Psychiatriegeschädigte

31.05.11 10:45 #1
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Psychiatriegeschädigte

Lilie ist offline
Beiträge: 257
Seit: 19.03.08
Hallo Anneke,

wenn ich mir die Links und Videos so ansehe, dann geht es hier eher um Menschen die durch voreilige oder unzureichende Diagnosen in der Psychiatrie gelandet sind (und dort teilweise monate- oder jahrelang festgehalten wurden) und nicht um Menschen, die eigewiesen wurden, weil bei ihnen eine ernsthafte Eigen- oder Fremdgefärdung (also starke Auto-Aggresivität/Suizidalität oder Aggresivität) vorlag. Also kurz, es geht um Menschen bei denen die Einweisung eigentlich keine rechliche Grundlage hat. Die ersten 3 Beispiele, die du anführst, sind etwas völlig anderes und bei den anderen beiden würde ich sagen, dass man erstmal gucken müsste, was dahinter steckt.

Es ist gut, wenn die Rechte Betroffener gestärkt werden und auch die Diskussion dazu finde ich wichtig. Was mir jedoch nicht gefällt, ist der Hass und die Arroganz Betroffener, mit denen diese Debatten geführt werden.
Ich finde es normal, dass Menschen, denen Unrecht wiederfahren ist, wütend sind auf jene, die damit zutun haben. Übertriebene Wut bzw. Hass oder Arroganz konnte ich hier jedoch nicht entdecken, meiner Meinung nach sind die Schilderungen für das, was die Leute erlebt haben, doch relativ sachlich gehalten. In vielen Fällen entsteht nach schlimmen Erfahrungen, wie man in dem letzten Video gesehen hat, zudem noch etwas ganz anderes (dass mit Hass und Arroganz nun nicht das Geringste zutun hat), nämlich Angst, Angst vor Psychiatern und Ärzten (oder Polizisten). Diese Angst kann das ganzes Leben negativ beeinflussen.

Darf ich fragen, was du beruflich mit diesem Thema zutun hast?


Donau

Geändert von Lilie (05.06.11 um 22:36 Uhr)

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Die ersten 3 Beispiele, die du anführst, sind etwas völlig anderes
und auch bei diesen bezweifle ich absolut, dass Krankheit das Recht gibt sämtliche Grundrechte ausser Kraft zu setzen, Menschen u.U. lebenslang zu traumatisieren, aufgrund irgendwelcher Psychotheorien (Therapien gibt es da nicht) mit wahnsinnig hohen Dosen an verbilligt zur Verfügung gestellten schädlichen Psychopharmaka u.U. lebenslang zu schädigen, für Tage ans Bett zu fixieren das sie Monate lang Rückenschmerzen haben und von Ärzten behandeln zu lassen, die fast wöchentlich wechseln und absolut keinen Plan haben, was sie eigentlich tun.

Wer sich so die Hilfe im Ernstfall vorstellt. Also ich weiss ja nicht.
So dürfte man wohl nicht mal einen mehrfachen Mörder im Knast behandeln.

Dein interessanter Link besagt
Es gilt auch das gleiche, was ich bereits bei der Vorsorgevollmacht gesagt habe: Man sollte nicht glauben, dass man sich mit der Benennung eines Bevollmächtigten vor eventuellen Irrtümern oder vor Willkür der Psychiatrie oder eines Heimes vollständig schützen kann! Zwar dürfen einerseits die Psychiatrie oder das Altenheim gegen den Willen des Bevollmächtigten keine Entscheidungen treffen und durchsetzen, aber andererseits gilt: Das Betreuungsgericht kann den Bevollmächtigten ganz einfach entmachten. Denn wenn ein Bevollmächtigter gegen eine Maßnahme ist, die das Gericht für notwendig hält, kann es einen Betreuer bestellen, der die Vorsorgevollmacht schlichtweg widerruft – und der Bevollmächtigte hat nichts mehr zu sagen. Anschließend kann der neue Betreuer die vorgesehenen Maßnahmen einleiten.
Und die Theorien der Psychiatrie zu Schizophrenie, Psychosen etc. kann man sehr wohl bezweifeln. Insbesondere wenn man die diversen Erfolgsgeschichten durch andere Massnahmen als Psychopharmaka liest.

Dazu habe ich auch bereits den Bericht eines Profs. gesehen, der sein Leben lang mit Schizophrenen arbeitet und eindeutig sagte, dass man mit Psychopharmaka nur den gesamten Menschen ruhig stellen könnte, aber weder eine Psychose verhindern noch auch nur verkürzen könnte. Und dass es in der Psychiatrie kein Mittel gäbe, dass da hilft. Man wisse eigentlich gar nichts.

Es gab auch mal eine grosse Expertenrunde aus lauter Prof., Sonntags morgens im TV, die alle sagten das Psychopharmaka nichts anderes als Bomben im Gehirn sind, die das gesamte Hirn lahm legen. Man könne den Unsinn von wegen selektiv getrost vergessen.
__________________
Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

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Zahira ist offline
Themenstarter Beiträge: 886
Seit: 25.10.08
ich möchte mit meinem beitrag jetzt nur donau und nicht der papa unterstützen weil sie im grunde das schreiben was ich so jetzt nicht formulieren konnte und ja jetzt gar nicht mehr muss

also :

AGREE

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Lilie ist offline
Beiträge: 257
Seit: 19.03.08
Danke Zahira.

vielleicht haben ja noch mehr Menschen mit Psychiatrien bzw. (Zwangs-)Einweisungen/Medikationen Erfahrungen gemacht, die sie hier schreiben möchten. Eigentlich wäre es gut, wenn es für solche Erfahrungen eine Art geschütztes Forum geben würde, in dem man frei schreiben könnte, da ja doch das Meiste zu persönlich ist, um es so offen zu posten.

