10 Regeln des Diskutierens

Themenstarter
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12.05.11
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In dieser Weihnachtszeit wird in zahllosen Schweizer Stuben eine dramatische Bildungslücke offengelegt: Die Leute können nicht diskutieren. Das war zwar schon immer so, aber nie waren die Folgen schwerwiegender.
Als kleine Handreichung in diesem finsteren Mittelalter der Gesprächskultur finden Sie hier zehn Grundsätze, die Ihnen helfen, unter dem Weihnachtsbaum ein vernünftiges Gespräch zu führen. Sie erlauben Ihnen zum Beispiel, die Meinungen Ihrer Gesprächspartnerinnen – und Ihre eigenen – zu prüfen.
Leider wird die Nummer zehn die vorangegangenen neun erschüttern. Trotzdem bleibt die Hoffnung, dass Sie bei aller Ernsthaftigkeit des Themas etwas Lust verspüren, Argumente zu sezieren und dabei herauszufinden, worin sich verschiedene Meinungen wirklich unterscheiden. Und, wer weiss, vielleicht finden Sie dabei sogar heraus, dass Sie gar nicht Ihrer Meinung sind.
1. Die einfachste Erklärung ist in der Regel die beste.
2. Aussergewöhnliche Behauptungen erfordern aussergewöhnliche Beweise.
3. Einzelfall ist nicht Regelfall.
4. Zwei Ereignisse, die nacheinander auftreten, müssen nichts miteinander zu tun haben.
5. Geniale Aussenseiter sind selten.
6. Was würde Sie vom Gegenteil überzeugen?
7. Was ohne Belege behauptet wird, kann ohne Belege verworfen werden.
8. Was wäre, wenn ich nicht recht hätte?
9. Die Meinung zu ändern, zeugt nicht von Schwäche.
10. Alle glauben, die Welt objektiv zu sehen.

 
wundermittel
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Voraussetzung für „vernünftige Gespräche“ ist es meiner Meinung nach, daß man das auch sucht und möchte.
Solange es nur darum geht, die eigene Meinung immer wieder zu bestätigen und damit gleichzeitig zu vertiefen, daß man eine andere Meinung erst gar nicht in Betracht zieht, wird das mehr als schwierig. Svenja Hofert schreibt dazu:

... Kommunikation von Meinungen umgeschrieben und mit einem von mir entwickelten Modell für faire Meinungskommunikation verbunden. Damit lässt sich die eigene Kommunikation und die der anderen einordnen - und feinjustieren.
...
Emotionale Kettenreaktionen lassen die Sache verschwinden
Svenja Hofert
Emotionale Kettenreaktionen entstehen, wenn sich Gefühle verbreiten und die Sache hinter vermeintlicher Vernunft verschwindet. Wenn der eine gegen den anderen mehr stinkt als stänkert. Die sozialen Medien haben sich dabei immer mehr zum Kettenreaktionsbeschleuniger entwickelt. Deshalb ist nicht ohne Grund mehr und mehr von unsozialen Medien die Rede.
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Am Pranger sozialer Medien steht der, der nicht zur Gruppe gehört
Die öffentliche Hinrichtung ist heute das Runtermachen und Canceln der anderen Meinung am Pranger sozialer Medien. Sie ist nicht mehr körperlich grausam, aber seelisch.
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Glaube ist Fühlen in der Masse
Der Mensch ist emotional. Selbst die Aggressivsten sind oft sanfte Schafe im direkten Kontakt zu jemanden, der sie annimmt. In der Masse schwindet Zurückhaltung.
Die Masse ist nicht rational, sie wägt nicht ab.
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Massen bilden einen eigenen Organismus
...
Aber auch zuhause und im Homeoffice kann der Funke überspringen, so meine Erkenntnis der letzten zwei Jahre. Die Menschen brauchen keinen physischen Kontakt, damit sich ihre Ideen emotional verbinden und verbreiten. Sie brauchen nur eine Plattform wie Twitter oder Telegram. Die Outgruppe verkörpert all das Böse, Raubende, Gefährliche dieser Welt. Die gemeinsame Seele der jeweiligen Ingruppe dagegen nivelliert den Verstand, der differenziert und Schattierungen findet. So ist der durch die Masse entstehende Organismus unberechenbar.

Emotionen geben den Takt, Worte folgen
"Das Denken kommt nach dem Fühlen", ...
hochgradige Ansteckungsgefahr einer Meinungsmachenden Stimmung zu erkennen - und durch Vernunft zu bannen.

Der Luzifer-Effekt in der Masse

Massen können das Gute und Böse freisetzen, das in uns allen steckt. Das Böse bricht sich selbst bei sonst guten Menschen Bahn. Denn das Böse gibt es nicht selbst. Es entsteht nur durch seine Abgrenzung zum Guten, definiert sich also stetig neu selbst, zieht Grenzen neu. Wir müssen Kontext- und Rahmenbedingungen schaffen, die das Böse verhindern und das Gute fördern. ...

Kommunikation macht den Unterschied

Deshalb ist es unsere Kommunikation, die den entscheidenden Unterschied machen kann. ...



 
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