Kayser-Fleischer-Ring - Macht das Sinn?

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Hallo,

folgendes Problem: An meinem Auge wurde 2x mal ein KF Ring Diagnostiziert und einmal nicht. Bei der Nicht-Diagnose wurde mir Pupillenerweiternde Tropfen gegeben. Macht das Sinn bei einer KF Diagnose?

Da ich vermute das hier einige schon einen KF-Ring mal live gesehen haben, wollte ich mal eure Meinung hören. Das Problem ist die starke Netzhautvernarbung wegen einer Augen OP und natürlich die von Natür aus Grün-Braune Augenfarbe.

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(draufklicken zum näherzoomen)

Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen. Ups, heisst natürlich Kayser-Fleischer-Ring. Ansonsten zu den Symptomen:
Mit 19 Parkinson ähnliche Krankheit mit Leberschaden. 180 myg Kupfer pro irgendwas in der Leber. Keine Eindeutige Diagnose konnte zu der Zeit in Heidelberg gestellt werden. Innerhalb von 2 Wochen besserung durch Zink. Dann bis 24 wenig Symptome, leicht erhöhte GPT Wert, erniedrigter AP Wert in der zwischenzeit. Nun Chorea-Huntington (c.huntington tritt nicht in derr Familie auf) ähnliche Symptome, allerdings noch nichts abgeklärt. Will nur nicht wieder ewig in der Neurologischen Diagnostik festhängen und dort wieder die ganzen Elektroschock und Nadeltests machen, wenn die Symptome doch halt auf MW eher passen. Allerdings sieht jeder Augenarzt einen KF Ring, wenn ich meine, dass er einen suchen soll.

Liebe Grüße
Julia
 
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Kaiser-Fleischer-Ring

Hallo Julia,

ein Kayser-Fleischer-Ring ist beim M. Wilson eigentlich schon die Diagnose, liest man immer.
Wenn Du ein Leberkupfer von 180µg/g Trockengewicht der Leber hast, ist das doch auch ein zusätzliches Kriterium.
Wurde denn in der Leberbiopsie auch ein Leberschaden festgestellt?
Hat man denn die Genuntersuchung schon gemacht?

Wie hoch ist/war denn das Urinkupfer in 24h?
Zum Urinkupfer sei zu sagen, dass die Bestimmung sehr laborabhängig ist, d.h. es gibt Riesenunterschiede bei den Urinkupferwerten bei verschiedenen Laboren, wenn man denen je eine Probe aus demselben Sammelurin sendet. Daher würde ich diese Bestimmung, sollte das Urinkupfer nicht erhöht sein, bei einem oder 2 anderen Laboren wiederholen.
Wenn Du allerdings Zink einnimmst, dann kann man kein Urinkupfer bestimmen, weil Zink das Urinkupfer senkt und das noch Monate nach evtl. Absetzen.
Ich würde es auch nicht absetzen, denn das kann im schlimmsten Fall zu einem Leberversagen führen oder zu einer heftigen Verschlechterung der Beschwerden.

Wenn es um die neurologische Diagnostik eines MW geht, dann rate ich, Dir nur Neurologen aus dieser Liste dafür zu suchen:
MorbusWilsonEV
Sinnvoll ist, einem neurologischen Wilson-Experten ein MRT des Gehirns zu zeigen. Leider können die Radiologen die typischen Veränderungen eines M. Wilsons oft nicht sehen, nicht mal Neuro-Radiologen (war bei mir so).
Und nicht in dieser Liste genannte Neurologen würde ich nicht zutrauen, einen M. Wilson zu diagnostizieren.

Bei den beiden Bildern würde ich den sog. "Sonnenblumen-Katarakt" bei Dier für möglich halten und am Rande kann man m. E. auch einen KF-Ring erkennen. Allerdings habe ich selbst keinen Kf-Ring und kenne auch niemanden mit einem KF-Ring, d. h. ich kenne ihn nur aus Bildern.

Vielleicht wäre eine 2. Leberbiopsie noch sinnvoll, wenngleich ich bei längerer Zinkeinnahme erwarten würde, dass das Leberkupfer dann auch nicht eindeutig sein wird.
Da wäre die Genuntersuchung wohl noch die beste Möglichkeit.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die mit einem Leberkupfer von nur 50µg einen M. Wilson haben. Der M. Wilson wurde bei ihnen genetisch nachgewiesen.
D. h. Du kannst mit Deinem Leberkupfer durchaus auch einen echten M. Wilson haben.
Das Leberkupfer schwankt in der Leber und je mehr die Leber geschädigt ist, umso niedriger wird das Leberkupfer. Gerade wenn man bereits neurologische Störungen hat, wird das Leberkupfer immer niedriger, weil die Leber es bereits an das Gehirn abgibt.

Was auch typisch bei M. Wilson ist, ist das niedrige AP.


