengelagert. Dem ersten Prinzip, dem Individuationswunsch, steht die Angst vor Vereinsamung gegenüber.
Dem Zweiten, dem Wunsch nach Gesellschaft und sozialen Bezügen, steht deie Angst gegenüber, "vereinnahmt" zu werden, das "Ich" zu verlieren.
Der dritten Forderung, der nach "Schwerkraft" steht die Angst vor Veränderung und dem vierten Prinzip der Fliehkraft, die Angst vor der Erstarrung, des Unveränderbaren.

Jetzt zitiere ich zusammenfassend Riemann:
(Vier Grundformen der Angst)
"1. Die Angst vor der Selbsthingabe, als Ich - Verlust und Abhängigkeit erlebt.
2. Die Angst vor der Selbstwerdung, als Ungeborgenheit und Isolierung erlebt.
3.Die Angst vor der Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt!
4. Die Angst vor der Notwendigkeit, als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt."


(Zitiert aus: Riemann, Fritz: "Grundformen der Angst", 1961/ 1998, Reinhardt Verlag, München; S. 15)

So weit mein Beitrag zum Thema.
Herzliche Grüße an alle.

León
 
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Grüss euch,
und danke für die Wortmeldungen. Die Riemann'sche Aufstellung kommt mir irgendwie bekannt vor, nicht dass sie mir bisher bekannt gewesen wäre. Interessant daran finde ich die Analogien, die Angst quasi als Resonanz zur Bewegungen des Planeten und seiner Sonne, bzw. Schwerkraft und Fliehkraft.

Könnte es sein, dass Angst ein Steuerungsmechanismus unserer guten alten Mutter Erde ist, damit wir nicht übermütig werden? Die Idee ist nicht uninteressant.

Aus den Archetypen der Seele kommt eine eigene Aufstellung der Ängste:
Selbstverleugnung - Angst vor Unzulänglichkeit: unterwürfig / bescheiden
Selbstsabotage - Angst vor Lebendigkeit: selbstzerstörend / aufopfernd
Märtyrertum - Angst vor Wertlosigkeit: selbst bestrafend / selbstlos
Starrsinn - Angst vor Unberechenbarkeit: verbissen / entschlossen
Hochmut - Angst vor Verletzt werden: selbstgefällig / stolz
Ungeduld - Angst vor Versäumnis: unduldsam / waghalsig

Meiner Ansicht nach, ist Angst der Hauptgrund für Krankheiten. Einerseits die physisch motivierten Ängste, wie sie beispielsweise Riemann beschreibt und andererseits die kultivierten Ängste, die aus Erziehung, Moralvorstellungen, dem Sozialisationsprozess stammen, also nicht Artspezifisch, sondern menschgemacht sind.

Tatsache ist, beide Arten beeinflussen unsere Lebensqualität weit mehr als wir es uns bewusst sind. Und das wird wohl auch gezielt ausgenutzt. Immerhin, auf die Darmtätigkeit hat Angst einen ganz zügigen Einfluss. Was kann man also tun, seine Ängste zu bewältigen?

herzlichst - Phil
 

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Vor Jahren habe ich mal etwas ganz Verrücktes gedacht: Angst ist die Bedingung, damit Menschen auf dieser Welt überhaupt existieren können.

Paßt das irgendwie in Eure (León, Phil) Aussagen?

Ich meine, mein verrückter Gedanke hat auch eine andere Seite: Angst könnte die Eintrittskarte sein, um hier im Prozeß der Entwicklung überhaupt mitmachen zu können.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt: wenn Angst die Energie der Liebe reduziert, könnten Wesen, die mit Angst infiziert sind, hier Unten Lieben lernen, bzw. müßten sich mit ihren Ängsten konfrontieren und sie auflösen. Das ist Quatsch, oder?

Hilfe Wolfgang

PS. Als Kind konnte ich jedenfalls lieben, dann kamen Deformierungen durch die Anderen, dann suchte ich nach meinen Ängsten, wollte mich befreien von dem Übel, dann ..., tscha, schauen wir mal.
 
