Haben oder Sein

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Auf etwas verzichten - kann ich das?

Obschon ich es mir in finanzieller Hinsicht nicht leisten kann, verzichte ich auf die Sicherheit einer festen Anstellung, und gehe konsequent meinen Weg und meiner Tätigkeit nach, zu Gunsten meines seelischen- und körperlichen Wohlbefindens...

Daher kann ich mir manches gar nicht erst leisten... Obschon, es gab Zeiten, da konnte ich mir vieles leisten... offenbar auch Krankheit und lebensbedrohliche Zustände...

Für mich relativiert sich daher der Begriff Verzichten, da ich damit auch gewinne...

Ich für mich beobachte, dass das Verzichten sich sehr oft auf das HABEN bezieht, seltenst aber auf das SEIN.

Wie kommt das?

herzlichst - Phil
 
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17.11.05
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Auf etwas verzichten - kann ich das?

Hi phil,

ich weiß nicht, ob ich dir genau folgen kann bei deinem "Vorschlag" bzw. deiner Anregungen (?) auf das "SEIN" zu verzichten.
Also bisher schrieben hier Teilnehmer über Dinge, auf die sie verzichteten, die sie sicherlich haben aber nicht sind, bpsw. Kaffee-Sucht, Mp3 - Player / Handy Sucht.
Wie meinst du das mit dem Verzicht auf das "Sein"?

Ich habe auch noch keine wirklichen Erfahrungen mit dem Thema "Fasten" ich habe mal versucht ein paar Wochen nicht zu rauchen, aus religiösen Gründen. So wie weiter oben schon mal angesprochen wurde, im Galube Gott näher kommen zu gehen. ich habe jedoch festgestellt, dass ich 1. die Rauchpause enicht lange durchgehalten habe und vor Allem 2. nicht geistig, geschweige denn geistlich weiter gekommen wäre. Klar ist es möglich, dass es so gekommen wäre, wenn ich es geschafft hätte, aber so nicht.

Ich weiß nicht genau, wie ich endgültig zum Fasten stehe. Für mich hängt viel davon ab, aus welchen Gründen gefastet wird. Ich es interessant, wenn man mal ein zwei Tage keinen Kaffee trinkt, dass der Körper schienbar aufschreit und danach verlangt. Man kommt halt sehr schnell an philisophische Einstellungen. Was brauche ich zum Leben? Welchen Abhängigkeiten sind gut? Welche schlecht, welche hinnehmbar? Ich bin auf jeden Fall mal gespannt, was hier noch so berichtet werden wird...
 
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15.02.07
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Auf etwas verzichten - kann ich das?

Hallo Phis, deinem ganzen Beitrag konnte ich folgen, bis auf den Satz mit Haben und Sein. Was verstehst du persönlich unter "Sein" und wie wäre dann dein Verzicht auf "Sein"? Bin ein wenig ratlos, aber vielleicht gibt es dazu eine sehr einfache Erklärung, die mir gerade nicht einleuchtet, sorry.
 
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25.01.05
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Auf etwas verzichten - kann ich das?

Aha...! Gut ich erkläre:

Man kann auf Dinge Verzichten die man HAT (HABEN) - also alles was händisch greifbar ist.

Man kann aber kaum auf das verzichten, was man IST (SEIN).

Oder kann man auch auf eine Gemütsverfassung, einen Charakterzug, einen Seinszustand verzichten? Ich denke man kann das was IST verändern - SEIN ist ein dynamischer Vorgang... somit in ständigem Wandel... aber eben nicht händisch greifbar.

Haben kommt übrigens von althdt. habere - greifen können...
avoir - das franzöische Pendent - von à vior - zu sehen...

Dies als nicht allumfassend und absolute Erklärung zu dem was ich damit sagen wollte...

Es gibt also keinen Grund auf das SEIN verzichten zu wollen...

Herzlichst - Phil
 
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15.02.07
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Auf etwas verzichten - kann ich das?

