Weisheiten

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„Eine Kerze verliert nichts, ...
... wenn man mit ihr eine andere Kerze anzündet.“

Wir sagen uns immer, dass unser Leben besser sein wird, wenn wir erst einmal verheiratet sind, ein Baby haben, dann noch eines ...
Dann sind wir frustriert, weil unsere Kinder noch so klein und bedürftig sind. Und wir sagen uns, dass alles gut sein wird, wenn sie erst einmal größer sind.
Dann sind wir frustriert, weil sie in der Pubertät sind und wir mit ihnen zurechtkommen müssen. Bestimmt werden wir glücklicher sein, wenn sie erst einmal aus diesem Alter heraus sind.
Wir erzählen uns, unser Leben wird besser, wenn unser Lebenspartner seinen/ihren Teil mal richtig macht, wenn wir ein schöneres Auto haben, wenn wir mal Urlaub haben, wenn wir endlich in Rente gehen können ...
Die Wahrheit ist: Es gibt keine bessere Zeit, um glücklich zu sein, als jetzt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Herausforderungen wird es in unserem Leben immer wieder geben. Es ist besser, das anzuerkennen und sich zu entschließen, jetzt glücklich zu sein, trotz allem.

Immer wieder dachten wir, dass das Leben bald beginnen würde. Das richtige Leben. Aber immer gab es irgend ein Hindernis auf dem Weg, immer irgend eine Art von Prüfung, die zu bestehen war, irgend eine Arbeit, die noch erledigt werden musste, irgend eine Rechnung, die noch zu bezahlen war ... Dann würde das Leben beginnen.

Ich bin schließlich zu der Erkenntniss gekommen, dass diese „Hindernisse“ das Leben sind.
Diese Betrachtungsweise half mir zu sehen, dass es keinen Weg zum glücklich sein gibt.
Glücklich sein IST der Weg.

Also, genieße den Augenblick. Höre auf, zu warten, ...
... dass die Ferien anfangen, dass die Schule wieder anfängt, dass Du Dein eigenes Geld verdienst, dass Du heiratest, dass Du zehn Pfund abnimmst, zehn Pfund zunimmst, auf Freitagabend, auf Sonntagmorgen, auf ein neues Auto, dass Dein Kredit abbezahlt ist, auf den Frühling, den Sommer, den Herbst, den Winter, auf den 1. oder 15. des Monats, dass sie Dein Lied im Radio spielen, dass Du stirbst, dass Du wiedergeboren wirst ...
... bevor Du Dich entschließt, glücklich zu sein.


Versuche einmal, folgende Fragen zu beantworten:
1 - Nenne die 5 reichsten Menschen der Welt.
2 - Nenne die letzten 5 Miss Universum.
3 - Nenne die letzten 10 Nobelpreis-Gewinner.
4 - Nenne die letzten 10 Oscar-Gewinner.

Fallen sie Dir nicht ein? Eher schwierig, nicht wahr?
Mach Dir keine Gedanken, niemand erinnert sich daran.
Applaus verklingt - Trophäen verstauben - Sieger sind bald vergessen

Und nun beantworte diese Fragen:
1 - Nenne 3 Lehrer, die zu Deiner Entwicklung beigetragen haben.
2 - Nenne 3 Freunde, die Dir geholfen haben, als Du Probleme hattest.
3 - Denke an einige Menschen, die Dir das Gefühl gegeben haben, etwas besonderes zu sein.
4 - Nenne 5 Menschen, mit denen Du gerne Deine Zeit verbringst.

Das ist schon einfacher, nicht wahr? Die Menschen, die für Dein Leben wichtig sind, stehen in keiner Bestenliste, haben nicht das meiste Geld, haben nicht die höchsten Preise gewonnen ...
Es sind die Menschen, denen Du etwas bedeutest, die sich um Dich kümmern, die, egal was ist, immer zu Dir halten.

