Age of stupid: lose Spangen schrauben wie die Berserker

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Liebe Leser,
die neumodische Lüge, dass herausnehmbare Dehnspangen die Zähne ohne Wenn und Aber auswärts kippen, fordert Kinderopfer.
Da hat sich ein Zahntechniker eintrichtern lassen, seinem zarten 8-Jährigen die Gaumennaht sprengen zu lassen sei moderner! Obwohl vor Ort humanere Methoden erreichbar wären, auch kassengezahlt, und es nicht einmal um fragwürdige Schnell-Behandlung geht. Denn nach der Tortur will der Täter die kassenmögliche Zeit noch mit einem Abklatsch einer früher vollwertigen, sanften Spange ausschöpfen.
Meine Argumente, zwei durchaus schulmedizinische Professoren vom Fach, die inzwischen emeritiert sind, hätten das anders gesehen, verhallten wohl wirkungslos:
(1) sah keine Indikation zur Gaumennahtsprengung im Milchgebiss und im frühen Wechselgebiss (obiger 8-Jähriger ist ein Spätentwickler, dessen 6er noch wachsen), oder (2) sah die Altersgrenze zwischen herausnehmbarer Dehnung und Gaumennahtsprengung bei 12 bis 13 Jahren.

Wer bringt so eine Lüge in die Welt?
Aus Fachkreisen erfuhr ich, dass US-Kieferorthopäden, nachdem sie endlich wahrgenommen hatten, dass europäische Dehnplatten funktionieren, damit schraubten wie die Berserker. Bis die Zahnwurzeln aus dem Knochen traten. Folglich überziehen sie und ihre Zulieferer nun alle Welt mit der Warnung, Dehnschrauben-Zahnspangen seien gefährlich und würden ohne Wenn und Aber die Zähne stets nach außen kippen! Weshalb fest unter den Gaumen gebaute Höllenmaschinchen wie die GNE-Apparatur oder die federnde Quadhelix, dieser kleine Fertigteil-Teufel, sicherer seien, und bestens kompatibel mit ihren anderen Fertigteilen.
Nach solch einer Logik wären auch diverse beliebte Arzneien gefährlich, nämlich wenn man sie nach dem Motto „Viel hilft viel“ einwirft.

Noch so eine Fehlinformation: vor einigen Jahren hatte drüben wohl jemand stolz herausgefunden, dass europäische Schrauben auf eine Gewindehöhe von 1 mm genormt sind. Hätte er sich weiter informiert, wäre ihm vielleicht nicht entgangen, das Zahnspangen-Schrauben aber Feingewinde mit meist 0.4 mm Gewindehöhe haben. Stattdessen hat er aber (in Frankreich) herumposaunt, dass man dann mit der bekannten Vierteldrehung 0.25 mm stemmt und damit die Zahnhaltegewebe schädigt. Mit den gleichen Höllenmaschinchen-Empfehlungen stattdessen usw.

„Age of stupid“ also in der Kieferorthopädie! Bei uns müssen Kinder unwachsamer Eltern dafür leiden, dass solche Nebelwerfer uns mit solchen Unwahrheiten überziehen.

Neulich begegnete ich zwei geschundenen Kreaturen von etwa 12-jährigen Jungen mit vollgebauten Mündern, samt entzündeten Lippen. Bei ihren sichtlichen Rückbisslagen steht zu befürchten, dass sie hiermit und mit weiteren Folterinstrumenten zu dentalen Dauerpflegefällen gemacht werden. Weil nämlich klassische Funktionskieferorthopädie nicht bracketkompatibel ist, und kompatible Spezialitäten wie Trainer for braces in den Niederungen real existierender Schrott-Kieferorthopädie kaum beachtet werden.
Ihre vermutliche Großmutter nahm mein Infoblatt dann dankbar an.

Ein Lichtblick: im Norden fand jemand einen Feste-Spangen-Demontierer, wie man ihn auch anderswo gut brauchen könnte. Sauber abgewrackt! Der hat auch seine Helferinnen noch auf die Schäden aufmerksam gemacht...
Ra(s)tlose Grüße,
Larissa

P.S. Meine Vermutung, dass es in den neuen Bundesländern noch humaner zugehen könnte, gilt für Leipzig leider nicht mehr, wie ich nun erfuhr.
 
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