Clematis

Hallo,

die Idee zu diesem Thema kommt daher, daß ich zu den Eulen gehöre, die Welt jedoch von den Lerchen bestimmt wird. Die Eule kann daher nie ausschlafen oder ihrem eigenen Rhythmus folgen. Was zunächst wie ein einfaches Thema aussieht, entpuppte sich als erheblich komplizierter als ich es mir vorstellte, weil es da noch viele weitere Faktoren zu berücksichtigen gibt. Wichtig ist, daß die Nicht-Einhaltung des eigenen Rhythmus krank machen kann, zu Schlaf-, Konzentrations-, Leistungsstörungen usw. führt. Das wurde inzwischen wissenschaftlich erforscht und nachgewiesen.

1. Teil: Kurz- und Langschläfer, Lerchen und Eulen

Wasser auf meine und die Mühlen der Eulen :)
"Der frühe Vogel kann mich mal"- ein Plädoyer für das Ausschlafen
https://www.youtube.com/watch?v=E5ihomz3Wwc
Textausschnitt unter dem Video bei YT:
Langschläfer gelten gemeinhin eher als faul und träge. Aber - wie die Autorin nachweist - hat jeder seinen eigenen Biorhythmus. Und der lässt keine Schlüsse auf Kreativität und Sozialverhalten zu. Wer permanent gegen seine innere Uhr lebe und beispielsweise früh aufstehen müsse, könne krank werden. Wissenschaftler sprechen dann vom "sozialen Jetlag".
In der Familie beobachtete ich mehrere Schlafgewohnheiten: von 22:00 bis 6:00, von 23:00 bis 7:00, von 24:00 bis 8:00, von 2:00 bis 10:00. D.h. hier schliefen alle etwa 8 Stunden, aber zu unterschiedlichen Zeiten, sofern das wie am Wochenende möglich war. Doch wochentags mußten alle schon zwischen 5:00/6:00 Uhr raus aus den Federn... Da der eigene Rhythmus genetisch festgelegt ist, hat das jedoch nicht immer zur Folge, daß man wegen des zu frühen Aufstehens abends auch früher müde wird, man bleibt trotzdem bis 23, 24, 2:00 Uhr munter. Geht man früher schlafen, kann man oft nicht einschlafen.

Wer morgens länger schlafen möchte, wird meist etwas abwertend als Langschläfer, Schlafmütze, Morgenmuffel bezeichnet. Die Frühaufsteher berücksichtigen dabei jedoch nicht, daß die Schlafmützen noch bis tief in die Nacht Leistung erbrachten und aktiv waren, als sie selbst schon längst tief schliefen. Der folgende Artikel macht die negative Einstellung Langschläfern gegenüber sehr deutlich:
Was Morgenmuffel von Frühaufstehern unterscheidet
Schlafforschung: Was Morgenmuffel von Frühaufstehern unterscheidet - DIE WELT
Um eine präzisere Unterscheidung der einzelnen Chronotypen bemüht sich seit Jahren das Münchner Zentrum für Chronobiologie am Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität. Dort wurde unter Leitung von Till Roenneberg ein Fragebogen als Messinstrument entwickelt und bereits mehr als 80.000 Mal eingesetzt. Mithilfe des "Munich Chronotype Questionnaire" (MCTQ) können Interessierte unter www.theWeP.org oder www.euclock.org ihren persönlichen Chronotyp und damit ihren Tagesrhythmus bestimmen.
Nach Auswertung der ersten 25.000 Fragebögen haben die Münchner Forscher die verschiedenen Chronotypen in der Bevölkerung in sieben Gruppen unterteilt, von "extremer Frühtyp" bis "extremer Spättyp".
Den Test kann jeder Interessierte hier machen - je nach Ergebnis wird man Teil der Studie, wer, wieso ausgeschlossen wird, ist dabei mal wieder unklar, die Studie deshalb nicht ganz sauber - habe den Test trotzdem mal gemacht ;):
https://www.bioinfo.mpg.de/mctq/core_work_life/core/introduction.jsp?language=deu

Spätaufsteher sind keineswegs immer "muffelig" wenn sie früh aufgestanden sind. Ich bin zwar nur ein Einzelfall - doch sobald ich aufgestanden bin, ob um 6 oder 10, bin ich munter und fröhlich. Da spielt wohl u.a. eine wichtige Rolle, ob man einem neuen Tag gegenüber positiv eingestellt ist oder nicht.