Vor einiger Zeit, bei der Olympiade in Seattle, USA, standen neun Athleten, alle geistig oder körperlich behindert, an der Startlinie für das 100-Meter-Rennen. Der Startschuss fiel und das Rennen begann. Nicht jeder konnte rennen, aber jeder wollte dabei sein und gewinnen.
Ein Junge stolperte und fiel, überschlug sich einige Male und begann zu weinen.
Die anderen acht hörten das Weinen. Sie wurden langsamer und sahen nach hinten. Sie hielten an und kamen zurück ... Alle acht ...
Ein Mädchen mit Down-Syndrom setzte sich zu dem Jungen, umarmte ihn und fragte: „Fühlst du dich jetzt besser?“ Dann gingen alle neun, Schulter an Schulter, über die Ziellinie.
Alle Zuschauer standen auf und applaudierten. Und der Applaus dauerte sehr lange ...

Die Menschen, die dies miterlebt haben, erzählen noch immer davon. Warum?
Weil wir alle tief in uns wissen, dass das Wichtigste im Leben weit mehr ist, als nur für sich selbst zu gewinnen.

Das Wichtigste im Leben ist, anderen Menschen beim Gewinnen zu helfen. Selbst wenn das bedeutet, dass wir selbst langsamer werden und dies den Verlauf unseres eigenen Wettrennens ändert.

Liebe Grüße Tarajal :)
 
wundermittel

Clematis

„Eine Kerze verliert nichts, ...
... wenn man mit ihr eine andere Kerze anzündet.“
Olympiade in Seattle, USA, standen neun Athleten, alle geistig oder körperlich behindert, an der Startlinie...

Danke Dir sehr für diesen Beitrag, Tarajal!

Die schöne Geschichte von Seattle wurde gefilmt:
Physically challenged kids running race
https://www.youtube.com/watch?v=lD35EXkAHW0

Bei Kindern und Jugendlichen im Sport, sind dies keine Einzelfälle...
Boy Inspires Kids - Kids Inspire Us All (Amazing Finish)
https://www.youtube.com/watch?v=o6Alt2DssYc

Ohio Runner Helps Fallen Opponent Across Finish Line at Track Meet Video ABC News
https://www.youtube.com/watch?v=kqiMfOGGBLs

Unter einem anderen Video stand:
"Try to watch without crying" - bei obigen Videos gelang mir das nicht.

Liebe Grüße,
Clematis
 
regulat-pro-immune

Clematis

etwas, worüber es sich auf jeden Fall nachzudenken lohnt - für jeden!

Sehr spannend, Tarajal!
Da kommt man ins Grübeln, wo wir wirklich herstammen, wieso wir uns zu bestimmten Ländern hingezogen fühlen u.v.m.
Die Folgevideos auf YouTube sind ebenfalls interessant, da sie eingehender von den Einzelpersonen handeln.

Liebe Grüße,
Clematis
 
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Immer wieder toll, was Du alles findest liebe Clematis,

habe mich die Suche gemacht, aber auch die Folgevideos gefunden und ehrlich Leute, supertoll!!! :)

Liebe Grüße von der möglicherweise deutsch/französisch/slawischen blonden und blauäugigen Tarajal mit irischem Einschlag :D
 

Clematis

Hallo Tarajal,

Grüße zurück von einer sicheren, ab 1648, holländischen/flämischen/deutschen/italienischen Mischung, möglicherweise noch spanisch/indianischen und wer weiß was noch?

Gruß,
Clematis
 
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Wirklich, wir hatten sehr viel weltoffenere Vorfahren, als es die meisten zu sein glauben... :))):kiss:

Liebe Grüße Tarajal :D
 

Clematis

Wo die Liebe hinfällt, überwindet sie alle Hindernisse und Schranken!
Und nicht nur jene der Länder...

Gruß,
Clematis
 
regulat-pro-immune
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Jupps, wem sagst Du das,

mein erster Mann war mindestens eine verdammt gut gelungene Mischung aus Österreich-Ungarn-Hunnen-Italien und Deutschland.

Und mein zweiter Mann ist eine mindestens ebenso wunderbare und herrlich verrückte Mischung aus Schweiz-Frankreich-Italien-Spanien und den Mongolen von denen es heißt "Sie kamen von Osten" und deren Kiefer er laut Antroposophenzahnärzten er auch hat.

