Spätfolgen nach Trauma & Überlastung: HWS-Stenose (C3-C7), reduzierter Blutfluss, EEG-Auffälligkeit & Benommenheit

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02.09.26
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Hallo zusammen,

ich bin 60 Jahre alt (1,93 m groß, 130 kg) und wende mich an dieses Forum, da mein Gesundheitszustand seit 2012 massiv beeinträchtigt ist und die Beschwerden immer schwerer werden.

Anamnese & Verletzungen:

  • 1985–1987: Militärdienst in Afghanistan. Mehrfache vertikale Schläge gegen den Kopf (Anschlagen mit dem Kopf von unten nach oben an der Luke des BTR-60 Schützenpanzers).
  • 1987–2018: Arbeit als Mechaniker für Schwermaschinen. Jahrzehntelange schwere körperliche Arbeit, Vibrationen und Fehlhaltungen der Halswirbelsäule (HWS).
  • Seit 2012: Deutliche Verschlechterung. Es begann mit häufigen Kopfschmerzen und dem Gefühl von Herzbeschwerden am 2.–3. Tag nach schwerer körperlicher Arbeit (Kardiologische Untersuchungen waren ohne Befund). Seit 8 Jahren bin ich arbeitsunfähig.
Aktuelle Symptome:

  • Kopfschmerzen & Schmerzmittel: Die Kopfschmerzen beginnen im Nacken am Hinterhauptansatz. Früher nahm ich Saridon (bis zu 6 Tabl./Tag, wirkten schließlich nicht mehr). Aktuell verwende ich brausefähiges Solpadeine ohne Codein (2 Tabl.). Interessante Beobachtung: Bei längerer Einnahme von Diclofenac (Diclovit) wegen Rücken- und Fersenschmerzen verschwinden auch die Kopfschmerzen.
  • Massive Benommenheit ("Brain Fog") & Übelkeit: Ein Gefühl wie betrunken oder "neblig im Kopf", das 1–2 Mal pro Woche auftritt oder bis zu 14 Tage am Stück anhält. Währenddessen treten Kopfschmerzen und Übelkeit (ohne Erbrechen) auf.
  • Sehstörungen: Während der Benommenheit verschlechtert sich das Sehvermögen auf beiden Augen deutlich. Lässt die Benommenheit nach, normalisiert sich das Sehen wieder. Wegen plötzlicher Benommenheitsattakken musste ich beim Autofahren mehrmals am Straßenrand anhalten.
  • Verlauf: An guten Tagen ("Sonnenschein im Kopf") kann ich im Haushalt arbeiten und spüre danach eine normale, gesunde körperliche Müdigkeit. An schlechten Tagen geht fast nichts.
Befunde (MRT / Doppler / EEG):

  1. HWS-MRT: Ausgeprägte Deformationen (C3–C7), Diskovertebrale Schäden. Beidseitige foraminale Stenosierung auf allen Ebenen (C3–C7), Diskushernie C5/C6 mit Druck auf Nervenwurzeln und Duralsack.
  2. Lendenwirbelsäule (LWS-MRT): Starke Stenosen (L3–L5) mit Nervenwurzelreizung.
  3. Doppler-Sonographie: Reduzierter und ungleichmäßiger Blutfluss in den Vertebralarterien (V2-Segment).
  4. EEG: Epileptiformer Fokus in der linken frontalen Hirnhälfte (3 Hz Delta-Wellen, Spikes).
Meine Fragen an die Community:

  1. Kennt jemand diesen Zusammenhang zwischen HWS-Stenose/Vertebralarterien-Kompression, temporären Sehstörungen und tagelanger Benommenheit?
  2. Welche Erfahrungen gibt es mit der Behandlung von zervikogenen Kopfschmerzen, die gut auf NSAR (wie Diclofenac) ansprechen, aber durch mechanische HWS-Schäden verursacht werden?
  3. Hat jemand Tipps zur Entlastung der HWS oder zur Behandlung eines EEG-Fokus nach alten Kopftraumata?
Ich bedanke mich für jeden Rat!
 
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Du hast ja ganz schön viele und heftige Befunde. Aber auch ich würde eine ausschließlich schmerzunterdrückende Behandlung nicht akzeptieren wollen.

Vorweg möchte ich betonen, dass ich keine medizinische Ausbildung habe und auch keine eigene Erfahrung mit diesen Befunden. Lediglich im Bereich Kopfgelenk habe ich selbst einen Befund: Instabilität im Bereich Atlas-Axis, zusammenhängend mit beschädigten Bändern (Ligg. alaria). Zu solchen Schäden gibt es eine ganze Menge Material hier im Forum, in der Rubrik Oxidativer/Nitrosativer Stress.

