Ich habe oft das Gefühl, ich werde bald sterben

05.03.10 22:08 #1
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Ich werde bald sterben
Weiblich Maumel
Also mein Vater hat sich umgebracht.
Das ist nun gut 18 Jahre her, ich war 12 Jahre alt. Er hat sich mit dem Auto gegen einen Baum gesetzt und erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Er hatte auf dem Beifahrersitz einen Abschiedsbrief, für meine Mutter.
Ich hatte leider das Pech das niemand in meiner Umgebung halbwegs vernünftig mit dem Geschehen und mir umgehen konnte.
Er hat sich von mir verabschiedet, er kam in meine Schule und gab mir eine Tüte mit einem Schokocroissant und einem Banjo Riegel. Ich wußte das ich ihn nie wieder sehen würde. Er hat sowas sonst nie gemacht und er hat geweint als er weg fuhr. Ich auch. Er tat mir so leid.
Ich habe im Kopf verstanden warum er das gemacht hat, aber im Herzen nicht.
Ich arbeite heute noch daran. Besonders schwer war und ist die Zeit um die Geburt meiner Tochter bis heute und meine Ehe. Ich bin mir 1000%ig sicher das er und mein Mann sich unglaublich gut verstanden hätten und das er glücklich gewesen wäre mit seiner wunderbaren Enkeltochter.
Es tut einfach immer weh. Das hört nie auf. Ich werde mit diesem Verlustschmerz immer leben müßen. Ich habe keinen Vater mehr.
Das ist etwas, was man nie überwindet.
Deshalb muß man sich überlegen was man tut, als Betroffener.
Auch wenn die gesundheitlichen Probleme im Vordergrund stehen.

Von der anderen Seite grüßt das Maumel

Ich werde bald sterben

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.535
Seit: 18.11.09
Es ist mir klar, dass es für Kinder ganz schrecklich ist, ein Elternteil zu verlieren. Insbesondere auf diese Weise.

Aber erst wenn Du auch in deinem Herzen akzeptierst, dass es seine Entscheidung war zu gehen und Du ihn loslassen und wirklich gehen lassen kannst (am Besten mit einem persönlichen Abschiedsritual), kannst Du dich mMn. auch von dem Schmerz lösen.

Denn nach deinem Beitrag hast Du das nicht getan und hälst auch nach seinem Tod noch stark an ihm fest und quälst dich.
Ich bin mir ganz sicher, dass er das niemals gewollt hat.
__________________
Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

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melli1007 ist offline
Beiträge: 66
Seit: 01.05.10
Da ich deinen Beitrag richtig krass finde, wollte ich auch was dazu schreiben.
Weis nicht, aber manchmal sind es die komischsten Ratschläge, die einem weiterhelfen.

"Ich bin ... verheiratet..."
Na ja, zumindest bist du nicht alleine, wie steht dein Mann dazu?
Glaubt er dir wenigstens?

"(wahrscheinlich weil ich mein Beschwerdebild oft nicht präzise genug schilderte)"

Erst mal, das liegt nicht an dir, ein vernünftiger Arzt sollte dementsprechend nachfragen.

Aber wenn du das Gefühl hast,
schreib dir vor dem Arzttermin auf was du dem Arzt sagen möchtest.
oder besser noch nimm deinen Partner mit, dass der dir da unter die Arme greifen kann.
Es ist immer leichter die Probleme eines anderen zu lösen als die eigenen, da man in diese oft nicht emotional verwickelt ist.

"konnte kein Arzt MS, Parkinson, oder eine andere tötliche Nervenkrankheit"
Manchmal versteift man sich auf etwas, und hat keinen Blick für andere (genauso schlimme, oder sogar noch schlimmere) Dinge

"# Das laufen und stehen fällt mir schwer (ich merke das meine Nerven nicht mitspielen)
# Es kommt auch vor, dass mir das aufrechte Sitzen sehr schwer fällt
# Sprachprobleme (Probleme bei der Wortfindung)
# (sehr schlechtes Gedächtnis)"

Für mich als Laien hören sich zumindest diese Symptome irgendwie nach einer Wirbelsäulenproblematik an.