Kurz gesagt, wir haben uns alle die tollsten Anlagen mitgebracht und schauen mal, was wir daraus machen können. ;)

Liebe Grüße Tarajal :)
 
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Oriah Mountain Dreamer

Die Einladung


Es interessiert mich nicht, wovon Du Deinen Lebensunterhalt bestreitest.

Ich möchte wissen, wonach Du Dich sehnst und ob Du es wagst,
davon zu träumen, Deine Herzenswünsche zu erfüllen.

Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.

Ich möchte wissen, ob Du es riskieren wirst,
verrückt vor Liebe zu sein, vernarrt in Deine Träume,
in das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten in welcher Konstellation zu Deinem Mond stehen.

Ich möchte wissen, ob Du die Mitte Deines Leids berührt hast,
ob Du durch Verrat, den Du im Leben erfahren hast,
aufgebrochen und offen geworden
oder geschrumpft bist und Dich verschlossen hast vor Angst und weiterem Schmerz.

Ich möchte wissen, ob Du dasitzen kannst mit Schmerz
– meinem oder Deinem eigenen –
ohne irgendeine Bewegung der Ausflucht,
ohne den Schmerz zu verbergen, ohne ihn verschwinden zu lassen, ohne ihn festzuhalten.

Ich möchte wissen, ob Du mit Freude da sein kannst
– meiner oder Deiner eigenen –
ob Du mit Wildheit tanzen und zulassen kannst,
dass Ekstase Dich erfüllt bis in die Fingerspitzen und Zehen hinein,
ohne jene Vorsicht, in der du dich in acht nimmst,
realistisch bist und dich an die Begrenzung des Menschendaseins erinnerst.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist.

Ich möchte wissen, ob Du jemanden enttäuschen kannst, um zu Dir selbst ehrlich zu sein,
ob Du es erträgst, dass Dir deshalb jemand Vorwürfe macht
und Du trotzdem Deine eigene Seele nicht verrätst.

Ich möchte wissen, ob Du treu sein kannst und zuverlässig.

Ich möchte wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, auch dann, wenn es nicht jeden Tag schön ist
und ob Du in Deinem Leben einen göttlichen Funken spürst.

Ich möchte wissen, ob Du mit Mißerfolg leben kannst
– mit Deinem und meinem –
und immer noch am Ufer eines Sees stehen und “Ja“ zum Vollmond rufen kannst.

Es interessiert mich nicht, wo Du lebst oder wieviel Geld Du hast.

Ich möchte wissen, ob Du nach einer kummervollen Nacht voller Verzweiflung aufstehen kannst
–ausgelaugt und mit Schmerzen –
und trotzdem tust, was getan werden muss für Deine Kinder oder andere Menschen.

Es interessiert mich nicht, welche Schulausbildung Du hast oder wo und bei wem Du studiert hast.

Ich möchte wissen, ob Du mit mir in der Mitte des Feuers stehen und nicht zurückschrecken wirst.

Ich möchte wissen, was Dich von innen aufrecht erhält, wenn alles andere wegfällt.

Ich möchte wissen, ob Du mit Dir selbst alleine sein kannst
und ob Du wirklich die Leute magst, mit denen Du Dich in Zeiten der Leere umgibst.

Oriah Mountain Dreamer (im Mai 1994,
Oriah Mountain Dreamer | Home)
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jena Ilka Frey


Liebe Grüße Tarajal :)
 
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Die Geschichte vom Bambus

In einem großen Garten wuchs ein Bambusbaum.
Von Jahr zu Jahr wurde er kräftiger und schöner.
Der Herr des Gartens hatte seine Freude an ihm.

Eines Tages aber blieb er vor ihm stehen und sagte:

„Lieber Bambus, ich brauche Dich!“

Der Baum antwortete:

„Herr, ich bin bereit, gebrauche mich, wie du willst.“

Die Stimme des Herrn wurde ernst:

„Um dich zu gebrauchen muss ich dich beschneiden.“...

