Entzug von Benzodiazepin erfolgreich beendet

05.04.12 18:04 #1
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Entzug von Benzodiazepin erfolgreich beendet

Lisbeth S ist offline
Beiträge: 29
Seit: 01.06.12
Hallo,

habe mir alles durchgelesen, und finde es bewundernswert, wie ihr das durchgezogen habt, trotz aller Hochs und Tiefs- ihr seid clean!!!

Da das auch mein Ziel ist, würde ich mich gern einklinken, wenn ich darf.
Kurz zu mir: ich bin 35, und nehme mein halbes Leben lang Drogen und/oder Medikamente. Letztes Jahr habe ich zuhause Anfang des Jahres einen Heroin- und Ende des Jahres einen Methadonentzug geschafft. Die Jahre zuvor war ich schwerst abhängig von Tramadol (starkes Schmerzmittel), was mir bei Überdosierung einige Krampfanfälle beschert hat- vom letzten habe ich eine 6cm-Narbe überm Auge zurückbehalten, seitdem bin ich fertig mit dem Zeug.

Aber nach meinem Methaentzug bin ich zum Jahreswechsel wieder auf die Benzos gekommen (ist nicht das erste Mal in meiner Suchtgeschichte, hab vor einigen Jahren schonmal drei Monate Benzoentzug gemacht, damals von Bromazepam). Jetzt bin ich auf Tavor. Und, weil halt auch mein Körper durch die Sucht leider einiges gewöhnt ist, bin zum Schluss auf einer Tagesdosis von 15-20mg gewesen (und habe damit meinen Alltag durchgezogen!). Natürlich hatte ich in den letzten Monaten immer mal versucht, aufzuhören. Was mit Rückfällen und weiterer Dosissteigerung geendet hat.

Bis ich mir am 15.5. gesagt habe, dass es so nicht weitergehen kann, und zu einem Arzt gegangen bin, mit dem ich den Entzug ambulant durchführen will (ich kann hier zuhause grad nicht weg). Ich möchte gerne so schnell wie möglich runter von dem Zeug, weil ich bisher nie die Disziplin zum ausschleichen hatte. Aber wir gehen natürlich langsam, Schritt für Schritt. Ich habe schon mehr reduziert, als ich sollte. Wir sind bei 15mg gestartet, und ich bin jetzt freiwillig schon bei 8!! Bisher gehts auch echt noch, bin zwar depressiv und antriebslos, oft sehr müde, aber nichts gegen das, was ich mit Benzos schon erlebt habe- und wohl noch erleben werde.

Vielleicht motiviert es mich, hier zu schreiben, wie es weitergeht, gerade weil hier schon Leute sind, die es geschafft haben, auf Null zu kommen. Ich bin so stolz auf meine 8mg- aber hey- es sind 8 MG !!! Immernoch wahnsinnig zuviel.

Aber ich arbeite daran

Liebe Grüße

Lisbeth

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Ben Diaz ist offline
Themenstarter Beiträge: 227
Seit: 12.03.12
Hallo Lisbeth, es berührt mich, wenn ich lese, dass mit deinem jungen Alter bereits ein halbes Leben mit Drogen zu tun hattest. Ich denke, du hast da schon sehr viel durchgemacht. Ich habe keine Ahnung, wie ein Heroin-Entzug bzw. Metha-Entzug verläuft, aber in Sachen Benzo kann ich dir meine Erfahrungswerte mitteilen. Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Entzug ist meines Erachtens, dass du freiwillig aus tiefer Überzeugung davon loskommen willst, was du wohl auch willst. Dein Bezug zu diesem Teufelszeug ist sehr wichtig! Dir sollte klar sein, und das nicht nur intellektuell, sondern auch aus tiefer Überzeugung, dass dieses Zeug dir dein Leben wegnimmt, es ist in keinster Weise eine Hilfe. Es übernimmt die Steuerung für dich, es ist verantwortlich für unzählige schöne Momente in deinem Leben, die du durch dieses Zeug nicht erleben konntest. Es sollte dir klar sein, dass du Geduld brauchst, viel Geduld. Wenn du zu schnell reduzierst, dann besteht die Gefahr eines Rebound-Syndroms, was ich vor ca. 1 Jahr und 4 Monaten selbst erlebt hatte. Panikattacke bei einer Besprechung, ich habe über ein halbes Jahr gebraucht, bis ich meinem Kopf und meinem Körper wieder einigermaßen vertraut habe. Es sollte dir auch klar sein, warum du Drogen bzw. Medikamente genommen hast, dies ist wichtig, dass du weisst, was du an deiner Denkweise, an deinen Ansichten, an deinem Leben verändern musst, damit nicht wieder in diese "Horror-Endlosschleife" gerätst. Bei dieser großen Menge an Benzo ist es sicherlich wichtig, dass du eine sehr gute ärztliche Betreuung hast. Ich wünsche dir viel Kraft und, wie erwähnt, vieeel Geduld, außerdem den Mut die vielen schwierigen Momente durchzustehen! Ich wünsche dir die Überzeugung, dass du das Zeug loswerden willst, damit du dein Leben endlich selbst steuern kannst! Liebe Grüße BEN
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Willst du andere Gedanken, so musst du dein Gefühl beeinflussen, damit es sich verändert!

