“ASS zur Blutverdünnung: Nutzen/Schaden, Dosierung“

Themenstarter
Beitritt
10.01.04
Beiträge
70.821
...
Die Wirkungen von ASS sind von der Tagesdosis abhängig:
  • Hohe Dosiereungen wie z.B. 1000mg als Kurzinfusion werden gegen Migräne eingesetzt.
  • Am bekanntesten ist wohl die Anwendung als Schmerz- und Erkältungsmittel in Dosiereungen von 300-500mg bis zu dreimal täglich.
  • Zur "Blutverdünnung" bei erhöhtem Risiko für Gefäßverschlüsse durch Arteriosklerose und dadurch erhöhtem Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko wird in europäischen Ländern ASS 100mg einmal täglich von allen medizinischen Leitlinien empfohlen und viele von Ihnen werden es auch so "als Schutz" von Ihrem Arzt verordnet bekommen.
    In angloamerikanischen Ländern werden zur "Blutverdünnung" traditionell niedriger Dosierungen (30 - 50mg täglich) eingesetzt.
Ich empfehle dringend, die Dosis von 50mg täglich nicht zu überschreiten!

Die Gründe hierfür erkennt man nur, wenn man sich mit der dosisabhängigen Wirkung der ASS auf biochemischer Ebene etwas näher beschäftigt (was die meisten Kollegen hierzulande offensichtlich nicht tun, obwohl sie es fleißig verordnen) und wenn einem auffällt, daß viele Patienten hierzulande trotz "ASS100-Schutz" einen (erneuten) Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen.- ganz entgegen den tollen Studien aus Amerika.

Der Hintergrund ist folgender: ...

Das finde ich eine sehr interessante Aussage! Schon allein in meinem Bekanntenkreis nehmen etliche der meist älteren Herrschaften ASS 100. Von einer anderen Dosierung war nie die Rede.

Grüsse,
Oregnao
 
wundermittel
Beitritt
12.10.18
Beiträge
7.180
ein arzt, der etwas mehr und weiter denkt als viele andere:

"Noch besser wäre es natürlich, nach den Ursachen für das erhöhte Gefäßrisiko zu suchen und diese zu behandeln!"

am besten wäre es aber bei allen patienten eine ernährungs- und gesundheitberatung durchzuführen damit es garnicht erst zu gefäßveränderungen usw. kommt.

bei dem hom. arzt, in dessen praxis ich früher längere zeit tätig war, wurde das gemacht und die patienten (größtenteils schwer krank, wenn sie das erste mal kamen) wurden zunehmend gesünder und fitter. anzeichen für arteriosklerose gab es nicht, schlaganfälle nicht und nur einmal einen herzinfarkt bei einem patienten, der aber das erste mal in der praxis war und weniger als eine halbe stunde später schon im krankenhaus (die praxis lag weit außerhalb der stadt, sonst wär es schneller gegangen).


lg
sunny
 
Beitritt
16.02.18
Beiträge
2.323
Ich hab da auch mal eine Frage zum Thema (ich kenn mich nicht aus)

ist ASS auch gleichzusetzen mit Aspirin?

Viele Grüße
von Mara
 
regulat-pro-immune
Themenstarter
Beitritt
10.01.04
Beiträge
70.821
Ja, Mara.
... Welcher Wirkstoff steckt in der Aspirin® Tablette?
Wie der Name schon sagt, enthalten die Aspirin® 500 mg überzogenen Tabletten jeweils 500 Milligramm des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure (ASS). ...

Grüsse,
Oregano
 
Themenstarter
Beitritt
10.01.04
Beiträge
70.821
Hallo Grantler,

Muss man auch, weil es niedriger dosiert nicht wirkt.
Laut dem Zitat in #1 ist das eben nicht so. - Ich werde auf jeden Fall schauen, ob ich da weitere Informationen finde.

In anderen Ländern und Studien waren es nicht immer diese 100 mg ASS sondern auch andere Dosierungen

... Aspirin reduziert Brustkrebsrisiko bei Diabetikerinnen

Dass es auch anders herum geht, zeigt eine Studie aus Taiwan. Die Autoren hatten über einen Zeitraum von 14 Jahren die Daten von knapp 149.000 Frauen mit Diabetes ausgewertet. Dabei teilten sie die Teilnehmerinnen in zwei Gruppen auf: je nachdem, ob sie niedrig dosiertes Aspirin zu sich nahmen, um Diabetes bedingten Herzkreislaufkomplikationen vorzubeugen, oder nicht. ‚Niedrig dosiert‘ definierten die Autoren der Studie als 75–165 Milligramm täglich. ...

... Die tägliche ASS-Tablette mit 75 bis 100 mg Wirkstoff entfaltete nur bei jenen Teilnehmern die erhoffte Wirkung, die weniger als 70 kg wogen. Ihr Risiko für einen vorzeitigen Tod durch Herzinfarkt oder Schlaganfall sank um 25 Prozent, wenn sie täglich niedrigdosiertes ASS schluckten.
...
Alle Teilnehmer, die schwerer waren, profitierten weniger oder gar nicht von den blutverdünnenden Pillen. Bei ihnen wirkte erst eine vielfach höhere Dosis von 325 mg ASS täglich oder mehr zuverlässig. Eine so hohe Dosis ist aber mit einem größeren Blutungsrisiko verbunden, beispielsweise Magenblutungen. Für sehr leichte Personen, die weniger als 50 Kilo wiegen, könnte wiederum auch die niedrige Dosis bereits zu hoch sein.

