Fachausdrücke Halswirbelsäule

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Ergänzungsartikel

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  ⇒ HWS-Fachausdrücke (Sammelthread für Begriffserklärungen – Mithilfe ist gern gesehen!)

Einleitung

Mit seinen unterschiedlich gebauten Wirbeln, den Blutgefäßen, den zahlreichen Nerven und Bändern ist der HWS-Bereich relativ komplex. Wer sich in das Thema Halswirbelsäule einliest oder versucht, seinen Röntgen- oder MRT-Befund zu verstehen, wird mit vielen Fachbegriffen konfrontiert. Hier wurden einige häufig verwendete Fachbegriffe mit Erklärungen gesammelt.

 

Lateinische und griechische Bezeichnungen für Hals, Kopf, Gehirn

Die lateinischen und (alt-)griechischen Bezeichnungen für Hals, Kopf, Gehirn sind häufig in den Fachausdrücken enthalten in verschiedenen Schreibweisen:

Hals, Genick, Nacken: lat. cervix; Adjektiv cervical, andere Schreibweisen: zervix, zervikal

Kopf, Schädel: griech. képhalon oder kraníon, lat. cranium; Adjektiv kephal, andere Schreibweisen: cephal, zephal; Wortteile cranio-, kranio-, cephalo-, zephalo-

Gehirn: griech. enképhalon (wörtlich „innerhalb des Schädels“); Adjektiv enkephal, andere Schreibweisen: encephal, enzephal; Wortteile encephalo-, enzephalo-

Begriffe A-Z

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A

Anatomische Lage- und Richtungsbezeichnungen (auch bei MRT-Aufnahmen verwendet); Sagittalebene (von lat. sagitta für Pfeil), Transversalebene (auch: Axial-, Horizontal- oder Transaxialebene; horizontale Ebene), Frontalebene (auch: koronale oder coronale Ebene; von gr.-lat. Corona für Kranz, Krone).
Arachnoidea mittlere Gehirn- und Rückenmarkshaut; liegt der sie bedeckenden Dura mater eng an
Arteria basilaris Basis-Arterie des Hirnstammes, geht aus der Vereinigung der beidseitigen Arterie vertebralis hervor. Ihre Äste, die Arterie cerebelli inferior anterior und cerebelli posterior, versorgen das Kleinhirn; der Endast wird als Arteria cerebri posterior bezeichnet
Arteria-basilaris-Syndrom auch: vertebrobasiläre Insuffizienz; Mangeldurchblutung der Arteria basilaris mit Schwindel, Nackenkopfschmerz, Kleinhirn- u. Hirnnervensymptomen
Arteria vertebralis Wirbel-Arterie; der erste und stärkste Ast der Arteria subclavia (Unterschlüsselbein-Arterie); verläuft durch die Querfortsatzlöcher des 6.–1. Halswirbelkörpers, durch die Membrana atlanto-occipitalis (vordere und hintere bindegewebige Membran zwischen Atlas und Hinterhauptsbein), die Dura und das Hinterhauptsloch in die Schädelhöhle. Dort erfolgt die Vereinigung mit ihrem Pendant der Gegenseite zur Arteria basilaris; der gesamte Komplex wird auch als vertebrobasiläres System bezeichnet
Atlantoaxialgelenk auch (lat.): Articulation atlantoaxialis; das zweite bzw. untere Kopfgelenk zwischen dem 1. und 2. Halswirbel; für Drehbewegungen des Kopfes; mit seitlichem Teil, der beidseitigen ~ lateralis; und mittlerem Teil, der ~ mediana
Atlantookzipitalgelenk auch (lat.): Articulatio atlantooccipitalis; das erste bzw. obere Kopfgelenk; ein paariges Ellipsoidgelenk zwischen je einem seitlichen Atlasgrübchen und einem Gelenkhöcker seitlich des großen Hinterhauptsloches; für Vor-, Rück- (Nickbewegung) und Seitneigungen des Kopfes
Atlas nach Atlas aus der griechischen Mythologie benannt, der von Zeus dazu verdammt wurde, für alle Zeiten den Himmel auf seinen Schultern zu tragen; der 1. Halswirbel; er ist wirbelkörperlos und besteht aus zwei Bögen mit je einer seitlichen gelenkflächentragenden Massa lateralis (massenverstärkter Seitenteil des Atlas zwischen vorderem und hinterem Wirbelbogen) und je einem kurzen Querfortsatz mit großen Querfortsatzlöchern; in den vorderen Teil der Bogenlichtung ragt der Dens axis (s.a. Articulatio atlanto…)
Articulation Plural Articulationes, Abk. Art. bzw. Artt.; Gelenk
Axis von lat. axis für Achse; der 2. Halswirbel als „Drehachse“ für den Atlas einschließlich des Kopfes; besitzt einen stiftartig aus dem Wirbelkörper atlaswärts ragenden Fortsatz (Dens axis) und je zwei seitliche obere und untere Gelenkflächen (s.a. Articulatio atlantoaxialis)

