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Meditation und Unterschied zu autogenem Training

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Quelle: https://www.ngfg.com/texte/ae041.htm

Meditation kommt von lat. "medias" (Mitte) oder/und vom lat "meditatio" (Nachsinnen, in Gedanken vertieft sein). Unter Meditation werden im allgemeinen Techniken verstanden, die geeignet sind, einen Bewußtseinszustand herbeizuführen, der in entscheidenden Punkten vom normalen Tagesbewußtsein abweicht. Entscheidend für eine Meditation ist die Konzentration auf einen Gegenstand der Betrachtung. Dieser Gegenstand der Betrachtung wird sozusagen allein in die Mitte unserer Aufmerksamkeit gestellt und erfüllt unser gesamtes Bewußtsein.

Bei einer Meditation - egal welche Technik praktiziert wird - konzentriert sich der Meditierende in der Regel auf einen visuellen, olfaktorischen, akustischen oder gedanklichen Reiz und bemüht sich, diesen Gegenstand seiner Betrachtung alleine in seinem Wachbewußtsein zu fixieren und alle anderen Reize und Gedanken aus seinem Bewußtsein auszuschließen.

Meditation darf nicht mit simplen Entspannungstechniken wie "autogenes Training" verwechselt werden. Weder von der Wirkung noch von dem Einfluß auf die Gehirnstromaktivität besteht hier eine große Gemeinsamkeit. Während Autogenes Training als Selbstkonditionierungsmaßnahme eher symptomatisch wirkt, den Geist "beruhigt" und innere Spannungen einfach "vergessen läßt", schärft Meditation die Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Ausgeglichenheit des Bewußtseins.

Obwohl sowohl Meditation als auch Selbsthypnose eine bestimmte Form von Trance bewirken, sind die typischen suggestiven Entspannungsmethoden zielgerichtet (auf Entspannung) und die Meditation ist unmittelbar ziellos. Während AT und andere Methoden die Suggestibilität erhöhen und das "Selbst-Bewußtsein" eher schwächen, wird das Selbst durch Meditation gestärkt und die Suggestibilität vermindert. Der wichtigste Vorteil der Meditation gegenüber Autogenem Training, Biofeedback und anderen Entspannungstechniken ist jedoch die Tatsache, daß mehr Meditierende die regelmäßigen Übungen durchhalten als Übende der anderen Disziplinen. Dies liegt - wie Carrington meint - vor allem an dem Belohnungscharakter, den die Meditation bereits nach kurzer Zeit für den Meditierenden entwickelt; die Meditierenden freuen sich auf ihre regelmäßige Meditation.

Gruss, Marcel
 
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07.01.04
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Mal eine kleine Frage: Braucht es zur Meditation nicht vollkommen Losgelassenheit und Entspannung? Wie kriegt das jemand hin, der unter Dauerstress leidet? :? :? :?
 