Bei Drogensucht kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich aufhören möchte, Drogen zu konsumieren, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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Lisbeth S ist offline
Beiträge: 29
Seit: 01.06.12
Hallo und vielen lieben Dank für Deine schnelle Antwort!

Hihi, "junges Alter", das hab ich auch schon länger nicht mehr gehört

Du triffst es mit Deinen Aussagen genau auf den Punkt, daran merkt man Deine Erfahrung mit dem Zeug. Aber vieles, was Du schreibst, ist eben genau mein Problem. IM MOMENT habe ich diese tiefe Überzeugung, dass ich das Tavor in meinem Leben nicht mehr haben will. Zuviele Filmrisse, zuviel Abstumpfung, und an so große Mengen ranzukommen war permanenter Stress, und immer die Angst, es klappt mal nicht. Aber ich hatte schon öfter im Leben solche MOMENTE. Das ging dann eine Weile gut, ich war paar Monate clean, und mir ging es oft auch echt ganz gut- da verlor ich regelmäßig wieder den Respekt vor dem Zeug, und dachte, och, machste Dir mal nen schönen Abend....wieder abhängig werden wollte ich natürlich nie. Aber jedes verdammte neue Mal denke ich, ich kriege den kontrollierten Konsum hin, obwohl mein Intellekt weiß, dass das, zumindest nach so einer Suchtkarriere, einfach nicht geht. Ein Arzt hat mal gesagt "Ein bisschen Heroin gibts nicht"- und das kann man gut übertragen, finde ich. Das "bisschen Heroin" habe ich sogar geschafft dieses Jahr, nur an zwei, drei Wochenenden mal- aber klar, ich hab mich ansonsten ja auch mit dem Tavor zugedröhnt.

Ich glaube, meine Persönlichkeit hat sich nach den vielen Suchtjahren einfach verändert. Ich bin nicht mehr so straight und klar, wie ich früher mal war. Dazu habe ich mich und andere einfach schon zu oft belogen.

Dazu kommen noch ein paar psychische "Defekte" , ach, wollte ich mich beschreiben, ich müsste wohl einen Roman schreiben. Ich bin ein Mensch mit zwei Gesichtern, und spiele beide Rollen (fast) perfekt. Die gute, erfolgreiche, brave, und die "böse", süchtige, krasse. Was sicherlich mit meiner Borderlinestörung zusammenhängt, wie vieles andere auch. Auch die Sucht. Da ist die Frage nach Henne und Ei. Dazu kommen ein paar schwere Depressionen, eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung.....aber wer mich nur "von außen" kennt, würde das niemals denken.

Und der dunkle Anteil in mir hat verdammt viel Macht. War ich zu lange "gut und brav", kommt die Suche nach einem neuen Kick fast unweigerlich. Und ich habe viel probiert- aber noch keinen Ausgleich gefunden, der mir nicht schadet.