ASS schützt nicht nur vor Herzinfarkt und Schlaganfall, es senkt auch die Gefahr, an Darmkrebs zu erkranken. Hier liegt die magische Grenze der Niedrigdosierung bei 80 Kilogramm Körpergewicht. Wer schwerer ist, der profitiert auch in dieser Hinsicht nicht von der niedrigen ASS-Dosis.

Doch es gibt eine weitere Grenze für die krebsschützende Wirkung von ASS: das Lebensalter. Teilnehmer über 70 Jahre, die täglich ASS einnahmen, erkrankten sogar um 20 Prozent häufiger – insbesondere, wenn sie weniger als 70 Kilo wogen. ...

Grüsse,
Oregano
 
Beitritt
25.08.20
Beiträge
1.099
Laut dem Zitat in #1 ist das eben nicht so.
Weil das falsch ist, was dieser Hausarzt erzählt. Du hast ja jetzt dankenswerter Weise die korrekte Information noch nachgereicht. Allerdings, mehr als 100mg erhöhen halt deutlich das Blutungsrisiko. Da ist dann die Frage, ob ASS bei schwereren Personen (bei denen ja die 100mg nicht wirken) überhaupt noch ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis hat.
 
Beitritt
14.06.09
Beiträge
3.155
Die Schutzwirkung ist (wie bei den anderen etablierten Pharmaka auch) sowieso bescheiden, selbst nach den offiziellen Pharma-Daten. Das Risiko nicht. Ich würde mich hin zu Nattokinase (plus Serrapeptase) in Selbstverantwortung orientieren / informieren.

Zum Thema aber ein Artikel vom Ärzteblatt
 
regulat-pro-immune
Themenstarter
Beitritt
10.01.04
Beiträge
70.821
Danke für den Link, zui. Er ist allerdings schon fast 20 Jahre alt, und evtl. haben sich in der Zwischenzeit neuere Erkenntnisse ergeben.

...Das Wichtigste in Kürze
  • Frage: Beugt die Einnahme von ASS ersten Herzinfarkten oder Schlaganfällen vor?
  • Antwort: Ja. Aber der Nutzen wird mit einem Schaden in etwa gleicher Höhe in Form des Risikos für größere Blutungen erkauft.
  • Bedeutung: Selbst kardiovaskuläre Risikopatienten profitieren in einer Nutzen-Schaden-Kalkulation nicht von einer Primärprävention mit ASS.
  • Einschränkung: Die Ergebnisse könnten einem Bias des Typs „Regression zur Mitte“ unterliegen. ...

... Auch kein Nutzen bei Risikofaktoren
Die australische Studie von McNeil und Woods ging indes noch einen Schritt weiter: Die Teilnehmer waren allesamt nicht kerngesund. Drei Viertel litten unter Bluthochdruck, zwei Drittel hatten zu hohe Blutfette und ein Viertel kranke Nieren. Jeder zehnte war zuckerkrank. Zwei weitere Studien, die beim Jahrestreffen der Europäischen Kardiologen im August 2018 in München vorgestellt wurden, untersuchten ebenfalls Risikopatienten: ARRIVE schloss Teilnehmer ein, die rauchten, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette hatten. Und ASCEND untersuchte herzgesunde Diabetiker. Eine gute Idee, denn bislang waren Risikopatienten nicht explizit untersucht worden. "Alle drei Publikationen fokussieren auf Menschen mit Risikofaktoren für einen Herzinfarkt, bei denen man sich gut vorstellen kann, dass ASS wenigstens ihnen Vorteile bringt", sagt Firschke. Entsprechend groß war die Enttäuschung: In keiner der Studien boten die Pillen einen Extra-Herzschutz. Seitdem ist klar, dass ASS auch für Herzgesunde mit einem hohen Risiko für Herzgefäßerkrankungen keinen präventiven Vorteil hat.
...
Unangetastet bleibt Christian Firschke zufolge indes die sogenannte Sekundärprophylaxe: Menschen, die unter einer Arteriosklerose der Herzkranzgefäße leiden oder bereits einen Herzinfarkt hatten, sollen ASS 100 unbedingt weiterhin nehmen, sagt der Kardiologe. "In dieser Personengruppe wirkt ASS lebensverlängernd, indem es mehr Herzinfarkte verhindert als es Nebenwirkungen verursacht." Allerdings rüttelten Wissenschaftler zuletzt an der notwendigen Dosis. Bei einem Körpergewicht von mehr als 70 Kilogramm könnten die empfohlenen 100 Milligramm für die erwünschte Wirkung nicht ausreichen. "Zukünftige Studien müssen zeigen, wie hoch die richtige Dosierung ist", erklärt der Herzspezialist.

Besser Risikofaktoren ändern

Indes sorgt sich Firschke um die herzgesunden Menschen, die sich das Präparat einfach aus der Apotheke holen und ohne ärztliche Rücksprache schlucken. Aus den USA stammen Zahlen, dass 40 Prozent Menschen regelmäßig ASS zur Vorsorge einnehmen, etwa ein Fünftel von ihnen tut es ohne ärztlichen Rat. "ASS hat den Mythos des Alleskönners", sagt der Kardiologe. "Dabei ist es ein ernstzunehmendes Medikament und die Anwendung ein zweischneidiges Schwert." Statt ASS einzunehmen sollten sich Patienten lieber um ihre Risikofaktoren kümmern, empfiehlt der Mediziner. "Es macht mehr Sinn, aufs Gewicht zu achten, regelmäßig Sport zu treiben, die notwendigen Medikamente einzunehmen und das Rauchen aufzugeben."

Grüsse,
Oregano
 
Oben