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Hallo Wolfgang,

Dein PS. ist bemerkenswert: "Als Kind konnt ich jedenfalls lieben, dann kamen Deformierungen durch die Anderen..."
Es sind gleich drei Parameter dabei: Kind und Lieben - sich selber sein und mögen wie man ist, Derformierung - Informationszufuhr verändert die Form, Andere - äussere Einflüsse.
Und dann erst kommt die Befreiung von dem Übel, nicht durch die, die's herbeigeführt haben, sondern durch dich selber. Das lässt an die These der Selbstheilung denken.

Ich glaube nicht, dass Angst eine Grundbedingung für die Existenz ist, um sich gewisser Dinge bewusst zu werden kann sie hingegen ganz nützlich sein, gerade auch als Hinweis auf gewisse Deformationen, die man auch als Blockaden verstehen könnte.

Zur Energie der Liebe - habe mal gehört: Angst ist das Gegenteil von Liebe, quasi die andere Seite der Medaille. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dies wirklich zutrifft. Für mich gibt es ein paar Dinge, die ausserhalb der Dualität sind: Liebe und Licht. Beides sind Dinge, deren Existenz (Sein) man sich auch ohne ihr Gegenstück vorstellen kann. Liebe hätte somit mehrere Gegenstücke: Angst, Hass, Nichtbeachtung, Bosheit und alle könnten dazu beitragen zu unterscheiden und zu erkennen.

Nur, was nützt uns dieses Wissen im Alltag? Ich denke, Angst ist form- und gestaltbar, nicht unausweichlich, man kann an ihr arbeiten.

herlichst - Phil
 
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Hallo, Phil,
ich danke Dir herzlich für Deine Antwort!

phil schrieb:
...... Die Riemann'sche Aufstellung kommt mir irgendwie bekannt vor, nicht dass sie mir bisher bekannt gewesen wäre. Interessant daran finde ich die Analogien, die Angst quasi als Resonanz zur Bewegungen des Planeten und seiner Sonne, bzw. Schwerkraft und Fliehkraft.
Könnte es sein, dass Angst ein Steuerungsmechanismus unserer guten alten Mutter Erde ist, damit wir nicht übermütig werden? Die Idee ist nicht uninteressant.
In der Tat Phil, dieser Idee kann ich gut folgen. Und dieses "nicht übermütig werden" dient meiner Ansicht nach letztendlich dem (Selbst)schutz des Menschen


Aus den Archetypen der Seele kommt eine eigene Aufstellung der Ängste:
Selbstverleugnung - Angst vor Unzulänglichkeit: unterwürfig / bescheiden
Selbstsabotage - Angst vor Lebendigkeit: selbstzerstörend / aufopfernd
Märtyrertum - Angst vor Wertlosigkeit: selbst bestrafend / selbstlos
Starrsinn - Angst vor Unberechenbarkeit: verbissen / entschlossen
Hochmut - Angst vor Verletzt werden: selbstgefällig / stolz
Ungeduld - Angst vor Versäumnis: unduldsam / waghalsig
Diese Ängste ließen sich vermutlich, wenn man das wollte, auf die "Grundformen" nach Riemann zurückbeziehen. Wenn ich mich nicht irre, kommt er (Riemann) auch aus der jungianischen Tradition.

Meiner Ansicht nach, ist Angst der Hauptgrund für Krankheiten. Einerseits die physisch motivierten Ängste, wie sie beispielsweise Riemann beschreibt und andererseits die kultivierten Ängste, die aus Erziehung, Moralvorstellungen, dem Sozialisationsprozess stammen, also nicht Artspezifisch, sondern menschgemacht sind.
Ich denke, dass Angst dann krank machen kann, wenn sie nicht mehr ihren ursprünglichen Sinn verfolgt: Als Schutzmechanismus des Menschen (was die klassischen Philosophen noch FURCHT nannten). Angst ist dann hilfreich, wenn sie mich schützt, sie kann furchtbar zerstörerisch sein, wenn sie - quasie als "neurotische" Angst wirkt. Ich spreche mit Klienten manchmal über die Frage: "Ist der Gedanke (der mit Ihrer Angst im Zusammenhang steht) hilfreich?"

