Bio-Labor Hemer: Der PSA-Wert als Tumormarker

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Aus dem Bio-Labor Hemer:

...Prostatakrebs: Was kann der PSA-Test leisten? Wie sollte er eingesetzt und beurteilt werden?

Der PSA-Test ist in den letzten Jahren kontrovers diskutiert worden. Inzwischen ist man sich aber einig, dass wohl kaum ein besserer Tumormarker zum Zwecke der Früherkennung zur Verfügung steht. Professor Oliver Hakenberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), fragt darum in der Ärzte Zeitung fast rhetorisch: "Für welche Krebserkrankung steht ein ähnlich guter Tumormarker zur Verfügung?“ In der Tat zeichnet sich der der PSA-Test (Methode im BIO-LABOR: BeckmanCoulter Hybritech PSA-Assay, Sensitivität: 0,008 µg/l) durch eine sehr hohe Sensitivität und Spezifität aus. Diese hohe Sensitivität ist nicht bei jedem Tumormarker gegeben. Dennoch gelten für den PSA-Test die gleichen einschränkenden Faktoren, wie für andere Tumormarker:

Benigne Erkrankungen oder externe Reize können zu falsch positiven Werten führen. Bitte berücksichtigen Sie das bei der Beurteilung des PSA-Wertes und anderer Tumormarker!

Für jede Krankheit gilt: Je früher sie entdeckt wird desto besser sind die Heilungschancen. Deswegen sollte auch in der Naturheilpraxis der PSA-Test angewendet oder empfohlen werden, vor allem dann, wenn eine familiäre Vorbelastung des Patienten besteht. Und zur Erinnerung: Wie sprechen von 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr!

Im BIO-LABOR Untersuchungsprogramm finden Sie die Einzelwerte PSA und freies PSA (fPSA) sowie das Prostatamodul (PSA + fPSA) und das Tumormarker-Profil 5 "Prostata" (PSA + fPSA + CEA).
Ich möchte Ihnen die wichtigsten Aspekte zur Anwendung des PSA in der Praxis darlegen:

Für wen ist der PSA-Test wichtig?
Die DGU empfiehlt in ihrer S3-Leitlinie einen initialen PSA-Test ab 45 Jahre, bei familiärer Belastung ab 40 (denken Sie daher bitte an die Familienanamnese).

Welche Parameter sind für die Erstuntersuchung auszuwählen?
Für die Erstuntersuchung sollte lediglich das PSA untersucht werden, möglichst jedoch kombiniert mit z.B. der BIO-LABOR Basisuntersuchung, um andere beeinflussende benigne Erkrankungen erkennen und auszuschließen zu können.

Wie beurteile ich pathologische Werte?
Messwerte zwischen 4 und 10 µg/l: Dieser sog. Graubereich kann einerseits auf ein Prostatakarzinom (PCA) hindeuten, andererseits aber auch auf Reizungen der Prostata (z. B. ausgedehnte Radtouren, Sex, akute Harnwegsinfektionen etc.) oder die benigne Prostata Hyperplasie (BPH).
In solchen Fällen wird zusätzlich das fPSA bestimmt und der Quotient aus dem fPSA und dem PSA errrechnet. Sollten Sie nur das PSA angefordert haben und ein Wert im Graubereich gemessen werden, messen wir selbständig zusätzlich das fPSA und errechnen den Quotienten.

fPSA/PSA kleiner 0,16: Hohe Wahrscheinlichkeit für ein Prostatakarzinom
fPSA/PSA größer 0,20: Hohe Wahrscheinlichkeit für eine Benigne Prostata Hyperplasie (BPH)
Für anschließende Kontrolluntersuchungen ist dann das Prostata-Modul oder das
Tumormarker-Profil 5 angezeigt, da darin sowohl PSA als auch fPSA enthalten sind.

Messwerte größer 10µg/l: Hohe Wahrscheinlichkeit für ein Prostatakarzinom

Zur Erinnerung: Ein erhöhter PSA-Wert liefert keine Ja/Nein-Antwort auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms. Solche Marker gibt es nicht in der Onkologie! Es geht immer um Wahrscheinlichkeiten! Bitte machen Sie Ihren Patienten deutlich, dass ein erhöhter PSA-Wert nicht sofort gleichbedeutend mit Prostatakrebs oder einer Operation ist und auch nicht sein sollte!

Wie oft sollte der PSA durchgeführt werden?
Bei unauffälligen Ausgangswerten sind Kontrollintervalle von ein, zwei oder fünf Jahren bis zum 70. Lebensjahr empfohlen.
Bei Werten im Graubereich sollten Kontrolluntersuchungen im Abstand von 6 bis 12 Wochen im gleichen Labor (also mit der selben Methode) durchgeführt werden.
Bei erhöhten PSA-Werten sollte der PSA-Verlauf in 3-monatlichen Intervallen überprüft werden. Denn zwei wichtige Größen für die Verdachts-Diagnose eines PCA sind PSA-Anstiegsgeschwindigkeit und PSA-Verdopplungszeit, die nur über wiederholte Verlaufskontrollen ermittelt werden können.
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Quelle:
BIO-LABOR
Manfred Tuppek
Leiter der med. wiss. Abteilung
E-Mail: [email protected]
 
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