Tinnitus

Kategorien: Krankheitsbilder

 

Tinnitus aurium (lat. „Das Klingeln der Ohren“) bezeichnet einen Zustand, bei dem der Betroffene Geräusche, meist einen Pfeifton, Rauschen oder Zischen hört

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Es gibt zwei verschiedene Arten der Erkrankung, den objektiven sowie den subjektiven Tinnitus. Beim sehr seltenen objektiven Tinnitus beruhen die Höreindrücke auf körpereigene Schallquellen, die tatsächlich vorhanden sind. Hier sei der objektive Tinnitus nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Meist handelt es sich um den subjektiven Tinnitus. Dabei sind keine Schallquellen vorhanden. Das wahrgenommene Geräusch hat nichts mit Schall zu tun und entsteht ausschließlich durch eine Störung der Hörfunktion. Obwohl auch das Brummton-Pänomen als Tinnitus bezeichnet wird sind dafür andere Faktoren (z.B. Ortsveränderung oder Elektrosensibilität), die bisher noch nicht eindeutig geklärt sind zuständig.

Symptome

Der subjektive Tinnitus ist keine eigenständige Erkrankung sondern bezeichnet ein Symptom, welches wie Kopfschmerzen durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Die Ohrgeräusche können als ein Klopfen, Zischen, Pfeifen, Klingeln, Brummen, Rauschen, Sägen oder Schwirren in gleichmäßiger oder ungleichmäßiger Stärke als Dauer- oder zeitweiser Ton empfunden werden. Die vermeintliche Schallquelle kann einseitig in einem Ohr aber auch scheinbar in einer Stelle in der Tiefe des Schädels zwischen den Ohren ihren Sitz haben. Etwa 40% der Tinnitus-Betroffenen leiden gleichzeitig an erhöhter Geräuschempfindlichkeit dem Hyperakusis. Dabei werden Geräusche ab einer bestimmten, individuell verschiedenen Lautstärke als sehr unangenehm empfunden. Der medizinische Zusammenhang beider Hörstörungen ist bisher nicht eindeutig geklärt. Manchmal ist Tinnitus und die Geräuschempfindlichkeit zusätzlich mit Schwindel gekoppelt.

Ursachen

Ursachen für den sehr seltenen objektiven Tinnitus:

  • Gefäßgeräusche
  • Tubenfunktionsstörung (Druckausgleichsstörung)
  • Gaumensegelnystagmus

Subjektiver Tinnitus

Nach unserer Auffassung ist der subjektive Tinnitus keine Erkrankung, sondern lediglich ein Symptom! Seine Natur und Auswirkung kann man ähnlich wie einen Phantomschmerz beschreiben. Auch hier hat sich ein Regelkreis verselbständigt. Er lässt im Gehirn eine Missempfindung an amputierten, nicht mehr vorhandenen Gliedmaßen entstehen. So verändert sich meist ein hochgradiger Tinnitus selbst nach einer Hörnervdurchtrennung nicht, da die Hörrinde im Temporallappen des Gehirns das Geräusch weiter vorgaukelt.

Ursachen für subjektiven Tinnitus:

  • Mittelohrentzündungen, bakterielle und virale Infektionen (auch Borreliose!)
  • Knall- und Schalltrauma, Lärm, laute Musik
  • Schleudertrauma, Gehirnerschütterung
  • Halswirbelsäule
  • Tauchunfälle
  • Hörsturz, Stress (auch oxidativer / nitrosativer oder Neurostress), psychische Belastung, Depression, Angststörung
  • Autoimmunerkrankungen des Innenohres, Hashimoto-Thyreoiditis
  • Tumor am Gehörnerv, Gehirntumor, Hirnhautentzündung
  • Morbus Menière, Hydrops cochleae, Endolymphe-Störungen
  • Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit, Gehörgangverschluß
  • Vergiftungen (Ototoxine), auch durch Medikamente wie Antibiotika (Gentamycin, Glykopeptide), ASS, Chinin, Antidepressiva (SSRI) sowie chemische Lösungsmittel als auch Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen, Schwefelkohlenstoff, Kohlenmonoxid oder Amalgam möglich
  • Chron. EBV-Infekt
  • Elektrosensibilität
  • MS
  • Bluthochdruck. Blutarmmut, Durchblutungsstörungen
  • Arterienverkalkung
  • Blockade der (Hals-)Wirbelsäule, Funktionsstörung im Kiefergelenk (Fehlstellung), Beckenschiefstand
  • Stoffwechselstörungen, Diabetes, Spurenelementen-Mangelerscheinung

Häufig tritt Tinnitus zusammen mit vestibulären Schwindel (lat. Vertigo) als Dreh- oder Liftschwindel auf. In diesem Falle liegt eine Erkrankung des Innenohres vor.