Der Baum erzitterte.

„Mich beschneiden? Deinen schönsten Baum im Garten? Nein bitte, das nicht, bitte nicht! -
Verwende mich doch zu deiner Freude, Herr. Aber beschneiden....!“

Der Herr sagte noch ernster:

„Wenn ich dich nicht beschneide, kann ich dich nicht gebrauchen.“

Im Garten wurde es ganz still. Der Wind hielt den Atem an.

Langsam beugte der Bambus seinen herrlichen Kopf und sagte leise:

„Herr, wenn du mich anders nicht gebrauchen kannst, dann beschneide mich!"

Doch der Herr fuhr fort:

„Mein geliebter Bambus, ich werde dir auch Deine Blätter und Äste abschneiden!“

„Ach, Herr! Davor bewahre mich. Zerstöre meine Schönheit, aber lass mir bitte Blätter und Äste!"

„Wenn ich sie dir nicht abschneide, kann ich dich nicht gebrauchen!“

Die Sonne versteckte ihr Gesicht hinter der Wolke. Ein Schmetterling flog ängstlich davon.

Bis ins Mark getroffen, flüsterte der Bambus:

„Herr schlag sie ab!“

„Mein geliebter Bambus, ich muss dir noch mehr antun. Ich muss dich mitten durchschneiden und dein Herz herausnehmen. Wenn ich das nicht tue, kann ich dich nicht gebrauchen.“

Da neigte der Bambus sich bis zur Erde

„Herr schneide und teile.“

So schnitt der Herr des Gartens den Bambus. Hieb seine Äste ab, streifte seine Blätter fort, teilte ihn in zwei Teile und schnitt sein Herz heraus. Dann trug er ihn mitten durch die trockenen Felder in die Nähe einer Quelle. Dort verband er mit dem Bambusstamm die Quelle mit der Wasserrinne im Feld.
Und das klare, glitzernde Wasser schoss durch den zerteilten Körper des Bambus in den Kanal und floss auf die dürren Felder, um eine reiche Ernte möglich zu machen.

So wurde der herrliche Bambus erst zum großen Segen, als er gebrochen und zerschlagen war.

(Aus China)

Liebe Grüße Tarajal :)
 
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Die päpstliche Pantomime

Vor vielen, vielen Jahren, im Mittelalter, wurde der Papst von seinen Ratgebern gedrängt, die Juden aus Rom zu verbannen. Es gehört sich nicht, sagten sie, daß diese Leute ungestört ausgerechnet im Zentrum des Katholizismus lebten. Ein Ausweisungsedikt wurde aufgesetzt und verkündet, zur großen Bestürzung der Juden, die wußten, daß sie anderswo noch schlechter behandelt werden würden als in Rom.
So ersuchten sie den Papst, das Edikt noch einmal zu überdenken.
Der Papst, ein gerechter Mann, machte ihnen einen fairen Vorschlag: die Juden sollten einen der ihren ernennen, um mit ihm in Pantomime zu debattieren. Wenn ihr Sprecher gewönne, könnten die Juden bleiben.

Die Juden kamen zusammen, um den Vorschlag zu überdenken. Ablehnung bedeutete Ausweisung aus Rom, Annahme die Gefahr einer sicheren Niederlage, denn wer könnte eine Debatte gewinnen, in der der Papst sowohl als Beteiligter wie Richter mitwirkte? Gleichwohl blieb nichts anderes übrig, als anzunehmen. Nur fand sich kein Freiwilliger für diese Aufgabe. Die Bürde, für das Schicksal der Juden verantwortlich zu sein, war schwerer als jemand auf sich nehmen wollte. Als nun der Hausmeister der Synagoge erfuhr, was vorging, trat er vor den Oberrabbi und stellte sich freiwillig dafür zur Verfügung, sein Volk in der Debatte zu vertreten. „Der Hausmeister?“ sagten die anderen Rabbis, als sie davon hörten. „Unmöglich!“

„Je nun“, sagte der Oberrabbi, „keiner von uns ist gewillt, es zu tun. Also entweder der Hausmeister oder keine Debatte.“ So wurde der Hausmeister, weil kein anderer wollte, bestellt, mit dem Papst zu debattieren.