Tatsache ist, beide Arten beeinflussen unsere Lebensqualität weit mehr als wir es uns bewusst sind. Und das wird wohl auch gezielt ausgenutzt. Immerhin, auf die Darmtätigkeit hat Angst einen ganz zügigen Einfluss. Was kann man also tun, seine Ängste zu bewältigen?www.my-smileys.de/smileys2/angst_4.gif

Ich finde es wichtig, eine hohe Bewusstheit über meine Ängste zu haben. Zum Beispiel: Wo kommt das Gefühl her? Was löst es aus? Was denke ich dazu? Wie sieht meine Bewertung eines "angstauslösenden Ereignisses" aus? Kann ich die Bewertung ändern? Was kann ich stattdessen denken? Es gibt da dieses "RATIONALE SELBSTGESPRÄCH", nach Ellis, das man in der Angstbehandlung anwenden kann.
Das ist aber sicher nur ein Weg, der für manche hilfreich ist, nicht aber der Weg.


Herzliche Grüße von

León
 
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19.03.06
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Wolfgang Jensen schrieb:
Vor Jahren habe ich mal etwas ganz Verrücktes gedacht: Angst ist die Bedingung, damit Menschen auf dieser Welt überhaupt existieren können.

Paßt das irgendwie in Eure (León, Phil) Aussagen?

Ich meine, mein verrückter Gedanke hat auch eine andere Seite: Angst könnte die Eintrittskarte sein, um hier im Prozeß der Entwicklung überhaupt mitmachen zu können.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt: wenn Angst die Energie der Liebe reduziert, könnten Wesen, die mit Angst infiziert sind, hier Unten Lieben lernen, bzw. müßten sich mit ihren Ängsten konfrontieren und sie auflösen. Das ist Quatsch, oder?

Hilfe Wolfgang

PS. Als Kind konnte ich jedenfalls lieben, dann kamen Deformierungen durch die Anderen, dann suchte ich nach meinen Ängsten, wollte mich befreien von dem Übel, dann ..., tscha, schauen wir mal.
Nun, mein verehrter Herr Jensen,www.my-smileys.de/smileys2/y_hi_3.gif

ich frage mich, wieso ein Mensch, der so viele kluge Gedanken hat wie Sie, noch nicht Bundeskanzlerin oder Papst geworden ist. Vielleicht deswegen?

Aber Scherz beiseite: Ich bin der Auffassung, dass rationale Ängste eine Schutzfunktion haben, irrationale (weil von der Ursprungsfunktion abgelöste) Ängste, zerstörerischen Charakter haben. Zum Beispiel auch, weil sie "Liebesenergie" beeinträchtigen können, wenn Sie das so sagen wollen!
Ich weiß nicht, ob diese irrationalen Ängste "auflösbar" sind. Ich denke, es ist möglich, sie zu bearbeiten und zumindest zu reduzieren (siehe oben).

Herzliche Grüße

León
 

Wolfgang Jensen

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Wenn ich die Informationen, die mir zugänglich gemacht wurden richtig verstanden habe, kommt ein Kind bereits von Angst traumatisiert zur Welt - durch die beiden Faktoren "Pränatal" und "Perinatal" (die vorgeburtliche Phase und die Geurtsphase). Die Traumatisierung ist wohl unbestritten. Alelrdings machte mich das Prinzip der Geburt stutzig, daß ein Kind gerade SO auf die Welt kommen muß. (klar, es gibt die "sanfte Geburt, andere auch, z.B. Kaiserschnitt). Meine jüngste Tochter kam so zur Welt - nd ich kann Dir, Phil, die ließ sich bereits injungenJahren nichts gefallen, ging ihren eigenen Weg, auch wenn er nichtleicht war.

Also: warum der traumatische Weg für einen neuen Erdenbürger, der seine Freiheit stark konditioniert? Es ginge auch anders, siehe in der Tierwelt. Der "Schöpfer", so glaube ich, hat sich etwas dabei gedacht - z.B. könnte es sein, daß eine Grundangst, die körperlich fixiert wird, zu "installieren".

Du sagst: Für mich gibt es ein paar Dinge, die ausserhalb der Dualität sind: Liebe und Licht.

