Reizmagen- , Reizdarm-Medikamente, u.a. Iberogast

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im "blitz-at" wurde geschrieben:

... 19. Januar 2018
SCHWEIZ: WARNHINWEISE ZU LEBERSCHÄDEN UNTER IBEROGAST

Aufgrund neuerer Meldungen über sehr seltene, aber teils schwerwiegende Leberschädigungen unter der viel beworbenen Schöllkraut-haltigen Tinktur IBEROGAST sind in der Schweiz auf Verlangen der dortigen Arzneimittelbehörde Swissmedic Warnhinweise in der Patienten- und Fachinformation (1) ergänzt worden. Bei aktuell bestehender oder anamnestisch bekannter Lebererkrankung sowie Behandlung mit anderen Arzneimitteln, welche die Leber oder die Leberwerte beeinträchtigen können, muss der Nutzen sorgfältig gegen das Risiko von akutem Leberversagen und einer nachteiligen Wirkung auf die Leberfunktionswerte abgewogen werden. Die Patienten sind anzuweisen, IBEROGAST abzusetzen und sich an ihren Arzt zu wenden, wenn es zu Anzeichen oder Symptomen einer Leberschädigung kommt (2).

Hierzulande fehlen in der Gebrauchsinformation (3) seit Jahren Hinweise auf die mögliche leberschädigende Wirkung (a-t 2008; 39; 95-7, 2015; 46: 31-2 und 2016; 47: 87). Die europäische Arzneimittelbehörde EMA bescheinigt Schöllkraut ein negatives Nutzen-Schaden-Verhältnis (4). Wir raten von der Einnahme des unter anderem bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen verwendeten Kräuterextraktgemischs ab, –Red.

1 Swissmedic: Fachinformation IBEROGAST TINKTUR, Stand Juli 2017; Arzneimittelinformation
2 Swissmedic: Health Professional Communication IBEROGAST, 18. Jan. 2018; https://www.swissmedic.ch/swissmedi...ommunication--hpc-/hpc-iberogast-tinktur.html
3 Bayer: Gebrauchsinformation IBEROGAST, Stand Jan. 2016; https://www.iberogast.de/static/documents/4100B_Iberogast_10.1.pdf
4 EMA: Assessment report on Chelidonium majus L., herba, Stand Sept. 2011; https://www.ema.europa.eu/docs/en_G...MPC_assessment_report/2012/01/WC500120711.pdf

Redaktion arznei-telegramm

Das Thema wurde schon öfters im arznei-telegramm angesprochen:
https://www.arznei-telegramm.de/html/htmlcontainer.php3?produktid=031_01&artikel=1503031_01k
https://www.arznei-telegramm.de/html/htmlcontainer.php3?produktid=087_01&artikel=1609087_01k
https://www.arznei-telegramm.de/html/2008_09/0809095_01.html

Zum Schöllkraut:
https://www.schoellkraut.info
Dr. Vogel: 10. Krankheitsbehandlungen: Allgemeine Krankheiten - b) G-L
https://www.health4life.ch/heilmittel/schoellkraut.html

Grüsse,
Oregano
 
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Ich habe mal gehört, dass Iberogast wg. der Schleifenblume darin nicht unbedenklich ist. Warum konkret weiß ich allerdings nicht mehr.
 
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... Heilpflanze Bittere Schleifenblume (Iberis amara) in Kürze

lindert Magen-Darm-Beschwerden, mitunter auch bei nervösen Beschwerden, weckt den Appetit, fördert die Verdauung, möglicherweise entzündungshemmend, gilt als gut verträglich, nicht bei Allergie gegen Kreuzblüten anwenden

Anwendungsgebiete: Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl oder Blähungen, Appetitlosigkeit, krampfbedingte nervöse Magenschmerzen oder Symptome von Reizdarm.
Wirkstoffe und Wirkweise von Schleifenblume

Hauptwirkstoffe in der Schleifenblume sind aller Wahrscheinlichkeit Senföle und Bitterstoffe. Die Schleifenblume verdankt ihren sehr bitteren Geschmack den Cucurbitacinen. Campher und Quercetin gelten außerdem als wirksame Inhaltsstoffe. All diese Substanzen stecken im Schleifenblumenkraut, also dem oberirdischen Teil der Heilpflanze ohne Wurzeln. ...
https://www.meine-gesundheit.de/medizin/heilpflanzen/schleifenblume

Hallo damdam,

wahrscheinlich sind diese Wirkstoffe nicht für jeden gut verträglich und Allergiker, die auf Kreuzblütler reagieren, könnten auch Probleme bekommen.

