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Daß bei Venlafaxin schon bei längerem Lieferprobleme auftreten, ist bekannt.
Es gibt aber überhaupt Lieferprobleme auf dem Medikamentenmarkt.
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Mehr als neun Millionen Packungen nicht erhältlich
Dies bestätigen Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: Die Fälle, in denen Medikamente nicht verfügbar waren, haben sich demnach im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Mehr als neun Millionen Packungen waren nicht erhältlich. Allein hochdosiertes Ibuprofen war mehr als 1,6 Millionen Mal nicht zu bekommen. Auch die Bundesärztekammer kritisiert die Lage inzwischen scharf, die Patientenversorgung sei bedroht.
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Viele Wirkstoffe würden mittlerweile in Fernost oder in Indien hergestellt und dort zu Arzneimitteln verarbeitet. Außerdem gebe es nur einen kleinen Pool von Wirkstoffherstellern. „Daran bedient sich die ganze Welt.“
Kommt es zu technischen Störungen, dann hat das globale Auswirkungen. Auch werde der Markt durch die steigende Nachfrage in Entwicklungsländern stetig größer - die Produktion komme nicht immer nach. Arzneimittel sind Arnold zufolge in Deutschland zudem oft billiger als in den Nachbarländern. Die Folge: Sie werden in Deutschland aufgekauft und in andere Länder geliefert, wo mehr Geld mit ihnen zu erzielen ist.
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„Momentan ist es so, dass ein Medikament manchmal morgens um 10 Uhr nicht verfügbar ist und uns keinerlei Infos darüber vorliegen, wann es wieder verfügbar sein wird. Um 17 Uhr hingegen kann ich es auf einmal wieder bestellen“, so die Apothekerin. „Dann muss ich als Apotheke mit der Bestellung schnell sein, denn selbst wenn ein Präparat lieferbar ist, reicht die Menge oft nicht für die große Zahl an Apotheken aus, die es nachfragen.“
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Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet allein ohne Impfstoffe 269 Präparate, die aktuell nicht verfügbar sind.
Dazu zählen etwa:
- Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen
- Blutdruckmittel wie Valsartan oder Candesartan
- Psychopharmaka wie Venlafaxin
- Blutdrucksenker wie Ramipril
- Magensäureblocker wie Pantoprazol
- Schilddrüsen-Mittel wie Jodthyrox
- Präparate gegen Gicht wie Colchicum Dispert
- Antibiotika wie Amoxicillin
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https://www.focus.de/gesundheit/rat...aende-in-deutschen-apotheken_id_11280904.html

Wohl dem, der keine Medikamente braucht!

Grüsse,
Oregano
 
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..
Dass Lieferengpässe durch das Coronavirus eine reale Gefahr sind, zeigt schon ein Bericht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), auf den sich der »Spiegel« letzte Woche bezog. Demnach kommen allein 17 wichtige Medikamente aus Wuhan, das derzeit von den chinesischen Behörden unter Quarantäne gestellt ist.

Tatsächlich sind Engpässe bei Medikamenten auch unter normalen Umständen keineswegs ungewöhnlich. Derzeit sind mehr als 250 Medikamente in Deutschland nur schlecht zu bekommen. Das betrifft nicht so sehr neue Hightech-Medikamente, sondern bewährte Wirkstoffe, deren Patente lange ausgelaufen sind.

Diese Generika werden möglichst billig meist in China und Indien produziert und erst in Europa zu fertigen Medikamenten verarbeitet. Insbesondere hängen auch viele indische Generikaproduzenten stark von den chinesischen Lieferanten in Hubei ab.

© METHAPHUM / STOCK.ADOBE.COM (AUSSCHNITT)
Verschiedene Tabletten und Kapseln durcheinander
Der Kostendruck erzeugt ein massives strukturelles Problem im Medikamentenmarkt, der das ganze System anfällig macht – zum Beispiel für das Coronavirus. Zum einen schließen Krankenkassen Rabattverträge mit bestimmten Herstellern und bezahlen nur noch dessen Medikament. Andere Hersteller werden dadurch aus dem Markt gedrängt – fällt der Vertragshersteller aus, gibt es kaum Alternativen. Dieser Mechanismus setzt sich durch die gesamte Lieferkette fort – Hersteller schließen gegen günstige Konditionen Exklusivverträge mit Lieferanten –, so dass schließlich bei vielen Grundstoffen nur noch ein oder zwei Hersteller den gesamten Weltmarkt beliefern.