Eine mit Humor gewürzte Darstellung:
Langschläfer sind öfter Singles als Frühaufsteher
Möglicherweise stehen die beiden Chronotypen also für weit mehr als nur unterschiedliche Schlafmuster. Nur gut aber, dass sie ebendiese haben. So treffen morgens bindungswillige Lerchen auf andere bindungswillige Lerchen, in die sie sich verlieben können. Und abends, wenn die Lerchen längst friedlich schlummern, schwärmen dann die neugierigen Eulen aus, um ihresgleichen zu suchen und zu finden.
Psychologie: Langschläfer sind öfter Singles als Frühaufsteher - DIE WELT
Zusätzlich gibt es noch Menschen, die in Kurz- und Langschläfer eingeteilt werden können, d.h. sie brauchen nur bis maximal 6 Stunden bzw. 8 oder mehr Stunden Schlaf, was ebenfalls genetisch bedingt ist. Aufgrund der Lebensbedingungen/Arbeitslast können aus Langschläfern künstliche Kurzschläfer werden, die glauben mit z.B. 4 Stunden auszukommen, dann jedoch ein ständiges Schlafdefizit haben.

Dazu hier einige Links, die noch weitere Fragen berücksichtigen: Tiefschlaf-, Traum- und Leichtschlafphasen, Schlafumgebung, Bettausstattung usw. Dies alles zu berücksichtigen, könnte für jene hilfreich sein, die unter Schlafstörungen leiden.
Achtung! Auch zu viel Schlaf ist ungesund! | Einfach Gesund Schlafen - Das Online-Magazin für den perfekten Schlaf - Powered by Samina
Lichtwecker | Einfach Gesund Schlafen - Das Online-Magazin für den perfekten Schlaf - Powered by Samina
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Konzentrationsschwäche durch Schlafmangel: Was kann man dagegen tun? | Einfach Gesund Schlafen - Das Online-Magazin für den perfekten Schlaf - Powered by Samina
Diese Seite enthält einen Shop, doch sie deswegen nicht zu zitieren wäre sehr bedauerlich, weil die Informationen weit gefächert und sehr nützlich sind.
Kurzschläfer oder Langschläfer? Wie lange sollte ich optimalerweise schlafen?
https://www.youtube.com/watch?v=dnUmIfhmP9Q

2. Teil: Biorhythmus und Chronobiologie

Jeder Mensch hat seinen eigenen, sehr persönlichen Biorhythmus, der die Leistungsfähigkeit auf drei Ebenen beeinflußt: körperlich, emotional und geistig/intelektuell. Dieser ist jedoch vom biologischen Zyklus bzw. der inneren Uhr abzugrenzen, die u.a. von den Mondphasen, Jahreszeiten, Tag/Nacht usw. abhängig sind. Dennoch nehme ich an, daß sie einander beeinflussen und nicht nur einfach nebeneinander her existieren.

Eines ist inzwischen deutlich geworden, seitdem die innere Uhr besser verstanden wird: handelt der Mensch entgegen seiner Chronobiologie, kann der gesamte Organismus durcheinander kommen, die Organuhren und die in den Zellen enthaltenen inneren Uhren funktionieren nicht mehr im Einklang bzw. systemkonform, was sich wiederum auf die inneren Regelkreise auswirken kann, wie den Stoffwechsel, Immunsystem, Herz-Kreislaufsystem, Leber-, Nieren-, Lungenfunktionen usw.