B

Bandscheibenprolaps Bandscheibenvorfall; Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal (in dem das Rückenmark liegt) vortreten, wobei der Anulus fibrosus (Faserring) der Bandscheibe ganz oder teilweise durchgerissen wird, während das hintere Längsband intakt bleiben kann (subligamentärer Bandscheibenprolaps)
Bandscheibenprotrusion auch: „inkompletter Bandscheibenprolaps“; Bandscheibenvorwölbung; degenerative Veränderung der Bandscheiben, bei der der Anulus fibrosus (Faserring) der Bandscheibe im Gegensatz zum (kompletten) Bandscheibenprolaps nicht durchgerissen, sondern nur nach außen vorgewölbt wird
Bursa Plural Bursae; Schleimbeutel, Gleitbeutel

C

Condylus occipitalis von den seitlichen Teilen des Os occipitale beidseits des Foramen magnum gebildeter Gelenkkopf für das Atlantooccipitalgelenk

D

Dens axis von lat. dens für Zahn; kopfwärts gerichteter zapfenförmiger Fortsatz des Axis; besitzt eine vordere und hintere Gelenkfläche für den vorderen Atlasbogen bzw. das Ligamentum transversum atlantis
Discus auch: Diskus; Scheibe, Zwischenscheibe oder -streifen; Disci intervertebrales bezeichnet die Zwischenwirbel- oder Bandscheiben; discogen heißt von der Bandscheibe ausgehend
Dissektion Zerschneidung, Aufspaltung
Distorsion von lat. distorsio für Verdrehung, Verzerrung; durch Drehung bedingte „geschlossene“ Gelenkverletzung
dorsal von lat. dorsum für Rücken; den Rücken betreffend, die Rückseite eines Körperteils oder Organs betreffend, zum Rücken hin gelegen, gerichtet, erfolgend
dorsoventral vom Rücken zum Bauch hin
Drop-Anfälle, drop attacks plötzliches anfallsweises Umfallen bei erhaltenem Bewusstsein als Symptom der intermittierenden Basilaris-Insuffizienz (nach Kremer)
Druckusuren Usur von lat. uti (usum) für benutzen, anwenden, gebrauchen; durch Druck verursachte Abnutzung oder Schwund (d.h. Gewebsverlust von der Oberfläche her) an Knochen und Knorpeln
Duplikatur „Verdoppelung“, anatomisch oder pathologisch: Doppelbildung innerer Organe
Dura (mater) äußere, straffe Hüllhaut des Zentralnervensystems
Dysästhesie schmerzhafte Missempfindung; v.a. als durch Berührungsreize ausgelöstes Zeichen gestörter Oberflächensensibilität (Achtung: es gibt eine weitere psychologische/psychiatrische Wortbedeutung)

F

Faserstrukturveränderungen der Ligamenta alaria,
Typen I-III
Pathomorphologische Einteilung von Strukturverletzungen der Ligamenta alaria nach Volle und Montazem. Typ I: Komplette Ruptur, Typ IIa: Inkomplette Ruptur mit Abbildung einer langstreckigen Strukturläsion, Typ IIb: Inkomplette Ruptur mit Narbenbildung, Typ III: Zentrale intraligamentäre Signalveränderung ein- und/oder beidseitig (siehe Quelle Nr. 4, dort auch bildliche Darstellung)
fibrös bindegewebig, aus faserigem Bindegewebe bestehend, mit Bindegewebsbildung einhergehend
Foramen magnum „großes Hinterhauptsloch“; befindet sich in der hinteren Schädelgrube als deren Verbindung zwischen Schädelhöhle und Wirbelkanal; Durchtrittsort des verlängerten Marks

