20 Jahre krank, kein Befund

05.03.08 18:01 #1
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20 Jahre krank, kein Befund
Das Edom
Psychiatrien/Psychotherapien können denen helfen die Probleme mit der Psyche haben. Die habe ich, die hast du und die hat ausnahmslos JEDER der wegen seiner unzähligen Beschwerden jahrelang von Arzt zu Arzt rennt und von diesen nicht für voll genommen wird.
Ich hab 2009 eine kognitive Verhaltenstherapie gemacht und wurde allein durch die Gespräche mit dem Therapeuten viel selbstsicherer und auch lockerer. Das ändert aber nichts daran dass ich trotzdem alle paar Stunden was essen muss weil ich sonst unterzuckerartige Probleme bekomme, nicht sehr belastbar bin und jeden Sommer bei Hitze nicht aus dem Haus kann. Und da helfen leider keine Psycho-Pillen von denen man aufgeht wie ein Hefekloß und mit den Zähnen knirscht. Bei mir hilft das medikamentöse "ruhig stellen" nicht, was die Ärzte halt anvisieren wenn sie einen entnervt auf die Psycho-Schiene schieben.
Deren "Stempel" hab ich mir auch geben lassen, das ist immer noch besser als irgendwann pleite, obdachlos und ohne Versicherung in der Gosse zu liegen.

Geändert von Das Edom (28.03.11 um 21:01 Uhr)

20 Jahre krank, kein Befund

fak2411 ist offline
Themenstarter Beiträge: 791
Seit: 18.02.08
Hi Edom.
Klingt zwar alles etwas hart, aber da ist schon was dran.
Eine gewisse taktische Vorgehensweise ist schon hilfreich.

Bei der Psychologie ist es halt wie bei anderen Sachen im Leben eines Menschen.
Es ist anstrengend und Schwäche zeigen ist auch nicht so einfach.

Grüsse

20 Jahre krank, kein Befund
Das Edom
Zitat von fak2411 Beitrag anzeigen
Hi Edom.
Klingt zwar alles etwas hart, aber da ist schon was dran.
Eine gewisse taktische Vorgehensweise ist schon hilfreich.

Bei der Psychologie ist es halt wie bei anderen Sachen im Leben eines Menschen.
Es ist anstrengend und Schwäche zeigen ist auch nicht so einfach.

Grüsse
Hallo Frank,

sehr gut ist dass du durch die Therapie scheinbar eine ganz andere Sichtweise entwickelt hast, bezogen auf deine Problematik, die Menschen und dem Leben gegenüber.
Du wirst sicher noch einige Rückschläge erleben (wie jeder), aber anders damit umgehen. Von daher hast du eine sehr große "Qualifizierung" erworben.

Alles Gute!

20 Jahre krank, kein Befund

Crizei ist offline
Beiträge: 368
Seit: 29.03.08
Zitat von fak2411 Beitrag anzeigen

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.. und Schwäche zeigen ist auch nicht so einfach.

Grüsse
Hm...ist es wirklich Schwäche, Schwächen zuzugeben? Doch eher wohl besondere Stärke zu sich selbst zu stehen!

Liebe Grüße!

20 Jahre krank, kein Befund

fak2411 ist offline
Themenstarter Beiträge: 791
Seit: 18.02.08
Ich meine, es ist leichter zu sagen, ich habe eine Entzündung oder ähnliches, als sich und anderen einzugestehen, das es psychisch ist.
Psychisch wäre die Schwäche, ist leider so, zickfach bestätigt.
Gruß

20 Jahre krank, kein Befund
Das Edom
Ich hab mir nun schon 12 Jahre lang immer wieder eingeredet "ist alles nur psychisch" wenn es mir mal gut ging. Aber wenn dann Symptome kommen die sich nur schwer der Psychosomatik zuordnen lassen fällt es mir schwer daran zu glauben. Z. B. wenn ich im Hochsommer Urtikaria bekomme und froh bin wenn ich noch rechtzeitig Cetirizin Hexal einschmeissen kann damit sie sich nicht auf dem Hals ausbreitet.
Ich bestreite gar nicht dass vielleicht 80% meiner Beschwerden psychosomatisch sind (eine Soziale Phobie habe ich auf jeden Fall), aber da ist halt noch etwas und keiner macht sich die Mühe dem wirklich nachzugehen. Ich klage auch gar nicht mehr, es bringt ja nix...

Grüße.

Geändert von Das Edom (29.03.11 um 16:42 Uhr)

20 Jahre krank, kein Befund

Lebensfreude ist offline
Beiträge: 323
Seit: 05.03.10
Zitat von Crizei Beitrag anzeigen
Und würdest du bitte erklären was an Parkinson, MS, u.ä.. so schlimm für dich ist? Ich würde gerne verstehen, was der Grund ist, warum du damit nicht leben könntest.
Bei Parkinson oder MS hat man einen unglaublich langen Leidensweg vor sich, bevor man letztendlich stirbt. Der Leidensweg beträgt meistens 10-20 Jahre - das ist unglaublich lange. Irgendwann kann man sich nicht mehr bewegen, dass finde ich furchtbar. Irgendwann kann man nicht mehr schlucken, nicht mehr atmen, usw.
Es ist verdammt quallvoll, und leider auch eine verdammt lange Zeitspanne, bis man sterben darf.
20 quallvolle Jahre habe ich bereits hinter mir. Ich weiss wie sich ein MS-Kranker fühlen muss.
Hätte ich tatsächlich MS, dann wären meine Beschwerden nur die Spitze des Eisbergs. Dann hätte ich noch quallvollere Jahre vor mir.

