Hyperchlorämische Azidose - Zusammenhang mit Magensäuremangel und intrazellulärem Magnesiummangel

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[Anmerkung Moderation: Beitrag wurde ausgelagert aus einem anderen Thread, siehe:
Falls es jemanden interessiert, kann ich gerne mal einen Post über hyperchlorämische Azidose machen mit den Infos, die ich bisher herausgefunden habe und wie es mit Magensäuremangel zusammenhängt usw. und warum man dann intrazellulären Magnesiummangel bekommt.
]

Das stimmt. Meines Erachtens gerade bei Fatigue/CFS ein grober Fehler.

Was meine Situation betrifft: ich darf es offenbar mit Phosphat nicht übertreiben, weil es die Azidose befeuern kann.

Soweit ich das Ganze mit der hyperchlorämischen Azidose bis jetzt verstanden habe, ist es so:

Warum auch immer, ist der Chloridspiegel bei mir im Serum sehr hoch (grenzwertig gerade noch in der Norm, immer so zwischen 107 und 109, war auch schon mal 111). Natrium liegt zwischen 139 und 142. Die restlichen Elektrolyte im Serum sehen normal aus. Eine Blutgasanalyse (venös) zeigte: Chlorid 107, Natrium 141,2; Kalium 3,99; und Calcium 1,21. Bis auf das zu hohe Chlorid alles normal. Leider wurde Bicarbonat, Basic excess und Anionenlücke nicht gemessen/berechnet. Außerdem war in der BGA der pH mit 7,348 zu niedrig (azidotisch). pO2 war niedrig, PCO2 sehr hoch. Das alles passt zu einer hyperchlorämischen Azidose. Auch wenn das Chlorid noch grenzwertig ist, ist das, was zählt, die "strong ion difference". Sie wird berechnet, indem man von "starke Kationen" (Kalium und Natrium) die "starken Anionen" (Chlorid, eventuell Sulfat) abzieht. Ideal wäre 42, bei mir ist es 38. Das alles zeigt eine (leichte) hyperchlorämische Azidose an.

Eine solche bringt mehrere Probleme mit sich:
Erstens einmal ist chlorid ein "starkes" Anion, das bedeutet, es lässt sich nicht leicht verdrängen. Um es auszuscheiden, benötigt die Niere Kationen (positiv geladene Ionen) als "Begleiter", z.B. Natrium. Wenn aber im Verhältnis zum Chlorid zu wenig Natrium da ist, hält das Blut das Natrium fest, die Niere scheidet es nicht aus, damit kann auch das Chlorid nicht effizient ausgeschieden werden. Das Chlorid reichert sich an. Weiters verdrängt es Bicarbonat, den wichtigsten "Puffer" im Blut, weil auch Bicarbonat negativ geladen ist. Fehlen ohnehin schon Kationen/positive Ladungen wie Natrium, aber auch Kalium, Magnesium (die eigentlich in die Zelle gehören, aber aus der Zelle herauswandern, wenn zu wenig positive Ladungen im Blut sind), dann wird Bicarbonat (negativ geladen und basisch) ausgeschieden, um die elektrische neutralität im Blut aufrecht zu erhalten. Somit verbleibt das negative und saure Chlorid im Blut, das negative basische Bicarbonat wird ausgeschieden. Das Blut wird sauer (azidotisch).

Das Bicarbonat hätte unter anderem die Aufgabe, Säuren (Protonen, das ist H+) zu puffern, also unschädlich zu machen, indem es sich mit den Säuren verbindet. Mit dem Bicarbonat gemeinsam können diese Protonen/Säuren sehr effektiv ausgeschieden (als CO2 abgeatmet) werden. Wenn jetzt Bicarbonat fehlt (weil wegen dem vielen Chlorid aus dem Blut gedrängt und ausgeschieden), braucht das Blut einen anderen Puffer. Es holt sich nun, zusätzlich zu Kalium und Magnesium, die ebenfalls aus den zellen rausgeholt werden, auch Phosphat aus den Zellen raus, um die Protonen (H+) zu puffern. Das schafft es jedoch nicht so effektiv wie Bicarbonat bzw. es kann nicht so effektiv eliminiert werden wie über Bicarbonat, nämlich nur mit Energieaufwand über die Nieren. Auf diese Weise geht auch Phosphat über die Nieren verloren bei dem Versuch, das Blut zu "entsäuern".