Hier knüpft auch gleich eine Frage an: Wurde das Kopfgelenk (C1-C2) nicht mit untersucht? Das ist wohl bei üblichen HWS-Untersuchungen so - allerdings wäre dieser Bereich für dich womöglich interessant. Denn du hast Kopf-Traumata und du hast "Kopfbeschwerden" (-schmerzen, Benommenheit, Sehstörungen), die durch einen Befund in diesem Bereich erklärt werden könnten. Die untere HWS macht dagegen wohl eher Beschwerden in den Armen. Interessant wäre auch eine Abhängigkeit der Beschwerden von der Kopfhaltung. Bei mir z.B. kann ein Abknicken des Kopfes und Überkopfarbeiten zu Problemen wie Schwindel führen.

Weitere Frage: Wurde dem Befund der Doppler-Sonographie weiter nachgegangen? Liegt da eine Stenose vor?

Wurde der Frage nachgegangen, ob eine Epilepsie vorliegt? Dabei ist ja womöglich das EEG nur ein Puzzleteil. Vielleicht könnte eine solche die anfallsartigen Beschwerden ("Benommenheitsattacken") erklären?

Welche Erfahrungen gibt es mit der Behandlung von zervikogenen Kopfschmerzen, die gut auf NSAR (wie Diclofenac) ansprechen, aber durch mechanische HWS-Schäden verursacht werden?
Hier gibt es wie geschrieben v.a. Erfahrungen betreffend den Kopfgelenksbereich. Dabei spielt das Vermeiden bestimmter Haltungen und Bewegungen eine Rolle (Nackenstützkissen in der Nacht, gut besohlte Schuhe, ggf. aufrechte Sitzhaltung beim Radfahren,...). Auf der anderen Seite können bestimmte Übungen zur Kräftigung der Nackenmuskulatur (isometrische Übungen, Walking auf weichem Untergrund, ...) und eventuell eine Atlastherapie nach Arlèn bei einem sehr guten Therapeuten hilfreich sein. Dazu liegen gemischte Erfahrungen vor, es kann auch "nach hinten losgehen". In der Zeit meiner Diagnose wurden mir nur 3 Atlas-Therapeuten in ganz D empfohlen, von denen aber mindestens 2 nicht mehr praktizieren. Genauer kannst du das in der genannten Rubrik nachlesen.
 
Hallo Kate,

vielen Dank für deine sehr fundierte und hilfreiche Antwort! Du hast genau ins Schwarze getroffen.

Zu deinen Fragen:

1. Kopfgelenk (C1-C2): Das Kopfgelenk wurde bei den Standard-MRTs im Liegen tatsächlich nie isoliert oder funktionell (in Bewegung) untersucht. Aber genau wie bei dir lösen Kopfbewegungen – besonders das Überstrecken des Kopfes nach hinten – sofort meine Symptome (Benommenheit, Sehstörungen, Übelkeit) aus. Auch ein früherer Sturz beim Skifahren führte zu einer abrupten Entlastung, wonach die Benommenheit schlagartig nachließ – ein klarer Hinweis auf eine mechanische Komponente im oberen HWS-Bereich.

2. Doppler-Sonographie & Gefäße: Dem reduzierten Blutfluss in den Vertebralarterien (V2-Segment) wurde von den Ärzten leider nicht weiter nachgegangen. Man hat es ignoriert und mir stattdessen symptomatische Schmerzmittel und Antidepressiva verschrieben.

3. EEG & Epilepsie-Fokus: Einen klassischen epileptischen Anfall (mit Krämpfen) hatte ich nie. Die Ärzte haben sich für meine Vorgeschichte (Kopftraumata im Militärdienst) überhaupt nicht interessiert. Als das EEG den "epileptiformen Fokus" zeigte, hat man mir sofort Antiepileptika verschrieben, ohne zu hinterfragen, woher dieser Fokus kommt oder wie er mit der HWS-Problematik zusammenhängt.

4. Zu den Behandlungen: Ich habe bemerkt, dass manuelle Therapie am Hals meinen Zustand zuletzt eher verschlechtert hat (was zu deiner Warnung bezüglich Atlastherapie passt). Das Einzige, was die Kopfschmerzen konsequent ausschaltet, sind entzündungshemmende NSAR (wie Diclofenac), da sie offenbar die Schwellung um die verengten Nervenkanäle reduzieren.

Ich werde mich definitiv in die von dir empfohlene Rubrik über oxidativen/nitrosativen Stress einlesen.

Danke dir nochmals für den wertvollen Anstoß!
 

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