Eins noch, du wirst hier sicher ne Menge Tipps bekommen, und Vorschläge zu Behandlungen, die du evtl. schon mal gemacht hast. Lass diese einfach noch mal bei einem Anderen Arzt machen, denn manchmal sehen die Ärzte die Erkrankung nicht.
(Ich weis nicht, ob das Unfähigkeit ist, oder ob sie es einfach nicht sehen wollen)

Grüße und alles Gute!
__________________
Life is not easy in Germany

Ich werde bald sterben

Maja 72 ist offline
Beiträge: 981
Seit: 30.12.09
Hi,
OH ist ein Mann, da er unten über seine frau schreibt.

Ich hoffe, meine Familie, meine kleinen Kinder, meine Frau, meine Eltern, meine Geschwister und meine anderen Angehörigen werden mir den Schritt jemals verzeihen.
OH, gib deinen Kinder die Chance, ein gutes Leben zu führen. Lass sie nicht allein. Sie brauchen das Gefühl das ein großer Baum Papa ihnene den Rücken stärkt.
lg und alles gute
Maja

Ich werde bald sterben

Zitrone ist offline
Beiträge: 1.026
Seit: 12.10.09
Ich habe 15 Jahre lang ein eigentlich (psychisches) Problem gefuettert mit moeglichen physischen Erklaerungsversuchen, wie es hier nun zahlreiche Leute versuchen! Wenn jemand sich das Leben nehmen will, dann gehoert er in Behandlung (und zwar m.E. in psychiatrische). Danach kann man sich ums koerperliche Problem kuemmern (oder gleichzeitig).

Schlimmer machen kann man die Sache nur, wenn man das Problem fuettert und nicht Klartext redet. Und mancher Suizidversuch ist (leider) auch manipulativ. Ich will das nun nicht unterstellen, aber gerade die angekuendigten: wenn jemand wirklich nicht mehr will, dann geht er einfach. Ich kenn beides :(.

Nein, meine Mutter hat nie bereut, dass sie mir/uns das angetan hat, denn auf den Versuch folgten mehrere weitere (was dahinter steckt: tja, da muesste man sich schon mal Hilfe suchen anstatt in seiner eigenen Welt Schuldige und Ursachen zu finden und eine gehoerige Portion Selbstreflektion gehoert auch dazu, wenn man gesunden will... ).

Ja, ich war auch schon an dem Punkt. Das Ganze (siehe oben) bleibt ja nicht folgenlos (PTBS, Burnout ist ziemlich garantiert, wenn man ein Familienmitglied so auffindet (mehrfach!). Habe selbst Therapie hinter mir und hat leider lange gedauert (schaff es immer noch nciht ganz) mich von meinem Helfersyndrom und der elenden Angst, dass es jederzeit passieren koennte weg zu kommen.

Ich werde bald sterben

GuitarGuy ist offline
Beiträge: 726
Seit: 12.11.08
hallo,

mache bitte einen LTT test für die borreliose.
falls dieser positiv ist, starte eine antibiotikatherapie.
deine ängste, - ich kann dich beruhigen, die meisten deiner
schäden sind nicht irreperabel. falls es wirklich borreliose ist (was sehr wahrscheinlich ist)
hast du trotzdem gute heilungschancen.

bei fragen antworte ich auch per PN.

gruß,

GG

ps: mir ging es auch mal so schlecht wie dir, ich versteh das, bedenke aber, dass was du erlebt ist nur produkt deiner momentanen situation (vor allem der des körpers) und nicht die zwangsläufige realität für den rest deines lebens. in ein paar wochen hast du vielleicht schon deine diagnose und es geht aufwärts. du hast hier ein gutes forum und findest eine lösung.

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Lebensfreude ist offline
Themenstarter Beiträge: 323
Seit: 05.03.10
Zunächst möchte ich mich nochmal für die großartige Hilfestellung bedanken.

