Diana Holmes – Geschichte einer Schilddrüsen-Unterfunktion

Paula3

Diana Holmes ist eine „Schilddrüsen-Aktivistin“ in England. Sie war 23 Jahre lang krank, bevor endlich ein Arzt eine Schilddrüsen-Unterfunktion diagnostizierte.

Der Grund: Ihre Schilddrüsenwerte lagen immer „im Normbereich“ und kein Arzt hat je auf ihre deutlichen Symptome und die Krankheitszeichen geachtet.

Es interessierten nur "Laborwerte in der Norm“.

Nachdem Diana richtig behandelt wurde, hat sie ihre Gesundheit wiedererlangt und hat angefangen, andere Betroffene zu unterstützen. Sie hat ein Buch geschrieben, in dem sie viele ähnlich verzweifelte Geschichten gesammelt hat, z.B. von Sylvia Hullah-Cheshire, die ebenfalls über 20 Jahre gelitten hat, bevor ihr SD-Unterfunktion diagnostiziert wurde. Außerdem befasst sie sich mit den Ursachen dieser Katastrophe und mit dem, was bei Ärzten falsch läuft.

Diana Holmes "Tränen hinter verschlossenen Türen" /Tears behind closed doors, Normandi Publishing, 2nd edition, July 2002, ISBN-10: 0954310608

S.102-107 aus dem Buch

Sylvia Hullah-Cheshire - "Sie war ständig müde."
(übersetzt Paula3)

"Hätte ich nicht den kurzen Artikel über Diana gelesen und hätte ich sie nicht anschließend kontaktiert, dann wäre dies eines Tages meine Grabinnschrift gewesen: "Sie war immer müde". Gott ist mein Zeuge, meine Familie hat es so oft zu hören bekommen.

Ich werde darum ewig dankbar sein, dass mir diese meine Eigenschaft [Entschlossenheit], die oft bewundert aber ebenso häufig als sehr irritierend empfunden wurde, erhalten geblieben ist, in einer Zeit, als mir alles andere nur noch wie eine ferne Erinnerung vorkam und sich vor allem mein Kurzzeitgedächtnis so gut wie verabschiedet hatte. ….

Als ich einen Artikel über Diana Holmes las, nachdem ich 23 Jahre lang meiner Hausärztin meine Beschwerden geklagt hatte, brauchte es ein übermenschliches Maß an Entschlossenheit, um auf Dianas Telefon-Hotline zu sprechen. Es hat viele Tage gedauert, bis ich endlich zu Diana durchkam, ihr Telefon war ständig besetzt (später wurde mir klar, weshalb). Gott sei Dank habe ich nicht aufgeben – meine Entschlossenheit, damals, vor jetzt fast sechs Jahren, hat dazu geführt, daß ich tausendfache Besserung erfahren habe.

Jahrelang war ich überzeugt, dass meine Lethargie auf etwas Grundlegendes zurückzuführen ist, aber ich bin mit meiner Hausärztin niemals weitergekommen. Wie viele andere hatte ich mich alternativen Therapien zugewandt und diese nahezu ausgeschöpft, als ich in einer Zeitschrift einen Artikel über Diana las. Ironischerweise hat mir jemand das Magazin gegeben, ich selber hätte es mir nicht gekauft. (Heute weiß ich, daß dieser Artikel dazu beigetragen hat, auch das Leben vieler anderer Betroffener zu verändern.)

Was ich da las, hätte ich sein können; Diana und ich schienen so viel gemeinsam zu haben. Der Titel des Artikels lautete ‚Nach 23 Jahren weiß Diana jetzt, warum sie so krank war‘. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie großartig es war, als ich schließlich zu Diana durchkam und mit jemandem sprechen konnte, der genau wusste, wovon ich sprach, als ich meine schier endlose Liste an Beschwerden durchging.

"Waren Sie immer erschöpft?"
"Ja".
"Ja, das war ich auch."

"Hatten Sie bizarre, farbige Träume?"
"Ja".
"Genau wie ich."

"Haben Sie Dinge gesehen, die nicht da waren?"
"Ja".
"Genauso ist es bei mir."

Und so ging es weiter. Nach einem langen Gespräch wurde vereinbart, dass ich zu Dr. S. nach W. fahren sollte. Was für eine Offenbarung, mit einem Arzt sprechen zu können, der tatsächlich zuhörte und der daran interessiert war, was ich zu sagen hatte.

Es passierte wieder, als ich auf die Frage des Arztes antworten wollte. Dr. S. fragte, "Wie lange sehen Sie schon so aus?" Schon seit Monaten mußte ich mich anstrengen, um alltägliche Wörter zu finden und stoppte oft abrupt mitten im Satz - nicht weil ich nicht wußte, was ich sagen wollte, sondern weil ich mich nicht an die Wörter erinnern konnte. Meine Antwort hörte sich ungefähr so an: "Ich kann es nicht genau sagen, weil es geschah sehr … sehr … sehr" .. An dieser Stelle schaltete sich Dr. S. ein, „Meinen Sie allmählich, es geschah allmählich?" "Oh ja, das meine ich, es begann allmählich, ich fühle mich richtig dumm." "Nicht doch," sagte er, "das ist alles Teil dieser Krankheit, ich kann Ihnen helfen."

