Progestogel von Vifor Schweiz - enthält es humanidentisches Progesteron?

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Ist in Progestogel von Vifor (Schweiz) das natürliche Progesteron enthalten?
Ich habe ihn noch nicht aufgetragen, und will zuerst sicherstellen, dass es kein Gestagen/synthetisches Progestin ist.
 
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Mein Stand ist - auch laut kurzer Internetrecherche: Gestagen ist der Oberbegriff für alle Progesteron-ähnlichen Substanzen (genauer: Substanzen, die an den Progesteronrezeptor binden und dort eine agonistische Wirkung entfalten). Siehe z.B. https://flexikon.doccheck.com/de/Gestagen

Wenn als Inhaltsstoff "Progesteron" angegeben ist, dürfte natürliches/bioidentisches Progesteron gemeint sein. Sollte synthetisches Progestin enhalten sein, müsste die Verbindung wohl genauer angegeben werden - siehe Link, dort sind verschiedene gebräuchliche Verbindungen aufgezählt.

Hier

wird PROGESTOGEL Gel von Vifor in der ATC-Klassifikation so:
eingeordnet. Das interpretiere ich ebenfalls so, dass es zu den natürlichen Progesteronpräparaten gehört. Falls Du Zweifel hast, würde ich beim Hersteller oder in der Apotheke Deines Vertrauens eine PTA fragen.
 
Ich bin ziemlich sicher, daß mit Progesteron nur das humanidentische Hormon gemeint sein kann (der Unterschied natürlich/synthetisch greift hier nicht, denn das Progesteron in der Tube ist nicht aus der Natur gewonnen).
 
@Kate, ich bedanke mich sehr für deine klärende Recherche! Das konnte ich selber nicht herausfinden, obwohl ich auf der Seite compendium war.
So werde ich nun die Creme anwenden.

@Malvegil: danke auch hier für die Begriffsklärung. Soweit ich es zurzeit erkenne, wurde Jahrzehnte lang Progestin, also nicht das humanidentische, sondern das synthetische (=aus patentrechtlichen Gründen veränderte) Progesteron in HRT und Pille verwendet, und trug zu den Brustkrebs- Thrombosevorkommen bei, da es eben nicht Progesteron erhöht, sondern die Rezeptoren so blockiert, daß eine dauerhafte Östrogen Dominanz entsteht.
 
Eine Unklarheit bleibt noch: weshalb erwähnt der Beipackzettel als Nebenwirkungen beim humanidentischen Progesteron Thrombosegefahr, was eigentlich nur beim Progestin (z.b. Medroxyprogesteron) eine Nebenwirkung ist?
Oder hat erhöhtes Progesteron im Körper Thrombosegefahr zur Folge?
 
Meines Wissens ist die Vorschrift die, daß bei allen Hormonen der gleichen Klasse alle Nebenwirkungen aufgeführt werden, auch wenn sie je nach Verabreichungsweg oder nach spezifischem Wirkstoff unwahrscheinlich sind. Dafür ist vielleicht auch verantwortlich, daß die große, 'böse' WHI-Hormonstudie von vor 25 Jahren keine Differenzierung der Nebenwirkungen nach veränderten oder bioidentischen Hormonen erlaubt hat (damals waren veränderte Hormone das Normale), weshab danach bekanntlich erst einmal die gesamte Hormonersatztherapie in Verruf geriet.

Meines Wissens geht das Thromboserisiko immer auf die Östrogen-Wirkstoffe zurück, die in vielen Fällen ja gemeinsam mit dem Progesteron eingesetzt werden (bei Verhütungsmitteln und bei der Hormonersatztherapie). In meinem Progesteron-Beipackzettel steht die Thrombose nur unter den Nebenwirkungen einer HET mit Ö und P aufgelistet, nicht speziell für das Progesteron.
 
Zuletzt bearbeitet:
Jetzt verstehe ich! Danke dir, Malvegil.
Es grenzt für mich fast an ein Verbrechen, daß wir all die Jahre nicht darüber aufgeklärt wurden, daß ein synthetisch absichtlich veränderter Wirkstoff verwendet wurde, der so viel Schaden angerichtet hat. Wer hätte denn ohne Internet herausfinden können, daß es das humanidentische Progesteron all die Jahrzehnte schon gab, und es gegen so viele Beschwerden hilft (lese jetzt gerade die Bücher von Dr. Lee "What your doctor may not tell you about breast cancer/menopause/perimenopause").
 