Als der große Tag kam, saß der Papst auf einem Thron auf dem Petersplatz, umgeben von seinen Kardinälen, einer großen Menge von Bischöfen, Priestern und Gläubigen gegenüber. Dann traf die kleine jüdische Delegation ein in schwarzen Roben und mit wallenden Bärten, in ihrer Mitte der Hausmeister.

Der Papst wandte sich dem Hausmeister zu, und die Debatte begann. Feierlich hob der Heilige Vater einen Finger und fuhr mit ihm über den Himmel. Der Hausmeister zeigte sofort energisch auf die Erde. Der Papst schien etwas überrascht. Noch würdevoller hob er wieder einen Finger und hielt ihn dem Hausmeister nachdrücklich vors Gesicht. Der Hausmeister hob daraufhin drei Finger und hielt sie genau so bestimmt vor das Gesicht des Papstes, der von dieser Geste überrascht schien. Dann griff der Papst mit der Hand in sein Gewand und holte einen Apfel aus der Tasche. Daraufhin griff der Hausmeister in seine Papiertasche und holte ein flaches Stück Matze heraus. Da erklärte der Papst mit lauter Stimme: „Der jüdische Vertreter hat die Debatte gewonnen. Das Ausweisungsedikt wird hiermit zurückgezogen.“

Die jüdischen Führer umringten den Hausmeister und führten ihn weg. Die Kardinale drängten sich erstaunt um den Papst. „Was geschah, Euer Heiligkeit?“ fragten sie. „Wir konnten den schnellen Ausfällen und Paraden der Debatte nicht folgen.“ Der Papst wischte sich den Schweiß von der Stirn und sagte: „Dieser Mann ist ein brillanter Theologe, ein Meister der Debatte. Ich bewegte meine Hand über den Himmel, um damit anzudeuten, daß das ganze Universum Gott gehört. Er zeigte mit seinen Fingern nach unten, um mich zu erinnern, daß es einen Ort, Hölle genannt, gäbe, wo der Teufel absolut herrscht. Ich hob dann einen Finger, um anzuzeigen, daß Gott Eins ist. Stellen Sie sich mein Erschrecken vor, als er drei Finger hob, um zu zeigen, daß sich dieser eine Gott auch in drei Personen manifestiert, womit er sich unserer Lehre von der Dreieinigkeit anschloß.

Wohl wissend, daß es unmöglich sein würde, dieses theologische Genie auszustechen, verlagerte ich die Debatte schließlich auf ein anderes Gebiet. Ich holte einen Apfel heraus, um anzudeuten, daß laut einiger neumodischer Theorien die Erde rund sei. Er zog sofort ein flaches Stück ungesäuerten Brotes heraus, um mich zu erinnern, daß laut Bibel die Erde eine Scheibe sei. Es blieb nichts anderes übrig, als ihm den Sieg zuzuerkennen.“

Unterdessen waren die Juden in ihrer Synagoge angekommen.
„Was geschah?“ fragten sie den Hausmeister verwundert. Dieser war empört. „Es war ein blödes Getue“, sagte er. „Zunächst bewegte der Papst seine Hand, als wolle er den Juden sagen, raus aus Rom. Also zeigte ich nach unten, um ihm klarzumachen, daß wir uns nicht rühren würden. Dann zeigte er mit einem Finger drohend auf mich, als wollte er sagen, werde mir bloß nicht unverschämt. Also hob ich drei Finger, um ihm zu verstehen zu geben, daß er uns gegenüber dreimal so unverschämt handele, wenn er uns aus reiner Willkür aus Rom ausweise.

"Was macht er dann?"
"Er holt sein Frühstück heraus. Also holte ich auch meines.“

Oft ist Wirklichkeit nicht das tatsächlich Bestehende, sondern das, was wir als solche anzusehen gewillt sind.