Da gebe ich Dir Recht - Liebe steht außerhalb der Dualität. Jedoch - ich mache aus Liebe und Angst keine Dualität, sondern eine interaktive Beziehung. Liebe ist eine dimension für sich selbst, aber Angst greift auf zu, wirkt auf sie ein. Konkreter: Liebe ist feinstofflich, der Körper ist grobstofflich, aber mit Angstinformationen gefüttert - und da Liebe mit dem Körper (im Sinne eines interaktiven Systems) verbunden ist, kann auch die Angst der Liebe die Kraft entziehen.

(Spontan fühlte ich: das schnürt mir die Kehle zu - das wäre eine Verbindung auch zur Schilddrüse - und ich kenne einen Fall sehr genau, ein Mensch, der in Angst und Schrecken "gehalten" wurde und starke Schilddrüsenprobleme bekam)

Zu Deiner Frage (ich liebe pragmatische Menschen):Nur, was nützt uns dieses Wissen im Alltag?

Angst war in meinem Leben ein dominierendes Thema - in der ersten Hälfte meines Lebens habe ich sie "überarbeitet", mich in Erfolg und Karriere geflüchtet. Dann kam eine Phase der Besinnung, Geld, Unabhängigkeit, existentielle Sicherheit. (wieder ein spontanes Gefühl - es war analog zu einer Mästung, denn ...) Dann wurde ich geschlachtet". Man nahm mir alles weg, was bis dahin mein Leben ausmachte - ein existentieller Holocaust. Was blieb war ich, mit zwanzig Mark in der Tasche und ohne Hoffnung auf Nachschub. Ich kaufte mir einen großen Sack Kartoffeln - kicher!
Meine Antwort lautet: Angst kontrollieren hilft wenig, man muß sie auflösen. Darum ist es wichtig bis unerläßlich für ein "Gesundes Leben", sich damit zu befassen - allerdings sehr individuell - es gibt meines Erachtens keine Patentlösung.

Ich nerve hier nicht mehr lange mit meiner persönlichen Angstgeschichte, nur eins noch. Bei mir ist etwas Merkwürdiges passiert: nachdem ich meine versteckten Ängste aufgelöst (dauerte viele Jahre!) hatte, kam plötzlich eine völlig irrationale Angst in mir hoch: Klaustrophobie - wenn ich Leute eingesperrt sehe oder mir vorstelle, in einem Erdloch oder einer Kiste eingepfercht zu sitzen, schüttelt es mich durch und durch. Meine Erklärung war bisher, ich brauchte eine Angst, um als Körpermensch existent bleiben zu können.

Danke, Phil, für Deinen hilfreichen Beitrag.

Liebe Grüße an Dich Wolfgang
 

Wolfgang Jensen

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Phil - León (du warst mit Deinem Beitrag etwas schneller als ich), Ihr habt wirklich tolle Beiträge geschrieben - die Mut machen, das aussichtslos Scheinende zu begreifen und die ersten Schritt hin zur Angst zu wagen.

Ich poste gleich mal "Die Geschichte von der Angst".

Gruß Wolfgang
 

Wolfgang Jensen

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Über Berge und durch Täler führen Schicksalswege, selten nur fühlt man sich alleine und geborgen. Und glauben Sie nicht, der uns aus dem Paradies vertrieb, er würde gerade Ihren Atem nicht spüren. Ja, daran sollten Sie fest glauben, daß er vor ihnen läuft. Dazu möchte ich Ihnen die Geschichte von den Schattenwölfen erzählen.

Ein mutiger Mann zog in die Welt, um die Angst kennenzulernen. Auf seinem Weg bestand er viele gefährliche Abenteuer, jedoch ohne sich ein einziges mal richtig zu fürchten. Nach Jahren der Suche fragte er wegen seines Problems einen Weisen um Rat. Der schickte ihn zu einer Höhle, und sagte, wenn er wieder heraus käme, wüßte er sicher, was Angst sei. Der Mann befolgte den Rat und ging in die Höhle hinein. Schon bald sah er die Schatten von einigen Wölfen hinter sich auftauchen. Er lief vor den gefährlichen Untieren davon, seine Angst wurde größer und größer, aber obwohl er immer schneller lief, blieben die Schatten immer gleich dicht hinter ihm. Da kam er an einen Punkt, wo er sich in sein Schicksal ergab, er fiel zu Boden, schloß in Erwartung seines Todes seine Augen, und ... nichts geschah. Nach einem Moment öffnete er seine Augen und sah, daß er dicht vor einem tiefen Abgrund angehalten hatte. Als er sich nach seinen Verfolgern umsah, saßen die Schatten friedlich und in demselben Abstand hinter ihm. Da er nach vorne nicht gehen konnte, ging er vorsichtig auf die Wölfe zu, hoffte, sich an ihnen vorbeischleichen zu können. Aber mit jedem Schritt, den er voran ging, wichen auch die Schatten vor ihm zurück, und als er anfing zu laufen, liefen auch die Schatten. Der Mann hatte seine innere Angst entdeckt und sie im Außen besiegt.
 