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27.08.04
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Meditation IST der Weg zur Losgelassenheit und Entspannung.
Die Wirkung der Meditation beruht auf Achtsamkeit. Achtsamkeit bedeutet seinen Geist im Jetzt zu sammeln und zu beruhigen. Unser Geist ist sich Vollstress gewohnt und schweift in tausend Richtungen, ist also überall ein wenig und nirgends wirklich. Achtsamkeit lässt ihn ruhen, sammeln und dadurch vermag er grössere Energien freisetzen, ist in grösserer Konzentration vorhanden. Achtsam kannst du im Prinzip in jeder Situation sein (mach z.B. den Abwasch und sei dir einfach jeder einzelnen Bewegung bewusst, in dem Moment soll abwaschen das wichtigste in deinem Leben sein. Putz dir die Zähne und das Zähneputzen ist in diesem Moment das wichtigste in deinem Leben). Achtsamkeit muss man aber trainieren, da es nicht dem gewohnten Muster unseres Denkens entspricht. Und das gewohnte Muster dringt immer wieder mal durch und verstreut dann den Geist wieder. Setz dich einmal auf ein Kissen und schliess die Augen (achte auf eine möglichst ruhige Umgebung). Konzentriere dich NUR auf deinen Atem. Konzentriere dich nur im Jetzt zu sein. D. h. wenn du einatmest ist das Jetzt, denk nicht an den nächsten Atemzug (Zukunft) und nicht an das letzte Ausatmen (Vergangenheit). Das ist gar nicht so einfach wie es klingt. Erst wenn du das mal versuchst wirst du merken, wei arg dein Geist immer am rotieren ist und wo er überall rumgrübelt. Es gibt viele Reize von aussen, die ihn immer wieder irgendwohin schubsen. Seltsamerweise sind es oft schöne und angenehme Reize, diese ziehen jedoch einen Rattenschwanz mit sich und am Schluss landest du bei einem Gedanken, der Stress mit sich bringt. Vielleicht riechst du z.B. etwas gutes aus der Küche des Nachbarn (angenehm) und denkst plötzlich an die Bäckerei neben deinem Geschäft (angenehm) und dann an dein Geschäft selbst (vielleicht nicht mehr so angenehm) und schon kommt dir der grosse Stapel mit den Pendenzen wieder in den Sinn (unangenehm) und du denkst dein Chef ist eh sauer auf dich, weil du letzte Woche verschlafen hast (scheisse) schon hast du wieder Stress..............
Ich habe bereits ein Paar Bücher von Ayya Khema (eine bemerkenswerte Frau) gelesen. Sie ist gebürtige Deutsche und buddhistische Nonne. Sie vermag einem das ganze mit ihren einleuchtenden und unkomplizierten Worten viel besser zu erklären, als ich dies in der Lage bin. Unter Books.ch findet man einiges von ihr. Ich kann dir ihre Literatur von Herzen empfehlen, mir selbst hat es enorm geholfen etwas Ruhe in meinen sturmen Kopf zu bringen. Und je mehr ich Achtsamkeit übe, umso mehr muss ich selbst über mich schmunzeln, weil ich mir jeden Tag mehrmals bewusst werde, dass ich früher anders auf Situationen reagiert hätte und mir damit oft meinen Stress selbst gemacht habe.

Grüsse
Banks
;)


[geändert von Banks am 08-31-04 at 12:19 AM]
 
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10.01.04
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Ein sehr spannendes Thema. Schön, daß es hier angeschnitten wird.
Es gibt ja sehr verschiedene Arten, wie Meditation ausgeführt wird. Es gibt ZEN, Phantasiereisen,Atemmeditation, Tanzmeditation und viele andere Möglichkeiten. Ich denke, nicht jede Art ist für jeden geeignet. Mir z.B. fällt ZEN schon allein durch die Art des Stillsitzens schwer, andere finden genau das wunderbar.
Wichtig ist - meiner Ansicht nach -, sich auf darauf einzulassen, das im Jetzt-Sein so gut wie möglich zu machen, auch wenn immer wieder irgendwelche Gedanken durch den Kopf schwirren. Bei den ersten Meditationen, die ich in einer Klinik kennengelernt habe, hat der Lehrer das in die Meditation eingebaut: Aha, ein Auto fährt draußen vorbei. Ich nehme es wahr und lasse es ziehen. Aha, ich denke an das Mittagessen: ich nehme es wahr, lasse diesen Gedanken gehen usw. usw.
Mir hat das sehr geholfen, und inzwischen können viele Autos draußen vorbeifahren, ohne daß sie mich in irgendeiner Form beschäftigen. In meiner Gruppe machen wir meistens Phantasiereisen oder Kontemplationen und berichten danach, was wir so erlebt haben. Auch das ist phantastisch: jeder erzählt eine ganz andere Geschichte, und jede dieser Geschichte erzählt viel über den betreffenden Menschen :) .
Ich empfinde Meditation immer noch als ganz große Bereicherung, weil sie mir eine Welt eröffnet hat, die vorher einfach nicht da war.

Vom autogenen Training kann ich nichts sagen. Ich habe es nur während der Schwangerschaftsgymnastik gemacht und bin jedes Mal friedlich eingeschlafen :p ...