Jetzt hör ich aber auf, Dich/Euch vollzutexten, gerade kommt nur noch dazu, dass ich wegen einer Knieverletzung krankgeschrieben bin, und mir langweilig ist (was ich sonst von mir nicht kenne, liegt sicher am Benzoentzug). Also ich werde ansonsten natürlich auch schreiben, aber vielleicht nicht mehr so viel

LG Lisbeth

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Ben Diaz ist offline
Themenstarter Beiträge: 227
Seit: 12.03.12
Liebe Lisbeth, ich denke nicht, dass du jemanden zutextest. Ich denke, jeder, der mit solchen Mitteln zu tun hat, hatte einmal einen Grund, dass es dazu gekommen ist. Meist haben die Gründe mit Ängsten, innerer Unruhe oder ähnliches zu tun. Ich kann von mir sagen, dass ich in meiner Vergangenheit auch sehr viele dunkle "Mächte" in mir hatte und teils noch habe. Ich habe natürlich auch ein gewisses Doppelleben geführt, wobei ich nicht den Druck hatte das Benzo "schwarz" zu besorgen, da ich zum Glück keine Toleranzentwicklung hatte oder ich zumindest den Konsum innerhalb der 12 Jahre nie wirklich viel gesteigert hätte. Trotzdem musste ich lernen, dass die intelligente Entscheidung nur die sein kann, die mich mein Leben wieder selbst bestimmen lässt und dies ist nunmal nur ohne Benzo möglich. Trotzdem konnte ich im ersten Jahr die Menge des Diazepam nicht wirklich groß reduzieren, aber mittels guten Büchern, einer super ärztlichen Begleitung und einen Psychotherapie konnte ich an meinem Denken und Handeln arbeiten. Heute habe ich das Bewusstsein, dass man negative Erlebnisse nicht verhindern kann, man muss dies akzeptieren und best möglich damit umgehen. Ich weiss, dass man sein Handeln nur ändern kann, wenn man theoretisches Wissen verinnerlicht und genau in diesen schwierigen Momenten, in denen es fast nicht möglich ist, aber genau dann, muss man das "neue" Handeln anwenden - genau dann, wenn es an schwierigsten ist. Man braucht eine Menge Überzeugung und Disziplin. Außerdem ist es absolut wichtig einen Alltag zu schaffen, der mit der Zeit Spass macht und die Bedürfnisse befriedigt. All das braucht Zeit, vor allem wenn das Gefühlsleben aktuell auf die theoretisch schönen Dinge gar nicht mehr anspricht. Aber wenn du den für dich richtigen Weg findest und einen festen Glauben hast, dann wird sich mit der Zeit dein Gefühlsleben positiv verändern. ABER man braucht viel Geduld!!! Auch beim Reduzieren, mache es nicht zu schnell, lieber langsamer, aber dafür zum aushalten und einer reduzierten Gefahr eines Rückfalls bzw. eines Rebound-Syndroms.
Ich will dir nicht erzählen, wie du dein Leben zurück bekommst, jeder muss sein eigenes Tempo und seinen eigenen Weg finden, aber ich wollte dir kurz aufzeigen, worauf es bei meinem Weg ankommt, der bestimmt noch einige Zeit zur Stabilisierung braucht. Liebe Grüße BEN
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Lisbeth S ist offline
Beiträge: 29
Seit: 01.06.12
Ach Ben, ich kann das immer gar nicht verstehen, so Leute mit einer Niedrigdosis-abhängigkeit. Klar sind wir beide süchtig- aber auf eine ganz andere Art, nicht nur andere Gründe, auch anderes Verhalten.

Was glaubst Du, wie viele Psycho-Bücher in meinem Regal stehen, krankheits-spezifische und allgemeine....und ich lese sie, gewinne Erkenntnisse, finde gewisse Gedankengänge toll- und doch verinnerliche ich das alles nicht.

Ich bin in Psychotherapie, war auch schon mehrfach stationär. Ich bin in einem speziellen Therapieprogramm was sich DBT (dialektisch behaviorale Therapie) nennt, und besonders für Borderline, neuerdings wohl auch für Suchtpatienten angewendet wird. Dieses Therapieprogramm will unter gewissen Voraussetzungen alternative Fertigkeiten vermitteln, mit Krisen umzugehen usw., vermischt mit Achtsamkeitstraining aus dem Zen und einigem mehr. Diese Gruppentherapie hab ich seit ungefähr zwei Jahren wöchentlich. Aber auch das habe ich erst in Ansätzen verinnerlicht, obwohl ich mich nicht als intellektuell minderbemittelt einschätze.

