Fisch, Fisch-Farmen, Fischiges

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Anfang März 2007 wurde ein Fischereibericht der UNO mit besorgniserregenden Fakten publiziert:
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77% der Meeresfischbestände müssen inzwischen als überfischt eingestuft werden oder sind bis an ihre Grenzen ausgebeutet.-

Der Ostatlantik und damit auch die Nordsee zählen zu den am stärksten überfischten Regionen der Weltmeere.- Jedes Jahr werden 86 Millionen Tonnen Fisch aus den Meeren gefangen.-

Zu den am stärksten bedrohten Arten zählen Riesenhaie, Kabeljau, Seehecht, Granatbarsch und Roter Tunfisch.
Der UN-Report macht auch deutlich, dass die internationalen Fischereiabkommen versagt haben. Man könne davon ausgehen, dass die globalen Fischbestände komplett zusammenbrechen, wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher.
„Da die Fischbestände immer mehr zurückgehen, gleicht die Hochseefischerei heute der modernen Kriegsführung mit satellitengestützten Systemen, Sonaren und Echoloten. Netze sind heute perfekte Fangmaschinen, die die Pyramiden oder den Kölner Dom locker einwickeln könnten. Einige sind 300 m breit und 150 m hoch.“ (Zitat aus Eva Goris „Unser kläglich Brot“, Groemer Verlag, März 2007) „Weltweit sterben nach Schätzungen von Greenpeace 300.000 Delphine und Wale als Beifang in den Netzen der Fabrikschiffe ... In der Garnelen- und Krabbenfischerei liegt die Beifangquote bei rund 80%.“
Als Verbraucher kennen wir nur die abgepackten rechteckigen Fischstäbchen oder Filets. Es besteht kein Bezug mehr zur Realität der Grausamkeit.
Noch einmal Eva Goris (a.a.O.): „Auf den Trawlern der Fabrikschiffe ist für Mitleid kein Platz. Die Arbeiter an Bord wissen, wie brutal das Sterben der Tiefseefische ist: Eingeweide samt Schwimmblase quellen den Tieren aus dem Maul, und die Augen treten aus den Höhlen, wenn sie aus mehreren 100 m Tiefe im Netz ruckartig an die Wasseroberfläche gezogen werden. Das sind die Folgen der Dekompression. ... Vom Leid der Fische wollen auch viele Wissenschaftler nichts wissen. Dabei wurde an Regenbogenforellen im Labor nachgewiesen, dass in ihrem Kopf über 50 Schmerzrezeptoren auf Reize reagieren. ... Mit Fischen hat niemand Mitleid. Sie haben keine Mimik, die Schmerz ausdrücken kann, keine Stimme, mit der sie schreien oder stöhnen, wenn ihnen ein Leid geschieht. Und so bleiben die Herzen der Menschen vom Tod der Fische seltsam unberührt.“
Auch aufgrund der immer geringeren Fischbestände werden riesige Schleppnetze eingesetzt. Sie sind bis zu 120 m breit, 70 m hoch und haben eine Gesamtlänge von bis zu 1.500 m. Es gibt Grundschleppnetze mit der Öffnungsgröße eines Fußballfeldes. Mit schweren Eisenrollen werden sie über den Meeresboden gezogen und walzen alles platt, was ihnen im Weg steht, einschließlich seltener Tiefseekorallen. Ein Fangschiff kann das Leben auf dem Fanggrund komplett vernichten. Bodenlebewesen werden erschlagen oder einfach untergepflügt. (In diesem Zusammenhang sei das bereits erwähnte Buch der Umweltjournalistin Eva Goris „Unser kläglich Brot“ jedem empfohlen, der sich darüber näher und gut verständlich informieren will. Sie bekam u.a. 2005 den Umwelt- Medienpreis.)
Viele sehen Aqua-Kulturen als die Rettung aus dieser Katastrophe, wobei die WWF-Sprecherin Vesper sagt: „Die rasant wachsenden Aqua-Kulturen sind kein Königsweg aus der Fischereikrise.“