Gruß,
Uta
 
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07.01.04
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Hallo Uta

Das könnte mir auf keinen Fall passieren, dabei einschlafen. Denk mir eher, dass in so einer Situation das chronische Gefühl der Leere, der Langeweile erst recht auftritt. Ich brauche permanente Beschäftigung. Wenn ich an einer Webseite am Arbeiten bin hab ich nebenbei Chat und MSN auf, dazu läuft der Fernseher und das Radio. Nur so gelingt es mir einigermassen Ruhe zu kriegen.


[geändert von whitney am 08-31-04 at 10:34 AM]
 

Malve

Hallo Uta,

Deine Erfahrungen bei Meditationen kenne ich aus meiner frühere Fortgeschrittenengruppe im Autogenen Training. Jeder hat von seinen Bildern, Gefühlen und Eindrücken erzählt. Es war eine Art katathymes Bilderleben, und es war immer spannend zu erfahren, was die einzelnen Teilnehmer/innen empfunden bzw. "gesehen" haben.
Ich mußte damals leider meine Teilnahme beenden, weil der Tinnitus kam und ich mich nicht mehr in der Stille entspannen konnte. Mittlerweile kann ich besser damit umgehen und wende Entspannungsübungen für mich zu Hause an, je nachdem, nach welcher mir gerade ist.

Gruß

uma

P.S. Wir haben das Autogene Training im Sitzen gemacht - in weiser Voraussicht... und so war das Einschlafen doch etwas schwieriger;-)
 
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28.04.04
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hallo whitney!

was du beschreibst ist eine extreme form von rastlosigkeit, die (wenn auch in vielleicht milderer form) die meisten (modernen) menschen haben. banks hat die grundprinzipien der meditation - das "sammeln" des geistes - sehr schön beschrieben, wie ich finde. wege dorthin gibt es viele. im zen versucht man durch das von banks beschriebene konzentrieren auf die jeweilig durchgeführte aktion diese geistige sammlung zu erreichen. es gibt hier den leitsatz "entweder du meditierst immer oder nie". das leben wird gewissermaßen zur meditation. aber wie gesagt, viele möglichkeiten sind denkbar. joggen kann meditativ sein, atmung, das lauschen bestimmter klänge, musik und musizieren, mantren, malen und zeichnen, sex uvm.

wichtig ist nicht so sehr das was, sondern das wie.

ich betreibe seit 7 jahren tai chi chuan und seit über 15 jahren meditation (bin kampfkünstler und da ist die meditation immer auch ein wichtiges element). viele beschreiben genau das problem, das du auch schilderst - sie können einfach nicht aus dem beschäftigtsein heraus. äußere stimuli werden zu einer art "sucht" und man fühlt sich plötzlich leer und verloren wenn dieser stimulationsstrom abbricht. aber genau da solltest du ansetzen.

eine sehr gute übung, um einen einstieg zu finden ist das zählen der atemzüge. du machst es dir bequem, schließt die augen und beginnst tief, sanft und natürlich zu atmen und zählst dabei die atemzüge. von 1-10 und dann wieder von 1-10. das ist gar nicht so einfach. wenn gedanken in dir hoch kommen lass sie weiterziehen (wie uta schon angemerkt hat) und mach einfach weiter. keine zwänge, kein richtig und kein falsch. einfach diese übung.
falls dir auch das zu schwer fallen sollte, kann es auch helfen etwas progressiver an die sach heran zu gehen. power dich aus! laufschuhe an, in den wald und erst mal kräftig joggen. dann, schön abstrechen, heiß duschen und die übung in dem nun viel entspannteren zustand noch mal probieren.

für leute, die wirklich krasse probleme haben, ihren geist zur ruhe zu bringen (und nicht nur für die), eignen sich grundsätzlich eher bewegungsorientierte ansätze (z.b. joga oder qi kung oder dergleichen). hier helfen die bewegung und die wahrnehmung des körpers entspannung zu erreichen und dabei "inneren druck" (hektik, rastlosigkeit, unfokusiertheit) zu überwinden.

