Sanierungsmaßnahmen im Altbau

18.08.08 22:15 #1
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Oregano ist offline
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Ich kopiere einen Beitrag von Puistola hierher, weil ich finde, daß diese Tipps wichtig sein können:

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14.8.08
14.02 Uhr


AW: Seltsame Gelenksschmerzen, und jetzt hats auch mein Freund!
Zitat:
Zitat von Iltiss
Wir waren schon seit langem nicht mehr im Urlaub, mehr als fünf Jahre schon nicht.

Hallo Iltiss

Dann wäre es Zeit, mal zu gehen. Das wäre eine Gelegenheit, zu schauen, ob sich in einer anderen Umgebung Euere Symptome bessern. Dazu sollten 14 Tage ausreichen! Falls Ja, würde der Schimmel in der Verdachtsskala ganz nach oben rücken (wo ich ihn eh schon sehe).

Zitat:
Andere Schadstoffe die z.B. von Putzmitteln oder falsche Baustoffe kommen nicht in Frage.

Putzmittel enthalten Lösungsmittel und synthetische Duftstoffe. Die sind eh nicht gut. Verwendet Microfaser-Lappen statt Chemie, wo immer möglich, und wenn Putzmittel, dann solche ohne Duftstoffe.

Feuchte Microfaser kann Schimmelsporen derart binden, dass die Sporen drinbleiben, statt, sich, wie von Baumwollappen oder Bürsten fröhlich in der Raumluft zu verbreiten.

Schimmel ist immer an Feuchtigkeit gebunden. Putzen beseitigt zwar die Fruchtkörper an der Oberfläche, das Mycel im feuchten Baustoff drin kümmert das nicht.

Den chemiebasierten Wer-kratzt-zuerst-ab-Wettbewerb gegen den Schimmel, den ihr mit Chlor führt, habt ihr schon verloren. Ihr seid krank, der Schimmel breitet sich zusammen mit der Feuchtigkeit fröhlich aus.

Baustoffe: Wenn ihr selbst renoviert habt, wisst ihr ja, welche Baustoffe verwendet worden sind. Spanplatten und andere Holzwerkstoffe sind neben Schimmel die Hauptursache für das "Sick Building Syndrome", auf das ich hier mal tippe.
Es geht aber nicht nur um das "Was wurde verbaut", sondern "wie wurden die Baustoffe angewendet".
Das betrifft vor allem Wärmedämmungen die, an der Innenseite von Wänden und Decken angebracht, klassische Schimmelfallen sind. Besonders gefährlich sind auch jede Art von Folien, die an Wänden, Decken auf der kalten Seite angebracht werden.
Dabei ist es ziemlich egal, wo im Haus der Schimmel auftritt: Die hochallergenen Sporen werden von der zirkulierenden Raumluft in alle Ecken getragen, vor allem natürlich von unten nach oben mit dem Wärmeauftrieb innerhalb des Hauses.


Damit ist die Zielrichtung der Sanierung eueres Hauses schon angezeigt (Die ist fällig, ob Euere Beschwerden auf den Schimmel zurückgehen oder nicht. Wenn nicht, kommt das noch!)

Trockenlegen!

Dazu gibt es zu klären, woher die Feuchtigkeit kommt:

Der einfachste Fall ist Wasser durch das Dach: Da zahlt die Gebäude-Versicherung den Wasserschaden im Innern, und ihr müsst eben das Dach in Ordnung bringen.

Schwieriger ist aufsteigende Feuchtigkeit aus den Fundamenten, was ich aufgrund des Befalles des Kellers vermute:
Die Fundamente aussen freilegen und mit einer Beschichtung oder Folie gegen eindringende Feuchtigkeit isolieren. Falls erlaubt bei Euch, eine Sickerleitung rings um das Haus legen auf Fundamenthöhe. Steigt die Feuchtigkeit kapillar aus der Fundamentsohle auf, muss dieser Weg gesperrt werden, durch Injektionen von Wasserglas oder Harz, durch etappenweises Aufstemmen oder -fräsen der Kellermauer und Ersatz durch einen schwindarmen Zementmörtel.
Den Keller mit einem Abluftventilator lüften. Damit trocknet ihr die Raumluft, schafft einen Unterdruck, damit die Sporen nicht mehr nach oben steigen können und saniert zugleich noch eine allfällige Radon-Belastung.

Eine weitere Feuchtigkeitsquelle liegt im Hausinneren, mal abgesehen von undichten Leitungen:
Einwohner, Pflanzen, Kochen, Baden, Duschen. Von all diesen Quellen wird Wasserdampf verdunstet, der sich anschliessend an den kältesten Stellen wieder niederschlägt als Kondensat. Diese Stellen sind vor allem Aussenecken, die Anschlüsse Kellerdecke/Wand und Wand/Oberste Decke, hinter Vorhängen und Möbeln an Aussenwänden. Da sitzt der Schimmel.