H

Hämorrhagie Blutung
Haemarthros Bluterguss im Gelenk

I

Impaktierung Einkeilung, Einklemmung
Impressio Eindruck, Vertiefung, Eindellung
Inklination Vorneigen des Oberkörpers (bzw. der Wirbelsäule) und des Kopfes
Insertion Ansatz, z.B. eines Muskels
Interartikularportion: ? Zwischen zwei Gelenken oder Gelenkteilen gelegener Bereich, der kaum Spongiosa (stabilisierende schwammartige Knochensubstanz) enthält
interkostal zwischen den Rippen

K

kaudal steißwärts, unten
Knochenfissur Plural fissurae, von lat. fissura für Spalte, Riss; unvollständiger Haar-, Sprung- oder Spaltbruch des Knochens; führt nicht zur Verschiebung der Bruchenden und ist allgemein symptomarm
Kondylenfraktur Knochenbruch im Bereich der Kondylen
Kondylus Plural Kondylen, von griech. κόνδυλος für Faust, Knolle, Knorren oder Knöchel; knöcherner Teil eines Gelenkes, der auch als Gelenkfortsatz oder Gelenkknorren bezeichnet wird
Kontusion von lat. contusio für Nieder-, Zerschlagen; die Prellung als stumpfe Organverletzung mit sichtbaren Folgen, mit fließendem Übergang zur Quetschung
Konvolut Knäuel; z.B. miteinander verklebte oder verwachsene Darmschlingen oder Blutgefäße
kraniozervikaler Übergang Abk. KZÜ; das Gelenksystem zwischen Hinterhaupt und den oberen beiden Halswirbeln, d.h. der Bereich vom Halswirbelkörper 0 bis zum Bewegungssegment zwischen Halswirbelkörper 1 und 2

L

lateral(is) Abk. lat.; seitlich, von der Mitte oder Mittelinie abgewandt
Ligament(um) Plural Ligamenta, Abk. Lig. bzw. Ligg.; Band, d.h. zugfestes bindegewebiges, bandförmiges Gebilde, das die Beweglichkeit von Körperteilen, Organen oder Gelenken auf ein funktionell sinnvolles Maß einschränkt und damit für deren Stabilisierung sorgt
Liquor cerebrospinalis Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit; dient dem Schutz des zentralen Nervensystems vor mechanischer Verformung und dem schnellen Druckausgleich im Liquorsystem
Luschka-Gelenk nach dem Erstbeschreiber Luschka so genannt, auch: Unkovertebralgelenk; an der Halswirbelsäule die „Halbgelenke“ bzw. Spaltbildung zwischen dem Processus uncinatus der Deckplatte und der Abschlussplatte benachbarter Wirbelkörper
Luxation, Subluxation von lat. luxare für verrenken; Verrenkung, Ausrenkung eines Gelenkes, d.h. Verschiebung zweier gelenkbildender Knochenenden aus ihrer funktionsgerechten Stellung – als vollkommene Luxation mit Kapsel-, Bänder-, Muskel- oder Gefäß(ein)riss, schmerzhafter Gelenkschwellung, teilweiser oder völlig aufgehobener Beweglichkeit, federnd-fixierter abnormer Stellung und evtl. Luxationslähmung; als unvollkommene Luxationauch: Subluxation, bei der sich die Gelenkflächen noch teilweise gegenüber stehen, mit Kapselüberdehnung, Bänderzerrung

M

Medulla spinalis Rückenmark, Abk. RM
Myelon Mark, i.e.S. das Rückenmark
Myelomalazie Rückenmarkerweichung durch Ischämie
Myelopathie Rücken- oder Knochenmarkerkrankung

O

okzipital das Hinterhaupt bzw. das Hinterhauptsbein betreffend, am oder zum Hinterkopf gelegen