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25.01.05
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Grüss Euch,

ähnliche Erfahrungen wie Wolfgang habe auch ich machen dürfen, denn da begegnet man seinen existenziellen Ängsten. Daher habe ich mir natürllich die Frage gestellt, habe ich soviel Vertrauen ins Leben, dass alles gut kommt (da haben wir's wieder...,), also dass alles gut ist, so wie's ist und dass sich immer eine für mich passende Lösung ergibt?

Nun, ich trage für niemanden mehr materielle Verantwortung und so lasse ich mich darauf ein, die existenziell-materiellen Grenzen meiner Angst auszuloten.
Ich habe das Gefühl, mit dem Erkennen der wenigen wirklich lebensnotwendigen Bedürfnisse schwindet auch die existenzielle Angst und wächst das Vertrauen ins Leben. In diesem Sinne lasse ich mich durchaus auch von Aussagen von Jesus inspirieren (it's my way...).

Die Beschäftigung mit dem SEIN (also auch dem was IST) scheint mir bei der Bewältigung von Angst von Bedeutung. Ich bin auch als Helvete nicht vor Höhenangst gefeit. Dennoch, als ich Gelegenheit hatte, den Kölner Dom über den Baulift zu besuchen, habe ich keine Sekunde gezögert mich aufs Baugerüst fahren zu lassen - diese einzigartige Gelegenheit lasse ich nicht aus, sagte ich mir. Die ersten Minuten waren hart, hätte lieber vier Hände gehabt als zwei um mich irgendwo fest zu halten. Dann aber ist die Angst nach und nach gewichen.

Eines der Rezepte Angst zu bewältigen ist sicher durch die Angst hindurchzugehen, das zu tun wovor man Angst hat. Und da können zehn Meter Grat auf einem Berg (Grosser Mythen ob Schwyz) schon eine ganz schöne Herausforderung sein.

Damit wäre ich bei einem von León ausgesprochenem Wort, der Furcht angelangt. Eigentlich interessant, wie einem Wörter so nach und nach aus dem Wortschatz entfallen - danke León für die Erinnerung. Furcht ist für mich mit Respekt für die Sache, wovor man sich fürchtet verbunden, z.B. die Furcht vor dem Berg. Bei der Furcht versuche ich das Risiko abzuschätzen und lasse Vorsicht walten. Bei der Angst packe ich - falls Zeit bleibt - und fliehe, oder ich steh da wie das Karnickel vor der Schlange.

Zur Frage der Liebesenergie folgendes: wird die Liebesfähigkeit (Resonanz?) durch die Angst vermindert oder die Liebe selber? Wenn sich ein Wolkenschleier vor die Sonne schiebt, wird dann die Sonne schwächer? In unserer subjektiven Empfindung sicher, obschon die Ursache eine andere ist. Ist Angst also so etwas wie ein Schleier, die Furcht etwas wie ein Filter?

Herzlichst - phil
 

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Hallo Phil, Du schreibst von existentiellen Ängsten. aber was bedeutet einem Menschen das, zu existieren? Sein Körper wird sterben, das "weiß" er mit tödlicher Sicherheit (vielleicht strerben die Menschen gerade deswegen?). Seine Seele, die kann er nicht fassen, sich nicht erklären, was da in ihm sein soll - und da braucht er sich auch nicht drum kümmern, zu verstehen, was das ist, was eine Persönlichkeit ausmacht. En Wesen sein, so wie ein Engel? Quatsch, das glauben nur Kinder - und wenn Jesus sagt: werdet wie die Kinder - ich habe genug damit zu tun, erwachsen zu werden. Wie würde die Existenz eines Menschen verlaufen, wenn er Gewißheit hätte darüber, ein unsterbliches Wesen zu SEIN? würde er sich Sorgen um Amalgamplomben machen? würde er Angst vor einem Hund haben, das er auch als göttliches Wesen schätzen und lieben könnte?