Aus: "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt" von Anthony de Mello

Liebe Grüße Tarajal :)
 
regulat-pro-immune
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Die Macht einer Frau

Elf Leute hingen an einem Seil von einem Hubschrauber.
Es waren zehn Männer und eine Frau.
Da das Seil nicht stark genug war, um alle zu halten,
beschlossen sie, dass einer loslassen müsste,
weil sie sonst alle abstürzen würden.
Sie konnten sich nicht entscheiden, wer das sein sollte,
bis schließlich die Frau eine sehr rührende Rede hielt und sagte,
sie würde freiwillig loslassen, weil Frauen es gewohnt seien,
alles für ihre Kinder und ihren Mann aufzugeben,
Männern alles zu schenken und nichts dafür zurückzubekommen.
Als sie fertig war, begannen alle Männer zu klatschen.

Liebe Grüße Tarajal :)
 

Clematis

“Wissenschaft ist der Glaube an die Ignoranz von Experten,” und führt zu “der Art von Tyrannei, die wir heute in vielen Institutionen haben, die dem Einfluss von pseudowissenschaftlichen Beratern verfallen sind.”

(Richard Feynman, What is Science?)
 
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Das alte Brot

Ein alter Professor ist verstorben und seine drei Söhne machten sich daran, seinen Haushalt aufzulösen. Dabei fanden sie in seinem Arbeitszimmer neben zahlreichen wertvollen Sachen einen harten, vertrockneten Laib Brot.

Die Haushälterin, die den Professor bis zu seinem Tod betreut hatte, wusste, was es mit diesem Brot auf sich hatte und erzählte es den drei Männern:

In den ersten Jahren nach dem Krieg war der Professor todkrank. Deshalb schickte ihm ein guter Freund einen Laib Brot, damit der Professor etwas zu essen hatte.

Der aber dachte an die verarmte Nachbarsfamilie mit ihren Kindern und ließ ihnen das Brot bringen.

Die Nachbarsfamilie war sehr berührt ob der Güte des Professors. Aber sie mochte das wertvolle Brot nicht für sich behalten und gab es an eine arme alte Witwe weiter, die im Haus in einer kleinen Dachkammer wohnte.

Die alte Frau brachte das Brot ihrer Tochter, die mit einem Kleinkind ein paar Häuser weiter wohnte und nichts zu essen hatte.

Die Mutter dachte an den todkranken Professor, der ihren kleinen Sohn bereits einmal geholfen und dafür kein Geld genommen hatte. Und so schickte sie den Laib an den Professor.

Der Professor hat das Brot sofort wiedererkannt. Als er nun den Laib in der Hand hielt, sagte er:

„Solange noch Menschen unter uns leben, die so handeln, braucht uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein.“

So legte er es in den Schrank. Er wollte es immer wieder ansehen, wenn er mal nicht weiter wusste und die Hoffnung verlor.


1. Es gibt immer Leute, die es noch schwieriger haben als wir.
Seien wir dankbar dafür, dass es so ist wie es ist und nicht schlimmer.

2. Tu etwas Gutes und etwas Gutes kommt zu dir zurück. Doch tu es nicht, damit es zurück kommt.

Liebe Grüße Tarajal :)
 
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Anruf bei einer Service-Hotline. So installiert man Liebe.


Anrufer:

Hi, ich hab hier ein neues Programm, das würde ich gern auf meinem persönlichen System installieren. Es heißt LIEBE. Was soll ich denn da alserstes machen?

Hotline:
Auf Ihrer Festplatte gibt es eine Partition, die heißt HERZ. Haben Sie die?

Anrufer:

Ach so, das ist der Trick! Ich hab’s immer auf der Hauptpartition KOPF versucht. Na gut, ich probier das mal ? Mist, HERZ ist aber ziemlich voll!

Hotline:

Machen Sie mal den Task-Manager auf und gucken unter „Prozesse“. Was läuft denn da so?

Anrufer:
Oh je, Alte_Verletzungen.exe, Groll.com, Geiz.com, Ablehnung.exe und lauter so Zeug. Vor allem Hass.exe? Boah, das krallt sich fast den ganzen Speicher!