Die Depressionen sind nicht das Hauptproblem. Das Problem sind die unzähligen Beschwerden. Wenn man z.B. den ganzen Tag extreme Atemnot hat, dann ist das sehr sehr qualvoll.
Wenn man starke Qualen ausgesetzt ist, und die Ärzte nicht ansatzweise weiterhelfen können, dann ist das natürlich deprimierend.

Zitat von FrankM Beitrag anzeigen
Hallo, nach meiner Überzeugung kommen deine ganzen gesundheitlichen Probleme von Entzündungen an den Zähnen
Ich habe mir bereits 60 Prozent (!) aller Zähne ziehen lassen. Sie waren alle wurzelbehandelt. Es sind wenige gesunde Zähne übrig geblieben.


Zitat von Nina3070 Beitrag anzeigen
Hallo Ohnehoffnung,
hast Du hier im Forum schon einmal unter "KPU = Kryptopyrrolurie" nachgelesen?
Ja, ich habe Kryptopyrrolurie. Das wurde mir schon vor Jahren nachgewiesen.
Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass meine vielen Beschwerden davon rühren. Es handelt sich hier nicht einmal um eine "offiziele" Krankheit, die die Schulmedizin ernst nimmt.
Damals (nach der Untersuchung) wurden mir spezielle Vitamin-B Tabletten empfohlen. Die musste ich natürlich selbst zahlen. Gewirkt haben sie nicht.


Zitat von nicht der papa Beitrag anzeigen
Letztlich ist dies mMn. eine der Situationen einer öffentlichen Selbstmorddrohung, in der die Moderatoren (und jeder Einzelne von uns) im Rahmen von §323c verpflichtet ist, eine Meldung an die Polizei zu machen, um dich vor dieser Tat zu bewahren und uns nicht der unterlassenen Hilfeleistung schuldig zu machen.
Das wäre das schlimmste, was du machen kannst.
Ich bekomme hier bereits zahlreiche gute Tipps, an denen ich mich orientieren will.

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.535
Seit: 18.11.09
Zitat von Zitrone Beitrag anzeigen
Wenn jemand sich das Leben nehmen will, dann gehoert er in Behandlung (und zwar m.E. in psychiatrische). Danach kann man sich ums koerperliche Problem kuemmern (oder gleichzeitig).

Schlimmer machen kann man die Sache nur, wenn man das Problem fuettert und nicht Klartext redet. Und mancher Suizidversuch ist (leider) auch manipulativ. Ich will das nun nicht unterstellen, aber gerade die angekuendigten: wenn jemand wirklich nicht mehr will, dann geht er einfach. Ich kenn beides :(.

Nein, meine Mutter hat nie bereut, dass sie mir/uns das angetan hat, denn auf den Versuch folgten mehrere weitere (was dahinter steckt: tja, da muesste man sich schon mal Hilfe suchen anstatt in seiner eigenen Welt Schuldige und Ursachen zu finden und eine gehoerige Portion Selbstreflektion gehoert auch dazu, wenn man gesunden will... ).
Ich finde, Du erwartest zu viel.

Warum hätte deine Mutter das bereuen sollen? Sie hat es nicht getan, um Euch zu verletzen, sondern als Ausdruck ihrer Verzweiflung. Weil sie nicht mehr konnte. Sie hat es mehrfach versucht, so dass ich davon ausgehe, dass sie in ihrer psychischen Verfassung nur sich und ihren Seelenschmerz sehen konnte und nicht die Gefühle anderer Menschen. Dass Du dir gewünscht hast und vielleicht immer noch wünscht, dass sie all deine Schmerzen dabei sieht, kann ich verstehen. Das wird sie aber vielleicht nie tun, weil sie nur ihr Leben und ihren Schmerz sieht.
Mache dein Seelenheil nicht davon abhängig.

Im Gegensatz zur Annahme, dass es viele Menschen nicht täten, die es ankündigen, tun es übrigens viele, die es ankündigen.