Ich habe das Gefühl, mit dem Erkennen der wenigen wirklich lebensnotwendigen Bedürfnisse schwindet auch die existenzielle Angst und wächst das Vertrauen ins Leben.

Mit dem Vertrauen ins Leben, das ist meine Erfahrung, kommen die Ängste ins Licht des Bewußtseins, sind begreifbar, werden verständlich und können aufgelöst werden. Vertrauen kann sich aber nur entwickeln, wenn man ausprobierte, was man wirklich für seine Existenz benötigt - ich meine wirklich! Das, was ich wirklich zum Existieren brauche, kann ich für kein Geld der Welt kaufen: Liebe. Sie hat in meinem Leben alles geregelt, alles. Ich möchte sie als "Lohn der Angst", die ich überwunden habe, bezeichnen.

Zur Frage der Liebesenergie folgendes: wird die Liebesfähigkeit (Resonanz?) durch die Angst vermindert oder die Liebe selber?

Für mich kann ich das so beschreiben: Liebe ist eine absichtslose, reine Energie. Durch die eigene Liebe ist man mit der Liebe verbunden, von der die gesamte Schöpfung durchdrungen ist - was Dir erklären könnte, warum man sich nicht auf "künstlichen" Wegen um Energie kümmern muß. Diese Liebensenergie kann zu allen anderen Energieformen in Resonanz gehen, das ist ihr Geheimnis. Mit Liebe kannst Du Dich allen Dingen zuwenden, selbst wenn sie noch so schrecklich erscheinen. Denke an Jesus.

Und nach meiner Auffassung verhält es sich mit der Angst und der Liebe so: Angst wirkt wie ein Potentiometer, sie reduziert ein vorhandenes Liebespotential, die Lebenskraft vermindert sich, das Fließen wird langsamer, kann in einigen Lebensbereichen ganz erstarren: extreme Angst macht statisch.

Ich weiß nicht genau, ob ich mir den vorstehenden Text diktierte - er floß einfach aus mir heraus - hoffentlich kannst wenigstens Du mich einigermaßen verstehen.
 
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25.01.05
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Grüss euch,

ich erinnere mich, als Kind hatte ich oft denselben Traum: Der Wand eines runden Lichthofes in einem mehrstöckigen Gebäude steigt eine Stiege spiralförmig hinauf. Irgendwo falle ich über das Geländer und falle in die Tiefe. Natürlich fürchte ich mich am Boden aufzuschlagen, dazu kam's aber nie, denn der Traum endete immer vor dem Aufschlag. Bis eines Nachts ich mir im Traum bewusst wurde, dass dies ja nur ein Traum sei und dass mir dabei gar nichts passieren konnte. So fing ich an, den Sturz in die Tiefe zu geniessen im Wissen darum, nicht aufzuschlagen. Einmal aber da fiel ich dieser ganzen spiralförmigen Treppe entlang durchs schwarze Loch und fand mich schwebend begleitet von Adlern über reifen Kornfeldern wieder. Danach ist der Traum vom Stürzen nie mehr gekommen.

Ist es Möglich im Traum seine Ängste auszuleben und zu lösen?

herzlichst - Phil
 
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24.09.04
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Modulation

Lieber Phil

Offenbar ist es möglich, Ängste zu lösen, wobei du deinen Traum ja moduliert/verändert hast, und das ist das Entscheidende.
Du hast vorher vermutlich unbewusst den Traum abgebrochen, weil du glaubtest, dass du beim Aufschlag sterben würdest. Folglich kam die Angst hoch und unterbrach den Traum. Als du diese Angst mit einem neuen Gefühl "mir kann nichts passieren" neutralisieren bzw. die Enge der Angst erweitern konntest, ging der Traum erst weiter, und so konnte er sich in seiner ganzen (positiven) Botschaft präsentieren.

