Darmprobleme als Folge falscher Lebensweise

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Kategorien:Allgemein, Bakterielle Fehlbesiedlung, Blähungen, Candida, CFIDS (CFS) / ME, Entgiftung, Ernährung, Krankheitsbilder allgemein, Nahrungsergänzung, Säure-Basen-Haushalt

In Mitteleuropa leiden rund die Hälfte aller Erwachsenen an chronischer Verstopfung oder anderen Verdauungsproblemen. Kaum jemand, der nicht zu mindestens unter Blähungen oder sonstigen Unpässlichkeiten, über die man ungern spricht leidet.

Was sind die Folgen?
Ständige Müdigkeit, Erschöpfung und das Gefühl nur noch „auf Reserve“ zu laufen, sind nur die einfachsten Begleiterscheinungen innerhalb der sich ausweitenden „Palastrevolution“ im Darm, der durch unsere eigenen Lebensgewohnheiten immer mehr zur Müllkippe abqualifiziert wird.

Falsche Ernährung und chemische Medikamente

Die häufigsten Ursachen, die zu Verdauungsproblemen führen, sind …

  • falsche und unregelmäßige Ernährung (zu viel Fett, zu viel tierisches Eiweiß, zu viel Zucker, zu viel chemische Zusätze)
  • zu wenig Bewegung
  • beruflicher oder privater Stress
  • eine gestörte Darmflora aufgrund verschiedenster Ursachen (in erster Linie Langzeittherapien von Antibiotika, Cortison u.a.)

Eine dadurch entstandene Fehlbesiedlung der Darmsymbionten gibt sogenannten opportunistischen Erregern wie zum Beispiel Candida albicans (Hefepilz) die Möglichkeit, sich über das Maß hinaus zu vermehren, wodurch wiederum die Grundlage für viele Ersterkrankungen gelegt wird.

Wachstum des Candida albicans

Was begünstigt das übermäßige Wachstum von Pilzen in unserem Organismus?

  • Säure – (Zucker, Getreide, Kaffee, Fleisch, Stress) – Das sind schon mal Faktoren an denen wir selbst etwas ändern können!
  • Wärme – Das ist der Faktor an dem wir bedingt etwas ändern können
  • Feuchtigkeit – Das hängt vor allem von der Funktionsweise des Dickdarmes ab, der auch für die Wasserregulierung im Körper verantwortlich ist

Darmverlauf
Infolge der „modernen“ Ernährung nimmt die Pilzvermehrung immer mehr zu. Vor allem werden  auch innere Organe durch einen nicht zu unterschätzenden Pilzbefall belastet, denn Pilze gedeihen bevorzugt in einem feuchtwarmen, sauren Milieu, das wir uns durch übermäßigen Zucker-, Weißmehl- und Fleischgenuss im Darm selbst schaffen. Ärger und Stress tun das „Ihrige“ dazu, um beginnende Krankheitsprozesse weiter zu fördern.

Daher entscheiden wir allein durch die Art unserer Lebensführung, ob sich die Waagschale in Richtung Gesundheit oder Krankheit neigt.

Wenn ich nicht an meinem Leben arbeite, wird das Schicksal das für mich tun.

Auf unseren Darm übertragen, könnte man sagen: So, wie wir mit unserem Darm umgehen, wird er auch mit uns umgehen:

  • Schnelle, hastige Ernährung, befördert er möglicherweise ebenso schnell und hastig in die Kloschüssel
  • Unregelmäßige, hektische Ernährungsformen, werden unregelmäßig und mehr schlecht als recht schnell verdaut
  • Viel Trinkflüssigkeit lockert den Stuhl, wenig verdickt ihn und führt häufig zur Verstopfung
  • Chemische Ernährung wird, wenn überhaupt, als Kloake ausgeschieden oder ist einer der Hauptauslöser in Richtung zusätzlicher Verschlackung, da der Stoffwechsel damit völlig überfordert wird
  • Zuviel eiweißreiche Kost erzeugt Fäulnisgase, die als giftiges Abbauprodukt Ammoniak entstehen lassen und verschiedenste Krankheiten, in erster Linie Gicht, Rheuma und sonstige Stoffwechselerkrankungen auslösen

Abführmittel haben Hochsaison

Unser Darm liebt generell einen geordneten Tagesablauf, einen Rhythmus, auf den er sich einstellen kann. Das beginnt mit dem Aufstehen, führt dann meist über die morgendliche Körperpflege und ankleiden, die Tasse Kaffee oder Tee verbunden mit einem Frühstück, dem täglichen Ablauf und endet mit dem Zubettgehen.
Unser Tagesablauf entscheidet über den geistigen, seelischen und körperlichen Müll, den wir produzieren oder zulassen, die Schlafphase darüber, wie er aufgearbeitet wird. Planen und organisieren wir den Tag am Abend vorher oder frühmorgens im Geiste durch, wird das Tagespensu

„In der Ruhe liegt nicht nur die Kraft“, sondern auch die Gesundheit des Darms und damit auch unseres Lebens.m zufriedener, geplanter erledigt, als wenn wir alles ungefiltert und hektisch über uns hereinbrechen lassen.