Ob es mit Psychiatrie besser geworden wäre oder ist, ist eine reine Annahme von dir. Da gibt es auch viele ganz andere Geschichten, die das Gegenteil beweisen. Kann, muss aber nicht.
Zudem war es mMn. bei deiner Schilderung nicht an deiner Mutter gewesen, dahin zu gehen, sondern an deinem Vater, sie dahin zu bringen oder dem Arzt sie dort einzuweisen.
MMn. kannst Du ihr nicht diese Verantwortung geben, denn die hatte dein Vater als nicht psychisch Kranker mMn. noch viel mehr.

So traurig das ist, aber es bleibt uns allen nur, uns mit den Tatsachen abfinden. Sonst versauen wir uns unser Leben unnötig noch mehr.

Mein Opa hat sich übrigens 1940 im Erzgebirge erhängt, als meine Mutter 2 Jahre alt war.
Den Grund weiß ich selbst erst seit einigen Jahren. Skandal.
Grund war, dass er als verheirateter Mann, von seiner Frau und den gemeinsamen 3 Kindern getrennt lebend, in wilder Ehe mit meiner Oma das 3. gemeinsame Kind erwartete.
Dieses Kind starb kurz nach der Geburt.
Meine Oma hat nie geheiratet. Ich bezweifle sogar, dass es danach noch einen anderen Mann in ihrem Leben gab.
Vielleicht auch, weil ihr Partner sie damals in Zeiten sehr großer Armut, die mit der späteren Vertreibung noch schlimmer wurden, einfach mit den Kindern im Stich gelassen hat.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.535
Seit: 18.11.09
Zitat von OhneHoffnung Beitrag anzeigen
Das wäre das schlimmste, was du machen kannst.
Das sehe ich auch so. Einerseits.
Doch obwohl ich komplett gegen Psychiatrie bin, habe ich schon einen jungen Mann, der sich selbstmordgefährded sah und pleite war auf seinen Wunsch hingefahren. Weil ich die Verantwortung für sein Leben nicht übernehmen konnte. Zudem hätte ich mich bei seinem Tod strafbar gemacht, was ich jetzt ganz untergeordnet sehe.
Denn die Verantwortung, die man fühlt, wiegt viel schwerer.

Daher bitte ich persönlich dich wirklich sehr, solche Aussagen nicht mehr zu machen, auch wenn ich gut verstehen kann, dass sie Ausdruck deiner Verzweiflung sind.

Aber wie dem auch sei. Ich freue ich mich sehr, dass Du dich meldest.
Habe mich vorhin übrigens gefragt, ob das http://www.symptome.ch/vbboard/koenn...ung-sucht.html was für dich sein könnte.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Geändert von nicht der papa (11.05.10 um 00:29 Uhr)

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silberpfeil ist offline
Beiträge: 219
Seit: 04.03.09
Hallo,

schön das OH sich gemeldet hat. Lasse Hilfe zu, egal welche Art.Ich freue mich aber erstmal, dass du dich gemeldest hast.

@Zitrone

kannst du dich noch erinnern, wie deine Mutter von euch , gerade aber von deinem Vater nach den Selbstmordversuchen behandelt wurde. Welche Extreme haben da den Auslöser gebracht??
Du scheinst ganz viel Wut in Dir zu haben, bezgl. Thema Selbstmordversuch der eigener Mutter.
Ich selber habe von Einigen als erstes nur zu hören bekommen: Sag mal, hast du nicht an deine Kinder gedacht!!!! Das war wie eine nächste Ladung Tavor, nur in Worteform....Keine Frage, was,wie wo ist dein Problem..Was da Einige gedacht haben, ist ganz gut, das ich es nie erfahren habe...
Wenn man sich dann als Kranker ( egal was man hat) nicht verstanden fühlt, dann schweigt man .......

Aber wie gesagt, dieses ist ein Heikeles Thema, von Jedem anders diskutierbar.

@ Allgemein gesagt
Urteile nie über Etwas oder über einen, in dessen Schuhe Du noch nie gelaufen bist....

LG Silberpfeil
__________________
Je mühsamer ein weg war, desto schöner ist das Gefühl am Ziel angekommen zu sein


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