Das Phophat als Puffer anstelle von Bicarbonat bringt aber noch ein anderes Problem mit sich: Es ist selbst negativ geladen, erhöht also die "Last" an Anionen (negativen Ladungen) im Blut, während das Blut ja versucht, sich elektrisch neutral zu halten. Das Chlorid ist ja schon negativ geladen, ebenfalls das Bicarbonat (das deshalb entsorgt wird) und jetzt kommt noch das Phosphat dazu. Um das auszugleichen, braucht das Blut eben die Kationen. Gibt es zu wenig Natrium (+), wird noch mehr Kalium (+) und Magnesium (2+) aus den Zellen geholt. Wir wissen ja, dass Magnesium ebenfalls für ATP wichtig ist (nur an Mg gebundenes ATP kann verwendet werden) und auch Kalium für die Natrium-Kalium-Pumpe und die Beruhigung/Entspannung von Zellen lebensnotwendig ist. Anstelle dieser Kationen strömen Protonen (H+) in die Zellen ein. Protonen sind sauer, die Zellen übersäuern, während ihnen das lebensnotwendige Kalium und Magnesium fehlt.

Die Symptome, die daraus resultieren, erinnern allesamt an Magnesium- und Kaliummangel: Zittern, Muskelschwäche, Muskelsteifigkeit, Übererregbarkeit der Nerven, bei mir zusätzlich noch Myoklinien ("spastische" zuckungen), Tinnitus, Parästhesien sowie Muskelfaszikulationen. Auch Angstzustände können die Folge sein.

Was noch dazu kommt: Magensäuremangel
Was ich nicht wusste, mein "Magensäuremangel" kann die direkte Folge dieser hyperchlorämischen Azidose sein. Klingt unlogisch, ist es aber nach einem genaueren Hinsehen auf die Biochemie nicht:

Über die Parietalzellen des Magens wird, wenn ausreichend stimuliert, normalerweise Chlorid aus dem Blut in den Magen hineingepumpt, wo es zusammen mit Protonen HCl, also Magensäure bildet. Nun wäre ja genug Chlorid bei mir im Blut, sodass das ja super funktionieren sollte, oder nicht?
Nein - leider ganz falsch. Wie ich ja bereits oben erklärt habe, verdrängt ein hoher Chloridspiegel im Blut das Bicarbonat aus dem Körper (wird über die Nieren entsorgt), um das elektrochemische Gleichgewicht zu wahren (beides ist negativ geladen, Chlorid ist aber sauer, Bicarbonat ist basisch). Aber: die Parietalzellen des Magens brauchen Bicarbonat als "Tauschpartner" für Chlorid. Nur wenn die Parietalzellen genug Bicarbonat gespeichert haben, können sie Chlorid aus dem Blut in den Magen pumpen und Bicarbonat im Gegenzug an das Blut abgeben. Ohne Bicarbonat funktioniert diese Pumpe nicht. Das Chlorid bleibt im Blut "gefangen" und kann nicht in den Magen.

Was ich nicht wusste:
Dass ich mir mit den Betain-HCl-Kapseln gegen den Magensäuremangel einen Bärendienst erwiesen habe. Denn natürlich habe ich auf diese Weise meinem Körper extreme Mengen an zusätzlichem Chlorid zugeführt, die letztendlich, auch wenn sie im Magen hervorragend ihren Dienst erwiesen haben (ständiges Gerülpse verschwand innerhalb weniger Tage), letztendlich im Blut gelandet sind (darum meine Zitter- und Zuck-Attacken massivst verschlimmert haben).

Wie sieht jetzt mein derzeitiger Therapieversuch aus?
Ich trinke eine sorgfältig abgewogene, austarierte Basenmischung, die ich wöchentlich an meine Symptome und meine Urinstick-Messungen anpasse. Derzeit besteht sie aus 3,5g Kaliumcitrat, 3g Magnesiumcitrat, 7g Magnesiummalat, 3,5g Natriumcitrat und dazu etwa 3g Citrullin-Malat. Das Ganze je nach Befinden mit einem Schuss Zitronensaft und/oder Ingwersaft, alles in ein extrem chloridarmes Wasser (und ich habe darauf geschaut, dass es auch möglichst wenig Sulfat enthält). Ich schaffe es aber gar nicht, diese Menge pro Tag, wie geplant, zu trinken, ich komme etwa 2-3 Tage damit aus.

Viele werden an Natron gedacht haben, das kann ich aber leider nicht nehmen. Da ich ammoniakbildende SIBO-Keime habe, bekomme ich von Natron, aber auch schon von einem halben Teelöffel Natriumascorbat starke Symptome (Schwindel, Schwäche, Gefühl, als würde sich der Körper auflösen, Leere im Kopf, Gangunsicherheit - klingt alles nicht so schlimm, aber es hat sich angefühlt, als würde ich jeden Moment ohnmächtig oder sterben, es war wirklich schlimm). Die Citrate haben gegenüber dem Natron (das Bicarbonat enthält) einen entscheidenden Vorteil: Sie alkalisieren das Blut viel langsamer, weil das Citrat erst in der Leber zu Bicarbonat umgewandelt werden muss.