Besonders ausgeprägt ist diese Abhängigkeit bei Antibiotika. Das führt schnell zu Problemen. Im Oktober 2016 explodierte zum Beispiel in China eine Fabrik, die ein Kombinationspräparat der Antibiotika Tazobactam und Piperacillin herstellte. Sie war eine von zweien weltweit, so dass plötzlich nur noch die Hälfte der Nachfrage bedient wurde. Das Präparat wurde auch in Deutschland knapp.

Die Coronavirus-Epidemie gefährdet die Versorgung mit Medikamenten auf verschiedene Arten. Etwa dadurch, dass Fabriken im Quarantänegebiet liegen und deswegen schlicht nicht oder nur mit Verzögerungen liefern können. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass auch in anderen Regionen Chinas ein Teil der Belegschaft nicht zur Arbeit kommt und die Fabriken deswegen nicht mit voller Kapazität produzieren.

Auch Verkehr und Transport innerhalb Chinas und aus China heraus sind beeinträchtigt. Dass die chinesischen Neujahrsferien verlängert wurden und deswegen ein Teil der Produktion fehlt, trägt schließlich ebenfalls zu möglichen Problemen bei der Versorgung bei.
...

Grüsse,
Oregano
 
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Es ist eine Schande für ein Land wie Deutschland, dass eine Medikamentenversorgung nicht sichergestellt ist.
Wieso lässt man zu, dass es für bestimmte Medikamente nur 2 Firmen weltweit gibt, die diese herstellen?
Dass es zu Engpässen dann kommt, wenn eine von beiden mal nicht liefern kann, weiß doch jeder.

Dass nun durch den Corona-Virus sich das Problem verschärft, ist auch klar.

Aber auch in anderen med. Bereichen ist die Versorgung derzeit nicht sicher:
Dass es keine Masken und Desinfektionsmittel mehr gibt, ist ebenfalls eine Schande.
Wieso werden solche Artikel nicht bevorratet?
Desinfektionsmittel halten 4 Jahre lang, so dass es möglich sein sollte, eine Vorratshaltung anzulegen.

Dass in D bei nur 200 Infizierten schon Mängel an Desinfektionsmitteln und Masken bestehen, ist mehr als peinlich und die Versorgung der Infizierten ist in Frage gestellt.
 
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Wuhu,
... Medikamentenversorgung nicht sichergestellt ... Dass nun durch den Corona-Virus sich das Problem verschärft, ist auch klar...
es ist allerdings auch die Chance, dass es nun jede/r mitbekommt, was das Problem ist - also wenn "ein Sack Reis in China" umfällt, es demnach auch hier bei uns Auswirkungen geben kann, betrifft ja nicht nur den Medikamenten-Bereich, sondern einige andere Branchen ebenso...

... Aber auch in anderen med. Bereichen ist die Versorgung derzeit nicht sicher:
Dass es keine Masken und Desinfektionsmittel mehr gibt, ist ebenfalls eine Schande.
Wieso werden solche Artikel nicht bevorratet?
Desinfektionsmittel halten 4 Jahre lang, so dass es möglich sein sollte, eine Vorratshaltung anzulegen.

Dass in D bei nur 200 Infizierten schon Mängel an Desinfektionsmitteln und Masken bestehen, ist mehr als peinlich und die Versorgung der Infizierten ist in Frage gestellt.
Da darf sich gefragt werden, warum zB die deutsche Regierung tonnenweise med Bedarfsmaterial nicht nur vor Wochen nach China ausflog, sondern erst kürzlich wieder eine solche ähnliche Ankündigung betr Iran machte (da ist zwar nichts von Masken und Desinfektionsmittel zu lesen, würde als Ausstattung auch dazu gehören) - aber am hierortigen Mangel ist natürlich nur die hiesige Bevölkerung mit ihren "Hamsterkäufen" Schuld, eh klar...