Für mich war es im Laufe meiner Praxistätigkeit immer wieder erschreckend zu erkennen, wie wenig Patienten ihren Tagesablauf im Griff hatten.Chaotische Hektik schon beim Aufstehen auf der einen Seite, lähmende Antriebslosigkeit auf der anderen. Beide Eigenschaften verhelfen nicht gerade zu einem entspannten Tagesablauf.

Der Darm passt sich an, soweit er kann, aber er liebt Disziplin und Ruhe. Um also eine gute Verdauung zu bekommen, liegt der erste Schritt in einem geordneten Tagesablauf, und der beginnt nun mal mit dem Aufstehen. Eine halbe Stunde früher aufstehen bringt schon viel, eine Stunde früher kann bereits Wunder bewirken. Notfalls geht man eben etwas früher zu Bett. Wichtig ist ein früher Zeitraum, den man ganz für sich alleine ordnen kann. Man setzt sich entspannt bei einer Tasse Tee in die Lieblingsecke, hört leise Musik und beginnt in Ruhe gedanklich seinen Tag zu planen.

Vielleicht braucht es eine gewisse Zeit, bis die Umstellung greift, aber diese eine Stunde ist die wichtigste des Tages. Keine Zeitung, kein Fernsehen, nichts, was von sich selbst ablenkt. Hat man einmal so die Anfangshektik des Tages im Griff, fällt es einem nicht schwer das auf die Zeit der Nahrungsaufnahme zu übertragen. Bald entwickeln sich durch die Stunde innere
„Automatismen“ die es uns ermöglichen den Tagesablauf leichter zu gestalten.

Der Darm arbeitet am besten unter Ruhebedingungen. Umso intensiver das enterische Nervensystem (Bauchhirn), das im gesamten Darm vorhanden und für sämtliche Verdauungsvorgänge verantwortlich ist, von äußeren Einflüssen verschont bleibt, umso mehr kann es sich um die Verdauung kümmern. Immerhin benötigt der Verdauungstrakt während seiner Tätigkeit etwa 30% der gesamten Energie unseres Körpers. Allein schon so einfache Tätigkeiten wie Reden, Fernsehen oder sonstige Zusatztätigkeiten erhöhen den Energiebedarf.

Ihr Darm – und nicht nur der – wird es ihnen danken, wenn sie sich mehr Zeit zum Essen nehmen und sich nur darauf konzentrieren. Die Energien, die Sie beim Essen mit anderen Dingen verschwenden, fehlen ansonsten bei der Verdauung. Auch das enorm wichtige Kauen kommt dann zu kurz, was zu einer mangelhaften enzymatischen Vorverdauung führt. Dadurch entsteht ein Teufelskreis für die Verdauungsorgane. Durch die so entstandene ungenügende Vorverdauung im Magen haben Bauchspeicheldrüse, Galle und Darm das Nachsehen und müssen versuchen das Beste aus der Nahrung zu machen. Das gelingt aber nicht immer.

Schlacken-im-Darm

Die Folge: Ungenügend verwertete Nahrung

Aber es geht weiter: Die gesundheitlichen Beschwerden häufen sich im Laufe der Zeit immer mehr an. Als Auslöser für viele Probleme, an die man zuerst gar nicht zu denken wagt, sind Schlacken und Darmgifte mit verantwortlich.

Ab einem gewissen Punkt beginnt sich der Tagesablauf immer mehr um die zunehmenden gesundheitlichen Probleme zu drehen. Manch einer wird vorsichtiger im täglichen Umgang mit sich selbst und interessiert sich zunehmend für Informationen rund um das Thema gesunde Ernährung. Ein anderer nimmt Medikamente für oder gegen etwas und freut sich, wenn kurzfristig Erleichterung eintritt. Die zweite Gruppe ist lebenslang darauf gedrillt so wenig wie möglich zu verändern, denn alt gewohnte Verhaltensweisen über Bord schmeißen zu müssen, tut den meisten weh. Es gibt nicht Vieles was schwieriger ist, als sich selbst eingestehen zu müssen, etwas falsch gemacht zu haben, Liebgewordenes über Bord zu schmeißen und nötige Konsequenzen daraus zu ziehen. Gewohnheiten und Zwänge beherrschen oftmals das Leben, bis der Leidensdruck Einsicht zur Veränderung erzwingt. Leider manchmal erst sehr spät.>

