Sommer

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August

von Theodor Storm

Inserat



Die verehrlichen Jungen, welche heuer

Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,

Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen

Wo möglich insoweit sich zu beschränken,

Daß sie daneben auf den Beeten

Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.



 
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7. August 1929

von Joachim Ringelnatz

Ein Zeppelin fliegt übers Meer.

Aber es gibt schon heute

Ganz gut gescheite Leute,

Die interessiert das gar nicht sehr.



Der Weltenraumverkehr floriert

Seit Urzeit, niemals minder.

Wo gut? Wo schlecht? – Das interessiert

Die Greise wie die Kinder.



Was man im Leben sich erwarb,

War Gnade oder Beute.

Da ich Geburtstag feiere, starb

Die Kathi Kobus heute.



Es hat an solchen Tagen –

— — — — — —

Was wollte ich denn eigentlich sagen? –

Es hat ein Jedes was erträumt.

Es hat ein Jedes was versäumt.



 
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Der scheidende Sommer

Das gelbe Laub erzittert,
Es fallen die Blätter herab;
Ach, alles, was hold und lieblich,
Verwelkt und sinkt ins Grab.

Die Gipfel des Waldes umflimmert
Ein schmerzlicher Sonnenschein;
Das mögen die letzten Küsse
Des scheidenden Sommers sein.

Mir ist, als müsst ich weinen
Aus tiefstem Herzensgrund;
Dies Bild erinnert mich wieder
An unsre Abschiedsstund'.

Ich musste von dir scheiden,
Und wusste, du stürbest bald;
Ich war der scheidende Sommer,
Du warst der kranke Wald.

Heinrich Heine
 
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Lasst vergehen, was vergeht.
Es vergeht, um wiederzukehren,
es altert, um sich zu verjüngen
es trennt sich, um sich inniger zu vereinigen,
es stirbt, um lebendiger zu werden.

F. Hölderlin
 
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Jetzt geht es langsam in den Herbst über :


Der Herbst
So komm, du wilder West,
und sing geheimnisvoll und runenkundig
in meinen Kiefern und Wacholderbüschen
das uralt düstere Jahreslied des Todes!
Und reiß aus meinem Herz des Sommers Freuden,
reiß sie gleich müd gewordenen Blättern ab,
auf dass mein Fuß sie raschelnd von sich stoße.
So wie von jenem Ahorn taumelnd dort
die schwarzgefleckten Blätter landwärts wirbeln,
lass all des Sommers gaukelnde Gestalten
zu krausen Scharen windgewiegt
ins graue Land Vergessenheit hinflattern!
Und dann, oh West, oh wilder West,
saug aus des Weltmeers weitgeebbten Brüsten
dir Sturmeskräfte hoch und schleudere mich
hohnlachend jenen Spukgestalten nach
und brause, laut aus vollen Lungen tobend,
über das Sommerglück, das du zerstört!

Gustav Sack
Gustav Sack - Biografie
 

Malve

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Sommerende

Das Dunkeln
beginnt wieder früher
und rauchiger atmet
die welke Natur.
Das Laub bedeckt
raschelnd die Wege,
schon zeichnet der Herbst
seine farbige Spur.
Noch Sommer
und doch schon vorüber.
Als Reif endet morgens
der Nebel im Gras.
Scheint mittags
noch wärmende Sonne,
verwandelt sie ihn
in Perlen aus Glas.

( Sonja Drechsel-Walther, (*1955), deutsche Lehrerin, Aphoristikerin, Lyrikerin und Dichterin)
 
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Wir sind ja mitten im Altweibersommer.
Dazu die Gedichte #441 und #444 und #446 und wahrscheinlich noch ein paar mehr.

Hier ist ja eine ganze Schatztruhe voller schöner Gedichte...

Gruss,
Oregano
 
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Ein alter Thread. Wer gerne Gedichte liest, kann hier einige finden ...

Grüsse,
Oregano
 
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1.

Ich habe die Heide
nie schöner gesehen,
einen prächtigen Anblick
bietet der grüne Wald.
An beiden können wir den Mai erkennen.
Ihr Mädchen, ihr sollt euch einen Partner suchen,
zum Empfang der sonnigen Sommerzeit fröhlich tanzen!

2.
Viele Zungen preisen
den Mai.
Die Blumen sind entsprossen
vielerorts,
wo man vorher keine finden konnte.
Neu belaubt steht die Linde.
Da hebt, wie ich hörte, ein Tanz von schmucken Mädchen an.