Hi Phil, gute Erklärung, demnach verzichtet man beim Sein auf etwas, was man verändert hat und gewinnt Neues. Veränderung ist nun man die Konstante im Leben. So gibt es immer verschiedene Möglichkeiten, das Leben zu leben. Verzicht hat nicht unbedingt was negatives an sich, Verzicht kann neue Erfahrungen und Sichtweisen kreieren. ;)
 
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19.03.06
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Da ich finde, dass dies ein eigenes Thema wert ist, habe ich Eure Beiträge hierher kopiert!

Ich hoffe, Ihr seid einverstanden!
Herzliche Grüße von
Leòn
 
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15.02.07
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Hallo,

kann ich sehr gut nachvollziehen, was du meinst phil :)

Meistens ist es doch so, dass wir zugunsten von Haben, also Wohlstand und sich was leisten können, auf vieles von unserem Sein verzichten. Oft merken wir erst, wenn wir krank werden, dass uns etwas fehlt. Damit meine ich nicht nur Gesundheit, die plötzlich fehlt.

Nein, wir stellen fest, wie wenig materielle Werte wert sind und wie wenig wir eigentlich davon brauchen. Wir stellen fest, dass es Lebensqualität ist, die uns gefehlt hat. Zeit für liebe Menschen, Zeit zu lesen, Zeit für einen langen Waldspaziergang oder auch einfach mal nichts tun, usw. Sich eben auch die Zeit selbst einteilen können, und nicht nach fremd bestimmten Plan zu leben.

Als ich krank wurde und fast 1 1/2 Jahre zu Hause war, war ich trotz der Krankheit irgendwie zufriedener, weil ich tun konnte, wozu ich Lust hatte. Ich habe in dieser Zeit viel nachgedacht und habe beschlossen, dass ich versuche, einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung mit der Firma zu machen.

KollegInnen rieten mir dringend ab, weil es finanziell doch sicher sehr eng werden würde, aber ich hatte während meiner Krankheit festgestellt, was ich alles NICHT brauche. Schon, nachdem mein Entschluss feststand, ging es mir viel besser und ich wurde schnell wieder vollkommen gesund. Eigentlich hatte mir mein Job schon Spass gemacht, aber dass, was ich jetzt mache, befriedigt mich wirklich.

Jetzt bin ich 2 Jahre zu Hause im so genannten Vorruhestand und fühle mich einfach nur gut. Zu tun habe ich mehr als genug :)

frühlingshafte Grüsse
jo
 
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19.03.06
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Erich Fromm - Haben oder Sein

b) Allgemeines über Haben und Sein

Die beiden Charakterstrukturen Haben und Sein sind für Erich Fromm nicht bloß Beschreibungen des Verhaltens, sondern stellen vielmehr eine tiefgründige Art und Weise des Wesens selbst dar. Hierbei ist Haben für Erich Fromm das Übel der gegenwärtigen Zivilisation, während im Sein die einzige Möglichkeit eines erfüllten, nicht entfremdeten Lebens besteht. Haben und Sein sind zwei grundlegend verschiedene Formen menschlichen Erlebens. Erich Fromm beschreibt sie als Antagonismus, als zwei entgegenstrebende Kräfte, deren Stärkeverhältnis zueinander bestimmend für den Charakter, sowohl eines einzelnen Individuums als auch einer ganzen Gesellschaft ist. Es gibt folglich verschiedene Arten der Charakterstruktur.