Sobald man angefangen hat, sein Leben neu zu ordnen, beginnt der etwas schwierigere Teil der Selbstkontrolle, der eine wichtige Eigenschaft voraussetzt:
Das „zu-sich-selbst-ehrlich-sein“. Nur wenn man bereit ist, Fehler zu korrigieren, kann man Rückfälle in alte Gewohnheiten in den Griff bekommen. Um allerdings Fehler als solche zu erkennen, bedarf es mehr als nur den Gedanken an Veränderung. Erinnern wir uns an Goethes Faust: „Die Geister, die ich rief, ich werd‘ sie nicht mehr los.“

Jeder kennt das Gefühl, von Situationen direkt oder indirekt beherrscht zu werden. Kleine Teufelchen, die sich immer wieder in uns einnisten und uns Dinge tun lassen, die mit Vernunft nicht zu erklären sind und auch nicht erklärt werden müssen. Der eigene Wille und ein paar einfache Regeln reichen dazu völlig aus:

  1. Machen Sie aus Ihrem Essen so oft als möglich eine Zeremonie
  2. Slow Food statt Fast Food
  3. Gut und gründlich kauen
  4. Trinken fördert die Entgiftung (2-3 Liter Wasser, Tee, Kombucha, frisch gepresste Frucht- oder Gemüsesäfte täglich)
  5. Körperlich aktiv werden und wenigstens 3x pro Woche Gymnastik oder Sport (Grundsatz: einmal kräftig ins Schwitzen kommen)
  6. Alles in Maßen. Das Gesunde liegt immer in der goldenen Mitte. Ob Essen, Schlaf oder auch Bewegung, Zuviel oder Zuwenig macht auf Dauer krank. Zeichen hierfür sind Körpergewicht, innere Ruhe, Konzentriertheit und Belastbarkeit.
  7. Regelmäßigkeiten tun Körper, Seele und innerer Uhr gut
  8. Speisen Sie mit Genuss und gönnen sie sich ruhig mit gutem Gewissen ab und zu auch einen kleinen Ausrutscher
  9. Fleisch und Fisch in Maßen. Öfters mal pflanzliche Nahrung bevorzugen und pflanzliche Öle statt tierischem Fett. Obst und Gemüse täglich, so weit wie möglich frisch.
  10. 2 bis maximal 3 Mahlzeiten, zum Abend hin mengenmäßig kleiner werdend
  11. Keine Salate oder Rohkost gegen Spätnachmittag oder Abend mehr verzehren. Es sei denn, sie sind es gewohnt, gesund und ernähren sich ausschließlich von Rohkost. Dann aber zumindest keine Flüssigkeitszufuhr mehr kurz vor, während oder nach der abendlichen Rohkost.
  12. Öfters mal einen Tag mit basischer Kost (Gemüse und Gemüsesäfte) einlegen, vor allem dann, wenn mit saurer Kost übertrieben hat (nach Grillabenden, Geburtstagen oder sonstigen Feiern sollte man die nachfolgenden Tage ein bisschen ernährungs- und getränkemäßig gegensteuern)
  13. Einmal pro Jahr seinen Organen einen Urlaub gönnen. Damit meine ich Fasten, Saftfasten oder Ernährungsumstellung über einen sich selbst verordneten Zeitraum hinweg, aber auch eine Darmsanierung die vorausgesetzt fachmännisch durchgeführt, oftmals den Körper von belastenden Giften und Schlacken befreit.
  14. Das Wichtigste von allem: Mit Humor durchs Leben gehen und sich selbst nicht immer so wichtig nehmen.

gemütlich essen

Weitere wichtige Fragen

Gemäss obiger Auflistung gibt es somit einiges, das wir tun können, um positiv auf den Darm und somit unsere Gesundheit einzuwirken.

Trotzdem gäbe es noch einige wichtige Fragen, auf welche aber innerhalb dieses Artikels nicht in Kürze eingegangen werden kann, wie zum Beispiel:

  • Was ist falsch an der 40-jährigen Ballaststofftheorie
  • warum kann vermeintlich gesunde Ernährung krank machen
  • wie können Lebensmittelzusätze unser Ernährungsverhalten verändern
  • was hat ein Kaiserschnitt mit der Darmflora zu tun und welche gravierende Auswirkung kann er auf die weitere Gesundheitsentwicklung eines Säuglings haben
  • was für eine wichtige Rolle spielt der Blinddarm für die Darmflora in Notsituationen
  • welche einfacheren und besseren Möglichkeiten gibt es, als durch falsche Versprechungen durch „Probiotika“ die Darmflora zu unterstützen
  • wie bestimmend wirkt das Darmhirn auf unsere Entscheidungen ein
  • wie beeinflussen Psyche und Darm sich wechselseitig
  • warum sind „Schmetterlinge im Bauch“ keine Einbildung und wodurch entsteht dieses Glücksgefühl überhaupt
  • wie wirkt der Darm entscheidend durch ein eigenes Hormon auf Diabetes ein
  • wie kommt es zur jahrelangen Selbstvergiftung über den Darm und was kann ich selbst dagegen tun?

