Experten streiten immer noch

James

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Hallo,

wegen lascher Dokumentation, bewusster Verschleierung und fehlendem politischen Willen ist es immer noch nicht möglich die tatsächliche Fallzahl der nosokomialen (also im Krankenhaus durch Hygienefehler erworbenen) Infektionen festzustellen. Dabei klaffen die Zahlen je nach Interessenlage stark auseinander. Während die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaus-Hygiene (DGKH) in Deutschland nach ihrer Untersuchung von 900.000 Fällen mit 30.000 Toten pro Jahr ausgeht, spricht das nationale Referenzzentrum von 2000 bis 4500 gestorbenen Patienten, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) von 10.000 bis 15.000 Fällen.
Die große Differenz erklärt sich nach meiner Meinung so:
Die Zahl der Patienten, die sich während eines Eingriffes mit einem Krankenhauskeim infiziert und daran stirbt wird relativ gesehen gering sein obwohl jeder dieser Tote vermeidbar wäre. Der Großteil sind nach meiner Auffassung Patienten, die zusätzlich zur Infektion weitere Erkrankungen und eine Vorgeschichte haben. So wird es möglich, dass diese Schädigungen auf den Totenscheinen vermerkt werden und die nosokomiale Infektion erst gar nicht erwähnt und somit dokumentiert wird.
Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, werden weiterhin etwa 5% aller Krankenhauspatienten Opfer einer vermeidbaren Infektion werden.

Mehr auch unter: Nosokomiale Infektionen: Streit über Klinik-Infekte mit Todesfolge - SPIEGEL ONLINE
 
Richtig James, mit zwei winzig kleinen Korrekkturen: :)

Nur bei theoretischer Annahme eines linearen und nicht exponentiellen Prozesses steigt die Zahl der Betroffenen schon jährlich.

Außerdem ist bei der Berechnung nicht mit berücksichtigt, dass die Antibiotika in ihrer Wirkung jedes Jahr um ein vielfaches abnehmen.

Nimmt man nur einmal diese zwei Faktoren, stehen wir in den nächsten fünf Jahren vor dem Problem, aus Krankenhäusern häufig kränker raus zu kommen, als wir hinein gegangen sind.
Auch der inflationäre und hemmungslose Einsatz von Antibiotika und Reserveantibiotika bei allem Möglichen trägt selbstverständlich dazu bei.

Mittlerweile erkennen sogar die medizinischen Wissenschaftler, die Unsinnigkeit der Verfahrensweise Antibiotika bereits schon bei kleinsten Problemen zu verabreichen und versuchen dahin gehend entgegen zu steuern indem sie die Immunsystemaktivierung - vornehmlich über den Darm und das Enterischen Nervensystem anstelle einer Antibiotikagabe zu forcieren versuchen.

Nur bis sich diese Erkenntnis in den Hirnen der üblichen Therapeuten manifestiert hat, wird noch seeeeehr viel Wasser den Rhein runter fliessen...

Liebe Grüße Tarajal :)
 
Hallo Tarajal,

natürlich sind Deine Einwände richtig, aber ich erlebe auch zunehmend, dass sowohl Kliniken als auch Ärzte dieser möglichen Entwicklung entgegen wirken (wollen). Es gibt immer mehr Kliniken, die sich ihrer Verantwortung bewusst werden (zB Zusammenschluss MRSA-net), zudem trägt die Aufklärung der Patienten, der daraus entstehende Druck, die Einwirkung der DGKH sowie der Wettbewerb untereinander auch Früchte.
Sicher reicht das nicht aus, um die Gefahr schrumpfen zu lassen. Deshalb steht die klare Forderung, dass hier der Gesetzgeber tätig werden sollte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Bemühungen in allen Ehren, aber es machen bei weitem noch längst nicht alle Krankenhäuser mit. :)

Und hier ist ganz klar der Gesetzgeber gefordert - auch für Massentierhaltungsanlagen (muntere Brutstätten einiger resistenter Bakterienkeime).

Und wenn die Entwicklung so weiter geht, kommt man in naher Zukunft an den Punkt, dass die Antibiotika in ihrer Wirkungsweise durch Erhöhung der Stärke eher den Patienten umbringen als die resistenten Keime.

Und hier wiederum sind die Ärzte gefordert, die zum Wohle ihrer Patienten auch mal ein bißchen mehr in die Zukunft denken sollten, denn durch häufige Antibiotikaverschreibungen wird das Immunsystem immer mehr geschwächt und die resistenten Keime können noch intensiver Schaden anrichten.

Liebe Grüße Tarajal :)
 
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