Dazu die darauf abgestimmte Einzeltherapie. Aber ich musste schon öfters hören, ob ich denn wirklich aufhören WILL? Die Therapeuten finden bei mir immer wieder eine Hintertür, und die ist wirklich vorhanden, auch wenn ich in motivierten Zeiten, so wie jetzt, denke, dass ich die Kraft habe, sie zu verschließen.

Ich habe meine Therapeuten schon öfter angelogen, wenn ich Suchtrückfälle hatte, weil ich dann aus dem Programm fliege, was mir, wenn auch langsam, doch hilft. Da gehen die halt leider sehr streng vor (ist sicher richtig, wobei ich finde, das Rückfall zur Krankheit gehört). Von meinem aktuellen Tavorkonsum weiß die Thera auch nichts. Aber ich muss in unregelmäßigen Abständen UK´s machen. Wenn da Benzos drin sind, ist das gar nicht gut. Aus dieser Angst heraus will ich so schnell wie möglich runter (und aus der Angst, meine Disziplin verlieren zu können und die Schachtel in meiner Schreibtischschublade in drei Tagen zu leeren).

Aber ich hab natürlich sehr viel Angst vor den Entzugserscheinungen, vor allem psychisch hauts mich dann nochmal richtig runter. Und die Müdigkeit und antriebslosigkeit machts mir schwer, meinen ziemlich straffen Alltag durchzuziehen.

Momentan gehts echt. Bin gespannt, bis zu welcher Dosis es auch so bleibt.....

Liebe Grüße

Liz

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Lisbeth S ist offline
Beiträge: 29
Seit: 01.06.12
uiiii mein Benutzerbild ist da

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Ben Diaz ist offline
Themenstarter Beiträge: 227
Seit: 12.03.12
Liebe Liz, ehrlich gesagt, weiss ich moment nicht was ich dir raten könnte!? Du hast wirklich schon echt viel hinter dir, da sind meine Probleme doch wohl eher klein. Wie du geschrieben hast, hast du echt schon viele verschiedene Richtungen probiert. Aber eins musst du irgendwann verinnerlichen: Du musst das Zeug dauerhaft loswerden, sonst kannst du deine anderen Probleme nicht in den Griff bekommen. Wenn du dies verinnerlichen kannst, spielt die Zeit, die du dafür brauchst keine große Rolle. Ich habe für mich gelernt, dass das Wort GEDULD für unser einen eine ganz andere Tragweite hat. Wenn wir von Tag zu Tag schauen oder gar von Woche zu Woche, dann sehen wir nicht wirklich einen großen Unterschied, wenn wir das "Zeug" verringert haben bzw. ganz los sind, im Gegenteil, zuerst wird es ja noch schlimmer, aber dann kam zumindest bei mir der Zeitpunkt, wo ich Fortschritte gesehen habe, die aber auch nur, wenn ich teils mehrere Wochen rückblicke. Für mich lag der Schlüssel zur Veränderung im Bezug zu dem Benzo und im Bezug zu mir selbst und zum Tod. Liebe Grüße BEN
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Lisbeth S ist offline
Beiträge: 29
Seit: 01.06.12
Hi nochmal,
viel raten kannst Du mir da natürlich nicht- das "erwarte" ich auch gar nicht. Ich dachte nur, hier wären einige Betroffene, die gerade am absetzen sind oder es gerade geschafft haben, und die sich etwas Mut zusprechen können, wenns mal hakt. Oder wenn man mal ne Frage hat, die einem nur ein Konsument beantworten kann. (oder, ja ich gebs zu, wenn man auch mal einfach ein bisschen bemitleidet werden will ). Und vor allem, wo ich meine Fortschritte reinschreiben kann. Ich führe schon eine Liste darüber, die ich mir oft anschaue, aber so ein Forum ist natürlich was anderes. Und den Bezug zu mir selbst....den such ich derweil noch
Liebe Grüße
Liz

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Schoggitortemitrahm
Ich denk du bist weniger Hirnkrank als du selbst von dir denkst, sonst könntest du nicht so schreiben. Vielleicht ein bissl sensibel, ok.

Ich wünsche dir viel

lg

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Lisbeth S ist offline
Beiträge: 29
Seit: 01.06.12
hehe ich lasse nur erstmal meine gute und kluge Seite raus, aber wart mal ab!!


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