Können mehr Ballaststoffe bei Stuhlgang von 5 der Bristolskala helfen, obwohl ich eh schon viele Ballaststoffe esse?

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Hallo, Leute,

Probleme mit meiner Verdauung habe ich schon sehr lange. Mit 26, also vor 35 Jahren, hatte ich meine erste Darmspiegelung ohne Befund. Die vierte hatte ich im letzten Oktober, wieder ohne Befund bzgl. meiner Verdauungsbeschwerden.

Ich habe mittlerweile täglich sehr weichen Stuhl mit viel Toilettenpapier, nach der Bristolskala eine 5 bis 6. Der Stuhlgang ist oft sehr drängend. Lt. verschiedener Ärzte sei eine Unverträglichkeit unwahrscheinlich. Ein Test auf Milchzuckerverträglichkeit vor einigen Jahren war negativ. Auf andere Unverträglichkeiten will mich kein Arzt testen. Die Symptome sprächen nicht dafür.

Eine 5 könnte auch die Ursache in einem Ballaststoffmangel haben, heißt es. Das kann ich mir aber kaum vorstellen. Ich esse im Moment wieder Roggenvollkornbrot, ansonsten viel Obst, Salat, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Haferflocken.

Ein zeitweiliger Verzicht auf Vollkornbrot und der Verzehr von Weißbrot brachte eine deutliche Verbesserung des Stuhlgangs, Bristolskala 4.

Ich bin daher verwirrt. Müssten mehr Ballaststoffe nicht zu noch weicherem Stuhl führen, da Ballaststoffmangel zu härterem Stuhl führt? Der Verzehr von Weißbrot soll ja ungesund sein oder wäre dies in meinem Fall sogar besser als Vollkornbrot? Oder liegt es an der Qualität des Vollkornbrotes, z.B. bzgl. des Sauerteiges?

Ernährungstagebuch führe ich schon lange. Histamin kann ich ausschließen. Auch der Verzicht auf laktosehaltige Milchprodukte und Getreide hat nichts erbracht. Ich ernähre mich im Wesentlichen anti-entzündlich, verzichte aber auf frischen Ingwer, da ich davon Magenprobleme bekomme. Ab und zu habe ich Magenkrämpfe mit Erbrechen. Die letzte Magenspiegelung erbrachte nur eine leichte Entzündung der Speiseröhre.

Verstopfungen kenne ich übrigens nur bei Krankenhausaufenthalten.

Vielleicht hat jemand eine Idee, wie ich meinen Stuhl verbessern kann.

Liebe Grüße

Widderchen
 
Zuletzt bearbeitet:
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... Eine 5 könnte auch die Ursache in einem Ballaststoffmangel haben, heißt es. Das kann ich mir aber kaum vorstellen. Ich esse im Moment wieder Roggenvollkornbrot, ansonsten viel Obst, Salat, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Haferflocken.

Ein zeitweiliger Verzicht auf Vollkornbrot und der Verzehr von Weißbrot brachte eine deutliche Verbesserung des Stuhlgangs, Bristolskala 4. ...
Hallo Widderchen,

Du ernährst Dich ja wirklich sehr abwechslungsreich. Nur heißt das nicht, daß Du das alles verträgst.
Ich z.B. hätte Probleme mit Obst überhaupt, häufigen Hülsenfrüchten, Nüssen, Vollkornbrot. Woran das genau liegt, haben die Ärzte bisher nicht erkannt. Aber es geht mir besser, wenn ich da vorsichtig bin. Früher konnte man sich bei Gastroenterologen auf Intoleranzen testen lassen; heute soll man das selbst zu Hause angehen.
Früher haben Allergologen oder auch HNO-Ärzte auf Allergien auf Lebensmittel getestet; heute eher nicht mehr. Grund dafür dafür dürfte sein, daß die Allergie- und Intoleranztestungen nicht wirklich eindeutig ausfallen.



Also bleibt die eigene Beobachtung weiter sehr wichtig und damit auch schwierig; - leider !