Hören war auch ein Problem, aber jetzt konnte ich meinen Ohren kaum trauen. Nach 23 Jahren hat endlich jemand zugehört und er sagt, daß er mir helfen kann! Den Rest des Tages ging ich wie auf Wolken, es war ein unglaubliches Gefühl.

Dr. S. sagte, meine Hausärztin würde in etwa einer Woche seinen Brief bekommen. Ich zählte die Stunden bis zu meinem Termin. Aber was meine Hausärztin dann sagte, diese Unverschämtheit, das verfolgt mich bis heute. Sie sagte, "Ja, ich habe einen Brief von Dr. S. bekommen, er denkt daß Sie eine Schilddrüsen-Unterfunktion haben, und ich muss zugeben, Sie sehen tatsächlich so aus."

Als Lehrerin fing ich immer alles ein [jeden Infekt], der in der Schule die Runde machte, von daher war ich ein häufiger Gast in der Praxis meiner Hausärztin. Und ich sah seit vielen Jahren so aus: deutlich übergewichtig, mit einem fett aussehenden Gesicht, geschwollene Augen, spärliche Augenbrauen und einer trockenen, fahlen Haut. Ich hatte ständig über schmerzhaft geschwollene Lymphknoten geklagt, über Mangel an Energie und darüber, daß ich trotz purer Erschöpfung nicht schlafen konnte, daß ich Migräne-Kopfschmerzen hatte und alarmierende Sehstörungen, Atemnot, schmerzende rissige Fersen, und letztlich sogar Verfolgungswahn. Über viele dieser Symptome klage ich seit der Geburt unseres zweiten Kindes. Diese Tochter war, als ich bei Dr. S. war, inzwischen 23 Jahre alt.

Seitdem habe ich gelernt, dass alles dies klassische Zeichen von Schilddrüsen-Unterfunktion sind.

Ich frage mich also, warum wurde ich so häufig falsch diagnostiziert, warum hieß es, ich hätte Pfeiffersches Drüsenfieber, Stress, Depressionen und schließlich Chronisches Erschöpfungssyndrom/ ME? Ich habe falsche Diagnosen bekommen, weil das Ergebnis meines Schilddrüsen-Tests falsch interpretiert worden ist. Der einzige Schilddrüsen Test, der durchgeführt worden war, war der TSH-Test, und der Wert war 2,9, und das kurz vor Beginn der Behandlung meiner Unterfunktion, als ich unvorstellbar müde war und nicht in der Lage, einen Satz zu formulieren und ständig den Faden verlor … Dieses Ergebnis war nahezu – peng - mitten im sogenannten "Normalbereich".

Wenn ich, eine einfache Sterbliche, in der Lage bin, etwas über die Bedeutung von T3 herauszufinden, dann muß sie als ausgebildete Ärztin das mit Sicherheit gewusst haben. Also, weshalb hat sie nie mehr gemacht als einen TSH-Test? MEIN LEBEN HÄTTE SO ANDERS VERLAUFEN KÖNNEN.

Sobald ich die Behandlung mit 25 mcg Thyroxin begann, fühlte ich mich erstaunlich gut und voller Energie: Doch als ich versuchte, ein ganz normales Leben zu führen, wurde schnell klar, dass ich T4 nicht gut in T3 (die aktive Komponente) umwandeln konnte. Ich wechselte zu Armour Thyroid, das neben T4 auch T3 enthält, und ganz allmählich normalisierte sich alles. Nur leider habe ich immer noch mit dem Gewicht zu kämpfen wie viele Patientinnen, die über zu lange Zeit hypothyreot waren.

Unnötig zu sagen, daß ich zu einer anderen Arztpraxis wechselte. Und in den letzten fünf Jahren hatte ich einen wunderbaren Hausarzt, der ein gründliches Verständnis von einer Schilddrüsen-Unterfunktion hatte, und der mich immer in die Therapie-Entscheidungen einbezog. Er hat in regelmäßigen Abständen Blutuntersuchungen gemacht, aber immer gesagt: "Diese Ergebnisse sind nur ein Leitfaden, worauf es ankommt ist, wie Sie sich fühlen." Sie können sich vorstellen, wie traurig ich war, als dieser wunderbare, mitfühlende Arzt vor kurzem gestorben ist.

Aber ich habe sehr viel von ihm gelernt, und ich werde nie wieder zulassen, einfach abgespeist zu werden. Zusammen mit Dr. S. und Diana hat er mir das Vertrauen zurückgegeben, daß ich mich nicht unterkriegen lasse und nicht länger nur mit dem Zweitbesten zufrieden gebe. Lassen Sie nicht zu, daß Sie von einem Hausarzt schikaniert werden, der der Meinung ist, Sie seien eine faule, übergewichtige Person, die jammert und die nur mit dem Hintern hochkommen und ihr Leben leben müßte. Lassen Sie nicht zu, daß dieser Arzt sie glauben macht, Sie seien depressiv.