In deiner Schilderung sehe ich Prinzipien meiner Art, die Menschen zu begleiten.
Da Gefühle zeitlos sind und sich so stark bemerkbar machen, dass wir glauben, daran zu sterben, wird mit dem Hilfssystem Verstand das ganze abgebrochen, weil der Verstand glaubt, diese Angst nehme unendlich zu....bis zum Tod.....und das ist der Irr-glaube und entspricht nicht der Realität und so entsteht sicherheitshalber die Blockierung als Schutzmechanismus. Es ist aber nur ein Glaube und widerspricht dem Wissen/Erfahrung. Dieser Glaube (Glaubenssatz/Muster im Verstand/Kopf) entsteht, weil dem Kinde damals tatsächlich nur beschränkte Möglichkeiten zur Verfügung standen, oder durch den enormen Stress seine Kreativität einschränkte und in diesem Stande "einfrohr" und daraus eben einen Glaubenssatz ableitete. (Diese Glaubenssätze können auch nur aus dem Beobachten einer Situation entstehen, und müssen nicht zwingend selber erlebt werden!!)

Deshalb ist es so wichtig, zusammen mit den Gefühlen, dem Verstand sowie dem Körperbewusstsein diese "alten" Ereignisse nochmals anzugehen, und endlich den abgebrochenen Film mit den HEUTIGEN Möglichkeiten fertig zu erleben, um dann die Veränderung/Modulation in sich zu fühlen. Das ist das Entscheidende und heilsame, im Sinne von "ganz" werden.:fans:

Ein untauglicher Selbstheilungsversuch ist dagegen jegliche Art von Suchtverhalten, die versucht den inneren Schmerz/Angst zu unterdrücken und mit dem Suchtmittel versucht Wohlbefinden zu erzeugen.:schock:
 
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25.01.05
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Grüss euch,

danke Pius, das erinnert mich an eine Analogie. Hin und wieder kommt es vor, dass eine kleine Verletzung sich entzündet, meist weil man etwas zu nachlässig die Wunde versorgt hat, nach dem Motto wird schon gehen.

Obschon ziemlich schmerzhaft, öffne ich die Wunde und bringe sie nochmals zum Bluten und desinfiziere (meist mit Schnaps) und dann geht die Heilung zügig und gut voran.

Mit der Angst - so meine persönliche Erfahrung - verhält es sich ganz ähnlich. Viele Ängste gründen ja auch auf Verletzungen, die in der Psyche, möglicherweise sogar auf Seelenebene, Wunden hinterlassen. Davon verheilen welche nur sehr schwer, andere schneller - je nach persönlicher Konstitution - und meistens bleiben sichtbare Narben zurück, die den Energiefluss (wie bei den richtigen Narben - daher die Narbenentstörung) behindern.

Bei psychischen und seelischen Wunden, die nicht richtig verheilen wollen gibts oft nichts anderes, als nochmals aufrischen, die Angst ans Licht holen, und dann mental sauber ausputzen. Es muss nicht schmerzfrei sein, dafür heilsam.

herzlichst - Phil
 
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28.03.05
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Hallo,

eine gesunde normale Angst ist nichts negatives.
Ich denke es ist eine Mischung aus erlernter Angst und Urangst.
Es hilft dem Menschen gefährlichen Situationen richtig einzuschätzen und dementsprechend zu entscheiden.
Ich empfinde Angst, wenn ich mich aus einem hohen Fenster beuge, das ist auch gut so, denn wenn ich herrunterstürtze könnte ich tot sein.
Der Mensch hat Angst vor Krieg, im Krieg kommt man um.
Dies Angst ist etwas ganz normales , solange sie nicht übersteigert und pathologissch wird.
Es ist ein Lernprozess im Leben des Menschen.
Ein kleines Kind hat noch keine Angst, es springt z.B. noch vertrauensvoll aus der Höhe in die Arme von Vater oder Mutter, es rennt über die Straße, weil es die Gefahren nicht kennt.
Kleine Kinder fürchten sich im Dunkeln, man kann Gefahren nicht erkennen und einschätzen.
Metalle und Umweltgifte schädigen das Nervensystem, normales Angstempfinden verändert sich.

Liebe Grüße
Anne S.
 
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