Bei der Nicht-Diagnose wurde mir Pupillenerweiternde Tropfen gegeben. Macht das Sinn bei einer KF Diagnose?
Davon habe ich noch nie etwas gehört. Ich kenne die Kf-Diagnostik nur so, dass der Augenarzt mit der Spaltlampe das Auge absucht.

Also ich würde Dir auf jeden Fall dazu raten, die Wilson-Diagnostik nochmals zu machen bzw. zu ergänzen.
Ich denke, mit den Symptomen und den Angaben, die Du nanntest, hast Du am ehesten M. Wilson.

Gruß
margie
 
Da dieser Beitrag hier immer noch gerne aufgesucht und gelesen wird, will ich dazu mal ausführlich Stellung nehmen. Das wird zwar jetzt eher ein Grundsatzbeitrag (den ich auf meinen anderen Wesbeiten so noch gar nicht habe)... Also:
Ein Kayser-Fleischer-Ring ist eine grünliche, goldbraune oder graubraune Kupferablagerung am äußeren Rand der Hornhaut. Er gilt als wichtiger Hinweis auf Morbus Wilson, beweist die Erkrankung für sich allein jedoch nicht. Umgekehrt schließt ein fehlender Ring Morbus Wilson keineswegs aus.

Ob eine auffällige Verfärbung tatsächlich ein Kayser-Fleischer-Ring ist, lässt sich anhand von Handyfotos oder durch einen Blick in den Spiegel m.E. nicht zuverlässig entscheiden. Und überhaupt: das ist wirklich selten. Ich habe das in fast 30 Jahren vielleicht ein halbes dutzend Mal gesehen...

Wie sieht ein Kayser-Fleischer-Ring aus?​

Der Ring liegt nicht einfach „um die Iris“, auch wenn es auf Fotos so wirken kann. Das Kupfer lagert sich in der sogenannten Descemet-Membran ab, einer tieferen Schicht der Hornhaut.


kayserfleischerring​.png

Typisch sind:

  • grünliche, goldbraune, gelbbraune oder graubraune Verfärbungen,
  • eine Lage am äußersten Rand der Hornhaut,
  • zunächst häufig nur schmale Bögen oben und unten,
  • später unter Umständen ein vollständig geschlossener Ring,
  • meist ein Befund an beiden Augen.
Der Ring verursacht gewöhnlich weder Schmerzen noch eine Verschlechterung der Sehschärfe. Seine Bedeutung liegt nicht im Auge selbst, sondern darin, dass er auf eine erhebliche Kupferansammlung im Körper hinweisen kann.

Kann man den Ring auf einem Foto erkennen?​

Ein deutlicher, vollständig ausgebildeter Ring kann auf guten Nahaufnahmen sichtbar sein.

Augenfarbe, Beleuchtung, Spiegelungen, Narben nach Augenoperationen und normale Pigmentierungen können einen Ring vortäuschen. Auch die auf Fotos häufig sichtbare dunkle Umrandung der Iris ist nicht automatisch krankhaft.

Verwechselt werden können unter anderem:
  • ein Arcus lipoides beziehungsweise Arcus senilis,
  • der sogenannte Fleischer-Ring bei Keratokonus,
  • Pigmentierungen oder Narben der Hornhaut,
  • Veränderungen nach Augenoperationen,
  • ein Sonnenblumenkatarakt, der ebenfalls bei Morbus Wilson auftreten kann, aber an der Augenlinse liegt.
Die Bezeichnung „Fleischer-Ring“ ist besonders tückisch: Dieser entsteht beim Keratokonus durch Eisenablagerungen und ist nicht mit dem kupferhaltigen Kayser-Fleischer-Ring gleichzusetzen.

Wie wird der Kayser-Fleischer-Ring untersucht?​

Spaltlampe heißt das Zauberwort. Bei frühen oder nur angedeuteten Ablagerungen können zusätzlich eine Gonioskopie oder eine optische Kohärenztomographie des vorderen Augenabschnitts hilfreich sein. Ich musste mich da auch gerade mal schlau machen wie diese Geräte aussehen ;-)

Aber: ausgeprägte Formen sieht man auch mit der Lupe.

Welche Untersuchungen gehören zur Abklärung?​

Der Morbus Wilson ist eine erbliche Störung des Kupferstoffwechsels. Durch Veränderungen im ATP7B-Gen kann Kupfer nicht ausreichend über die Galle ausgeschieden werden. Es sammelt sich vor allem in Leber, Gehirn, Augen und weiteren Organen an.

