Erkältungsviren können ruhende Krebszellen aufwecken

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Neue Studie:

Dazu der Artikel in der ZEIT:
Erstmals zeigen sie, dass Grippe- und Sars-CoV-2-Viren bei Mäusen innerhalb kürzester Zeit schlummernde Brustkrebszellen wecken und zu Metastasen in der Lunge führen können. Und sie haben Hinweise gefunden, dass ähnliche Mechanismen auch bei Menschen am Werk sein könnten.
Die Ursache sind versprengte einzelne Tumorzellen, die nach der Behandlung schlafend im Körper zurückbleiben. Selbst nach der Beseitigung des Tumors seien häufig noch einzelne Krebszellen vorhanden, die in andere Organe eingewandert sind, schreiben die Lungenspezialisten Brooke Dresden und John Alcorn in einem begleitenden Artikel in Nature, "wo sie über viele Jahre existieren können, ohne zu wuchern, bis ein Anstoß sie weckt". Nun will eine internationale Gruppe von Forschenden entdeckt haben, was diese Zellen weckt und erneut wuchern lässt. Ein Auslöser könnten verbreitete Atemwegsviren sein. Unter Verdacht: der Grippe-Erreger Influenza-A-Virus und ausgerechnet das Coronavirus Sars-CoV-2 – Erreger, die jedes Jahr mehr als eine Milliarde Menschen infizieren. Auch Krebsüberlebende.
Die Befürchtung kam in den ersten beiden Jahren der Coronapandemie unter Onkologen in den Vereinigten Staaten auf. Schon im Sommer vergangenen Jahres berichtete die Washington Post, wie damals relativ junge Patienten mit seltenen Krebsarten auffielen, die eigentlich nur alte Menschen betreffen. Zudem gab es seltsame Fallberichte über Patienten mit gleich mehreren unterschiedlichen Krebsarten im Körper. Es gab damals keine Belege, aber es blieb der Verdacht, dass die grassierenden Infektionen mit dem neuen Erreger Sars-CoV-2 die Ursache sein könnten.
Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Experimente eigens gezüchtete Mäuse. Sie sind dafür bekannt, dass sie Brustkrebs entwickeln, bei dem sich versprengte Krebszellen früh im Leben der Tiere in Organen wie der Lunge absiedeln und dort häufig bis zu einem Jahr in einem Ruhezustand verbleiben, bevor sie dann zu Metastasen fortschreiten.
Doch künstlich infiziert mit Influenza-A- oder an Mäuse angepassten Sars-CoV-2-Viren fielen die Tiere dem Krebs viel schneller zum Opfer. Schon Tage nach der Infektion beobachteten die Wissenschaftler, wie die Zahl dieser versprengten Brustkrebszellen rapide wuchs und bald Metastasen in den Lungen der Tiere nachweisbar waren.
Laboruntersuchungen zeigten, warum das geschehen war [bei den Mäusen]: Die Virusinfektion löste eine massive Ausschüttung des entzündungsfördernden Immunbotenstoffs Interleukin-6 aus – ein Mechanismus, der genauso beim Menschen greift.
Das wurde dann auch an großen Kohorten von Krebsüberlebenden untersucht. Und siehe da:
In einer der größten Langzeitstudien der Welt, der UK Biobank, offenbarte sich den Forschern ein noch beunruhigenderes Bild. Untersucht hatte man nur Teilnehmer mit einer Krebsdiagnose vor 2015, als Langzeitüberlebende. Unter jenen mit einer gesicherten Coronainfektion waren ungefähr doppelt so viele Patientinnen und Patienten an Krebs gestorben wie unter den Nichtinfizierten. In diese Auswertung waren nur Teilnehmer mit einem Testergebnis vor Dezember 2020 aufgenommen worden, um Verzerrungen durch die danach zugelassene Coronaimpfung auszuschließen. Zudem war der Anstieg bei Metastasierungen und Krebstod, so drastisch er in dieser Auswertung ausfiel, offenbar vorübergehend. Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Zusammenhang zwischen Infektion und Tod in den Wochen nach der Ansteckung am höchsten war und dann wieder abfiel.
 
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Wenn der drastische Anstieg aber nach einiger Zeit nach Infektion wieder abfiel, wie verhält es sich dann, wenn man sich erneut infiziert?
 
Die Studie bezieht sich auf ehemalige Krebspatienten.

Wenn der drastische Anstieg aber nach einiger Zeit nach Infektion wieder abfiel, wie verhält es sich dann, wenn man sich erneut infiziert?
Eigentlich würde man erwarten, daß jede Infektion das immer wieder neu auslösen kann, solange in der Lunge schlafende Metastasenzellen liegen. Aber ziemlich sicher ist die Heftigkeit der Infektion bzw. der Immunreaktion dabei auch entscheidend, und in der Zeit der Studie gingen ziemlich starke Virusvarianten herum und die Leute hatten noch keine Immunität. Der Effekt hat sich seither also bestimmt abgeschwächt.
 

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