Ich hatte mal eine Zeit lang mit dem Biorhythmus herum experimentiert und fand für mich tatsächlich eine Korrelation. Wenn ich etwa in einer Hochphase des geistigen Rhythmus lernte, brachte das weit bessere Ergebnisse als das Lernen während einer Tiefphase. Eine ähnlich Korrelation stellte ich aber ebenfalls als Eule fest: abends und nachts Gelerntes behielt ich sehr gut, vormittags oder nachmittags Gelerntes nur lückenhaft, manchmal aber wieder recht gut, was dann dem Biorhythmus zuzuschreiben war, der gerade im Hoch war. Vergleiche dazu:
Erkunde deinen Biorhythmus! Jeder hat am Tag bestimmte Leistungsspitzen, die von Leistungstälern abgelöst werden. Es wäre ein Jammer, wenn man seine Leistungsspitzen mit unsinnigen Tätigkeiten vertrödelt und dann versucht, in den Leistungstälern sein Lernpensum zu erledigen!
Biologische und psychologische Grundlagen des Lernens
Biorhythmus und biologische Rhythmen/innere Uhr/Chronobiologie (s.u. Geo) sind jedoch unterschiedlich. Bei Texten im Internet muß man genauer hinschauen, weil viele diese Unterscheidung nicht machen. Oft werden Biorhythums und innere Uhr synonym verwendet bzw. vermischt, wie hier:
Aufgaben und Funktionsweise des Biorhythmus - paradisi.de
Biorhythmus | Die innere Uhr unseres Körpers kann unsere Tagesverfassung beeinflussen - paradisi.de

Meines Erachtens ist das noch nicht einmal falsch, denn die innere Uhr (Chronobiologie) beeinflußt auch den Biorhythmus und umgekehrt. Sie sollten immer gemeinsam berücksichtigt werden. Tun wir das nicht, würden wir wie ein Mediziner handeln, der zwar ein Nierenleiden erkennt, die Folgen für das Hormonsystem jedoch außer Acht läßt.

Der Biorhythmus ist wissenschaftlich nicht anerkannt, die Chronobiologie konnte hingegen durch viele wissenschaftliche Experimente belegt werden. So hier:
Leseprobe: Die Zeitmaschine in uns - GEOkompakt- GEO.de (Seite 1)
Die Versuchsteilnehmer konnten frei über ihren Tagesablauf entscheiden. Das Resultat: Selbst im Bunker schliefen die Probanden im Schnitt sieben bis acht Stunden und waren 17 bis 18 Stunden wach. Ihre Tage pendelten sich nach und nach auf einen 25-Stunden-Rhythmus ein. Über eine Sonde maßen die Forscher die Körpertemperatur der Bunkerbewohner und analysierten in Urinproben den Gehalt von Stoffwechselprodukten und Hormonen. Auch deren Schwankungen folgten dem 25-Stunden-Muster.

Das war der Beweis: Auch in der Isolation unterliegt der menschliche Organismus einem Rhythmus, den die Wissenschaftler circadian (lat. für „ungefähr ein Tag“) nannten. Demnach verfügen nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch Menschen über eine Uhr, die einen inneren Tag erzeugen kann, der etwa der Dauer einer Erdrotation entspricht.

Wie funktioniert das geheimnisvolle Uhrwerk?
Inzwischen weiß man, dass die unnatürliche Versuchssituation das Ergebnis minimal beeinflusst hatte. Im Schnitt ist die innere Uhr des Menschen auf einen Rhythmus von 24 Stunden und 20 Minuten getaktet. Damit war belegt: Es gibt ein geheimnisvolles Uhrwerk im menschlichen Körper. Drei wichtige Fragen blieben jedoch unbeantwortet: Wo sitzt dieses innere Uhrsystem? Wie misst es die Zeit? Auf welche Weise passt es sich dem äußeren Tagesverlauf an und steuert den menschlichen Körper?Leseprobe: Die Zeitmaschine in uns - GEOkompakt- GEO.de (Seite 2)
Da endet die Auskunftsfreude von Geo ;).