Der Hintergrund: je basischer das Blut (und der Urin in der Niere), desto mehr (ungiftiges) Ammonium wird in hochtoxisches Ammoniak umgewandelt. Je schneller die Alkalisierung erfolgt, umso weniger gut kann sich der Körper darauf einstellen und andere Ammoniak-reduzierende Maßnahmen (Entgiftung über Harnstoffzyklus in der Leber, oder über spezielle Enzyme in der Niere) einstellen.

Zudem funktioniert bei mir der Harnstoffzyklus in der Leber nicht gut (ein Aminogramm zeigte sehr niedrige Ornithin- und Argininwerte - weshalb ich eben Citrullin nehme - Ornithin und Arginin kann ich leider wieder wegen der SIBO-Ammoniakproduzenten nicht nehmen, weil die Enzyme haben, mit denen sie erst recht wieder Ammoniak daraus machen).

Das bedeutet, die Korrektur der hyperchlorämischen Azidose und Alkalisierung des Blutes muss bei mir möglichst sanft und schrittweise erfolgen, damit nicht die "Ammoniakfalle" zuschnappt und ich extreme neurologische Nebenwirkungen bekomme.

Daher trinke ich diese Basenmischung nur langsam und über den Tag verteilt. Dazwischen messe ich immer wieder den pH-Wert des Urins, damit der nicht zu sehr ansteigt, und achte auf meine Symptome bzw. wie ich reagiere. Das ist der Grund, warum ich nicht die ganze Basenmischung an einem einzigen Tag (wie geplant) schaffe. Vielleicht später, wenn sich mein Stoffwechsel schon etwas besser darauf eingestellt hat.

Dazwischen nehme ich etwas von der Messerspitze Natriumphosphat ein (nicht zusammen mit den Citraten, weil sich das Phosphat mit Magnesium verbinden würde und dann nicht mehr resorbiert werden kann).

Bisherige Erfolge: Zittern und Myoklinien nur noch schwach vorhanden. Bei den Myoklonien spüre ich noch deutliche Bewegungsimpulse, aber die Bewegung selbst fällt schwächer aus bzw. von außen sieht man kaum was - genauso beim zittern der Hände und Beine. Vorher sah man es auch deutlich von außen, ich wurde oft darauf angesprochen, vor allem auf die zitternden Hände. Beinkraft ca. 30% besser als vorher. Hose anziehen im Stehen wieder möglich. Leichte Gartenarbeit (gießen, umtopfen, Unkraut jäten) wieder möglich. Tagsüber weniger Schlaf nötig (nur 3-4 Stunden, keine 7-8 Stunden mehr).

Ich mache das Ganze jetzt seit insgesamt 2 Wochen, wobei ich das Natriumcitrat (eigentlich das Wichtigste in der ganzen Mischung) erst seit 1 Woche nehme. Zuvor hatte ich bloß das Wasser gewechselt (vom jahrelang getrunkenen Vöslauer mit 230mg Sulfat, 20mg Chlorid und 8mg Natrium auf die Waldquelle mit 45mg Sulfat, 9mg Chlorid und 16,5mg Natrium). Ich war der irrigen meinung, dass das reichen würde, wenn ich zusätzlich auch den Salzkonsum reduziere (Kochsalz enthält physiologisch gesehen auch zuviel Chlorid im Verhältnis zu Natrium, weshalb viele menschen von intravenösen Kochsalzlösungen eine hyperchlorämische Azidose bekommen!). Ein Blutbild nach dieser ersten Woche im Krankenhaus (dort war ich aber wegen was anderem) zeigte: Chlorid 108, Natrium 142. Es hatte sich nichts geändert.

Mir war nicht klar, dass der Natriumbedarf bei mir bei etwa 2000 (!)mg liegt und der Wechsel des Wassers hier kaum etwas ausmacht bei diesen Größenverhältnissen. Daher habe ich - auch wenn ich wegen der negativen Erfahrungen mit Natriumascorbat und Natron Angst davor hatte - Natriumcitrat hinzugefügt und mal mit wenigen Körnchen davon angefangen, auf die ich gut reagiert habe. Bisher vertrage ich es sehr gut, wenn ich mit den Urin-Stix den pH-Wert im Blick behalte und nicht zuviel auf einmal trinke.
 
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