c) Haben

In der Existenzweise des Habens ist es das oberste Ziel zu haben. Diese Existenzweise resultiert teilweise schon aus dem in jedem Menschen vorhandenen Selbsterhaltungstrieb, dem biologisch bedingten Wunsch zu leben. Im Buddhismus wird diese ständige Aneignung und das Behalten des Erworbenen als Gier, im Juden- und Christentum als Habsucht bezeichnet. Das Ding ist dabei der Mittelpunkt einer toten Beziehung zur Welt, die ausschließlich im Besitzergreifen und Besitzen seinen Sinn findet. Das Einverleiben, das Konsumieren und Verbrauchen, sowohl materiell als auch geistig verursachen hierbei ein Triumphgefühl. Das Individuum definiert sich nur noch durch den eigenen Besitz: „ich bin, was ich habe.“ Diese Gier nach Geld, Ruhm und Macht ist charakteristisch für die Menschen der westlichen Industriegesellschaft. Wir leben in einer Überflussgesellschaft: „ich bin, was ich habe und konsumiere.“
Auch im Glaube kann diese Struktur verwurzelt sein. Erich Fromm beschreibt es hier als den Besitz von Antworten, für die man keinen rationalen Beweis hat. In der Liebe wird das Haben durch Einschränken und Kontrollieren deutlich. Dadurch kann die Liebe auch zu einer Lähmung statt zu einer Belebung führen.
Beim Haben besteht das einzige Glück darin Überlegenheit und Machtbewusstsein auch durch Erobern, Rauben und Töten zu haben. Gewaltanwendung, um den Widerstand eines Lebewesens zu brechen und es zu beherrschen, ist also durchaus eine mögliche Folge. Auch ist es nicht selten, dass durch ein Überkompensieren ein Leugnen der eigenen Situation stattfinden kann (Askese).
Haben vermittelt auf der einen Seite Sicherheit, auf der anderen Seite besteht aber die Gefahr des Verlustes. Außerdem verringert sich das Haben durch den Gebrauch.
Laut Erich Fromm hat Haben zwangsläufig Krieg zur Folge. Es führt zur Vereinsamung und zur Isolation des Menschen und beinhaltet einen angsterfüllten Wunsch nach Unsterblichkeit. Hierbei wäre der Verlust des Lebens ein Besitz. Man ist nur der Zeit unterworfen.
Die Ursache für diese Existenzweise ist die Verinnerlichung der autoritären Gesellschaftsstruktur.

d) Sein

Grundsätzlich gibt es bei der Existenzweise des Seins zwei Interpretationsmöglichkeiten. Einmal das Sein als Gegenteil vom Haben, wo man nichts hat und auch nichts begehrt zu haben und zum anderen das Sein als Gegenteil des Scheins, wo man die wahre Wirklichkeit im Gegensatz zum trügerischen Schein sieht.
Beim Sein als solches besteht Freude am produktiven Nutzen der eigenen Fähigkeiten. Der Mensch steht im Mittelpunkt und er hat das Bestreben eins mit der Welt zu sein.
Sein impliziert Veränderung, Lebendigkeit und Aktivität. Man empfindet Lust durch das freie und aktive Interesse an Dingen oder durch das Streben nach etwas. Sein schließt Passivität also aus und die Aktivität ist als produktives Tätigsein nicht als bloße Geschäftigkeit zu verstehen.
Ebenfalls wie beim Haben existiert ein angeborenes Verlangen zu sein. Im Gegensatz zum Haben nimmt das Sein jedoch durch die Praxis zu. Der Ethos des Seins ist das Teilen, die Solidarität.
Das Glück besteht durch dieses Teilen, durch Lieben und durch Geben. In der Liebe wird der Akt des Liebens als produktives Tätigsein verstanden. Das Sorgetragen und sich Erfreuen steht im Vordergrund.
Sein beinhaltet Freude, jedoch kein Vergnügen, was nur die Befriedigung eines Verlangens ist. Durch die Freude kann dann eine richtige Selbstverwirklichung erreicht werden. Beim Sein ist eine geteilte Freude möglich, es besteht keine Rivalität.
Narzissmus, Egozentrik und Selbstsucht müssen als Voraussetzung aufgegeben werden und das Erreichen von Freiheit (Ungebundenheit), Unabhängigkeit und das Vorhandensein kritischer Vernunft sind grundlegend.
Sein ist nicht Schein. Nicht das Verhalten selbst, sondern die innere Motivation ist bestimmend für die Charakterstruktur. Denn nur diese zeigt das wahre Sein. Im Gegensatz zum Haben beruht das Sein auf einer nicht-autoritären Struktur.

Nun, ich sehe die Welt ja eher im Blickwinkel von "Haben und Sein" oder gerne auch als "Sein und Haben".
Nach meiner Auffassung bedingen diese "Charakterstrukturen" (wenn ich denn überhaupt von solchen sprechen kann) einander und es ist Sein ohne Haben so undenkbar wie Haben ohne Sein.

Es geht doch auch hier wieder um die Herstellung einer "Homöostase", also eines "gesunden", verträglichen Gleichgewichtes, das die Menschheit ebenso wie die Mitwelt schont.