LG
Donau

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tellerrand ist offline
Beiträge: 712
Seit: 10.11.10
Ich war vor einem halben Jahr kurz davor in die Psychiatrie zu kommen. Antidepressiva haben nichts gebracht. Nach jetzt 6 wöchiger Behandlung mit NEMs bin ich heilfroh das ich alles dafür getan habe nicht in die Psychiatrie zu müssen. Wenn die Psychiatrie sich um Heilung kümmern würde anstatt auf Ruhigstellung hätte sie ein ganz anderes Bild. Bei einer Therapie die auf Heilung aus ist sind kurzfristige Einsätze von PSychopharmaka meiner Meinung nach in manchen Fällen sinnvoll. Aber das ist nicht zu vergleichen mit dem was momentan abgeht. Als Begrüßungscocktail gibts bei fast allen Psychiatrien erstmal 40mg ssri.

Geändert von tellerrand (06.06.11 um 00:04 Uhr)

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Zahira ist offline
Themenstarter Beiträge: 886
Seit: 25.10.08
ich möchte noch einen link anhängen der wie ich finde AUCH hierhin gehört:

http://www.mut-zum-anderssein.de/PDF...kaWhitaker.pdf

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Ivin ist offline
Beiträge: 42
Seit: 09.02.11
Hallo, ihr Lieben

wie Donau anmerkte, wäre mir ein geschützter Bereich angenehmer, um darüber zu posten, dennoch möchte ich zum Thema etwas anmerken. Auch ich habe zahlreiche Psychiatrieaufenthalte hinter mir und zwar jedes Mal mit Zwangsmedikation, tagelangen Fixierungen und ohne jegliche Rechte. Und auch wenn das für einige nicht vorstellbar scheint- ich habe noch nie irgendeine Form von Gewalt gegen andere oder mich angewandt. Ich habe Anfang der 90er einen Diagnosestempel aufgedrückt bekommen, der nicht hinterfragt wurde, sondern es mehrten sich immer weitere Diagnosen. Bereits als 16 jährige haben meine Eltern von Ärzten die Info erhalten, dass ich ein zu 100% Pflegefall sei, in eine betreute Einrichtung gehöre und nie in der Lage sein würde ein eigenständiges Leben zu führen. Es kam anders - heute habe ich eine abgeschlossene Ausbildung, bin grade dabei mein Studium zu beenden, lebe allein und finanziere mich zu 100% selbst...deswegen möchte ich allen Mut machen, nicht aufzugeben..
Herzlichen Gruß,
Ivin

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Zahira ist offline
Themenstarter Beiträge: 886
Seit: 25.10.08
Zitat von Ivin Beitrag anzeigen
Hallo, ihr Lieben

wie Donau anmerkte, wäre mir ein geschützter Bereich angenehmer, um darüber zu posten, dennoch möchte ich zum Thema etwas anmerken. Auch ich habe zahlreiche Psychiatrieaufenthalte hinter mir und zwar jedes Mal mit Zwangsmedikation, tagelangen Fixierungen und ohne jegliche Rechte. Und auch wenn das für einige nicht vorstellbar scheint- ich habe noch nie irgendeine Form von Gewalt gegen andere oder mich angewandt. Ich habe Anfang der 90er einen Diagnosestempel aufgedrückt bekommen, der nicht hinterfragt wurde, sondern es mehrten sich immer weitere Diagnosen. Bereits als 16 jährige haben meine Eltern von Ärzten die Info erhalten, dass ich ein zu 100% Pflegefall sei, in eine betreute Einrichtung gehöre und nie in der Lage sein würde ein eigenständiges Leben zu führen. Es kam anders - heute habe ich eine abgeschlossene Ausbildung, bin grade dabei mein Studium zu beenden, lebe allein und finanziere mich zu 100% selbst...deswegen möchte ich allen Mut machen, nicht aufzugeben..
Herzlichen Gruß,
Ivin
vielen vielen dank dafür .. erst drückte sich meine kehle zu aber dann ....
wie schön, dass du es geschafft hast.
darf ich fragen, wie alt du jetzt bist-also wie lang die diangose her ist und welche das war? gerne auch per pn.


und da ich auch donaus meinung bin: könnten wir uns nicht so einen bereich schaffen? ich kenne mich gar nicht damit aus

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Ivin ist offline
Beiträge: 42
Seit: 09.02.11
zahira, hast eine pn.

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Lilie ist offline
Beiträge: 257
Seit: 19.03.08
Hallo tellerrand,

wie schön, dass du es geschafft hast, nicht in die Psychiatrie zu müssen. Und du hast recht, es werden viel zu viele Psychopharmaka eingesetzt, eigentlich kommt man gar nicht drum herum Psychopharmaka zu nehmen. Dafür sieht es mit Gesprächen eher mau aus. Ich denke auch nicht, dass so eine Heilung bewirkt werden kann.

LG
Donau


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