Der Biorhythmus beruht auf sehr altem Wissen:
Schon Hippokrates soll die Grundlagen um 400 v.Chr. erforscht haben. Bei Ayurveda ist der Biorhythmus bezüglich der Lebensphasen schon lange bekannt und fließt in die Betrachtung der Prinzipien mit ein:
www.springer.com/cda/content/document/cda_downloaddocument/9783642131240-c1.pdf?SGWID=0-0-45-1278938-p174004863
Dieses PDF enthält, so nebenbei, eine ausführliche Beschreibung der Prinzipien von Ayurveda.

Die Theorie des sogenannten Biorhythmus ist nicht Teil der Chronobiologie. Er beruht auch nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und wird von seriösen Wissenschaftlern abgelehnt.

Die ursprüngliche Idee stammt von dem HNO-Arzt Dr. Wilhelm Fliess (1858 - 19 28). Er war mit Siegmund Freud befreundet und war auch an der Entstehung der Psychoanalyse beteiligt. In den Krankengeschichten seiner Patienten glaubte er übereinstimmende Zyklen gefunden zu haben. Für Männer postulierte er einen 23tägigen und für Frauen einen 28tägigen Zyklus. Anhand dieser Perioden glaubte er Aussagen über Gesungsverläufe und sogar über den Tod von Patienten machen zu können. Diese Idee bildet die Grundlage für die heute verwendeten Biorhythmen. Weiterentwickelt hat diese Theorie unter anderem der Wiener Psychologe Swoboda.

Grundlagen
Der Lehre des Biorhythmus in seiner einfachen Form geht von drei periodischen Abläufen aus, die das körperliche, emotionale und geistige Wohlbefinden definieren.
Die Zyklen sind wie folgt:
  • körperlicher Rhythmus (23 Tage)
    Nach der Theorie werden dadurch die Ausdauer, die Vitalität und die Kraft eines Menschen bestimmt.
  • emotionaler (oder seelischer) Rhythmus (28 Tage)
    Dazu zählen die sinnliche Wahrnehmung, die Gemütsverfassung und die Kreativität eines Menschen.
  • geistig-emotioneller Rhythmus (33 Tage)
    Denk- und Lernfähigkeit, logisches Verständnis etc.
Die Formeln sind denkbar einfach:
KZ = sin(360 * AT / 23)
EZ = sin(360 * AT / 28)
GZ = sin(360 * AT / 33)
Wobei KZ für "körperlichen Zustand", EZ für "emotionalen Zustand" und GZ für "geistigen Zustand" steht. AT ist das Alter eines Menschen in Tagen, d.h. bei Geburt beginnt ein Mensch mit dem Wert 0 für alle drei Kurven.

Kritik - Unveränderlichkeit der Perioden

  • Die Kurven beginnen immer mit der Geburt, egal ob ein Kind zum Beispiel zu "früh" oder zu "spät" vom rechnerischen Geburtspunkt geboren wurde. Es wäre so, als legte jemand einen Schalter um, wenn das Kind die Gebärmutter verlässt. Egal ob regulär oder über Kaiserschnitt. Auch bei einem Frühgeborenen sollen diese Zyklen angeblich exakt mit der Geburt beginnen. Dann setzen sich diese Zyklen unbeirrbar im Leben eines Menschen fort. Es spielt dabei keine Rolle, wie jemand lebt, z.B. Sport treibt oder nicht, wenig oder viel schläft, oft in Flugzeugen um die Welt reist, usw.
    Wir wissen, dass es bei messbaren Zyklen, wie z.B. der Menstruation einer Frau erhebliche Unterschiede in der Periodizität gibt und dass die Zyklen von äußeren Faktoren geprägt und unterbrochen werden können.
  • keine messbaren oder nachprüfbaren Größen
    Keine dieser biorhythmischen Kurven lässt sich mit Hilfe von elektrischen, chemischen, biochemischen, hydraulischen oder wie auch immer gearteten Verfahren messen bzw. nachweisen.
  • Logik wider alle Vernunft
Aufgrund der hier genannten Kritik bleibt uns mal wieder keine andere Möglichkeit der Überprüfung als: Probieren geht über Studieren, wobei zu empfehlen wäre, dies über einen längeren Zeitraum hinweg zu machen, wenn man ein zuverlässiges Ergebnis erhalten möchte. Verschiedene Rechner erleichtern dies heute, früher konnte man sich eine Art Rechenschieber basteln und sich so täglich anschauen, wie die Biorhythmus-Kurven aussahen.
Hier kann man den Biorhythmus berechnen lassen:
Biorhythmus Rechner - Berechnen Sie sofort und kostenlos Ihren Biorhythmus
Biorhythmus berechnen - online kostenlos - Biorhythmus Software
Biorhythmus berechnen