Mit herzlichen Grüßen

Leòn
 
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25.01.05
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Danke Leòn für diese anregenden Kommentare.
Walter Schauberger fromulierte eine Art Weltformel: 1/n x n = 1. n = eine beliebige Zahl.

Es ist das Prinzip der Dualität - sein / haben - Qualität / Quantität - weiblich / männlich - hell / dunkel - warm / kalt - Frequenz / Wellenlänge etc.

Alles was unsere stoffliche Welt ausmacht ist zusammengesetzt aus Paaren.
Ohne diese wäre eine materielle Manifestation nicht möglich. Dabei wird ein Verhältnis beschrieben: 1/2 x 2 = 1, 1/4 x 4 = ein Ganzes, 1/120 x 120 = ein Ganzes - also eine banale Bruchrechnung. Es muss nicht ausgeglichen sein, also 50:50 - das wäre eine Blockade, es sollte harmonisch sein: z.B. 1:1.61803399, die Zahl phi.

Die Formel greift ebenso zu bei Krankheit / Gesundheit. Keiner wird also jemals völlig krank sein, ebenso wenig völlig gesund. Erst beides vereint macht etwas Ganzes, in sich bi-polares, aus.

So verhält es sich auch mit SEIN und HABEN. Man kann jedereit selber bestimmen, wie weit man sich dem Sein oder dem Haben zuwenden will - so oder so, ganz ohne das andere wird es nicht gehen, andernfalls man sich aus der stofflichen Welt verabschieden würde. Es ist somit völlig ausgeschlossen als Mensch nur gut oder nur böse zu sein. In diesem Rahmen ist es uns auch möglich zu verzichten, oder zu geniessen. Genuss ohne Verzicht = unmöglich?:idee: Zusammen erst bilden sie ein Ganzes. Faszinierend, was hinter einer so banalen Formel so alles steckt...

Herzlichst - PHI L
 
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15.02.07
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Hallo, schönes Thema, richtig Phil, da wo Licht ist muß automatisch auch Schatten sein, Yin und Yang, Philosophien stecken dahinter.
Und natürlich geht es darum, welche Wirklichkeit man lebt, siehe das Höhlengleichnis etc.
Gut, ich habe mich, genau so wie Phil beruflich neu orientiert, obwohl ich in meinem Beruf sehr erfolgreich war und mit Begeisterung gearbeitet habe, es war ein reiner Kopfjob. Irgendwann habe ich das Gefühl gehabt, dass ich noch etwas anderes brauche, etwas, was noch mehr mit Menschen und Gefühlen zu tun hat. Habe meinen Job gekündigt und ganz ganz neu angefangen - wie so viele in meiner Umgebung gesagt haben - ohne Netz und doppelten Boden - ohne Sicherheit und ohne zu wissen, ob ich es schaffe. Aber es war es wert. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich aufwache auf meine Arbeit und ich kann mich viel besser nach meinem Biorhythmus richten. Besonders kreativ bin ich eher am späten Nachmittag und am Abend, es reicht, wenn ich um zwei schlafen gehe. "Aufgeben" musste ich in den Augen der anderen, für mich war es gewinnen... es stimmt trotzdem, was Léon schreibt - es gibt immer zwei Seiten und auch ein Konto hat zwei Seiten: Soll und Haben, die Frage ist nur, wie stark es einen interessiert bzw. beeinflußt... und wenn jemand z. B. Kinder hat, dann hat er eine "Aufgabe", die dann natürlich mit "Versorgung und Liebe, Zuneigung und Erziehung" zu tun hat. Dann muss man vielleicht doch gewisses Geld zur Verfügung haben und sicherstellen, dass die Kinder das bekommen, was mindestens da sein muss. Dann ist man - frau nicht mehr ganz so unabhängig von den äußeren Gegebenheiten...
 