3.
Die sind unbekümmert
und freudigen Sinnes.
Ihr schönen
und liebreichen Mädchen,
schmückt euch, daß euch die Bayern danken,
die Schwaben und die Franken!
Schnürt eure weißen Röcke mit Seidenbändern fest um die Hüften!

4.
»Für wen sollte ich mich schön machen?«
sprach ein Mädchen:
»Die jungen Männer schlafen ja.
Ich habe keine Hoffnung mehr.
Frohsinn und Ehrgefühl sind aller Welt gleichgültig.
Die Männer sind flatterhaft.
keiner wirbt um eine Frau, die ihm Ehre bringen könnte.«

5.
»So darfst du nicht reden«,
sprach ihre Freundin.
»Wir haben Grund, fröhlich zu bleiben.
Es gibt noch viele Männer,
die tugendhaften Frauen gern dienen.
Laß darum solche Reden sein!
Um mich wirbt einer, der Trübsal vertreiben kann.«

6.
»Den mußt du mir zeigen,
damit ich sehe, wie er mir gefällt.
Der Gürtel soll dir gehören,
den ich umhabe!
Nenne mir ihn, der dich liebt,
ohne das jemand davon weiß!
Heute nacht träumte ich von dir, du wolltest von hier fort!«

7.
»Den sie alle nennen
den von Reuental
und dessen Lieder sie kennen
wohl allesamt,
der ist mir gewogen. Mit Gutem lohn ich's ihm.
Schön um seinetwillen
will ich mich schnüren. Doch fort, man läutet Mittag!«
Neidhart Sommerlieder

* um 1190
† um 1245

NEIDHART (NEIDHART VON REUENTAL, „Herr NÎTHART“) war ein mittelhochdeutscher Lieddichter, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte. Er wird heute als der erfolgreichste Lieddichter der deutschen Literatur des Mittelalters und als Begründer der literarischen Gattung des ländlichen Tanzliedes angesehen. Überliefert sind rund 140 Lieder, oft einfach gebaute Reigenlieder, in denen der Dichter vor allem statt der bis dahin üblichen hohen Minne die niedere Minne besang. Er verlegte damit - neu für seine Zeit - den Minnesang aus dem ritterlichen und erhaben höfischen in das teils obszöne, bäuerliche Milieu, was ihm u.a. den Stempel der Bauernfeindlichkeit aufdrückte. NEIDHARTs bekanntestes Lied ist das zum Volkslied gewordene „Nun will der Lenz uns grüßen“.
Die Verlegung des Minnesangs aus dem ritterlichen und erhaben höfischen in das teils obszöne, bäuerliche Milieu war neu für die damalige Zeit und befreite die mittelalterliche Dichtung aus ihrer ritualisierenden Erstarrung.

Die Liedthemen NEIDHARTs spiegeln einerseits das wirkliche, pralle Leben wieder; andererseits erweisen sie sich häufig zugleich als Parodie auf den Ritterstand und verspotten die Standespoesie. Generell lassen sich zwei verschiedene Liedtypen unterscheiden:

die Sommerlieder und
die Winterlieder.
In den Sommerliedern wirbt die Bauersfrau um den hoch über ihr stehenden Rittersmann. Meist versuchen Bauernmädchen oder -frauen, den Ritter zum Tanz im Freien zu bewegen. Häufig werden Konkurrenzsituationen und Streitgespräche um die Gunst des Ritters zwischen Mutter und Tochter besungen.

In den Winterliedern wird in der Bauernstube getanzt. Der ritterliche Sänger erobert – gegen die Konkurrenz der Bauernburschen – ein Bauernmädchen und wird in sogenannten Trutzstrophen von den Bauernburschen beschimpft.

Aufgrund seiner Lieder wurde NEIDHART im späten Mittelalter als Bauernfeind angesehen. Zur diesbezüglich sprichwörtlichen Figur wurde er vor allem in den zu den Fastnachtspielen gehörenden Neidhartspielen des 14. und 15. Jahrhunderts. Das „Neidhartspiel“ ist das älteste erhaltene Drama in deutscher Sprache (um 1200). Auch in dem Schwankroman „Neidhart Fuchs“ wird in 36 derben Schelmenanekdoten die Bauernfeindlichkeit des Dichters und seiner Zeit aufs Korn genommen.
https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/musik/artikel/neidhart-von-reuental

In einem kleinen oberbayerischen Dorf liegt ein Stein mit der 4.Strophe des Gedichts. Warum das Gedicht dort zitiert wird, weiß ich nicht. ich werde versuchen, das heraus zu finden.

Grüsse,
Oregano
 

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