Und um es noch ein wenig komplizierter zu machen: die Epigenetik redet hier sicherlich noch ein Wörtchen mit. Durch Umwelteinflüsse bzw. entgegen dem eigenen Rhythmus ständig praktizierten, falschen Schlafgewohnheiten, kann die Epigenetik wiederum Einfluss auf die Gene nehmen und deren Expression verändern, etwa bei chronischen Kurzschläfern, die eigentlich Langschläfer sind, oder Spätaufsteher zu Frühaufstehern verändern, wenn sie ständig früh aufstehen müssen. Wie radikal diese Veränderungen sein könnten muß wohl noch erforscht werden.

Abschließend noch Videos zur Chronobiologie:
Wie die innere Uhr gestellt wird
https://www.youtube.com/watch?v=SWzZBuPBL8o
Das ungesunde Leben gegen die innere Uhr Dokumentation
https://www.youtube.com/watch?v=YvWhO23Kvc0
[Doku][Hitec] Die innere Uhr - Wissen was Zeit ist
https://www.youtube.com/watch?v=E7yviZhIC1k
(Doku) Überleben extrem - Isolation [HD]
= Grenzen des Körpers: Die innere Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=BQQR-ZJB344
Lerche oder Eule - munter durch den Tag - Mi. 08.02.12 08:15 ZDFinfo
https://www.youtube.com/watch?v=NDjAvt9zb3w

Bei Schlafproblemen insbesondere, aber ebenso bei anderen gesunheitlichen Problemen, kann die Berücksichtigung des Biorhythmus, der Chronobiologie, die Erkenntnis, ob man Kurz- oder Langschläfer, Lerche oder Eule ist, wertvolle Hinweise liefern. Wen wundert's da noch, daß so viele Menschen erhebliche Probleme mit der Sommer- bzw. Winterzeit haben?

Gruß,
Clematis

PS: nach den Videos: läuten bei Euch die Glocken auch so laut, wie bei mir? Die chinesische Medizin kannte die Organuhren bereits vor über 3.000 JAHREN! Der Westen steckt noch in den Kinderschuhen... ;)
1/3: Ingrid Ulbrich: Leben mit der Organuhr - Nutzen Sie Ihre Vitalität
https://www.youtube.com/watch?v=2Ze4-ZdR1K0
 
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Biorhythmus - Chronobiologie; Kurz- + Langschläfer; Lerche -

Hallo Clematis,

Du hast hier so viele Informationen so umfassend zusammen getragen, daß ich mich da nur durcharbeiten kann und meistens mit dem Kopf als "ja!" nicken :).

Ich gehöre auch zu den Eulen und finde es immer wieder schwierig, da mit Nicht-Eulen zu harmonieren. Extrem war das mit einer Freundin, die am liebsten schon am späten Nachmittag ins Bett ging, dafür aber morgens etwa um 4.30 Uhr wach war.
Wäre es nach mir gegangen, hätte ich da leicht noch wach und aktiv sein können, dafür aber hätte ich gerne bis ca. 11/12 Uhr geschlafen. - Da bleibt dann nicht viel gemeinsame wache Zeit :eek:):D...