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15.02.07
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Hallo,

ja, die Dualität.... Klar, kein Sein ohne Haben :)

Als ich vor über 20 Jahren in der Firma anfing, war mir, die ich aus dem hohen Norden kam, als hätte ich das große Los gewonnen. Die Firma wurde als Mutter _ bezeichnet. Eltern brauchten sich keine Sorgen machen, dass Ihre Kinder keine Arbeit bekämen, es wurde sehr viel für alle Mitarbeiter getan und es war ein super Klima. Jeder ging gern zur Arbeit in seine Firma. Gab es mal eine Rezession, packten alle an und standen es gemeinsam durch. Die Vorstände kamen alle von der Basis und kannten sich aus.

Ich habe sehr gern dort gearbeitet, hatte immer benachteiligte Jugentliche betreut, für die damals sehr viel getan wurde. Habe eine sehr gute Idee gehabt und verwirklichen können, die von anderen grossen Firmen nachgeahmt bzw. übernommen wurde. Ich war also recht erfolgreich.

Dann kam der erste Kaufmann in den Vorstand..... und wenig später ging die Firma an die Börse. Von da an gings bergab. Langsam, aber stetig fielen immer mehr Sozialleistungen weg, Die Preise für Firmenwohnungen wurden dem örtlichen Mietspiegel angepasst, Kindergärten würden öffentlichen Trägern übergeben und und und.. so ging es weiter. Das Klima wurde immer unpersönlicher und kälter. Die alten Meister und Betriebsleiter, die teilweise Vaterersatz für junge Menschen waren, starben aus, dafür kamen Studienabgänger, die alles besser wussten.

Menschen wurden zu Material oder Human Ressorces und es ging nur noch darum, möglichst viele von ihnen los zu werden und Betriebe, die nicht im geplanten Soll lagen, zu schliessen oder erst mal auszugliedern.

Diese Entwicklung ging natürlich auch an mir nicht spurlos vorüber. So war für mich irgendwie eine Zeit abgelaufen, eine Aufgabe erfüllt und ich wollte etwas ganz anderes machen, weil ich mich nicht mehr mit dem, was da lief identifizieren konnte. Immerhin haben es mir die 20 Jahre dort ermöglicht, ein kleines Haus zu bezahlen und eine, wenn auch kleine Pension und Firmenrente eingebracht. So brauche ich mir um meinen Lebensunterhalt keine Gedanken zu machen und konnte so etwas ganz Neues beginnen. Eigentlich bin ich sogar dankbar dafür, dass ich so krank wurde.......

Mein Sohn war inzwischen erwachsen und selbständig.

Wir kauften ein Stück Land, dass hinter unserem Grundstück liegt und vorher ein Fichtenwald war. Eine wunderschöne Lebensaufgabe, hier ein Zentrum aufzubauen, dass spiritueller Treffpunkt für Suchende sein wird. Alte Obst und Gemüsesorten in Permakultur, sowie Kräuter und Heilpflanzen werden Grundlage für ein Leben MIT der Natur sein. Ein par Tiere werden diesen Lebensraum mit uns teilen. Schön ist, dass Nachbarn auch mitmachen und sehr interessiert sind und schon 2 Hochbeete vergeben sind. Später soll es dann auch Seminare für andere Menschen, die interssiert sind geben.

Alles in allem wie ich finde, ein wieder sehr ausgeglichenes Verhältnis von Haben und Sein ;-)

Liebe Grüsse
jo
 
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14.01.04
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Hallo Frau Holle

Na aj, bei den meisten Firmen heisst es: Der Mensch ist im Mittelpunkt
Und solange es gut geht, wird es oft so einigermassen gelebt. Sobald es aber nicht mehr so gut geht, kommt das wahre ich, bzw der wahre Firmengeist hervor. Dann wird unter dem Druck des Mamonns nach folgenden Satz vorgegangen: Der Mensch ist Mittel... Punkt
 
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19.11.06
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Hallo Frau Holle, du schreibst

ja, die Dualität.... Klar, kein Sein ohne Haben

Für mich betrifft Sein UND Haben das Gesetz der Kausalität - so wie Ursache und Wirkung untrennbar sind.

Und da wir in der Zeit leben, schiebt sich zwischen das Wesen und die Manifestation noch das Tun.
Also für mich steht das Tun (Verhalten) im Mittelpunkt, jedenfalls wenn Leben einen analytischen Wert haben soll:
Was ich tue, habe ich -
und was ich tue, bin ich.