Davor habe ich echt keine Lust. Sollte irgendwann tatsächlich eine dieser Krankheiten diagnostiziert werden, oder sollte ich meine Mobilität verlieren (die Tendenz geht ganz klar Richtung Rollstuhl), dann werde ich mir das Leben nehmen.

Ich habe darauf keine Lust.

Meine Familie (2 Kleinkinder) würde das hart treffen. Irgendwann ist es aber genug!

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nana ist offline
Beiträge: 1.424
Seit: 04.07.10
das was du schreibst ist sehr bestürzend- jedoch kann ich verstehen, dass du so denkst...
ich hoffe sehr, dass es nicht soweit kommt... und hoffe, dass du bei der hochzeit deiner kinder dabei bist, das du dich irgendwann freust, wenn deine enkel zu besuch kommen....

ein beispiel, was mir zeigt das man nie aufgeben sollte ist samuel, der bei wetten dass so dramatisch aus seinem leben gerissen wurde...zitat: "Ich lauf hier raus!"

liebe ohne hoffnung- ich hoffe sehr, dass deine beschwerden besser werden...

lg
nana
__________________
"Nichts lockt die Fröhlichkeit mehr an als die Lebenslust." (Ernst Ferstl)

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Thomas1 ist offline
Beiträge: 23
Seit: 16.11.10
hallo fak2411
wollte auch nur mal sagen das ich deine geschichte schon lange mit verfolge und auch an der fortsetzung interessiert bin also bitte weiter machen
ich sehe da auch immer parallelen zu meiner geschichte

du fragtest mal nach einem buch das dein befinden beschreibt

ich hab da zwar einen tipp auch wenn es nicht komplett dein befinden beschreibt da sich das buch weniger mit den symptomen auseinander setzt sondern mit der angst selbst aber es war für mich trotzdem sehr hilfreich

das würde ich dann auch dir "ohnehoffnung" ans herz legen da sich das bei dir nach meiner laienhaften meinung auch stark nach einer angst störung anhört
mir hat es auf jedenfall ein stück weiter geholfen und mir die augen geöffnet

gruss thomas

lucinda bassett - angstfrei leben :isbn 978-3-407-22819-2

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Crizei ist offline
Beiträge: 368
Seit: 29.03.08
Zitat von OhneHoffnung Beitrag anzeigen
.. langen Leidensweg vor sich, bevor man letztendlich stirbt... Der Leidensweg beträgt meistens 10-20 Jahre. Irgendwann kann man sich nicht mehr bewegen, dass finde ich furchtbar. Irgendwann kann man nicht mehr schlucken, ....Ich habe darauf keine Lust.
!
Hallo OH,

aber wer sagt denn, dass es tatsächlich so arg werden würde, wie es du dir ausmalst?

Ich lebe seit mehr als 25 Jahren mit einer MS-ähnlichen Erkrankung, Symptome so, dass MS immer wieder in Erwägung gezogen wurde. In meinem Behindertenpaß steht: 90 %, aber so fühle ich mich schon lange nicht mehr.

Obwohl die Beschwerden sich von leicht bis stark im Laufe der Jahre verändert haben, ich vieles, vieles nicht mehr machen kann, was ich gern hatte, habe ich anderes gefunden, was mir ebensolche Freude macht.. So sehr, dass ich wünschte, der Tag hätte mindestens 50 Stunden. So viel Lohnendes, Hilfreiches, Interessantes kann ich jetzt einbeziehen, wofür ich früher nie Zeit hatte.

Die schweren Beine mit Muskelschwäche ist schon lange Vergangenheit, vieles andere wird immer besser. Und Einkaufen mit einem Gehwagen ist viel angenehmer, wenn man zu Fuß in der Umgebung einkaufen kann. Und die schweren Taschen nicht zu tragen braucht. Ich kann noch immer Auto fahren, mein Gehwagerl hinten einladen. Bin mobil und an vielen Örtlichkeiten gibt’s Behinderten-Parkplatze, also eine schöne Erleichterung.

Und an meiner fortschreitend-degenerativen Krankheit werde ich nicht sterben. Denn allein meine Gedanken und Erwartungen, meine Einstellung machen’s aus. Mein Naturell ist leider nicht „leicht“ sondern eher schwermütig. Ich bin immer mal in ein tiefes Loch gefallen, und mich mit viel Mühe wieder herausgeholt. Ich kenne Burnout, Depressionen, Panik-Attacken, familiäre und behördliche Hindernisse.

Meine MS-Freundin konnte aus ihrer desolaten Ehe davonlaufen (Symbolik Beine!), seit ihrer neuen Liebe sind die Lähmungserscheinungen in den Beinen nicht mehr schlechter geworden, sie hat auch keine Schübe mehr. Bei einem Nachbarn mit MS-Diagnose merkt man von Lähmungen überhaupt nicht mehr.

Bei einem Verwandten meines Mannes wird sein Parkinson immer schlechter, m.M. weil er von seinem Denk-Verhalten nicht wegkommt, immer negativer wird in seiner Einstellung.

Jeder zieht das an wovor er sich fürchtet! Das ist meine aus Erfahrung geborene Überzeugung.

Vieles, vieles könnte ich noch schreiben.

Liebe Grüße!


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