Hotline:

Kein Problem. LIEBE wird vieles davon automatisch aus Ihrem Betriebssystem raushauen. Manches bleibt zwar im Hintergrund aktiv, wird aber keine anderen Programme mehr stören. Alte_Verletzungen.exe und Geiz.com müssen Sie aber vor der Installation selber vollständig löschen.

Anrufer:
Nein! Das ist ein ganz wichtiges gutes altes Stück! Das hat mich Jahrzehnte gekostet, all die Komponenten dafür zu sammeln! Muss das wirklich raus?

Hotline:
Ja, das ist unumgänglich. Gehen Sie ins Startmenü und suchen Sie Zubehör/Verzeihung. Das lassen Sie so oft laufen, bis Geiz.com und die Alten_Verletzungen vollständig raus sind.

Anrufer:
Na gut, wenn“s sein muss. LIEBE ist mir einfach so sehr empfohlen worden, das Ding will ich unbedingt hier laufen haben! So, geschafft … He! Da steht jetzt: „ERROR 490 ? Programm läuft nicht auf internen Komponenten“. Was soll denn das?

Hotline:
Nichts Schlimmes, ist ein altbekanntes Problem. Es bedeutet, dass LIEBE für externe HERZEN konfiguriert ist, aber auf Ihrem eigenen ist es noch nicht gelaufen. Das ist eine von diesen ganz komplizierten Sachen. Ich sag“s mal so: Sie müssen zunächst Ihr eigenes Gerät lieben, bevor es andere lieben kann.

Anrufer:

Hä?

Hotline:

Können Sie den Ordner Selbstakzeptanz finden?

Anrufer:
Ja, hab ich.

Hotline:
Wunderbar. Klicken Sie auf die folgenden Dateien und kopieren Sie die in den Ordner MEINHERZ, und zwar: Selbstvergebung.doc, Selbstschätzung.doc und Güte.txt. Außerdem bitte Selbstbeurteilung.exe aus allen Ordnern löschen und dann den Papierkorb leeren, sonst kommen die immer wieder zurück.

Anrufer:

LIEBE installiert sich jetzt ganz von selbst. Ist das gut so?

Hotline:

Ja, so gehört das. Nun sollte eine Nachricht auftauchen, dass sich LIEBE immer wieder neu lädt, so lange Ihre HERZ-Festplatte läuft. Sehen Sie
diese Nachricht?

Anrufer:
Seh ich. Ist die Installation nun abgeschlossen?

Hotline:
Ja, aber denken Sie dran, dass Sie bis jetzt nur die Basisversion installiert haben. Sie müssen sich nun mit anderen HERZEN vernetzen, damit Sie an die Upgrades rankommen.

Anrufer:

Ok. Klasse! Mein HERZ lädt gerade eine wunderschöne Melodie. Auf meinem Bildschirm läuft Lächeln.mpg. Wärme.exe, Friede.exe, Zufriedenheit.doc und lauter so Sachen breiten sich gerade im Speicher aus. Fühlt sich sehr gut an!

Hotline:
Fein. Damit ist LIEBE installiert und läuft. Von diesem Punkt an sollten Sie gut alleine weiterkommen.

Anrufer:
Jetzt brauchen Sie sicher meine Kontonummer wegen der Abbuchung.

Hotline (lacht):
Nein, LIEBE ist Freeware. Geben Sie das Programm bitte an jeden weiter,
den Sie treffen, mit allen Komponenten. Die Menschen werden es dann ihrerseits weiterverbreiten, und ich wette, dass Sie dann von denen eine Menge ganz feiner neuer Module zurückbekommen.

Anrufer:

Gebongt, will ich gern machen. Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Verfasser leider Unbekannt.


Liebe Grüße Tarajal :)
 
regulat-pro-immune

Clematis

B E F R E I U N G

Unsere größte Angst ist nicht unzulänglich zu sein.

Unsere größte Angst ist, daß wir unermeßlich mächtig sind.

Es ist unsere lichte, nicht unsere dunkle Seite,
die wir am meisten fürchten.