Senfölglykoside: Senfölglykoside - Eigenschaften und Wirkung - Inhaltsstoff vorgestellt
(die sind u.a. auch in Angocin enthalten).

Cucurbitacine:
... Alle Cucurbitacine sind toxisch und wirken auch insektizid und fungizid. Die zytotoxische Wirkung wurde experimentell als Chemotherapeutikum in der Krebstherapie erprobt.[6][7]
Eine besondere Vergiftungsgefahr geht von Zier- und Wildkürbissen aus. Durch Rückmutationen oder unkontrollierte Rückkreuzung kultivierter Kürbisse, vereinzelt auch von Garten-Zucchini,[8] mit Wildkürbissen können die Cucurbitacine auch schwere, in seltenen Fällen tödlich verlaufende Lebensmittelvergiftungen verursachen.
[9][8] ...

Kampfer:
... Kampfer soll nicht eingenommen und nicht bei Säuglingen oder Kleinkindern eingesetzt werden. Eine Überdosierung führt zu einer Vergiftung und kann einen fatalen Ausgang nehmen....
PharmaWiki - Kampfer

Grüsse,
Oregano
 
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... Auf Drängen des BfArM lenkt Bayer nun endlich ein. Innerhalb von vier Wochen sollen die vor zehn Jahren vom BfArM angeordneten Anwendungsbeschränkungen umgesetzt werden.

Das unter anderem bei Reizmagen- und Reizdarmsyndrom zugelassene, nicht verschreibungspflichtige IBEROGAST darf dann bei bestehender oder anamnestisch bekannter Lebererkrankung, gleichzeitiger Anwendung weiterer potenziell leberschädigender Arzneimittel sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht mehr eingenommen werden. Bei länger als vierwöchiger Einnahme sind die Leberfunktionswerte (Transaminasen) zu kontrollieren. Die Einnahme muss bei Zeichen einer Leberschädigung (Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin, entfärbter Stuhl, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust, Müdigkeit) sofort beendet und ein Arzt aufgesucht werden. Bei den vorgesehenen Hinweisen auf Leberschäden unter Schöllkraut-haltigen Arzneimitteln erscheint es uns allerdings erforderlich, dass sie dem heutigen Kenntnisstand angepasst werden mit Verweis auf Leberversagen mit Notwendigkeit der Lebertransplantation und mit Todesfolge in Verbindung mit IBEROGAST.
Hinreichende Nutzenbelege sehen wir für IBEROGAST nicht (e a-t 2/2018). Wir raten unverändert von der Einnahme ab,– Red.
...
Quelle: arznei telegramm (blitz-at) vom 12.9.18

https://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/DSM/Archiv/2018-52.html

Also besser die Finger davon lassen.

Grüsse,
Oregano
 
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Ein neues Iberogast ist auf dem Markt:

...
Was Iberogast® ADVANCE enthält
Die Wirkstoffe in 100 ml Flüssigkeit sind:
Auszug aus: Frischer, bitterer Schleifenblume-Ganzpflanze
(1 : 1,5-2,5) 15,0 ml Auszugsmittel: Ethanol 50 % (V/V) Auszug aus Kamillenblüten
(1 : 2 -4 ) 30,0 ml
Auszugsmittel: Ethanol 30 % (V/V) Auszug aus Kümmelfrüchten
(1 : 2,5-3,5) 20,0 ml Auszugsmittel: Ethanol 30 % (V/V) Auszug aus Melissenblättern
(1 : 2,5-3,5) 15,0 ml Auszugsmittel: Ethanol 30 % (V/V) Auszug aus Pfefferminzblättern
(1 : 2,5-3,5) 10,0 ml Auszugsmittel: Ethanol 30 % (V/V)
16/17
Auszug aus Süßholzwurzeln
(1 : 2,5-3,5) 10,0 ml Auszugsmittel: Ethanol 30 % (V/V)
Iberogast® ADVANCE enthält weniger als 0,1 Broteinheiten pro 20 Tropfen.
...

Schöllkraut, dem die leberschädigende Wirkung zugeschrieben wurde, ist nicht mehr enthalten.