Diagnostik

Man unterscheidet beim subjektiven Tinnitus drei Formen (akut, subakut und chronisch) in vier Schweregraden.

Der akute Tinnitus kann bis zu 3 Monate andauern. Klingen die Symptome nicht ab, spricht man vom subaktuten Tinnitus. Dieser kann bis zu einem Jahr dauern. Darüber hinaus bezeichnet man den Tinnitus als chronisch. Je länger der Tinnitus anhält, um so geringer sind die Aussichten auf eine vollständige Heilung.

Die Schweregrade I und II umfassen den kompensierten Tinnitus. Es werden die Ohrgeräusche zwar in unterschiedlicher Lautstärke wahr genommen, aus ihnen leiten sich jedoch keine zusätzlichen Beeinträchtigungen ab. Beim dekompensierten Tinnitus (Grad III bis IV) sind starke zusätzliche Beeinträchtigungen zu verzeichnen, die bis zur Berufsunfähigkeit führen und von Betroffenen sogar als unerträglich empfunden werden können. Die Lautstärke, Frequenz und Geräuschart scheint hierbei nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Es entsteht ein Teufelskreis: durch dekompensierten Tinnitus erleidet der Patient starken Stress und dieser Stress erzeugt seinerseits wieder über Depressionen, Schlaf- , Konzentration- oder Angststörungen verstärkten Tinnitus. Dieser Kreislauf ist für den Betroffenen eine schwere Belastung und kann in der Regel dann nicht mehr eigenständig unterbrochen werden. Aus diesem Grunde kann ein dekompensierter Tinnitus sogar eine Suizidgefahr darstellen.

Da der subjektive Tinnitus in der Regel keine klassische Erkrankung sondern sehr vielfältige Ursachen haben kann, ist die Diagnostik schwierig aber unumgänglich, falls nicht nur ein Ohrschmalzpfropf den Gehörgang blockiert hat. Kompliziert wird die Diagnose auch deshalb, weil sehr unterschiedliche medizinische Fachbereiche berührt werden. In der Anamnese wird meist befragt, ob Lärm, Ohrenerkrankungen, Erkältungen, Infektionen, Kopfverletzungen oder -Operationen, ein Hörsturz oder psychische Belastungen als Auslöser möglich erscheinen. Weiterhin wird nach der Häufigkeit, der Lautstärke, der Frequenz, der Richtung und des Geräuscheindruckes gefragt. Der Blutdruck wird gemessen. Ein Hörtest klärt, ob eine Innenohrschwerhörigkeit vorliegt, Ein Prüfverfahren mittels Audiometer kann die Verdeckbarkeit ermitteln, welches genauere Auskunft über das Geräusch gestattet. Bei der HNO-Untersuchung kann der Paukendruck, die Funktion der Gehörknöchelchen, die Fortleitung oder auch mikroskopisch nach der Ursache ermittelt werden. Da Tinnitus oft mit Gleichgewichtsstörungen zusammen auftritt, wird bei Verdacht mittels Frenzelbrille und thermischer Reizung der Gleichgewichtssinn überprüft. Bei Verdacht auf Infektionen schaffen Blutuntersuchungen bzw. Serologie Klarheit. Durch MRT kann ein Tumor am Hörnerv oder im Hirn ausgeschlossen werden. Ist lediglich eine plötzliche Hörminderung eingetreten, als hätte man Wasser oder Watte im Gehörgang spricht man vom Hörsturz wenn genannte Ursachen im Ausschlußverfahren nicht ermittelt werden können. Auch hier ist baldige Behandlung durch einen HNO-Arzt möglichst in den ersten 3 Tagen nötig.

