Prof. Kolassa : extremer Stress hinterlässt Spuren in jeder Zelle

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Der molekularen Psychologie gehört die Zukunft. Nachdem bildgebende Verfahren die Disziplin lange prägten, werden künftig molekulare Biologie und Medizin der Disziplin ihren Stempel aufdrücken. Davon ist die 33-jährige Ulmer Psychologin Iris-Tatjana Kolassa überzeugt. Scheuklappen kennt die dynamische Forscherin nicht. Wenn sie Synergien wittert, sucht sie die Zusammenarbeit mit Toxikologen, Nanowissenschaftlern, Neurologen oder Sportwissenschaftlern, um gemeinsam die Auswirkungen von extremem Stress herauszufinden.
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Wie wirkt sich extremer, traumatischer Stress beim Menschen im Gehirn, im Immunsystem, im endokrinen System und auf Ebene der Zellen aus. Besonders interessiert Kolassa, welche biologischen, vor allem molekularen Veränderungen nach extremem Stress auftreten und ob sich diese durch therapeutische Eingriffe rückgängig machen lassen. Diese Fragen erforscht sie anhand der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD). Diese Störung tritt bei Menschen auf, deren eigene körperliche Unversehrtheit oder die fremder Personen gefährdet ist, und die in dieser Situation extremer Angst, Hilflosigkeit und Entsetzen ausgesetzt sind. Ausgelöst werden können PTSD durch Naturkatastrophen, Kriege, Völkermord, sexuellen Missbrauch oder Brände.
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Bei komplexen Traumata, vor allem auch sexuellen, so Kolassa, kann das mehrere Jahre dauern.

Kolassas Forschungshypothese besagt, dass sich extremer traumatischer Stress langfristig im Körpergedächtnis bemerkbar macht: „Unser Körper merkt sich das nicht nur im Gehirn, sondern sozusagen in jeder Zelle des Körpers". Stress hinterlässt einen biochemischen Abdruck der dramatischen Erlebnisse. Das führe dann zu Symptomen wie Schmerzen. Diese Veränderungen lassen sich messen.
Bestimmte T-Zellen im Körper, die Infekte bekämpfen, würden weniger produziert, was die Infektanfälligkeit erhöhe. Auch regulatorische T-Zellen werden bis zur Hälfte vermindert, was die Anfälligkeit für Autoimmunerkrankungen erhöhe. „Wir wissen, dass das Risiko für Autoimmunerkrankungen, Infekte im allgemeinen, Krebserkrankungen, andere endokrine oder metabolische Erkrankungen bei traumatischem Stress oder Stress im allgemeinen erhöht ist." Dass das Risiko für Autoimmunerkrankungen stark steigt, hat Kolassa herausgearbeitet. Unbehandelte Menschen mit PTSD haben ein hohes Risiko für eine Autoimmunerkrankung, folgert Kolassa. Ganz frisch und noch unveröffentlicht ist eine weitere Erkenntnis: In diesen Gruppen von Menschen mit PTSD hat Kolassa und ihr Team festgestellt, dass das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen erhöht ist.
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Stress und Altern hängen zusammen.
Immer deutlicher werde, dass lebenslange körperliche Bewegung, gesunde Ernährung, geistige Aktivität und wenig Stress das gesunde Altern fördere. Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass das Alzheimer-Risiko mit körperlicher Inaktivität steige. Interventionsstudien zeigten die vorbeugende Wirkung und dass sich der kognitive Abbau im Alter verlangsamen lasse. Demenzkranke eines Pflegeheims „profitieren unheimlich von nur zehn Wochen körperlicher Aktivität", berichtet Kolassa von einer Studie in einem Konstanzer Pflegeheim. Körperliche Aktivität und sensorisches Training beispielsweise führten dazu, dass Neuronen auf genetischer Ebene mit der Produktion von Botenstoffen beginnen, die das neuronale Überleben fördern und den Zelltod verhindern. Obwohl man diesen das Prinzip der Neuroplastizität ausnützenden Effekt von körperlicher und geistiger Aktivität noch nicht genau kenne, so sei doch ihre positive Bedeutung für ein gesundes Altern klar.

Sport ist das Beste, was wir momentan gegen Demenz tun können. Kolassa glaubt an den großen Einfluss körperlicher Aktivität. Im WIN-Projekt hat sie auch wie viele andere Alzeimer-Forscher die Erfahrung gemacht, dass sich Grundlagenforschung (im konkreten Fall der beta-Amyloid-Autoantikörper als Biomarker für Alzheimer) oft in Erkenntnisgewinn erschöpft.
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https://www.gesundheitsindustrie-bw...er-stress-hinterlaesst-spuren-in-jeder-zelle/

Dazu passt auch dieser Artikel:
https://idw-online.de/de/news691585

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Oregano
 
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