Nach meinen Erfahrungen ist es nur so, daß Menschen nur sehr undeutliche Vorstellungen davon haben, was Erfolg eigentlich ist. Setzt man Erfolg mit Glück gleich, können viele eben nur das schnelle Glück des Konsums (Haben) wählen, anstatt an die Wurzeln ihres Unwohlseins oder Unglücks zu gehen. Oft kann dieser Weg erst beginnen, wenn im Sein (im Wesen) das Vertrauen über die Angst herrscht. Sind meine Erfahrungen.

Gruß
Gretel
 
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19.11.06
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Hallo Beat, weißt du eine Lösung für das Problem der Abhängigkeit von fremder Gnade? Gibt es einen Weg, der Autonomie (der Vogel sorgt sich nicht um das Essen für den nächsten Tag) stärkt?

Gruß
Gretel
 
Beitritt
15.02.07
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[...]
Nach meinen Erfahrungen ist es nur so, daß Menschen nur sehr undeutliche Vorstellungen davon haben, was Erfolg eigentlich ist. Setzt man Erfolg mit Glück gleich, können viele eben nur das schnelle Glück des Konsums (Haben) wählen, anstatt an die Wurzeln ihres Unwohlseins oder Unglücks zu gehen. Oft kann dieser Weg erst beginnen, wenn im Sein (im Wesen) das Vertrauen über die Angst herrscht. Sind meine Erfahrungen.
Meine auch, Gretel :)

Und die Frage, die du an Beat stelltest, hast du dir mit diesem Satz eigentlich schon selbst beantwortet.

Nur, wo soll dieses Vertrauen denn herkommen? In der christlichen Kultur, wie sie von den monotoistischen Kirchen aufgebaut wurde, in der wir aufgewachsen sind, wird uns doch schon mit der Muttermilch Angst eingeflösst. Im Grunde genommen sind wir genau so unserer eigenen Urkultur entfremdet und entwurzelt, wie viele der Naturvölker, die wir "bekehrt" haben. Ihr Schicksal führt uns doch sehr deutlich vor Augen, was aus uns geworden ist..... Heute können wir von ihnen lernen, weil sie, im Gegensatz zu uns, ihr altes Wissen zum Teil bewahren konnten.

In unserer Gesellschaft wird nur "Wohlverhalten" mit Anerkennung belohnt und anders Denkende und Handelnde werden nicht toleriert und damit zu Aussenseitern. Viele, viel zu viele Menschen passen sich irgenwann dann doch an und werden auch nicht glücklicher als zuvor. Wir konsumieren auf der Suche nach unseren eigenen Wurzeln fremde Religionen und übersehen dabei, dass ein Same nur dort aufgehen kann, wo er auf die Erde fallt.

Ich weiss aus eigner Erfahrung, wie Vertrauen von der Angst vertrieben werden kann und wie schwer es ist, es wieder zu gewinnen :)

Liebe grüsse
jo
 
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19.03.06
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Hallo,

naja, aus dem Alter, in dem ich glaubte, dass die Welt mit ein paar Handstreichen zu verändern sei, bin ich auch heraus :D .

Den Versuch, Haben und Sein, statt Haben oder Sein zu leben, kann man wohl am besten im kleinsten Lebensrahmen machen. Und auch da sind die Zwänge dann häufig noch schwer genug, die hier eine Ausgewogenheit verhindern.
Frau Holle hat mit ihrem "Projekt" ja vielleicht einen Rahmen gefunden, wo dies zu realisieren ist. Dabei fällt mir dieser Thread wieder ein:

http://www.symptome.ch/vbboard/nachdenken/5660-bitte-eigentlich-familie.html

Herzliche Grüße von

Leòn

 
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14.01.04
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Hallo Gretel

