System Klinik und die Patienten

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Deutsches Ärzteblatt
BLOG Dr. werden ist nicht schwer...
Geld oder Gesundheit
Dienstag, 3. März 2015

Wenn Ärzte das weitere Procedere für einen Patienten festlegen (in der Theorie sollte es eine gemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient sein - in der Praxis schwinden die Selbstbestimmungsmöglichkeiten des Patienten proportional zum Selbstbewusstsein des Arztes), lassen sie sich von recht unterschiedlichen Motiven leiten.

Aktuell verursacht eben diese Diversität Konflikte, die ich schwer umgehen kann. Meinen Vorgesetzten ist – was auch mich inzwischen nicht mehr verwundert – vor allem der Profit wichtig. Sinkt die Bettenbelegung, wird das gesamte Notfallpersonal aufgefordert zu „füllen“. In der Folge werden dann Banalitäten stationär aufgenommen und Patienten, für deren Behandlung uns die Kompetenz fehlt, ebenfalls behalten. Also sind einige Menschen, die ich aufnehmen soll, entweder zu gesund oder zu krank für unser Spital.

Das Vorgehen der Kaderärzte hierbei ist bisweilen dreist und rücksichtslos. Der Hausärztemangel und die damit verbundene Verlagerung von harmlosen Krankheitsbildern auf Notfallstationen spielen meinen Vorgesetzten dabei zusätzlich in die Karten. Viele stationäre Aufnahmen erfolgen zur „medikamentösen Einstellung“. Die Option auf ambulante Therapie wird dem Patienten ausgeredet. So wird beispielsweise ansonsten gesunden Patienten mit grenzwertigem Blutdruck Angst vor einem unmittelbar bevor¬stehenden Schlaganfall gemacht. Auf der anderen Seite werden auch Patienten mit akutem Abdomen zwei Tage stationär in der Inneren Medizin behalten, bevor sie extern eine CT erhalten oder dem Chirurgen gezeigt werden.

Im Nachtdienst habe ich glücklicherweise etwas mehr Freiheiten und kann großzügiger aus der ambulanten Behandlung verlegen oder entlassen. Der Arbeitsaufwand ist hierbei übrigens gleichwertig mit einer stationären Aufnahme. Im Falle des zu gesunden Patienten verweise ich auf den Patientenwillen, bei Verlegungen kassiere ich am nächsten Morgen einen Rüffel und gelobe Besserung.

Wird sich wohl doch nicht bessern,

Euer Anton Pulmonalis
 
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