Grüsse,
Oregano
 
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Spenglersan bietet ein Mittel gegen Magen-Darm-Beschwerden an, auadrücklich ohne Schöllkraut :):

Natürliches Arzneimittel bei Erkrankungen der Verdauungsorgane

Magen-Darm-Entoxin® N Tropfen haben eine umfassende therapeutische Wirkung bei Erkrankungen des Magen-Darm Traktes. Sie wirken

  • gegen Übersäuerung
  • krampflösend
  • gegen Übelkeit
  • entzündungshemmend

Magen-Darm-Entoxin® N​

Das Zusammenspiel der natürlichen Wirkstoffe macht Magen-Darm-Entoxin® N zu einem wertvollen Arzneimittel bei allen Erkrankungen der Verdauungsorgane.
Anwendungsgebiete
Zugelassenes Arzneimittel mit Indikation bei Magen- und Darmkatarrh, Dyspepsie

Pharmakologische Eigenschaften
Artemisia absinthium enthält als Hauptwirkstoffe die Bitterstoffe Absinthin und Anabsinthin sowie ein ätherisches Öl, das Oleum absinthii. Diese regen die Gallen- und Pankreassekretion an.
Cephaelis ipecacuanha enthält Alkaloide (Emetin, Cephaelin u.a.) und Saponine. Die Ipecacuanha-Alkaloide reizen vor allem die Schleimhäute. Auf diese Weise wird die Drüsensekretion der Verdauungsorgane gesteigert. Cephaelis ipecacuanha eignet sich daher besonders zur Behandlung von Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich.
Die Wirkung von Citrullus colocynthis ist auf den Gehalt an Cucurbitacinen zurückzuführen. Diese lösen eine Erregung der Darmmuskulatur aus, und zwar sowohl im Dünn- als auch im Dickdarm, ein abführender Effekt ist die Folge. Der Hauptwirkstoff Colocynthin, ein glykosidischer Bitterstoff, wirkt spasmolytisch auf die glatte Muskulatur, insbesondere im Bereich der Hohlorgane. Die anderen Bestandteile der Droge, Citrullol, Spinasterol
Cochlearia officinalis mit seinen Komponenten Glykocochlearin, Bitterstoff, Gerbstoff und Vitamin C wird als Diuretikum und Stomachikum eingesetzt.
Juniperus communis enthält ätherisches Öl, Gerbstoff und Pektine. Letztere finden bei der Therapie von Diarrhöen und Gastroenteritis Verwendung.
Bei anhaltenden, unklaren oder neu auftretenden Beschwerden wenden Sie sich an Ihren Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker! Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker.

Magen-Darm-Entoxin® N: Die Alternative ohne Schöllkraut!


Grüsse,
Oregano
 
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Hallo zusammen,

ich persönlich vertrage Iberogast gar nicht. Bekomme, selbst bei nur 3 Tropfen Minidosis Sodbrennen, was eindeutig auf Galle/Leber hindeutet.

Darum bin ich schon vor längerer Zeit auf TOEX- Tropfen umgestiegen. Die Wirkung bei mir... keine unerwünschten Nebenwirkungen und die Wirkung ist für mich absolut akzeptabel. Es ist ein homöopathisches Heilmittel und dient gleichzeitig der Entgiftung.


Liebe Grüsse
zausel
 
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Ich kann mir kaum vorstellen, dass Iberogast auf die Leber geht, trotz Schöllkraut früher, in den geringen Mengen, die das der Ottonormalverbraucher nutzt.
Ich hab früher mir auch ab und an mit Iberogast beholfen bei Magen- bzw. Darmproblemen.
Mittlerweile bevorzuge ich Pfefferminztee, wenns mir mal im Magen grummelt.
 
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Die Menge an Schöllkraut in homöopathischer Verdünnung ist bei Iberogast wirklich sehr gering gewesen.
Dann hat eine Iberogastkonsumentin Leberkrebs bekommen, und als Schuldiger wurde Chelidonium ausgeguckt, denn es ist ein Lebermittel.
Die anderen ca. 10 pflanzlichen Bestandteile von Iberogast wurden daraufhin links liegen gelassen.
Wie man von 10 verschiedenen Bestandteilen und ihren unübersehbaren Wechselwirkungen darauf kommt, daß Chelidonium Leberkrebs auslöst oder auslösen kann, ist mir ein Rätsel.
Schöllkraut, lat. Chelidonium ist eine seit hunderten von Jahren bewährte Leberarznei - daß diese Leberkrebs auslöst oder auslösen kann, hätte ja mal irgendwann auffallen müssen.

Dieser Art von verdünnten Kräutermischungen, die Komplexhomöopathie genannt werden und mit Homöopathie nichts zu tun haben, stehe ich sehr reserviert gegenüber.

Iberogast, das ich vor vielen Jahren einmal verschrieben bekam, war bei meinen Beschwerden wirkungslos. Was natürlich nicht viel besagt.
LG
Maheeta
 
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Noch ein paar mehr Informationen zum Schöllkraut:


Bei mir im Garten sieht man schon ein paar kräftige Pflanzen, aber noch keine Blüten.

Grüsse,
Oregano
 
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