es grüßt,
wikinger
 
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28.04.04
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hey whitney!

ich kann mir vorstellen, dass wir als nicht-borderleiner nur schwer nachvollziehen können was sich bei dir im inneren abspielt. ich kenne eine borderlinerin, die ebenfalls unter starkstrom steht und von ängsten zerfressen wird. das ist wahnsinnig belastend.

dennoch würde ich das handtuch nicht so schnell werfen. es wird dir einiges an mentaler stärke abverlangen, aber einen versuch ist es allemal wert. wenn es nach sagen wir einem monat überhaupt keinen fortschritt gibt, dann kannst du es getrost über bord werfen.
aber du kannst es schaffen, denn es gelingt dir ja auch die nötige konzentration für das schreiben z.b. in diesem forum aufzubringen! die selbe konzentrationsfähigkeit kannst du für die meditation nutzen. nur hierbei konzentrierst du dich zunächst auf das bloße zählen von atemzügen. nicht mehr und nicht weniger.

fang vielleicht in kleinen schritten an - zähl nur ein/zwei tiefe atemzüge und hör auf. am nächsten tag machst du wieder zwei, irgendwann vielleicht drei usw. es geht auch darum zu lernen "mit sich selbst umzugehen", das heißt nachsichtig mit sich zu sein, nicht nachlässig, aber eben großmütig. dass da auch jede menge (negative) gedanken hoch kommen ist vollkommen okay.

das problem, das bei dir auftritt ergibt sich aus der konfrontation mit dir selbst.
nichts mehr schiebt sich zwischen dein bewusstsein und deine wahrnehmung, lenkt dich also von dir selbst ab (fernsehen, viele chats, aufräumen, putzen etc.). mit anderen worten dein bewusstsein konzentriert sich auf seine eigene wahrnehmung.
wenn das, was es da sieht chaotisch und beängstigend ist, kann dieser zustand der selbstwahrnehmung sehr beanspruchend sein. je mehr es einem aber gelingt diesen zustand "auszuhalten" und gedanken, gefühle, den körper etc. einerseits wahrzunehmen, und andererseits zu akzeptieren, bwz. "zu lassen", desto leichter fällt die übung von mal zu mal. dieser prozess fällt übrigens nicht nur borderlinern schwer, sondern den meisten menschen. je stärker gestresst, je stärker der geist in "unordnung", desto stärker das unvermögen zur aktiven ruhe und entspannung.

falls du es mal probieren solltest, würden mich deine erfahrungen sehr interessieren!

liebe grüße!
wikinger

p.s. das beste ist latürnich ein kompetenter lehrer.


[geändert von wikinger am 08-31-04 at 02:39 PM]
 
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07.01.04
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hallo Wikinger

Ja als "Nicht-Borderliner" ist die Gefühlswelt des Bordies nicht nachvollziehbar. Auch ja, es ist unheimlich belastend. Aber nein, ich werde diesen Versuch ganz sicher nicht starten. Ich kenn mich doch auch ein bisschen. Wie gesagt ich brauche immer mehrere Ablenkungen gleichzeitig, damit ich ja nicht ins Denken, ins Grübeln komme. Ich kann mich ja nicht mal bei totaler Müdigkeit ins Bett legen und einschlafen, da brauch ich mind. den Fernseher. Das zu erkennen und zu akzeptieren ist mal ein erster Schritt zur Besserung. Viele Meinungen beruhen darauf, dass man sich hinter einer Krankheit versteckt, wenn man die immer mal wieder erwähnt, ist aber nicht so, man erwähnt die um mit sich selber klar zu kommen. Zu akzeptieren was diese Diagnose überhaupt bedeutet.
 
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28.04.04
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ja, verstehe.

die eigene realität ist halt immer komplexer, als es andere zu sehen vermögen. :)

wünsche dir auf jeden fall einen stetigen fortschritt in deinen bemühungen!

liebe grüße!
wikinger
 
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07.01.04
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327
Danke. Mit Hilfe des neuen Therapeuten wird das sicher klappen.

Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Thema, der Meditation :D
 

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