Sie sind unserer Ansicht nicht nur kein Königsweg, sondern überhaupt kein Weg. Ganz im Gegenteil.
„Fischfarmen bedrohen das Antarktische Ökosystem“ – so lautete die Überschrift eines Artikels, der am 07.11.2006 in welt-online erschien: Zuchtlachse werden mit riesigen Mengen von Kleinkrebsen gefüttert. Der wachsenden Nachfrage nach Krill (Anm. Krill = Kleinkrebse) wird das Ökosystem der Antarktis möglicherweise nicht standhalten können. Ein einziges Schiff kann pro Saison bis zu 120.000 Tonnen Krill fangen. Forscher haben festgestellt, dass die Nachfrage nach Krill in einigen Bereichen des Südwestatlantiks inzwischen das Angebot übersteigt. Inzwischen haben Pinguine und Albatrosse bereits Schwierigkeiten, ihren Nachwuchs aufzuziehen. Krill bildet das Herzstück der Nahrungskette in der Antarktischen See.
Bei der konventionellen Farmhaltung müssen sich 25 kg Fisch einen Kubikmeter Wasser teilen. Um ein Kilo Lachs zu produzieren, müssen 4 kg Fisch in Form von Fischmehl verfüttert werden. Viele Millionen Tonnen kleiner Schwarmfische, Sandaale, Sprotten und Sardinen landen in Fischmehlfabriken – für Umweltschützer eine kriminelle Verschwendung. Man bezeichnet inzwischen Lachs als das Masthühnchen des Meeres. Unter den Aqua-Farmen sammeln sich oft riesige Mengen an Fäkalien und verwesenden Fische an, aber auch Antibiotika, Pestizide u.ä.m., die zum Einsatz kommen müssen, damit die Fische überhaupt überleben können.
Weltweit werden rund 4,2 Millionen Tonnen Krebstiere im Jahr gehandelt, ein Viertel davon wird in Aqua-Kulturen gezüchtet. Shrimps-Farmen sind eine Umweltkatastrophe. Für die Anlagen werden Mangrovenwälder gerodet, die als Küstenschutz eine wichtige Rolle spielen, und durch Futter und Medikamenteneinsatz werden die Gewässer der Umgebung verseucht. Die Mangrovenwälder sind für viele Jahrzehnte zerstört. Auch die Shrimps werden mit Fischmehl gefüttert.
Ein Aspekt am Rande: Wussten Sie, dass die Krabben des Brötchens mit Nordseekrabben, die Sie z.B. auf Sylt essen, zuerst von der Nordsee nach Marokko geschifft werden, um wegen der niedrigen Löhne dort ausgepellt zu werden? Dann kommen sie, versetzt mit einer großen Menge an Konservierungsstoffen, wieder an die Nordsee und werden dort als Nordseekrabbenbrötchen verkauft.
Garnelen aus Aqua- Farmen in Südkorea werden mit über 140 verschiedenen Antibiotika behandelt, schreibt Eva Goris.
Eine weitere Schlagzeile lautet:
„Warnung vor Quecksilber im Speisefisch“. In sueddeutsche.de erschien am 08.03.2007 ein Bericht über eine Deklaration – formuliert von 37 internationalen Quecksilber-Spezialisten und unterstützt von 1.150 Wissenschaftlern –, in welchem die Erkenntnisse der Quecksilberforschung der vergangenen zehn Jahre zusammengefasst sind. Die Forscher warnen in ihrer Deklaration vor den Gesundheitsrisiken durch den Verzehr von Fisch. Die Quecksilberbelastung vieler Fischarten sei mittlerweile so hoch, dass vor allem Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter gefährdet seien.
Zu den Meeresfrüchten gehören auch Muscheln. Diese Muscheln, z.B. aus dem Mittelmeer, sind zu 40% mit Hepatitis A-Viren verseucht. Hepatitis A ist mittlerweile eine der häufigsten Krankheiten, welche Touristen aus den Mittelmeergebieten mit nach Hause bringen.
Text von: HG Naturklinik Michelrieth GmbH, Löwensteinstraße 12-15, 97828 Marktheidenfeld-Michelrieth
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