P

Parenchym das spezifische Gewebe bzw. „Funktionsgewebe“ eines Organs (im Gegensatz zum dazwischen liegenden Bindegewebe); bezeichnet das durch die Funktionszellen eines Organs gebildete Gewebe (z.B. die Alveolen der Lunge, Muskelfasern, Nervenzellen)
perineural um einen Nerv herum
Periost die den Knochen umhüllende, gefäß- und nervenreiche, bindegewebige „Knochenhaut“
Pia mater die der Hirn- und Rückenmarkoberfläche unmittelbar aufliegende Bindegewebshülle
Prädilektionsstelle von einem Krankheitsprozess bevorzugter Körperteil
Processus uncinatus „hakenförmiger Fortsatz“ (u.a.) vom vorderen unteren Siebbeinlabyrinth säbelförmig nach hinten bis zum P. ethmoidalis der unteren Nasenmuschel

R

Reklination Rückwärtsneigen des Oberkörpers (bzw. der Wirbelsäule) und des Kopfes
Ruptur spontane oder verletzungsbedingte Gewebs- oder Organzerreißung

S

Shunt Nebenschluss; natürlicher oder operativ angelegter Nebenweg zur Überbrückung eines Blutgefäßabschnittes oder zur direkten Verbindung zweier Gefäßsysteme
„Sockelgelenk“ (nach Dr. Volle); die Gesamtheit von

  • Articulationes atlanto-axiales mediales et laterales;
  • einschließlich der Bursae und Ligamenta und
  • die beiden Luschka-Gelenke des Segmentes HWK 2/3
spondylogen von Wirbelkörper oder Wirbelsäule ausgehend
Spongiosa auch: Substantia spongiosa; der Knochen (Achtung: es gibt eine weitere Wortbedeutung)
Subarachnoidalraum auch: Cavitas subarachnoidea; der den Liquor cerebrospinalis enthaltende spaltförmige Raum um das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) zwischen den beiden Hirnhäuten Arachnoidea und der Pia mater
subchondral unter dem Knorpel
Subluxation siehe Luxation
Synovia Gelenkflüssigkeit, „Gelenkschmiere“
Syringomyelie Krankheit des Rückenmarks mit Bildung von Höhlen und Spalten in der grauen Substanz durch Zerstörung von Gewebe

V

ventral von lat. ventris für Bauch; den Bauch betreffend, die Vorderseite eines Körperteils oder Organs betreffend, bauchwärts gelegen oder gerichtet

W

Whiplash injury auch: Whiplash-associated Disease, Abk. WAD; engl. whiplash heißt wörtlich Peitschenhieb, Peitschenriemen; Schleudertrauma, Beschleunigungstrauma, Peitschenhiebtrauma, Peitschenschlagverletzung, Distorsionstrauma der Halswirbelsäule

Quellen

  1. DUDEN: Das Fremdwörterbuch, 4. Auflage
  2. Roche Lexikon Medizin, 5. Auflage, © Urban & Fischer 2003
  3. Universitätsklinikum Münster – Klinik für Neurochirurgie: Glossar (leider wohl nicht mehr online verfügbar)
  4. Volle E, Montazem, A: Strukturdefekte der Ligamenta alaria in der offenen Funktionskernspintomographie. Manuelle Medizin (1997) 35:188-193; zitiert aus 
    Krömer, Johannes-Friedrich, 2001: Stellenwert der Funktions-Computertomographie in der Begutachtung der Halswirbelsäulen-Beschleunigungsverletzung sowie Beurteilung der allgemeinen und posttraumatischen Halswirbelsäulenbeweglichkeit mit dem Zebris-Bewegungsanalysesystem CMS 100, Dissertation, Hohe Medizinische Fakultät der Ruhr, Universität Bochum, Deutschland (auf Seite 48 findet sich eine bildliche Darstellung der Faserstrukturveränderungen der Ligamenta alaria nach Volle und Montazem; ehemals auf der Seite der Universität zum Download verfügbar)
  5. Wikipedia

Siehe auch

Relevante Wiki-Artikel

Relevante Foren-Beiträge

Weblinks

Autor: Kate, letzte Aktualisierung (Links): 03.2020

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