Magnesiummangel

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Magnesiummangel

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Ein Magnesiummangel beschreibt die nicht ausreichende Versorgung der Zellen mit Magnesium Ionen. Da Magnesium an zahlreichen Schlüsselfunktionen im Körper beteiligt ist, kann eine Unterversorgung mit Magnesium schwerwiegende und diffuse Krankheitsbilder erzeugen. Magnesium wird in der Medizin auch gerne als das „vergessene Ion“ bezeichnet, da man in der Vergangenheit deutlich besser einen Mangel erkannt hat und entsprechend therapieren konnte. Nur langsam entdeckt die moderne Medizin und auch die Forschung das Potenzial und die Wichtigkeit von Magnesium für den menschlichen Körper erneut.

 

Ursachen

Quelle: Kisters K. Internist-1998/39, Störungen des Magnesiumhaushaltes, Seiten 815-819

Die folgenden Ursachen für einen Magnesiummangel sind bekannt: – Vermehrte Aufnahme von Magnesium in den Knochenbau – Vermehrte Magnesiumaufnahme in den Intrazellulärraum – Respiratorische Alkalose – Diuretika / Pharmaka – Defekt der tubulären Rückresorption – Mangel-/Unterernährung – Malabsorption – Parenterale Ernährung – Alkoholismus

Diese Ursachen lassen sich in vier Gruppen aufteilen: – Vermehrte Magnesiumeinlagerung aus dem Extrazellulärraum – Vermehrte renale Magnesiumausscheidung – Verminderte Aufnahme von Magnesium – Alkoholmissbrauch

Eine Besonderheit stellt das Krankheitsbild der Magnesiummangeltetanie dar, bei der es sich um eine angeborene Verlusterkrankung handelt. Als Folge erlangen die Patienten auch bei ausreichender Versorgung mit Magnesium über die Nahrung niemals einen ausreichenden Magnesiumspiegel im Blut. Die Ursache ist genetisch bedingt.

Symptome

Quelle: D.-H. Liebscher, U.C. Liebscher Nieren- und Hochdruckkrankheiten-39/5(Mai 2010), Magnesiummangeltetanie – eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung, Seite 211

Viele Schlüsselfunktionen im Stoffwechsel des menschlichen Körper bauen auf der ausreichenden Versorgung mit Magnesium auf. Daher ergibt sich ein sehr diffuses Bild an Symptomen. Betroffene berichten teilweise auch über das Fehlen von Einzelsymptomen, einhergehend mit der Verstärkung der Übrigen:

– Reizbarkeit – Müdigkeit – Rasche Erschöpfbarkeit – Innere Unruhe – Kalte Füße – Kopfschmerzen – Mattigkeit/Energielosigkeit – Geräuschempfindlichkeit – Grübeleien – Taubheitsgefühl in Händen und Füßen – Übermäßiges Schlafbedürfnis – Herzklopfen/Herzjagen – Schwächegefühl – Kreuz- und Rückenschmerzen

Diagnose

Quelle: D.-H. Liebscher, U.C. Liebscher Nieren- und Hochdruckkrankheiten-39/5(Mai 2010), Magnesiummangeltetanie – eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung, Seite 216

Dies wird in der Regel per Bluttest ermöglicht. Leider befindet sich die Messung der Magnesiumkonzentration nicht mehr im Standardlabor der Ärzte. Die meisten Mediziner überprüfen erst die Konzentration an Magnesium, wenn eine Auffälligkeit des Kaliumwertes besteht. Meist wird hier eine Messung des Magnesiumwertes im Serum ausgeführt, welche aber in den meisten Fällen nicht aussagekräftig ist. Besser ist die Messung des intrazellulären Magnesiums in den Erythrozyten oder die Messung des ionisierten Magnesiums. Im Falle einer Magnesiummangeltetanie sind aber auch eine vollständige Anamnese ab Geburt, ein Magnesiumbelastungstest und eine Familienanamnese für eine Diagnose möglich. Am wichtigsten ist aber die Beschreibung der Symptomveränderungen- und Verbesserungen unter der Gabe von oralem Magnesium.

Differentialdiagnostik

Quelle:D.-H. Liebscher, U.C. Liebscher Nieren- und Hochdruckkrankheiten-39/5(Mai 2010), Magnesiummangeltetanie – eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung, Seite 212

Bei den folgenden Symptomen ist ein Magnesiummangel, insbesondere eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung, zu berücksichtigen. – Angst (Globusgefühl (Laryngospasmus) und Atemnot (Bronchialspasmus)) – Aphasie – Ataxie – Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) – Zerebrovaskuläre Störungen (transischämische Attacken, Schlaganfall, Ohnmacht, Bewusstlosigkeit) – Chronisches Erschöpfungssyndrom – Clusterkopfschmerz, Spannungskopfschmerz (vaskulärer Kopfschmerz) – Depression, Verstimmung – Fibromyalgie – Gleichgewichtsstörungen, Schwindel – Hypochondrie – Krämpfe (epileptiforme, tetanische) – Migräne – Neurovegetative Erkrankungen (vegetative Dystonie, Neurasthenie) – Neuromuskuläre Störungen (Störungen der Muskeltätigkeit, Wadenkrämpfe, Faszikulationen, Tics) – Parkinsonismus – Stressabhängige Erkrankungen – Tinnitus, Hörsturz – Tremor, Hyperreflexie – Übererregbarkeit, Nervosität, Gereiztheit, Aufgeregtheit – Verwirrtheit (Bewusstseinseintrübung) – Zittern und innerliches Verbrennen