weißt du eine Lösung für das Problem der Abhängigkeit von fremder Gnade? Gibt es einen Weg, der Autonomie (der Vogel sorgt sich nicht um das Essen für den nächsten Tag) stärkt?
Wow, in dieser Frage ist sehr viel enthalten.
Zuerst stellt sich schon nur die Frage, ob wir Abhängig sind und wenn ja von was bzw ob dies was Fremdes ist. Zweitens ob diese Abhängigkeit ein Problem ist. Ein Säugling zB ist abhängig von der Mutter, zumindest auf eine/n Versorger/in. Ist das ein Problem? Klar kann es ein Problem werden, aber im Grundsatz ist es doch kein Problem, ganz im Gegenteil, oder?
Drittens ob eine Autonomie überhaupt wünschenswert ist. Die ganze Schöpfung (Biotope) ist auf Abhängigkeit und gleichzeitig auf Ergänzung angelegt.
Viertens ob Abhängigkeit das Gegenteil von Autonom ist. ein Bsp: der Vogel sorgt sich nicht um das Essen für den nächsten Tag heisst doch, dass er zwar Abhängig von dem Essen ist, aber vertrauen kann das er es bekommt und gerade deshalb Autonom oder besser gesagt frei ist.

Die obige Ausführungen vor allem die Letzte führen mich zu Deiner eigentlichen Frage:
Der Weg in die Freiheit (besser als Autonomie, die ich so bewusst gar nicht anstrebe) für mich ist die Erkenntnis, dass ich Abhängig bin. In erster Linie direkt vom Schöpfer und in zweiter Linie indirekt von Menschen, die mich direkt und indirekt lehren zu wachsen und drittens von der Schöpfung selber, aus der ich mich versorgen kann.
Dank der Gnade Gottes kann ich Vertrauen in IHN haben, so wie der Vogel den Du zitirtest, auch wenn es leider immer wieder Zeiten gibt, wo ich als schwacher Mensch nicht daran festhalte. Aber auch da kann und darf ich ja lernen, so wie das Kleinkind mit der Zeit auch lernen kann, dass die Mutter 7Eltern immer noch für ihn da ist7sind auch wenn es sie gerade nicht sieht.
 
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14.01.04
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Hallo Jo
In der christlichen Kultur, wie sie von den monotoistischen Kirchen aufgebaut wurde, in der wir aufgewachsen sind, wird uns doch schon mit der Muttermilch Angst eingeflösst.
Das ist leider manchmal/oft so, weil diese sogenannte christliche Kultur eben gar nicht mehr christlich ist. So was ist das Gegenteil von christlich.

Im Grunde genommen sind wir genau so unserer eigenen Urkultur entfremdet und entwurzelt, wie viele der Naturvölker, die wir "bekehrt" haben.
So wie ich Dich hier verstehe, bist du der Meinung, dass naturvölker natürliche angstlose Verwurzelungen haben. Dies ist aber oft/meist nicht der Fall! Diese ansicht beruht auf eine romantische Verklärung die meist nicht den tatsachen entspricht. Bsp Masdagaskar: Ein eigentlich reiches Land, da sehr fruchtbar. Die bevölkerung ist aber mit wenigen Ausnahmen sehr arm. Der Glaube dort beruht auf naturgeister und einem Ahnenkult. Die Menschen dort sind so angstbeladen, da sie glauben, die naturgeister und speziell Ihre Ahnen immer wieder zu besänftigen. Die toten werden jährlich ausgegraben und eine Prozession damit findet statt. Beim Tod des mannes / Vaters wird all seine Habe ihm dargelegt, dh zB alle Tiere geschlachtet und verzehrt und die Hörner als Ehrerbietung auf das Grab getan. Die hat zur Folge, dass alle zurückgebliebenen wei kinder, die Frau etc danach völlig besitzlos sind, nicht einmal eine herde mehr haben. Ein Teufelskreis der armut einerseits und der Angst, die Ahnen könnten nicht gut genug gestimmt werden.
Seit einigen Jahren gibt es dort einige Christen. Sie haben es hart, auch weil sie eben nicht mehr dem Naturgeister und Ahnenkult folgen. Die Benachteiligungen nehmen sie in Kauf, besser als wieder unter die Knechtschaft des ahnenkultes zu kommen, die freiheit ist Ihnen viel mehr Wert. Die Prozesse nach der geistigen jetzt auch aus der materiellen Armut sind anstrengend und schweirig. Zumindest Ihre kinder werden es auch materiell etwas besser ahben und die folgenden nachkommen immer mehr, bis sie auch metreilell euine gewisse Freihêit werden erreicht haben.