Die Diagnose beruht deshalb nicht auf einem einzelnen Wert, sondern auf der Zusammenschau mehrerer Befunde. Dazu gehören insbesondere:
  • Kayser-Fleischer-Ring,
  • Gesamtkupfer im Serum,
  • Kupferausscheidung im 24-Stunden-Sammelurin,
  • Leberwerte, Bilirubin, Gerinnung und Blutbild,
  • Untersuchung auf eine Coombs-negative Hämolyse,
  • genetische Untersuchung des ATP7B-Gens,
  • gegebenenfalls Bestimmung des Kupfergehalts im Lebergewebe,
  • neurologische Untersuchung und bei entsprechenden Symptomen ein MRT des Gehirns.
Das früher häufig aus Gesamtkupfer und Coeruloplasmin errechnete „freie Kupfer“ ist relativ störanfällig. Nach den neueren europäischen Empfehlungen kann das direkt bestimmte austauschbare Kupfer beziehungsweise Relative Exchangeable Copper REC die Diagnostik verbessern. Dieser Test ist allerdings noch nicht überall verfügbar und ich habe keine Erfahrungen mit diesem Test.

Im Ausgangsbeitrag / Frage wurden unter anderem ein mehrfach beschriebener Augenring, neurologische Bewegungsstörungen, ein Leberschaden und ein Leberkupferwert von 180 µg/g Trockengewicht genannt.

Ein solcher Leberkupferwert liegt über dem üblichen Normalbereich, aber unter dem klassischen stark verdächtigen Schwellenwert von mehr als 250 µg/g Trockengewicht. Er kann die Diagnose unterstützen, beweist sie jedoch nicht allein. Zudem kann Kupfer ungleichmäßig in der Leber verteilt sein. Eine einzelne Gewebeprobe kann deshalb zu niedrig ausfallen; bei einer Cholestase kann Leberkupfer dagegen auch aus anderen Gründen erhöht sein.

Aus heutiger Sicht wäre diese Kombination ein klarer Grund für eine vollständige Abklärung...

Welche Beschwerden sollten an Morbus Wilson denken lassen?​

Verdächtig ist insbesondere die Verbindung mehrerer Symptomgruppen:
  • ungeklärte oder schwankende Leberwerte,
  • Fettleber, Hepatitis, Leberzirrhose oder Gelbsucht ohne klare Ursache,
  • Zittern, Muskelsteifigkeit, Dystonien oder unwillkürliche Bewegungen,
  • Veränderungen von Gangbild, Handschrift, Sprache oder Schlucken,
  • Konzentrationsabfall, Persönlichkeitsveränderungen oder psychiatrische Auffälligkeiten,
  • Coombs-negative hämolytische Anämie,
  • Morbus Wilson bei Geschwistern oder anderen nahen Verwandten.
Akute Gelbsucht, Verwirrtheit, Blutungsneigung, eine rasche Verschlechterung neurologischer Beschwerden oder Zeichen eines Leberversagens gehören umgehend in ärztliche beziehungsweise klinische Behandlung.

Morbus Wilson ist m.E. kein Fall für eine Entgiftungskur auf eigene Faust. Die Erkrankung ist gut behandelbar, unbehandelt aber potenziell tödlich. Je nach Krankheitsstadium werden von der Schulmedizin Chelatbildner wie D-Penicillamin oder Trientine sowie Zinkpräparate eingesetzt.

Auch Zink ist in diesem Zusammenhang nicht einfach ein harmloses Nahrungsergänzungsmittel. Es beeinflusst die Kupferaufnahme und kann Laborergebnisse verändern. Eine begonnene Wilson-Therapie sollte nicht eigenmächtig unterbrochen werden.

Eine kupferarme Ernährung kann die Behandlung ergänzen, aber die genetisch gestörte Kupferausscheidung nicht reparieren. Wer hier allein auf Ernährung oder naturheilkundliche Ausleitung setzt, behandelt nicht die Krankheit, sondern bestenfalls das eigene Wunschdenken.

Die wichtigsten Antworten auf einen Blick​

Kann man einen Kayser-Fleischer-Ring selbst erkennen?
Allenfalls vermuten. Die verlässliche Beurteilung erfolgt an der Spaltlampe.

Schließt ein fehlender Ring Morbus Wilson aus?
Nein. Besonders bei rein hepatischen und frühen Verläufen kann der Ring fehlen.

Ist der Ring immer vollständig geschlossen?
Nein. Früh können lediglich Verfärbungen am oberen und unteren Hornhautrand sichtbar sein.

Schädigt der Ring das Sehvermögen?
In der Regel nicht.

Kann der Ring unter Behandlung verschwinden?
Ja. Bei wirksamer Senkung der Kupferbelastung kann er blasser werden oder sich zurückbilden.

Genügt der Ring für die Diagnose Morbus Wilson?
Nein. Er ist ein gewichtiges Indiz und Teil des Leipzig-Scores, muss aber zusammen mit Laborwerten, Beschwerden und gegebenenfalls Genetik oder Leberkupfer beurteilt werden.
 

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