Therapie

Um es ganz deutlich zu sagen: Obwohl die üblichen „Notfall-„Behandlungen eine Kassenleistung sind und problemlos übernommen werden, helfen sie nur in sehr wenigen Fällen! Wir kennen (aus diesem Grund?) keine Studie, die eine verlässliche Therapie vorschlägt, deren Wirkung über dem Plazebo-Effekt hinaus geht. Meist wird ein Arzt der Schulmedizin vorsorglich als erste Maßnahme die Durchblutung der feinen Kapillargefäße verbessern und oftmals Gingko-Präparate einsetzen obwohl nur in seltenen Fällen eine Durchblutungsstörung des Innenohres vorliegt. Infusionen mit Zuckerlösungen oder Kochsalz mit Glukokortikoiden sollen die Sinneszellen im Innenohr aktivieren. Natürlich kann die Ursache auch eine Erkrankung sein. Liegt eine Infektion vor, wird diese bekämpft. Je früher die Ursache gefunden und eine Behandlung durchgeführt wird, um so größer sind die Erfolgsaussichten! Diese gilt es zu nutzen, da ein chronischer dekompensierter Tinnitus einen erheblichen Leidensdruck schaffen und so die Lebensqualität maßgeblich verschlechtern kann.

Chronischer Tinnitus wird nur selten heilbar sein, wenn er nicht durch eine klar diagnostizierbare und behandlungsfähige Ursache ausgelöst wird. Auch die hyperbare Sauerstofftherapie zeigt hier in der Regel wenig Wirkung, manchmal hilft eine Ohr- oder Implantat-Akupunktur. Erträglich kann der Tinnitus in den anderen Fällen nur dann werden, wenn der betroffene Patient lernt das Geräusch zu adaptieren und akzeptieren. Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training können sehr hilfreich sein. Auch die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) drängt durch Erlernen der Adaption den Tinnitus in den Hintergrund. Die Methode nach Prof. Jastreboff ist durch ein interdisziplinäres und intensives Zusammenspiel von Ärzten, Psychologen und Hörgeräteakustikern als Teamleistung entwickelt worden. Ziel der Therapie ist statt „Heilung“ zu versprechen den Patienten aus der Rolle des passiv Leidenden mit geringer Lebensqualität zu befreien und statt dessen eine aktive, selbst bestimmte Perspektive zu vermitteln. Dem Gehirn gelingt es ja auch bei anderen Geräuschen, die zum normalen, alltäglichen Umfeld gehören und ständig oder periodisch präsent sind diese vollständig über erlernbare Filter auszublenden. Ob das Ticken einer Uhr, ein Gongschlag, Glockengeläut oder sogar Verkehrs- , Bahn- und selbst Flugzeuggeräusche werden ja auch mit der Zeit von vielen Menschen nicht mehr wahr genommen wenn sie ständig präsent sind. Bei dieser Gruppe tritt eher das Gegenteil ein: Fällt das Geräusch einmal aus, wird man aufmerksam. Man merkt, dass „etwas nicht stimmt“ und benötigt sogar Zeit um zu begreifen, dass ein wiederkehrendes Geräusch ausgeblieben ist. Auch im Arbeitsumfeld sind solche Adaptionen häufig. Gelingt es diese Erfahrungen auf einen chronischen Tinnitus zu übertragen, wird die Lebensqualität erheblich verbessert. Alle diese Therapien sind aus verständlichen Gründen je nach Veranlagung relativ langwierig und dauern meist zwischen 1-2 Jahre, ehe ein zufriedenstellender Erfolg eintritt, während andere Betroffene ohne therapeutische Hilfe den Tinnitus im Anfangsstadium sehr schnell eigenständig kompensieren können. Leider übernehmen die Kassen diese wirkungsvollen Therapien in den meisten Fällen nicht, so dass der Patient auch noch mit den Kosten belastet wird.

Ein kompensierter Tinnitus kann zusätzlich durch Rauschgeräte (Noiser) überdeckt werden. Bei einer Hörminderung kann dieses mit dem Hörgerät gekoppelt werden. Neuste Studien zeigen, dass durch eine Doppelstimulation Tinnitus gemindert oder sogar geheilt werden kann. Doppelstimulation

Quellen

Siehe auch

Relevante Wiki-Artikel

Relevante Foren-Beiträge

Literatur

Weblinks

 

 


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