Grüsse,
Oregano
 
Ich bin daher verwirrt. Müssten mehr Ballaststoffe nicht zu noch weicherem Stuhl führen, da Ballaststoffmangel zu härterem Stuhl führt?
Ich denke, da muss man zwischen löslichen und unlöslichen Fasern/Ballaststoffen unterscheiden. Diese beeinflussen die Stuhlkonsistenz auf unterschiedliche Weise.
  • Lösliche Ballaststoffe (z.B. Pektin, Inulin, Flohsamenschalen, Hafer-Beta-Glucane) lösen sich im Wasser, bilden ein viskoses Gel und binden viel Flüssigkeit. Sie können dünnen Stuhl andicken und sehr festen Stuhl geschmeidiger machen.

  • Unlösliche Ballaststoffe (z.B. Cellulose, Hemicellulose, Lignin in Vollkorn und Schalen) quellen zwar, lösen sich aber nicht und erhöhen vor allem das Volumen des Stuhls. Sie regen so die Darmbewegung an und verkürzen die Transitzeit, was bei Verstopfung hilfreich sein kann, bei Durchfall aber eher nicht.
Ich habe selbst schon die Erfahrung gemacht, dass mich Akazienfasern und Flohsamenschalen (gemahlen) - zusammen mit einer sehr schonenden Ernährung - aus Durchfallphasen rausgeholt haben.

Beim Brot könnte Dir vielleicht das (glutenfreie) Haferbrot von Bauck, eine Backmischung, helfen - statt anderem Vollkornbrot. Ich mache daraus immer Knäckebrot oder flache Finnbrötchen. Meist ergänze ich noch Eiweißpulver (Kollagenhydrolysat, Whey), um es Lower Carb zu machen. Aber Vorsicht: Das hilft bei mir zwar, Bristol nach "unten" zu bringen bis hin zu optimaler Konsistenz, erzeugt aber jede Menge "speziell riechende" Luft, wenn ich zu viel davon esse. Das ist sicher individuell verschieden, ich rate aber zur Vorsicht und zum Einschleichen 💨🌪️
 
Vielen Dank für eure Antworten.

Im Moment habe ich anderes Vollkorn-Roggenmischbrot gekauft. Bei Saatenbrot war zwar die Konsistenz etwas besser, aber ich habe noch mehr Toilettenpapier gebraucht.

Weißbrot wäre also wirklich keine Alternative?

Liebe Grüße

Widderchen
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn Du etwas für Dein Mikrobiom tun möchtest, wird das wohl mit Weißbrot eher nicht klappen. Die Mikroben können gerade die löslichen Fasern gut verwerten und produzieren daraus kurzkettige Fettsäuren (Acetat/Essigsäure, Propionat/Propionsäure, Butyrat/Buttersäure), die die Darmschleimhaut nähren.
 
Ich frage mich immer, warum die Lebenswerwartung im Mittelmeerraum deutlich höher ist als bei uns, obwohl da Vollkorn ein Fremdwort ist.
 
Dafür essen (aßen) sie aber jede Menge frisches Gemüse - das liefert auch Fasern. Brot stellt dort - ganz im Gegensatz zu Nordeuropa - kein Schwerpunkt-Lebensmittel dar. Hier gibt es ja nicht wenige Menschen, die 2 Brotmahlzeiten pro Tag essen.
 
Dann wäre es nicht so schlimm, Weißbrot zu essen, wenn man nur viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte oder Nüsse isst? Ich esse vielleicht vier Scheiben Brot am Tag. Süßes oder salziges Gebäck esse ich so gut wie nie.

Liebe Grüße

Widderchen
 
Ich hatte mal vor langem Getreidefrikadellen gegessen anstatt Brot. Nach einiger Zeit bin ich dann wieder auf Brot umgestiegen. Denn das Problem könnte auch im Backvorgang liegen oder am Sauerteig und gar nicht mit dem Getreide an sich.

Bei uns gibt es eine Bäckerei, die sehr gut bewertet wird. Die Preise sind leider richtig heftig.