Dagegen gibt es drei Remeduren:

Zuallererst die Feuchtigkeitsproduktion reduzieren: Pflanzen auf ein Minimum reduzieren, knapp giessen, Luftbefeuchter rausschmeissen, keine Wäsche im Hausinnern trocknen, kürzer Duschen, beim Kochen Dampfabzug immer einschalten (Wenn Abluftgerät. Umlufz hilft nur gegen Geruch).

Dann Lüften, vor allem natürlich im Bad mittels Abluftventilators während dem Duschen.
Eine nachhaltig zur Sanierung beitragende Lüftung geht nicht durch die Fenster, sondern mit einer Lüftungsanlage, die den Wohnräumen vorgewärmte Frischluft zuführt und diese über Küche, Bad, Abstellräume, Keller wieder abführt. So wird der Feuchtigkeitstransport in Wohnräume vermieden, und in den Nassräumen wird der Dampf auf kürzestem Weg abtransportiert.
Ich hab in mein altes Holzhaus diese Anlage eingebaut :
- ILTO 430/440 (In der PDF-Brochure seht ihr das Leitungsnetz im Prinzip. Bei euch kommt unbedingt eine Abluftführung im Keller dazu, um den Sporenstrom von unten nach oben zu brechen. Andere Produkte funzen ähnlich)

Und schliesslich die erfolgreichste Massnahme, nur im Zusammenhang mit einer Lüftung zu empfehlen: Eine äussere Wärmedämmung.

Für die Planung der Massnahmen empfehle ich den Beizug eines Bauphysikers/Bauökologen.

Zum Thema Lüftung/Wärmedämmung hier ein umfassender Link:
heiz-tipp.de

Und die Kosten? Kurzfristig erscheint das alles sehr teuer, auf längere Sicht, bei steigenden Energiepreisen zahlt sich ewine gut geplante Sanierung selbst, un den Schimmel seid ihr erst noch los.

Mit dieser guten Nachricht grüsst Euch
Puistola
http://www.symptome.ch/vbboard/k-nnt...tml#post187922 #16

Sanierungsmaßnahmen im Altbau

Günter ist offline
Beiträge: 2.006
Seit: 07.05.04
Ein paar Gedanken von mir dazu:
Den chemiebasierten Wer-kratzt-zuerst-ab-Wettbewerb gegen den Schimmel, den ihr mit Chlor führt, habt ihr schon verloren.
Jein. Wenn das Chlor so schlimm wäre, dürften wir in kein öffentliches Schwimmbad/privaten Pool und auch kein Wasser aus dem Wasserhahn trinken. Natürlich ist es wesentlich besser, dem Schimmel die Lebensgrundlage zu entziehen - also in erster Linie die Feuchtigkeit. Aber wenn ich daran nichts ändern kann/darf (Mietwohnung), dann kann eine Behandlung mit einem chlorabgebendem Mittel besser sein, als die Schimmelsporen einzuatmen.
Das betrifft vor allem Wärmedämmungen die, an der Innenseite von Wänden und Decken angebracht, klassische Schimmelfallen sind.
Jein. Wenn die Innendämmung lückenlos und gut gemacht ist, gibt es überhaupt keine Probleme mit Schimmel. Wasserleitungen sind dann aber eventuell gefährdet, da sich im Winter der Frostpunkt bis tief in die Wand verschiebt.

Leider sind Innendämmungen in der Praxis meist unvollständig und/oder schlampig ausgeführt, so daß in diesen Fällen dann wirklich die klassischen Schimmelfallen entstehen. Man muß nämlich unbedingt verhindern, daß die warme Innenluft die kalten Bauteile erreicht. Denn dann kühlt sich die Luft ab. Kalte Luft kann aber wesentlich weniger Wasser aufnehmen, als warme Luft, so daß das "überschüssige" Wasser an dem kalten Bauteil auskondensiert.
Eine Dämmung muß daher immer so beschaffen sein, daß keine Luft hindurchströmen kann und so wenig wie möglich hindurchdiffundieren.

Entweder hat der Dämmstoff selbst diese Eigenschaften (Schaumglas, Styrodur) oder ich muß mit einer Feuchtigkeitssperre auf der warmen Seite des Dämmstoffes nachhelfen (Folie mit hohem Diffusionswiderstand). Problematisch sind Überlappungen der Folie und Bauteilanschlüsse (z.B. Wandanschlüsse und Rohrdurchführungen). Es gibt teure Spezialklebebänder und Spezialklebstoff aus der Kartusche, mit denen man das Problem in der Regel gut lösen kann. Hier darf man nicht sparen!

Es gibt Baubiologen, die der Meinung sind, daß man ein Haus nicht luftdicht abschließen darf, da das Haus sonst nicht "atmen" kann. Dazu ist zu bemerken, daß der Luftaustausch über ein Mauerwerk gegen Null geht und für das Wohlbefinden des Menschen völlig irrelevant ist. Läßt man aber die warme Luft an kalte Bauteile, gibt es unweigerlich Schimmel und Bauschäden.