Wir fragen uns, WER bin ich mir anzumaßen,
brilliant, wundervoll, begabt und fabelhaft zu sein?

Tatsächlich, wer dürfen Sie denn nicht sein?

Sie sind ein Kind Gottes.
Den Unbedeutenden zu spielen, dient dieser Welt nicht.

Es ist nichts Erleuchtetes daran zu schrumpfen,
nur damit andere Menschen sich in Ihrem Beisein nicht unsicher fühlen.

Wir wurden geboren,
um die Herrlichkeit Gottes zu offenbaren, die in uns ist.

Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in uns allen.

Und wenn wir unser Licht strahlen lassen,
geben wir anderen Menschen unbewußt die Erlaubnis desgleichen zu tun.

Während wir von unseren eigenen Ängsten befreit werden,
befreit unsere Anwesenheit automatisch andere.

(Nelson Mandela, Antrittsrede 1994)
 

Clematis

Die Einladung

Mai 1944 - Oriah Mountain Dreamer - Indianischer Stammesälteste


“Mich interessiert nicht, womit Du Deinen Lebensunterhalt verdienst. Ich will wissen, was Du Dir ersehnst, und ob Du Dir zu erträumen traust, Deinem Herzenswunsch zu begegnen

Mich interessiert nicht, wie alt Du bist. Ich will wissen, ob Du riskieren würdest, für einen Narren gehalten zu werden, wegen Deiner Liebe, wegen Deiner Träume, wegen des Abenteuers lebendig zu sein.

Mich interessiert nicht, welche Planeten mit Ihrem Mond im Quadrat stehen. Ich will wissen, ob Du den Kern Deiner Trauer berührt hast, ob Du Dich durch den wiederholten Verrat im Leben geöffnet hast oder Du dadurch geschrumpft bist und Dich aus Furcht vor weiterem Schmerz verschlossen hast! Ich will wissen, ob Du mit dem Schmerz, meinem oder Deinem, still sitzen kannst, ohne zu versuchen ihn zu verstecken, ihn zum verblassen zu bringen, ihn in Ordnung zu bringen. Ich will wissen, ob Du voller Freude sein kannst, meiner oder Deiner eigenen, ob Du mit Wildheit tanzen kannst und Dich von der Verzückung bis in Deine Finger- und Zehenspitzen erfüllen lassen kannst, ohne uns zu ermahnen vorsichtig und realistisch zu sein, oder an die Beschränkungen zu denken, ein Mensch zu sein.

Mich interessiert nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob Du einen anderen enttäuschen kannst, um Dir selbst treu zu bleiben, ob Du die Anklage des Verrats ertragen kannst, ohne Deine eigene Seele zu verraten. Ich will wissen, ob Du treu sein kannst und daher auch vertrauenswürdig! Ich will wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, selbst wenn sie nicht jeden Tag schön ist, und ob ihre Anwesenheit für Dich ein Lebensquell ist. Ich will wissen, ob Du mit dem Versagen leben kannst, Deinem und meinem, und dennoch am Rande des Sees stehen und dem Silber des Vollmondes zurufen kannst, “JA!”

Mich interessiert nicht zu wissen, wo Du wohnst oder wie viel Geld Du hast. Ich will wissen, ob Du nach einer Nacht des Kummers und der Verzweiflung, bis auf die Knochen erschöpft und verletzt, aufstehen kannst, und für die Kinder das tun kannst, was getan werden muß.

Mich interessiert nicht, wen Du kennst oder wie es dazu kommt, daß Du hier bist. Ich will wissen, ob Du Dich mit mir in die Mitte des Feuers stellst und nicht davor zurückschreckst.

Mich interessiert nicht, wo oder was oder mit wem Du studiert hast. Ich will wissen, was Dich aus Deinem Inneren heraus aufrecht erhält, wenn alles andere wegfällt. Ich will wissen, ob Du mit Dir selbst allein sein kannst und ob Du wirklich die Gesellschaft magst, die Du in diesen leeren Momenten pflegst.”
 
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