Genmais-Studie
Institutsleitung verfälscht Ergebnis
In einer Studie des bayerischen Landwirtschaftsministeriums zu den Risiken genveränderter Maissorten haben Wissenschaftler auffällige Unstimmigkeiten gefunden.
Während die Untersuchung auf fast 120 Seiten ausdrücklich auf die zahlreichen Risiken der getesteten Pflanzen verweist, liest sich die anderthalbseitige Zusammenfassung als Empfehlungsschreiben für die Gentechnikprodukte des Saatgut-Herstellers Monsanto.
Wie in den meisten Fällen stammen dabei Studie und Zusammenfassung aus unterschiedlicher Feder: Während der Kern der Untersuchung von meist neutralen Wissenschaftlern und am Feldversuch teilnehmenden Mitarbeitern stammt, wird der vorangestellte Überblick von der Institutsleitung verfasst. Erschienen wenige Monate vor der Genmais-Entscheidung der deutschen Regierung, war scheinbar eine politische Aussage pro Genmais opportun. Vor allem der Landwirtschafts- und Verbraucherminister Horst Seehofer drängte darauf, den Bauern die „Wahlfreiheit” zwischen natürlichen und genveränderten Pflanzen zuzusichern und nebenbei Monsantos Produkte für den uneingeschränkten Anbau freizugeben. Passenderweise findet sich das Dokument mittlerweile auch auf der Internetseite des Chemie- und Gentechnikriesen, der dem Münchner Ministerium auch noch die Kosten der Übersetzung ins Englische abnahm!
Dabei erstaunt die Tatsache, dass ein Hersteller eine Untersuchung in seine Werbung einbindet, die ein fast vernichtendes Urteil über sein Produkt fällt. Scheinbar wurde auch im Hause Monsanto nur die Zusammenfassung gelesen. Während die Studie selbst in ausführlichen Grafiken und Tabellen die Veränderungen im Bereich der Mikroorganismen und Insekten dokumentiert und ausdrücklich zu weiteren Tests und Untersuchungen rät, spricht die Zusammenfassung von „keinen Veränderungen“, „keinen signifikanten Einflüssen“ oder davon, dass die Wissenschaftler „bei den meisten (...) Nichtzielorganismen keine oder nur geringe Effekte“ feststellten. Negative Laborergebnisse konnte die Studie laut der Zusammenfassung im Freiland nicht bestätigen. Besonders auffällig ist dabei die Gegenüberstellung einzelner Textstellen, in denen die Kernaussagen der Studie und ihrer Zusammenfassung diametral entgegengesetzt erscheinen. In der Zusammenfassung heißt es da: „Im Labor durch Fütterungsversuche mit Pollen von Bt-Mais (Bt176) nachgewiesene negative Effekte auf Schmetterlingsraupen ließen sich im Freiland nicht bestätigen.“ (Seite 7). Die Studie selbst spricht hingegen von den sehr schwerwiegenden Folgen gerade für Schmetterlinge: „Das im Bt-Mais gebildete Toxin (...) wirkt damit spezifisch gegen den Maiszünsler und andere Schmetterlingsarten. Bei Schmetterlingsarten sind bisher auch die meisten negativen Effekte von Bt-Mais auf Nichtzielarten beschrieben worden.“ (Seite 15). Auch die in der Studie nachgewiesenen deutlich messbaren Effekte auf die Population der Raubinsekten, die sich von den Schädlingen ernähren, wird in der Zusammenfassung mit keinem Wort erwähnt.
Wissenschaftler der Universität Zürich untersuchten Studie und Zusammenfassung auf Unterschiede und stellten fest, dass die wesentlichen Ergebnisse offensichtlich absichtlich relativiert oder komplett ausgelassen wurden. Angesichts des enormen Aufwandes, der für die vierjährige Studie betrieben wurde, sei es traurig, dass hier fundierte und sorgfältig nachgewiesene Ergebnisse weggewischt würden.Vergleichbare Studien hätten gezeigt, dass eine Zusammenfassung auch den Inhalt einer komplexen Studie wiedergeben könne, ohne diesen durch Verkürzung zu verfälschen.