Eltern-Kind-Bindung: Kindheit bestimmt das Leben

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... Viele psychische Erkrankungen haben ihren Ursprung in der Kindheit. Vor allem negative Bindungserfahrungen hinterlassen im adulten Gehirn eine „Stressnarbe“.

Der bekannte Psychologe Paul Watzlawick äußerte sich einmal: „Man kann in der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein.“ Dieser Satz beschreibt die enorme, prägende Verantwortung der engsten Bezugspersonen im frühen Kindesalter. Bereits der Moment der Befruchtung unterliegt ganz unterschiedlichen Bedingungen. Handelt es sich um ein Wunschkind, einen „Zufall“ oder gar um die Folge sexueller Gewalt? Andererseits wird die Schwangerschaft als Ultima Ratio für die Rettung fragiler Beziehungen eingesetzt. So erfüllen „Lebenssinnkinder, Ehekittkinder oder Frauenrollendefinitionskinder“ die Funktion eines Markenartikels, bei dessen Produktion nichts dem Zufall überlassen wird.
Der demographische Notstand lässt Kinder als humane Ressource und Leistungsträger der Sozialsysteme erscheinen. Im Gegensatz dazu zeugen Neugeborene in Müllcontainern, die Einrichtung von Säuglingsklappen in karitativen Einrichtungen oder Spuren körperlicher Misshandlung von Kindheitskatastrophen, die stattfinden, bevor Kindheit überhaupt wirklich begonnen hat.
Das Kind ist, besonders in den ersten fünf Lebensjahren, seinen engsten Bezugspersonen, vor allem der Mutter, völlig ausgeliefert. Nähe und Distanz, Erziehungsstil und Vorbildfunktion setzen elementare Meilensteine für den späteren Lebensweg. Ist der Vater streng und pedantisch, körperlich krank, alkoholsüchtig oder gewalttätig? Ist die Mutter depressiv, religiös, ehrgeizig oder chronisch überfordert?
Setzt die Scheidung der Eltern eine scharfe Zäsur im konflikthaften Familienmilieu und verlangt vom Kind unzumutbare Parteilichkeit? Wird die Rivalität unter Geschwistern leichtfertig durch ungleiche Zuwendung bis zum vernichtenden Hass geschürt? Wird in der Familie gemeinsam gesprochen, gegessen, gestritten, gespielt und gelacht oder herrscht abseits jeder Spontaneität ein Geist strenger Rituale, kühler Distanz und aseptischer Sauberkeit?
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https://www.aerzteblatt.de/archiv/52567

Ich finde, das ist ein lesenswerter Artikel, über den man evtl. Zugang zur eigenen Entwicklung finden kann.

Grüsse,
Oregano
 

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