Liebe Grüße

Widderchen
 
Wenn ich zB auf mein ballaststoffhaltiges Müsli verzichte und vielleicht sonst noch viel Weißmehlprodukte esse und wenig Gemüse, bekomme ich garantiert Verstopfung. Somit wird so eine Ernährung keine Alternative sein, um Durchfall zu bekämpfen. Es ist eher in eine andere Richtung ungesund und wird keine Krankheiten beheben.

Franzosen zB essen zwar viel Baguette, aber sind ansonsten sehr kompetent in der Zubereitung von gesunden Speisen, und gleichen das höchstwahrscheinlich damit aus.

An deiner Stelle, Widderchen, würde ich auch vorsichtig rumprobieren, welche Ernährungsrichtung dir bekommt. Vllt ist es vorübergehend gar kein Brot, dafür 2 warme Mahlzeiten. Oder auch mal etwas Weißbrot, zu ansonsten eher naturbelassenen, schonend verarbeiteten Gerichten.
 
Weißbrot gilt ja in der Regel als besser für die Gesundheit als Vollkornbrot (wobei man erst einmal definieren müsste, was alles zu Vollkornbrot dazu gehört).
So ganz klar scheint das aber gar nicht zu sein:
... Zwei Wochen Brot – im Dienste der Forschung
Sie erwarteten, dass das Sauerteigbrot sich als die gesündere Wahl herausstellen würde. Aber das Toastbrot hielt sich wacker. So interpretiert zumindest Eran Segal, einer der Studienleiter, die eigenen Ergebnisse: "Zu unserer Überraschung fanden wir keinen Unterschied in den Auswirkungen auf die Gesundheit zwischen den beiden Brotarten." Ob Sauerteig oder Weizenbrot: Die Blutwerte der Versuchspersonen wollten sich in den beiden Gruppen partout nicht unterscheiden.

Das galt interessanterweise auch für den Blutzuckerspiegel: Eigentlich ging man davon aus, dass Weißbrot, das mehr einfache Kohlenhydrate enthält, den Blutzucker stärker in die Höhe treibt als Vollkornbrot. Mit Folgen: Häufige, rapide Blutzuckerspitzen laugen die Bauchspeicheldrüse aus. Denn die muss Insulin ausschütten, um den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Langfristig kann das Diabetes vom Typ II und Herzkreislauferkrankungen nach sich ziehen.
Entgegen der bisherigen Lehrmeinung stiegen bei mehr als der Hälfte der Versuchsteilnehmer aber die Blutzuckerwerte stärker, wenn sie Sauerteigvollkornbrot verspeist hatten und weniger heftig nach einem Toast. Sollte das Weißbrot deshalb rehabilitiert werden? Nicht wirklich.

Denn die Brotstudie des Teams aus Israel hat einige Mängel: ...

Wie auch immer: es muß wieder einmal der Mensch sich bemühen, selbst heraus zu finden, welche Art von Ernährung - in diesem Fall Brot - für ihn optimal ist.

Grüsse,
Oregano
 
eher in eine andere Richtung ungesund
Ja, genau in die Richtung habe ich gedacht und sähe Weißbrot allenfalls als vorübergehende Symptomlinderungs- bzw. Krankenkost. So wie bei akuten Magen-Darm-Infekten früher Zwieback Standard war (jedenfalls kenne ich das so aus Kinderzeiten).

Bei einem chronischen Problem mit zu flüssigem Stuhl würde ich aber langfristiger denken und schon zusehen, dass ich das Mikrobiom vorsichtig aufbaue und pflege.

vorübergehend gar kein Brot
Auch da hatte ich in die gleiche Richtung gedacht (als ich den Stellenwert von Brot in den Mittelmeerländern und in Nordeuropa erwähnte).

Weißbrot gilt ja in der Regel als besser für die Gesundheit als Vollkornbrot...
Ist das so? Ich kenne es umgekehrt.