Grüsse,
Oregano
 
Beitritt
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Biorhythmus - Chronobiologie; Kurz- + Langschläfer; Lerche -

Sowas hatte ich schon die ganze Zeit im Sinn, und jetzt erst gesucht.....

symptome.ch/neurostress/ Koffein beeinflusst innere Uhr
bzw auch hier symptome.ch/ Kaffee: pro und contra

scinexx.de/wissen-aktuell-2015-09
... das koffeinhaltige Getränk macht nicht nur wach, es verschiebt auch unsere innere Uhr.
Schon eine Tasse Kaffee abends reicht aus, um unseren Tag-Nacht-Rhythmus um 40 Minuten nach hinten zu verlagern.
Das Koffein macht damit aus chronobiologischen "Lerchen" späte Nachteulen, die auch am nächsten Morgen entsprechend später aufwachen.
Der Koffein-Effekt war sogar an bloßen Zellen nachweisbar:
Gaben die Forscher zu Kulturen menschlicher Zellen Koffein,
veränderte dies den zirkadianen Aktivitätsrhythmus in den Uhren-Genen dieser Zellen.
Die physiologische Tagesperiode verlängerte sich dadurch.
Und wie wirken z.B. 2, 3 oder mehr Tassen Kaffee?
Oder auch andere Stoffe oder Lebensumstände?

Sonnige Weihnachtsgrüße - Gerd
 

Clematis

Biorhythmus - Chronobiologie; Kurz- + Langschläfer; Lerche -

Extrem war das mit einer Freundin, die am liebsten schon am späten Nachmittag ins Bett ging, dafür aber morgens etwa um 4.30 Uhr wach war.

Hallo Oregano,

das war ja eine Extrem-Lerche! Als Eule hat man es da schwer, selbst wenn man zu den gemäßigten gehört ;).
Falls Paare ähnliche Konstellationen aufweisen, könnte das für ständigen Zoff sorgen...
Wenn Eulen aktiv werden, schlafen Lerchen schon und wenn Lerchen aktiv werden, schlafen die Eulen noch - die Natur kann so verhindern, daß sich ihre Wege zu oft kreuzen... :cool:

Bei Kindern wäre es wichtig, diese Veranlagung zu berücksichtigen. Bei mir tat man das nicht und ich lag dann noch studenlang wach im Bett, war genervt und konnte erst recht nicht einschlafen. Bei uns müssen Kinder früh ins Bett, da morgens die Schule ruft. Doch ist das immer richtig? Spanier, Italiener sehen das anders. Die Kinder bleiben auf, bis sie sich müde von selbst davon trollen oder in einer Sofaecke einschlafen. Dann bringt man sie ins Bett. So wird vielleicht unbewußt ihre Veranlagung berücksichtigt.

Eule grüßt Eule :),
Clematis
 

Clematis

Biorhythmus - Chronobiologie; Kurz- + Langschläfer; Lerche -

Und wie wirken z.B. 2, 3 oder mehr Tassen Kaffee?
Oder auch andere Stoffe oder Lebensumstände?

Hallo Gleerndil,

interessant Links und Aspekte...

Auf Kaffee, schwarzen Tee und weiteres reagiert wohl jeder etwas anders und muß selbst herausfinden, wie die Wirkungen sind. Die Wirkung kann sich je nach Lebensabschnitt verändern. So wird ja gesagt, daß wir alle 7 Jahre einen neuen Lebenszyklus beginnen, mit fließenden Übergängen.
https://www.erz.be.ch/dam/documents/ERZ/MBA/de/berufsberatung/BernMittelland/3a_7_Lebenszyklen.pdf
Die Lebenszyklen
Erik H. Erikson hat mehrere Bücher zum Thema geschrieben:
Vom Kind zum Erwachsenen. Die Entwicklungsphasen des Menschen nach ... | Self-Publishing bei GRIN (Mit Leseproben)

Hier wird auf die psychischen Eigenschaften eingegangen, doch es gibt ebenfalls körperliche, die damit einhergehen. Meines Wissens haben wir innerhalb von 7 Jahren fast alle Körpezellen komplett ausgetauscht - deren haben wir um die 50 Billionen. Leider kann ich dazu im Netz nichts finden, so viel ich auch suche.

