Die Sache ist inzwischen konkreter, als es zunächst aussieht: Eine Organisation hat öffentlich bestätigt, dass sie hinter dem Angebot an Sabine Hossenfelder stand. Und es gibt Hinweise darauf, wer solche Kampagnen finanziert und welche Interessen sie verfolgen.
Meine wichtigste Erkenntnis: Es geht offenbar nicht einfach darum, Angst vor KI zu verbreiten, sondern auch darum, die öffentliche Meinung und damit politische Entscheidungen über die Zukunft der KI zu beeinflussen.
1. Der konkrete Auftraggeber: ControlAI
Am 5. September 2026 veröffentlichte die Physikerin Sabine Hossenfelder ihr Video I Was Offered Money to Tell You AI Will Kill Us.
Sie erklärte, eine Organisation habe ihr Geld für ein Video über die existenzielle Bedrohung durch KI angeboten. Nach ihrer Darstellung sollte der Auftraggeber sogar bestimmen, welche Aussagen und Quellen sie verwendet.
Am 8. September meldete sich die Organisation ControlAI selbst zu Wort.
Sie bestätigte:
- Sie hatte im Juli 2026 Kontakt zu Hossenfelders Management aufgenommen.
- Sie bezahlt YouTuber für Inhalte über die Gefahren superintelligenter KI.
- Sie hatte ungefähr 1.000 YouTube-Kanäle kontaktiert.
- Neun Videos waren bis dahin gesponsert und neun weitere unbezahlt unterstützt worden.
Allerdings bestreitet ControlAI, vollständige redaktionelle Kontrolle verlangt zu haben. Die Organisation behauptet, dass Missverständnisse durch Hossenfelders Manager entstanden seien. Welche Darstellung zutrifft, ist anhand der veröffentlichten Informationen nicht abschließend geklärt.
blog.controlai.org
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Das erklärte politische Ziel von ControlAI ist ein internationales Verbot der Entwicklung künstlicher Superintelligenz. Die Organisation betrachtet diese Technologie als existenzielle Gefahr für die Menschheit.
ControlAI
2. Wer finanziert ControlAI?
Hier wird es interessant.
Ein namentlich bekannter Geldgeber ist Jaan Tallinn, Mitgründer von Skype, Technologieinvestor und langjähriger Förderer von Forschungsprojekten zu existenziellen Risiken.
Nach öffentlich ausgewerteten Spendenaufzeichnungen gingen 2023 und 2024 insgesamt 2,5 Millionen britische Pfund an Secure Future Research, die britische Organisation hinter ControlAI. Eine Zuordnung dieser Spenden zu bestimmten YouTube-Videos ist allerdings nicht belegt.
Red Threads
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Daneben gibt es ein größeres Netzwerk von Organisationen, die ähnliche Anliegen vertreten:
| Organisation | Bekannte Aktivität |
|---|
| ControlAI | Bezahlt Influencer, betreibt politische Lobbyarbeit für ein Superintelligenz-Verbot |
| Center for AI Safety | Fördert Inhalte über KI-Sicherheitsrisiken |
| Future of Life Institute | Organisiert Kampagnen und unterstützt öffentliche Kommunikation über KI-Risiken |
| Open Philanthropy | Finanziert Forschungs- und Förderprojekte zu langfristigen Risiken, darunter KI-Sicherheit |
Diese Akteure sind nicht einfach dieselbe Organisation und verfolgen auch nicht in allen Punkten identische Ziele. Es gibt jedoch Überschneidungen zwischen den Fördernetzwerken und den Debatten über existenzielle KI-Risiken.
Dealroom News
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3. Was wissen wir über El?
Auch El vom Kanal House of El: AI veröffentlichte am 22. September 2026 ein Video mit dem Titel Like Sabine Hossenfelder, I Was Offered Money to Tell You AI Will Kill Us.
Sie berichtet ebenfalls, eine Finanzierung für entsprechende Inhalte abgelehnt zu haben. Stattdessen analysiert sie zwölf wissenschaftliche Arbeiten über die Fähigkeit von KI, sich selbst zu verbessern, und die Frage, ob daraus tatsächlich eine existenzielle Bedrohung entsteht.
Zolotube
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Wer genau El das Geld angeboten hat, konnte ich nicht unabhängig feststellen. Es wäre daher voreilig, ControlAI auch in ihrem Fall als Auftraggeber zu benennen.
4. Was könnten die eigentlichen Interessen sein?
Ich sehe drei plausible Motive, die sich teilweise überschneiden.
Erstens: ernst gemeinte Überzeugung. Wohlhabende Technologieinvestoren und KI-Forscher können tatsächlich glauben, dass eine unkontrollierbare Superintelligenz die Menschheit bedroht. Das Geld wäre dann eine Investition in die Verhinderung eines Risikos, das sie selbst für real halten.
Zweitens: politische Einflussnahme. Wer die Bevölkerung von einer unmittelbar bevorstehenden Katastrophe überzeugt, kann leichter Unterstützung für weitreichende Gesetze, Entwicklungsverbote oder staatliche Kontrollmechanismen mobilisieren. Bei ControlAI ist diese politische Zielsetzung ausdrücklich dokumentiert.
Drittens: wirtschaftliche Interessen. Hier ist Vorsicht geboten, aber eine wichtige Frage lautet: Wer profitiert davon, wenn die Entwicklung neuer KI-Systeme durch hohe regulatorische Hürden erschwert wird?
Denkbar ist, dass bereits etablierte KI-Konzerne solche Hürden leichter erfüllen könnten als kleinere Wettbewerber. Allerdings wäre das noch kein Beweis dafür, dass diese Konzerne die konkreten Angstmacherkampagnen finanzieren. Außerdem fordert ControlAI ein Verbot auch für die großen KI-Labore – was einer einfachen Erklärung als Konzernlobby widerspricht.
5. Meine Einschätzung
Was die Beweislage derzeit hergibt:
Belegt: Eine organisierte und teilweise bezahlte Kommunikationskampagne über KI-Auslöschungsrisiken existiert.
Belegt: ControlAI hat den Kontakt mit Hossenfelder bestätigt; Jaan Tallinn ist als Geldgeber der Organisation bekannt.
Ungeklärt: Wer El konkret angesprochen hat und wie viel Geld angeboten wurde.
Nicht belegt: Dass eine einzelne verdeckte Macht oder ein großer KI-Konzern die gesamte Kampagne steuert.
Der entscheidende Punkt ist für mich die Unterscheidung zwischen wissenschaftlicher Risikoaufklärung und bezahlter Herstellung einer bestimmten öffentlichen Überzeugung.
Es ist legitim, vor gefährlicher KI zu warnen. Aber wenn wissenschaftlich auftretende YouTuber dafür bezahlt werden sollen, eine vorgegebene Schlussfolgerung zu präsentieren, ist das ein ernsthaftes Transparenzproblem.
Und die weiterführende Frage finde ich mindestens ebenso interessant: Warum investieren vermögende Menschen Millionen in die Überzeugung der Öffentlichkeit, dass gerade die Technologie, aus deren Umfeld ihr Reichtum stammt, eine Gefahr für die gesamte Menschheit darstellt?
Die dokumentierten Finanzströme zu verfolgen dürfte hier aufschlussreicher sein als jede Spekulation über geheime Auftraggeber.