Das Interesse an der Extraktion phytochemischer bioaktiver Verbindungen, insbesondere von Polyphenolen aus Biomasse, hat in letzter Zeit aufgrund ihres wertvollen biologischen Potenzials als natürliche Antioxidantien zugenommen, die in einer Vielzahl von Anwendungsbereichen eingesetzt werden könnten, von Lebensmitteln und Arzneimitteln bis hin zu umweltfreundlichen Polymeren und biobasierten Materialien. Ziel der vorliegenden Forschungsstudie war es, eine umfassende chemische Charakterisierung der phytochemischen Zusammensetzung von Waldbiomasse (Rinde und Nadeln) von Nadelbaumarten (Picea abies L., H. Karst. und Abies alba Mill.) zu liefern und deren in-vitro-Antioxidations- und antimikrobielle Aktivitäten zu untersuchen, um ihr Potenzial bei der Behandlung und Heilung infizierter chronischer Wunden zu bewerten.
Zur mechanistischen Erklärung der biomolekularen Wirkungen der untersuchten bioaktiven Verbindungen wurden die DPPH-Radikalfänger-Methode und P-LD herangezogen. (+)-Catechin, Epicatechin, Rutin, Myricetin, 4-Hydroxybenzoesäure und p-Cumarinsäure, Kaempferol und Apigenin waren die wichtigsten quantifizierten Polyphenole in der Nadelbaum-Biomasse (in Mengen um 100 µg/g). Zudem wurden zahlreiche Phenolsäuren, Flavonoide, Stilbene, Terpene, Lignane, Secoiridoide und Indane mit antioxidativem, antimikrobiellem, entzündungshemmendem, antihämolytischem und krebshemmendem Potenzial identifiziert. Der Nadelextrakt von Abies alba war für mikrobielle Stämme toxischer als für die eukaryotischen Zellen, die die wirksamen Wirkstoffe für die Wundheilung liefern.