Der Tod meiner Mutter

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Meine Mutter ist im Jänner verstorben. Sie wurde kurz vor Weihnachten eingeliefert weil sie keine Luft mehr bekam, wurde notfallmedizinsch intubiert und in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Ich wollte sie an dem Tag gerade besuchen, fand sie aber nicht vor. Sie war viel unterwegs, was also nicht aussergewöhnlich gewesen wäre, allerdings waren typische Gegenstände die sie normal dabei gehabt hätte noch da. Eine halbe Stunde später bekam ich dann den Anruf vom Krankenhaus.

Zunächst hat es geheißen sie würde schon durchkommen. Am 25. erhielt ich dann den Anruf es würde ihr schlechter gehen und ich solle mich von ihr verabschieden. Sie erhielt die letzte Ölung. Es hatte sich eine Atemkrise entwickelt, Aulöser war übrigens eine Influenza, wobei es zwar noch gelang ausreichend Sauerstoff zuzuführen, sich das CO2 aber auf kritische Werte anreicherte. Der Arzt sagte mir dann auch klar: sie wird sterben, schon alleine weil Herz und Lunge so sehr vorgeschädigt waren.

Obwohl ich jederzeit mit ihrem Tod rechnen musste, geschah am 27. ein (Weihnachts-) Wunder. Als ich in die Intensivabteilung ging hörte ich schon von weitem ihre Stimme. Die Atemkrise war überwunden, sie war wieder zu Bewusstsein gekommen. Die nächsten Tage und Wochen waren schwierig, mit Auf- und Abs, aber insgesamt erhohlte sie sich, bis dann 18. Jän eine weitere Infektion hinzu kam die sie dann nicht mehr überlebte.

Sie war schon 4 Jahre zuvor fast verstorben, auch damals bekam sie keine Luft mehr. Sie litt unter einem Lungenödem, Herzschwäche und viel zu hohem Blutdruck. Und schon damals in den Monaten zuvor hatte sie 2-3mal solche Atemkrisen, weigerte sich aber einen Arzt aufzusuchen. Mit entsprechender Medikation und Zuwendung auch meinerseits, erhohlte sie sich danach. Nach meinem Verständnis waren halt Herzschwäche und Bluthochdruck, nebst dem Alter, die entscheidenden Faktoren.

Während des letzten Monats im Krankenhaus, ich war fast täglich zu Besuch, wurden mir allerdings ein paar verwirrende Fragen gestellt. Etwa ob sie starke Raucherin war, weil sie eine ausgeprägte Lungenfibrose hätte. Sie hat nie geraucht. Ein anderes Mal wurde ich gefragt ob sie schwere Alkoholikerin sei, in dem Sinne dass sie unter Entzugssymptonen leiden würde. Auch das war natürlich nicht der Fall. Im Gegenteil, sie war vielmehr Gesundheitsfanatikerin, presste sich ihre Fruchtsäfte und ging nach Möglichkeit täglich ihre 5000 Schritte.

Als ich danach begann ihre Wohnung zu räumen, merkte ich bald, dass da was nicht stimmt. Meine Nase begann zu rinnen, meine Stimme war komplett verlegt und ich bekam furchtbaren Husten. Meinen Verwandten ging es ähnlich. Seltsamer Weise ist mir das zuvor nie aufgefallen, obwohl ich fast täglich zu Besuch war. Freilich habe ich dabei nie etwas geräumt bzw. viel Staub aufgewirbelt.

An dem Punkt begann ich dann erst zu denken. Ich erinnerte mich, dass vor einigen Jahren in ihrer Wohnung eine Schimmelsanierung stattfand. Das Bad war nicht nur alt, sondern schon einige Zeit einfach unansehnlich. Es hatten sich Flecken gebildet die nach Schimmel aussahen und man konnte vermuten, dass es Lecks in den Wasserleitungen gab. Das wurde zwar dem Vermieter gemeldet, der weigerte sich aber jahrlang etwas zu unternehmen. Ich riet ihr damals einfach die Miete zu mindern, was sie sich aber nicht traute..

Ich konnte mich nicht mehr erinnern wann die Sanierung stattfand, vermutete aber einen möglichen zeitlichen Zusammenhang. Wie ich schließlich, anhand von Fotos, ermitteln konnte war das im Juli 2021. Das heißt unmittelbar darauf begannen ihre Atemprobleme. Und ich fand noch einen Befund von ihr von Ende 2019, wo zwar das Herz ein wenig vergrößert war, die Lunge selbst aber ohne Befund.