Ich gebe zu, daß es nicht immer einfach ist, deutlich zu sagen, wie Sie sich fühlen, wenn Ihnen bloß ein Rezept für Antidepressiva über den Tresen gereicht wird. Nehmen Sie jemanden zur Unterstützung mit, jemanden, der in Ihrem Sinne argumentiert, jemanden, der dieses Buch gelesen hat, der gut informiert ist, und der dafür sorgt, dass nichts unversucht bleibt. Geben Sie nicht auf, Sie haben nur diesen einen Lauf im Leben, und wenn Sie erst einmal richtig diagnostiziert und behandelt sind, kann das Leben so gut sein.

Bei mir lief nicht immer alles glatt weiter. Ich hatte das alte selbstverschuldete Problem, die Superfrau sein zu wollen, und ich hatte einen Autounfall… aber seitdem es mir später wieder gut ging, habe ich gute Gesundheit nie mehr für selbstverständlich gehalten, und ich hole mir immer sofort Rat, wenn die Dinge aus dem Ruder zu laufen scheinen.

In den letzten sechs Jahren habe ich ein Kombinations-Präparat genommen, um das T3-Problem zu überwinden. Wie gesagt, habe ich mit reinem Thyroxin angefangen und fühlte mich im Vergleich zu vorher, wo ich mich gedanklich damit quälte, ob das jetzt Alzheimer ist, wunderbar. Nachdem das mit dem T3-Mangel dann erkannt worden war, wechselte ich zu Armour Thyroid, und heute nehme ich das Armour Thyroid zusammen mit eine kleinen Extradosis T3.

Zurück zum Artikel von Diana in dem Magazin. Woher weiß ich, dass dieser Artikel dazu beigetragen hat, daß so viele Menschen richtig diagnostiziert wurden und heute ein normales Leben führen?

Ich konnte meinen Beruf als Lehrerin damals nicht länger ausüben und habe darum, nachdem ich diagnostiziert war und es mir allmählich gut ging, Diana als freie Mitarbeiterin unterstützt. Dianas Telefon-Hilfs-Hotline war permanent besetzt von Anrufern, die verzweifelt nach Hilfe suchten. Es waren zu viele, als daß Diana allen hätte antworten können. Daher haben wir im Oktober 96 unsere Kräfte gebündelt, und seitdem habe ich buchstäblich mit Tausenden Menschen, meistens Frauen, aber auch vielen Männern, gesprochen, die alle am Ende ihrer Kräfte waren.

Es ist erstaunlich, wie viele von ihnen diesen Artikel erwähnt haben, sogar noch einige Jahre nach seinem ersten Erscheinen. Ich habe einige furchtbare Geschichten gehört, bei denen ich einen Kloß im Hals bekam und mir Tränen die Wangen runterliefen. Viele dieser Menschen fühlten sich isoliert und glaubten, ihre Symptome seien einzigartig und individuell und daher schwierig zu diagnostizieren. Es ist Dianas Mut und Beharrlichkeit zu verdanken, dass so Viele heute wieder ein normales Leben führen können.

Sie kennen sicher den Spruch ‚Gutes kommt in kleinen Portionen‘, und genau das trifft auf Diana zu. Obwohl sie klein ist, steht sie für sich ein und vielleicht noch wichtiger, sie macht das schon seit vielen Jahren. Und sie steht heute noch für die Patienten mit Schilddrüsen-Unterfunktion ein und unterstützt sie, denen weisgemacht wurde, daß dieses Leben ihr Schicksal ist und daß sie einfach weitermachen müssen, so gut es eben geht.

Diana hat enorme Fortschritte in ihrem Bemühen gemacht, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Veränderungen in Gang zu bringen. Noch immer liegt ein langer Weg vor uns, aber ich weiß, sie wird nicht aufgeben."
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Beitritt
07.04.10
Beiträge
5.231
Danke Dir liebe Paula....:)

Diese Geschichte macht bestimmt einigen oder vielleicht sogar vielen usern Mut - und den können hier viele gut gebrauchen.....:kraft:.....

ciaociao movo
 
Beitritt
31.01.12
Beiträge
935
Leo Pruimboom hält das Verhältnis von rT3 zu* T3 für den aussagekräftigsten Parameter für die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion und zwar in Kombination mit den klinischen Symptomen.

Ein typischer Laborbefund einer Unterfunktion zeige niedrigere
T3-Werte und im Verhältnis zu deutlich erhöhten rT3-Werten.

Bevor eine Unterfunktion behandelt werde, sei es wichtig zu diagnostizieren, warum der Körper so reagiert.

Die direkte Interventionen mit Hormonen sei nicht unbedenklich.

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