Solidarität mit allen Menschen auf der Welt ist selbstverständlich wichtig - doch auf die Solidarität mit sich selbst sollte dabei auch immer noch geachtet werden...

Das Positive ist nun, dass an dem Problem gearbeitet werden kann (und soweit mir bekannt auch getan wird) 😎
 
Zuletzt bearbeitet:

wege1

Die Sache ist ja, es darf alles nicht billig genug sein.
Gerade in Deutschland.
Egal was man kauft. Hatte die Woche ein Gespräch mit einem Handwerksmeister, da unsere neue teure Heizung laufend kaputt ist.
Wörtliche Aussage: Die Hersteller verwenden bewusst minderwertiges Material, womit gewollt ist, die Nachfrage nicht abreissen zu lassen.

Die Lieferketten kommen zu 90% aus China. Noch Fragen?

Das Gleiche gilt auch für Medikamente. Ganze Chargen gehen in‘s Ausland, da hier mehr gezahlt wird.

Das reiche Deutschland hat sich von wenigen ausländischen Herstellern abhängig gemacht. Seit mehr als 20 Jahren Multiversagen der Politiker und Verantwortlichen. Geld regiert die Welt.

Solche Aussagen wie der Linken „Reiche müsste man erschiessen oder sinngemäss ins Arbeitslager schicken“ zeigen nur, daß Irre hier am Werke sind. Das ist jetzt etwas o.t., zeigt aber, wo wir stehen.

Ich schenke mir jetzt weitere Beispiele, Absurdistan ist nichts dagegen.
 
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Bei den Medikamenten ist nicht der Verbraucher schuld, weil er keine Wahl hat.

Sonst ist er aber selbst schuld, wenn er billige Möbel, billige Textilien, billiges Werkzeug, billige Plastikartikel, billige Elektronik, billiges Fleisch haben will. Die können eben nicht hier, sondern nur in Billiglohnländern hergestellt werden. Fast zu allen diesen Dingen gibt es auch Alternativen, die noch hier hergestellt werden, dann aber das fünffache kosten.

Anfangen sollte jeder bei sich selbst und bei seinen Kaufgewohnheiten.
 

wege1

Ja, damit hast Du natürlich Recht.
Aber mein post war nicht auf Billiggeräte gemünzt.
Das Gleiche gilt auch für deutsche Markengeräte, die im oberen Preissegment liegen. Die Heizung war das teuerste Modell und für jede Störung hatte der Handwerksmeister eine definitive Erklärung bez. der verwendeten minderwertigen Materialien.

Bei zig Kunden das Gleiche. Welches Markengerät wird denn noch in Deutschland produziert und wenn ja, werden trotz allem oft keine hochwertigen Teile verwendet. Diese bittere Erfahrung haben wir jetzt mehrere Male machen müssen.

Ja man kann Produkte und Lebensmittel, die sehr hochwertig sind, kaufen.
Da reichen aber oft nicht mal 5 fache Preissteigerungen.

Irgendwo sind Grenzen gesetzt, die ein normaler Haushalt in Gänze kaum umsetzen kann.
 
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02.01.05
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Da darf sich gefragt werden, warum zB die deutsche Regierung tonnenweise med Bedarfsmaterial nicht nur vor Wochen nach China ausflog, sondern erst kürzlich wieder eine solche ähnliche Ankündigung betr Iran machte (da ist zwar nichts von Masken und Desinfektionsmittel zu lesen, würde als Ausstattung auch dazu gehören) - aber am hierortigen Mangel ist natürlich nur die hiesige Bevölkerung mit ihren "Hamsterkäufen" Schuld, eh klar...
Ja, dass dazu auch Masken und Desinfektionsmittel gehören, denke ich auch.
Dann verstehe ich umso weniger, wieso man behauptet, dass wir gut vorbereitet seien, wenn gleichzeitig bei sooo wenig Infizierten schon keine Masken und Desinfektionsmittel mehr da sind?!
Soll mir nochmal einer damit kommen, unser Gesundheitssystem wäre gut! Wie gelogen das ist, zeigt sich jetzt.

Auch das Chaos bei den sog. "Quarantänen" spricht dagegen ...
 