Für mich gibt sich rückblickend ein schlüssiges Gesamtbild, und ich mache mir Vorwürfe das nicht früher erkannt zu haben. Ich frage mich aber natürlich auch, wie sowas überhaupt passieren konnte. Ich weiß, es war seinerzeit auch ein "Schimmelexperte" zugegen um für ein sachgerechte Sanierung zu sorgen. Stattdessen aber scheint sie eben diese "Sanierung" umgebracht zu haben, und hat die Wohnung in einem unbewohnbar toxischen Zustand hinterlassen.
 
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Lieber @Leitwolf ,

das tut mir sehr leid, dass deine Mutter viel Leid ertragen musste bis sie starb und du dir jetzt deine Gedanken und Seele beschwerst mit Vorwürfen und hätte, könnte, wäre - Gedanken. Ich kann das schon verstehen, aber nicht wir Menschen entscheiden, wann es Zeit zu gehen ist, sondern Gott. Vielleicht kannst du das auch so betrachten.
Das Leben ist nicht vollständig in menschlicher Kontrolle. Der Ursprung und das Ende des Lebens liegen in einer höheren Macht.

Du hast überhaupt nichts falsch gemacht, du wusstest es nicht besser. Und es war nie deine Aufgabe, die Wohnung deiner Mutter zu durchforsten, so was mache ich auch nicht, außer sie würde mich dazu ausdrücklich auffordern.

Ich wünsche dir, dass du Frieden in dir finden darfst und an die viele schöne Zeit mit deiner Mutter dankbar denken magst.

Liebe Grüße
Mara
 
Mein Beileid, Leitwolf.

Die Influenza war diesen Winter für viele ungewöhnlich heftig. Eine Nachbarin (63) ist daran verstorben, ich habe jetzt noch Nachwirkungen.
 
Hallo Leitwolf,

Dein Bericht hat mich sehr berührt. Ich wünsche Dir, daß Deine „reuigen“ Gedanken wieder vergehen. Mit dem Tod Deiner Mutter sind sie unnötig geworden, und wer weiß: vielleicht waren sie nur ein Puzzle-Teil an möglichen Ursachen?

Alles Gute,
Oregano
 
Mein Beileid Leitwolf,

je nachdem, wann eine Wohnung gebaut wurde, kommen noch weitere Gifte in Betracht: Asbest, Holzschutzmittel, Ausdünstungen von Kunststoffen etc. Feuchtigkeit und Schimmel können durch nachträgliche Wärmeisolierung entstehen. Es lohnt sich daher, auch die eigenen Wohnverhältnisse kritisch zu betrachten. Relativ sicher ist man nur in Altbauwohnungen, die vor WW2 gebaut wurden.

Viele Grüße!
 
Vielen Dank für die Beileidsbekundungen. Natürlich ging und geht mir das Ganze sehr nahe, vor allem weil ich mich halt gekümmert habe und deshalb halt auch verantwortlich fühle.

Aber abgesehen vom Emotionalen, ich versuche das auch rational zu verstehen und einzuordnen. Wie kann es sein, dass ein Mensch letztlich an einer Schimmelsanierung stirbt. Und ja, davon bin ich aufgrund der erlangten Informationen doch überzeugt. Wie soll man damit umgehen? Etwa so wie mir das Verwandte raten "jetzt kann man eh nichts mehr machen"?
 
Leitwolf, KEINE Schuldgefühle KEINEN Selbstvorwurf! Du/ihr habt alles richtig gemacht! (hätt-I, tät-I, warad-I... ich Nachhinein ist man oft "gescheiter" oder glaubt es zu sein. Aber dieses "im Nachhinein" aufdröseln hilft mMn niemandem. (und ja, ich hab es nach dem Tod meines Vaters auch gemacht. Und bin mir sicher: das hätter er nie gewollt. Wozu auch? Schade um die Energie "im Nachhinein").

Du weißt ja gar nicht, welche Kettenreaktion in ihrem Körper was ausgelöst hat.

Umarm dich selbst. Du hast dich gekümmert, warst für sie da. Nur das zählt.

Und ihre Energie/Essenz ist nicht verloren, nur "umgewandelt".

Alles Liebe!
togi
 

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