ADS / ADHS und Magnesiummangel

ADS (siehe auch: Autismus) und Magnesiummangel haben teilweise eine überlappende Symptomatik und in der Differentialdiagnostik zu ADS wird ein Magnesiummangel nicht berücksichtigt. Aufgrund der Nutzen-Risiko-Relation von Magnesium zu den übrigen ADS Therapien fordern einige Forscher und Mediziner die Aufnahme von Magnesium zur ADHS-Leitlinie. Bei der Diagnose ADS und einem nachgewiesenen Magnesiummangel kann eine Therapie mit Magnesium die Symptome der ADS verbessern. Die folgenden Studien belegen den häufigen Zusammenhang zwischen einem Magnesiummangel und der Diagnose ADS. Mediziner und Forscher vermuten daher eine hohe Zahl an möglichen Fehldiagnosen und Therapien.

Bei 116 ADHS Kindern konnte eine polnische Arbeitsgruppe in 59 % der Fälle eine reduzierte Magnesiumkonzentration in den Erythrozyten bestimmen. In einem Drittel der Blutentnahmen stellte man einen verminderten Serummagnesiumspiegel fest. Nach einer sechs monatigen Supplementierung in einer Testgruppe ist es zu einer Abnahme der ADS Symptome gekommen. Ein Team von französischen Forschern der Universität Nimes hat unter der Leitung von Dr. Marianne Mousain-Bosc festgestellt, dass die Verabreichung von Vitamin B6 und Magnesium an ADS Patienten eine Verbesserung der ADS Symptome erbrachte. In einer randomisierten Doppelblindstudie des Schweizer Professor Dr. Kurt Baerlocher an 230 ADS Kindern wurde die Wirkung von Calcium und Magnesium überprüft. In 80,2 % der Substitutionen mit Magnesiumaspartat erzielte man gute bis sehr gute Ergebnisse bei den Symptomen. Eine Meta-Analyse von sieben verschiedenen Studien zeigte, das weitere Studien zur Wirksamkeit von Magnesium bei ADHS Patienten notwendig sind.

Quellen/Nachweise:

D.-H. Liebscher/U.C. Liebscher; Magnesiummangeltetanie – eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung; Nieren- und Hochdruckkrankheiten;2010 Mai; 209-219

U.Liebscher und D.H.Liebscher 28. Magnesium-Symposium der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V.-Fulda, 9.-11. Oktober 2008, Autorenreferate, Seite 581

Frank Häßler, Alexander Dück, Olaf Reis und Johannes Buchmann Psychopharmakotherapie -2007/14, „Alternative“ pharmakologische Therapien bei ADHS, Seite 229-236

D.-H. Liebscher Wortprotokoll – Nationaler Ethikrat – Öffentliche Tagung-22.11.2006/Rostock, Pillen fürs Glück? Über den Umgang mit Depression und Hyperaktivität, Seite 17;51

Starobrat-Hermelin B, Kozielec T: The effects of magnesium physiological supplementation on hyperactivity in children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD). Positive response to magnesium oral loading test; Magnes Res. 1997 Jun; 10(2): 149 – 56

Mousain-Bosc M et al: Improvement of neurobehavioral disorders in children supplemented with magnesium-vitamin B6. I. Attention deficit hyperactivity disorder; Magnes Res. 2006 Mar; 19(1): 46-52 Schimatschek, H. F.; Classen, H.-G., Baerlocher, K., Thöni, H., Der Kinderarzt 2 (1997) 196-203

Kozielec T, Starobrat-Hermelin B: Assessment of magnesium levels in children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD); Magnes Res. 1997 Jun; 10(2): 143–8

Wink K, Liebscher D H, Liebscher U Abstracts – 30. Magnesium-Symposium der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V.-Herne, 22.-23. Oktober 2010, Therapieeffekte mit Magnesium beim ADHD-Syndrom – Eine Meta-Analyse

D.-H.Liebscher, K.Baerlocher,H.-G.Classen,U.C.Liebscher,G.-W.Ratzmann,W.Vierling,A.Weigert, K.Kisters Nieren- und Hochdruckkrankheiten-40/3(Mai 2011), Magnesiummangel und -therapie bei ADHS, Seite 123-128

Therapie

Die Therapie eines Magnesiummangels ist einfach möglich. In der Regel wird nach Absprache mit dem Arzt eine stufenweise Aufdosierung (sog. Titration) mit oralem Magnesium bis zur Symptombesserung oder Symptomfreiheit empfohlen. Im Falle einer angeborenen Magnesiumverlusterkrankung ist dies auch deutlich über der empfohlenen Tagesdosis an Magnesium erforderlich. (Weitere Informationen: http://www.magnesiumhilfe.de/poster200210.php?q_lang=de)

Weblinks

Quellen/Einzelnachweise

  • Kisters K. Internist-1998/39, Störungen des Magnesiumhaushaltes, Seiten 815-819
  • D.-H. Liebscher, U.C. Liebscher Nieren- und Hochdruckkrankheiten-39/5(Mai 2010), Magnesiummangeltetanie – eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung, Seite 211ff
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