(wobei man erst einmal definieren müsste, was alles zu Vollkornbrot dazu gehört).
Ja, auch das! Außerdem spielt meine ich für die Verträglichkeit und "verdauungsfördernde" (und damit auch Durchfall fördernde) Wirkung die Feinheit des Mehls eine erhebliche Rolle. Ein fein gemahlenes Vollkorn-(z.B. Dinkel-)Brot dürfte erheblich leichter verdaulich sein als ein grobes mit evtl. sogar ganzen Körnern (womöglich sogar zugesetzten Samen wie Sonnenblumenkernen).
 
Ich dächte, wir haben schon mal darüber diskutiert, daß traditionelles mediterranes Weißbrot eigentlich auch ein langsam geführtes Sauerteigbrot ist (Lievito Madre) und nicht vergleichbar mit dem, was mit modernen Backmischungen möglich ist (Brötchen aus der Fabrik). Wenn Mehl länger fermentiert wird, wird es erheblich besser verdaulich. Solches Weißbrot dürfte durchaus genauso oder ähnlich gesund sein wie traditionelles Roggenbrot.
 
Wenn Mehl länger fermentiert wird, wird es erheblich besser verdaulich. Solches Weißbrot dürfte durchaus genauso oder ähnlich gesund sein wie traditionelles Roggenbrot.
Das ist sehr interessant, da es bei uns französisches Baguette zu kaufen gibt. Allerdings müsste ich schauen wo. Natürlich könnte ich auch nach Frankreich, aber ohne Auto ist das etwas schwierig.

Ja, die Dauer der Fermentierung hatte ich auch schon in Verdacht, da ich davon gelesen habe. Der Unterschied zwischen einem Fabrikbrot und einem einer guten Bäckerei ist schon sehr groß.
 
Traditionelles Baguette wird meine ich genau wie heute übliches Weißbrot aus ausgemahlenem Weizenmehl hergestellt. D.h. Schale und Keim sind weitgehend entfernt und damit die meisten Ballaststoffe.

Das Gesündere am „traditionellen“ kann also außer der Teigführung nur noch mögliche Zusatzstoffe betreffen. Für den Ballaststoffgehalt (siehe auch Threadtitel) ist der Mahlgrad des verwendeten Mehls entscheidend.
 
Übrigens in den Mittelmeerländern wird im Durchschnitt einiges mehr Brot verzehrt als in Deutschland.
 
Zuletzt bearbeitet:
Übrigens in den Mittelmeerländern wird im Durchschnitt einiges mehr Brot verzehrt als in Deutschland.
Ist das heute so? Ich kenne es aus den 80er-90er Jahren absolut nicht so (v.a. Griechenland, Italien, am Rande auch Spanien, Portugal - da gab's keine "Stullen" und "Brotzeiten", sondern eigentlich nur etwas Weißbrot als Beilage zu den Antipasti oder so).
 
Ich frage mich gerade, ob Pasta aus Getreide besser verträglich wäre als Brot. Allerdings bin ich kein großer Pasta-Fan. Ich bin eher Team Kartoffeln.
 
Ist das heute so?
Ich habe eigentlich dabei an alle Länder am Mittelmeer gedacht, da die Ernährung zwar regional variiert, aber in der Basis eigentlich gleich ist, mit viel Gemüse, Obst, Olivenöl und frischem Fisch...

Und Mittelmeerländer gibt es über 20 - darunter einige mit hohem Pro-Kopf-Verbrauch wie: Türkei mit knapp 200 kg an der Spitze - war für mich auch anfänglich verwunderlich, wie mein Partner zu jeder Hauptmahlzeit unbedingt viel Brot braucht, die arabischen Länder um die 150 kg, Griechenland, Portugal und Zypern um die 70-75 kg, Balkanstaaten um die 70- 80 kg. Italien war zuvor auch höher, hat aber mit den Jahren abgenommen.

Perplexity trug das aus vielen Quellen zusammen.

In den ärmeren Ländern scheint mir der Brotverbrauch deshalb auch so hoch, weil es zu den günstigsten LM zählt, die man sich täglich leisten kann. Und dort ist die Lebenserwartung auch geringer, was aber wohl eher an den ganzen Lebensbedingungen liegt und nicht am höheren Brotkonsum, das kann auch eine mediterrane Ernährung nicht ohne weiteres auffangen.
 
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