 

 

Joachim Bernd Vollmer

- Naturwissenschaftler und Heilpraktiker mit über 30 jähriger Erfahrung.
- Buchautor, Fachartikelautor, Referent

Bis zu einem schweren Unfall behandelte er in eigener Praxis erfolgreich Patienten, die als unheilbar oder “therapieresistent” bezeichnet wurden.
Bekannt geworden ist er durch die von ihm weiterentwickelte Neurodermitistherapie (Schwedler – Vollmer Methode) Anfang der achtziger Jahre.

3 Kommentare in “Darmprobleme als Folge falscher Lebensweise

MartinJoost März 4, 2014
Hallo Joachim, sehr schöner Artikel. Ich hatte auch sehr lange Verdauungsprobleme. Seit meiner Ernährungsumstellung vor ca. 2 Jahren habe ich keine Probleme mehr. Solche Beiträge sollten viele Menschen zu sehen bekommen. Habe den Artikel an meine Freunde weitergeleitet! Bitte mehr davon!
WerniMD Oktober 12, 2015
Etwas kommt in dem ansonsten guten Artikel zu kurz. Und zwar das Thema Nährstoffgehalt in unserem Essen. Hier gibt es nachweislich immer mehr Defizite bei Vitaminen und Mineralien usw., da die intensive Landwirtschaft die Böden ausgelaugt hat und hier aus Kostengründen nicht ersetzt wird. Außerdem sind viele Erzeugnisse extrem überzüchtet, z.B. Glutengehalt im Getreide. Weiterhin ist die Zusammensetzung (vor)verarbeiteter Nahrung sehr bedenklich. So werden sehr allergene Stoffe beigemengt, um Haltbarkeit oder Geschmack zu verbessern. Oder es werden Austauschstoffe verwendet, die der Mensch im Übermaß teils sehr schwer bis gar nicht aufspalten kann, z.B. Fruktose, Laktose. Auch sind viele Produkte extremst überzuckert. Dann wiederum wird Jod, ein Halogen, im Übermaß ergänzt, sodass niemand mehr sagen kann, wieviel wir davon inzwischen tatsächlich zu uns nehmen (müssen). Hier hat der Bürger nicht mal mehr die Wahl, was seine Grundrechte verletzt! Insgesamt ist es also inzwischen unmöglich geworden, Nahrungsmittel als wirklich gesund oder ungesund einzustufen! Da hilft Bio auch nicht wirklich. Was sollen also die beste Essenszeremonie und der Genuss, wenn wir nicht wissen, was wir da überhaupt zu uns nehmen und ob uns das wirklich gut tut!
japanworm Mai 16, 2019
Ich lese immer überall, dass man seine Gesundheit über eine Ernährungsumstellung verbessern kann bzw. dem Darm helfen kann. In meiner Erfahrung klappt das überhaupt nicht. Seit nunmehr 4 Jahren kämpfe ich mit einem ständigen Blähbauch (keine Blähungen, nur aufgedunsen), der auch nie zurück geht. Ich habe sämtliche Tests durch und habe wirklich alles probiert, was es gibt. Ich bin untergewichtig (war ich immer schon), habe aber trotzdem gefastet. Ich hab sämtliche Eliminierungsdiäten probiert. Ich esse langsam, achtsam und kaue sehr intensiv. Ich koche jeden Tag und verwende dabei nur frische, meist biologische Lebensmittel. Ich trinke keinen Alkohol, rauche nicht und verzichte auf Industriezucker. Industriell gefertigte Lebensmittel gibt es bei mir auch so gut wie nie es sei denn die Zutatenliste passt. Ich bewege mich ausreichend und halte Stress von mir fern. Auch sämtliche "Mittelchen" habe nichts gebracht ... Heilerde, Probiotika, fermentiertes Essen / Getränke, Pfefferminzöl, Apfelessig, Löwenzahntee, Lefax, Enzyme, usw. Ich mache momentan die FODMAP-Diät, aber auch hier tut sich wie immer nichts. Es scheint wirklich egal zu sein, was ich esse oder eben auch nicht, meine Symptome sind immer gleich und das ist wirklich EXTREM frustrierend. Die Blähungen deuten darauf hin, dass es meinem Darm nicht gut geht, aber egal was ich mache, es scheint nicht möglich zu sein, die Darmgesundheit wieder herzustellen.

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