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...
blitz-a-t 5. März 2020

INDIEN SCHRÄNKT EXPORT VON 13 WIRKSTOFFEN EIN
Mit sofortiger Wirkung blockiert das indische Ministerium für Handel und Industrie den Export von 13 Wirkstoffen sowie entsprechenden Präparaten*.1 Mit dieser Maßnahme will Indiens Regierung die Versorgung der eigenen Bevölkerung trotz der durch die Coronavirus-Pandemie bedingten Produktionsausfälle sicherstellen. Indien ist nicht nur ein wichtiger Arzneimittellieferant für Europa und andere Regionen der Welt, sondern bezieht selbst 70% der verarbeiteten Wirkstoffe aus China.2,3

Betroffen von der Maßnahme sind die Wirkstoffe Aciclovir, Chloramphenicol, Clindamycin, Erythromycin, Metronidazol, Neomycin, Ornidazol, Parazetamol, Progesteron, Tinidazol sowie die Vitamine B1, B6 und B12,1 also auch relevante Arzneimittel. Sollten Produktionsstätten in anderen Ländern die durch das Exportverbot entstehenden Lieferausfälle nicht auffangen können, könnte es in einigen Bereichen eng werden, beispielsweise in der Selbstmedikation mit Analgetika. Denn die seit Monaten anhaltenden Versorgungsprobleme mit Ibuprofen (a-t 2019; 50: 110-2) sind immer noch nicht behoben. Auch ist Indien ein wesentlicher Produzent beispielsweise für das Antibiotikum Erythromycin. Der Exportbann kann somit längerfristig die hierzulande bereits bestehenden Lieferdefizite (a-t 2020; 51: 6) verstärken.

Die beträchtliche Abhängigkeit der indischen Arzneimittelproduktion von China lässt international nicht nur Versorgungsprobleme, sondern auch Preissteigerungen befürchten,3 zumal sich die Coronavirus-Pandemie weiter ausbreitet. Sorgen bereitet auch, dass in Indien ursprünglich eine Exportsverbotsliste mit 58 Medikamenten und Wirkstoffen erstellt worden ist, deren Produktion von chinesischer Ware abhängt.4 Eine Ausweitung des Exportverbots erscheint daher möglich.

Die Situation macht deutlich, wie stark inzwischen die Versorgung mit Arzneimitteln in Deutschland, Europa und vielen Teilen der Welt von Lieferungen aus dem asiatischen Raum abhängt. Die Notwendigkeit, die Produktion relevanter Arzneimittel nach Deutschland oder Europa zurückzuverlagern, wird immer drängender. Mit Mehrkosten durch Rückverlagerungen werden wohlhabende Industrieländer wohl leben können und müssen. Gesicherte Qualität und zuverlässige Versorgung mit Arzneimitteln sind jedoch wichtiger, als die Preise so niedrig wie möglich zu drücken. Billigproduktionen im asiatischen Bereich beruhen im Wesentlichen auf Niedriglöhnen, geringen behördlichen Vorschriften und minimalen Umweltauflagen (a-t 2018; 49: 73-5). Die Konsequenzen solcher nicht nachhaltiger Produktionsbedingungen dürften über kurz oder lang ohnehin auf die reicheren Bestellländer zurückfallen. Schließlich leben wir alle auf demselben Planeten, –Red.1

1Ministry of Commerce & Industry, New Delhi (Indien): Notification No. 50/2015-2020;https://dgft.gov.in/sites/default/files/Noti 50_0.pdf
2MÜLLER, C.: DAZ online; https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/03/04/indien-stoppt-arzneimittel-export
3ELLIS-PETERSON, H.: The Guardian vom 4. März 2020; https://www.theguardian.com/world/2...e-exports-coronavirus-paracetamol-antibiotics
4HEIN, C.: Die „Apotheke der Welt“ schließt ihre Türen. FAZ vom 5. März 2020;https://www.faz.net/aktuell/wirtsch...n-export-bestimmter-medikamente-16664827.html
*Zusammenfassend werden in einigen Meldungen Exportverbote für 26 Wirkstoffe erwähnt.
© 2020 arznei-telegramm, publiziert am 5. März 2020
 
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