Naja, seit einigen Jahren wird das schon ganz breit und offiziell so berichtet:

Die Beipackzettel-Politik finde ich auch falsch. Da werden Frauen abgehalten, die harmlosesten Dinge zu verwenden. Meine Mutter hat z. B. Angst, eine lokale Östrogencreme auszuprobieren, die gegen dauernde und wiederkehrende Harnwegsinfektionen super helfen könnte.
 
Habe den PZ Artikel gelesen. Jedoch erwähnt er in keinster Weise, was du oben angesprochen hast, nämlich daß die Studie nicht zwischen bioidentischen Prog und synthetischen Progestin unterschieden hat. Sonst hätten die Gynäkologen die BHRT angewendet - aber nein, es wurde gar nichts gemacht. Ich bin kurz vor der Menopause, und das Thema ist für mich neu, aber ich bin nach wie vor entzetzt. Mit einer otc Progesterone cream sind bei mir die restless legs symptome verschwunden, an denen meine Mutter 13 Jahre lang gelitten hatte. Wenn ich damals nur mehr gewusst hätte....

Danke, daß du das mit dem Beipackzettel so klar erwähnt hast. Ich finde das ganze ziemlich hinters Licht führend....
 
... humanidentische Hormon ... (der Unterschied natürlich/synthetisch greift hier nicht, denn das Progesteron in der Tube ist nicht aus der Natur gewonnen
Ja, humanidentisch ist der bessere Begriff. Hatte den Aspekt heute morgen nicht im Fokus. Werde den Titel korrigieren.

Soweit ich es zurzeit erkenne, wurde Jahrzehnte lang Progestin, also nicht das humanidentische, sondern das synthetische (=aus patentrechtlichen Gründen veränderte) Progesteron in HRT und Pille verwendet,
Ich meine, dass früher meist synthetische Gestagene statt naturidentischem Progesteron genutzt wurden, weil sie besser oral verfügbar, stabiler und von der gewünschten Wirkung (auf das Endometrium) her zuverlässiger waren. Naturidentisches Progesteron wurde erst durch spätere Formulierungen praktikabler.
 
Im Englischen Sprachraum sprechen sie von bioidentical hrt, und damit ist klar das Progesteron gemeint, welches aus Yams gewonnen und dann im Labor aus dem Diosgenin hergestellt wird. Dieses, genannt Progesterone USP, wurde von der FDA 1978 zugelassen, und hat sich soviel ich weiß nicht groß verändert.
Mir wurde 1993 vom Frauenarzt das Progestogel verschrieben. Somit war seit fast 50 Jahren das humanidentische Progesteron zugelassen, es ist somit nicht vor Kurzem erst verbessert?
 
Ich meine, dass früher meist synthetische Gestagene statt naturidentischem Progesteron genutzt wurden, weil sie besser oral verfügbar, stabiler und von der gewünschten Wirkung (auf das Endometrium) her zuverlässiger waren. Naturidentisches Progesteron wurde erst durch spätere Formulierungen praktikabler.
Progesterone USP, wurde von der FDA 1978 zugelassen, und hat sich soviel ich weiß nicht groß verändert.
Es ist wohl so, dass das die oralen Anwendungen betrifft und transdermale eine andere Geschichte haben. Hier kann man etwas über die pharmokologischen Eigenschaften nachlesen und sieht auch, dass das betreffende Gel seit 1982 zugelassen ist:
 
Ich habe nun von der Hersteller Firma die Antwort erhalten, daß in Progestogel das bioidentische Progesteron enthalten ist, welches aus dem Diosgenin der Yams-Wurzel synthetisiert wird, manchmal auch aus dem Stigmasterin der Soja-Bohne.

Danke nochmals an @Kate und an @Malvegil für eure Hilfe.
 
Nur kurz ergänzt - sozusagen als Nebenprodukt aus meiner Recherche (ohne Gewähr):
Für die Anwendung von (naturidentischem) Progesteron war die Entwicklung bzw. Markteinführung des Mikronisierungsverfahrens wichtig, die aber schon um 1980 erfolgte. Erst danach kam Progestogel überhaupt auf den Markt. Das vorher verwendete nicht mikronisierte Progesteron wurde wohl sehr schlecht aufgenommen.

Und noch ein Link zum Thema Gestagen:

Open Access 27.04.2021 Menopause

Gestagengabe in der Menopause: Was sind Unterschiede, Vorteile und Nachteile der einzelnen Präparate?

Eine aktuelle Übersicht

Verfasst vonUrsula Gobrecht-Keller
Erschienen in Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Schweiz | Ausgabe 2/2021
 

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