Man übersieht dabei oft, daß z.B. Schrankwände, Holzverkleidungen oder abgehangene Decken ebenfalls eine Dämmwirkung haben, ohne daß die warme Luft am durch- oder umströmen gehindert wird. Hinter manchen Schrankwänden oder Verkleidungen entsteht dann ein wahres Schimmelparadies.

Oft wird auch übersehen, daß nach einer nachträglichen Dämmmaßnahme die Fenster die bei weitem kältesten Bauteile sind und das Kondenswasser sich in großen Pfützen sammelt. Sinnvoller ist hier der gleichzeitige Austausch der Fenster gegen hochwärmedämmende Fenstermodelle.
Steigt die Feuchtigkeit kapillar aus der Fundamentsohle auf, muss dieser Weg gesperrt werden, durch Injektionen von Wasserglas oder Harz, durch etappenweises Aufstemmen oder -fräsen der Kellermauer und Ersatz durch einen schwindarmen Zementmörtel.
Injektionen mit Harz oder Wasserglas sind unzureichend, ebenso ein Zementmörtel als neue Sperrschicht. Wesentlich besser ist das Einbringen einer Sperrschicht aus Edelstahlblech oder das Wachseinschmelzverfahren (fachgerecht!).
Den Keller mit einem Abluftventilator lüften.
Wenn ich mit einem Ventilator Luft aus dem Keller schaffe, muß sie von irgendwo her in den Keller einströmen. Im Sommer ist das warme feuchte Luft, die das Problem verschlimmert. Im Winter ist es wesentlich ökonomischer, ein Fenster im Keller und eines möglichst hoch oben im Gebäude zu öffnen und für ein paar Mionuten Durchzug zu schaffen.
Im Sommer können Raumluftentfeuchter Abhilfe schaffen. Ist aber teuer. Besser ist es, den Kellerboden/die Kellermauern zu sanieren, zumal sonst die nachströmende Feuchtigkeit Salze mit sich führt, die bei Raumlufttrocknung im Mauerwerk auskristallisieren und durch die dadurch entstehende Sprengwirkung das Mauerwerk schädigen. Ein fachgerechte Dämmung von Kellermauern und Kellerboden verhindert dann die Durchfeuchtung von innen.
Dann Lüften, vor allem natürlich im Bad mittels Abluftventilators während dem Duschen.
Deutlich preiswerter ist es, nach dem Duschen mit einem Wasserabstreifer das Spritzwasser abwischen und dann für ein paar Minuten das Fenster sperrangelweit auf oder Durchzug. Danach die Badtür eine spaltbreit offen lassen, damit sich die Feuchtigkeit aus den Handtüchern verteilen kann und nicht erneut eine hohe Luftfeuchtigkeit im Bad entsteht.
Eine nachhaltig zur Sanierung beitragende Lüftung geht nicht durch die Fenster, sondern mit einer Lüftungsanlage, die den Wohnräumen vorgewärmte Frischluft zuführt und diese über Küche, Bad, Abstellräume, Keller wieder abführt. So wird der Feuchtigkeitstransport in Wohnräume vermieden, und in den Nassräumen wird der Dampf auf kürzestem Weg abtransportiert.
Vorsicht! Lüftungskanäle sind gute Brutstätten für Keime, die dann im ganzen Haus verteilt werden.
Und schliesslich die erfolgreichste Massnahme, nur im Zusammenhang mit einer Lüftung zu empfehlen: Eine äussere Wärmedämmung.
Wer ein wenig Disziplin an den Tag legt, kommt auch mit einer regelmäßigen Stoßlüftung gut klar. Wärmetauscher sind zwar technisch wärmstens zu empfehlen. Die derzeitigen Lösungen sind aber allesamt aus baubiologischer Sicht abzulehnen, da das Verkeimungsproblem bei bisher keiner Anlage gelöst werden konnte.
Und die Kosten? Kurzfristig erscheint das alles sehr teuer, auf längere Sicht, bei steigenden Energiepreisen zahlt sich ewine gut geplante Sanierung selbst, ...
Ja, aber erst nach längerer Zeit.
Und, es ist ein Irrglaube, daß doppelte Dämmstoffstärken auch halbe Heizkosten bedeuten. Das redet die Dämmstoffindustrie den Leuten gerne ein. Eine Superdämmung macht sich erst nach einer wesentlich längeren Zeitspanne bezahlt, als vernünftige Stärken.
Liebe Grüße

Günter
__________________
Obiger Beitrag ist meine Meinung als Laie! Er ersetzt weder das eigene Denken, noch den Gang zum Arzt oder anderen Spezialisten und ist nur als Anregung für eigene Recherchen und Überlegungen gedacht!

Geändert von Günter (19.08.08 um 20:42 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler


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