Heute können wir von ihnen lernen, weil sie, im Gegensatz zu uns, ihr altes Wissen zum Teil bewahren konnten.
Das stimmt in einigen/vielen Fällen trotzdem. Aber in den seltensten Fällen bezüglich Angst.

In unserer Gesellschaft wird nur "Wohlverhalten" mit Anerkennung belohnt und anders Denkende und Handelnde werden nicht toleriert und damit zu Aussenseitern.
Das ist so, aber meist noch stärker in den anderen Kulturen.

Wir konsumieren auf der Suche nach unseren eigenen Wurzeln fremde Religionen und übersehen dabei, dass ein Same nur dort aufgehen kann, wo er auf die Erde fallt.
Schön gesagt, das stimmt. Aber oft ist es auch besser,w enn der same nicht aufgeht, siehe Madagaskar, oder möchten wir eine solche Kultur? Denke die unsere ist nicht gutr, aber noch etwas weniger schlecht.
 
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14.01.04
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Hallo Leon

Meine Familiendefinition:
Eine entweder angeblich schicksalshafte, oder freiwillige Kleingruppe, welche sich für der Not, den Umständen, oder aus imateriellen Gründen für eine zeitlich nicht beschränkte Beziehung untereinander entschieden hat.
 
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15.02.07
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[.....] Im Grunde genommen sind wir genau so unserer eigenen Urkultur entfremdet und entwurzelt, wie viele der Naturvölker, die wir "bekehrt" haben.
So wie ich Dich hier verstehe, bist du der Meinung, dass naturvölker natürliche angstlose Verwurzelungen haben. Dies ist aber oft/meist nicht der Fall! Diese ansicht beruht auf eine romantische Verklärung die meist nicht den tatsachen entspricht. Bsp Masdagaskar: [....] .
Hallo Beat,

wie ich schon schrieb, viele und meinte damit die Amerikanische, speziell die Nordamerikanische, die, wie vermutet wird, identisch, zumindest aber eng verwand mit der indogermanischen Urkultur ist und die mir von Gefühl her und aus eigenen Erfahrungen und Erleben sehr nahe ist, weil ihre Grundlage die Heiligkeit der Natur und allen Lebens ist.

Heute können wir von ihnen lernen, weil sie, im Gegensatz zu uns, ihr altes Wissen zum Teil bewahren konnten.
Das stimmt in einigen/vielen Fällen trotzdem. Aber in den seltensten Fällen bezüglich Angst.
Angst mag in einigen Kulturen eine grosse Rolle spielen, aber in den meisten ist es eher das Gegenteil, nämlich Vertrauen in höhere Instanzen und Achtung vor der Vollkommenheit der Natur und den innewohnenden Geistern und ihren wohlwollenden Eigenschaften.

In unserer Gesellschaft wird nur "Wohlverhalten" mit Anerkennung belohnt und anders Denkende und Handelnde werden nicht toleriert und damit zu Aussenseitern.
Das ist so, aber meist noch stärker in den anderen Kulturen.
In einigen ist das sicher der Fall, aber bei vielen wird auch der eigene persönliche Lebensweg nicht nur toleriert, sondern es ist Pflicht eines jeden, ihn zu unterstützen, wo er es kann. individuelle Entwicklungen werden gefürdert und Menschen mit Begabungen, die sich frei entwickeln konnten, zum Nutzen aller intergriert.

Wir konsumieren auf der Suche nach unseren eigenen Wurzeln fremde Religionen und übersehen dabei, dass ein Same nur dort aufgehen kann, wo er auf die Erde fallt.
Schön gesagt, das stimmt. Aber oft ist es auch besser,w enn der same nicht aufgeht, siehe Madagaskar, oder möchten wir eine solche Kultur? Denke die unsere ist nicht gutr, aber noch etwas weniger schlecht.
Wäre sicher mal interssant, zu ergründen, wie es im Falle Madagaskar zu einem Nährboden für eine derartige Religion bzw. Sitte gekommen ist.

Liebe Grüsse
jo
 

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