So konnte ich früher viel Kaffee, Tee trinken und das machte mich munter, verschob meinen Rhythmus aber nicht. Heutzutage wirkt nur noch Tee, Kaffee wirkt spät abends nicht mehr munter machend - kann danach bestens einschlafen. Bei Wein verschob sich das ebenfalls: jahrelang gut vertragen, denn jahrelang gar nicht und dann wieder doch... immer in Maßen.

Gruß,
Clematis
 
Beitritt
10.01.04
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AW: Biorhythmus - Chronobiologie; Kurz- + Langschläfer; Lerche -

...
Die Aktivität unseres Körpers – also von Organen, Zellen und Genen – wird durch allerlei äußere Einflüsse verändert: eine Selbstverständlichkeit für ein lebendes Wesen, das in einer sich oft rasch verändernden Umgebung zurechtkommen und sich anpassen muss. Demnach kann eigentlich kaum überraschen, dass unser Organismus sich auch auf langfristige, zyklische Veränderungen wie etwa die Jahreszeiten einstellt.
...
Bei vielen Genen schwankt die Aktivität mit der Jahreszeit, wie Forscher in der "BABYDIET"-Studie herausfanden. Betroffen sind vor allem Gene des Immunsystems und des Fettstoffwechsels.
Das führt dann etwa dazu, dass von Europäern im Winter insgesamt im Mittel größere Mengen von proinflammatorischen Proteinen wie dem IL-6-Rezeptor und das C-reaktive Protein produziert werden und ins Blut gelangen – womöglich unter anderem deshalb, weil entzündungsdämpfende Regulatoren wie das Gen ARNTL im Sommer stärker aktiv sind. Diesen Befund könnte man im Prinzip auch dadurch erklären, dass die Menschen im Winter häufiger erkältet sind und das Immunsystem schlicht darauf reagiert, was die Forscher aber ausschließen. Offenbar regelt der Körper des Durchschnittseuropäers stattdessen während der kalten und dunklen Jahreszeit proaktiv sein Immunpotenzial herauf, weil nun eine stärkere Erkältungsgefahr besteht, auf die schneller etwa mit Entzündungsreaktionen reagiert werden muss. Vielleicht ließe sich der Mechanismus sogar für bessere Impfkampagnen ausnutzen, spekulieren die Forscher: Weil verschiedene Gene des Immunsystems im Winter reaktionsfreudiger sind, könnte eine Impfung nun eine bessere Wirkung haben.

Unabhängig von der genetischen Grundausstattung unterliegen die Immungene in anderen Teilen der Erde dagegen auch anderen, auf die dortigen Anforderungen angepassten Zyklen: So wären dann auch "genetische" Europäer auf der Südhalbkugel an den Jahreszeitenwechsel der Südhalbkugel adaptiert. Menschen aus Gambia in Westafrika, die im Vergleich getestet wurden, zeigen dagegen eine nochmals andere immunogenetische Hochsaison: Hier wird die Körperabwehr mit der Regenzeit zwischen Juni und Oktober nach oben reguliert, wo die Ansteckungsgefahr durch Blut saugende, etwa Malaria übertragende Insekten steigt.
...
Chronobiologie: Menschen haben Sommer- und Winter-Gene

Chronobiologie - Peter Spork
Terra X: Die Macht der Jahreszeiten (2/2) - ZDF.de
https://www.carstens-stiftung.de/nachwuchs/promotionsfoerderung/abstracts/son/prinz.pdf

Grüsse,
Oregano
 
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