Entzug durch Reduktion

17.04.09 10:32 #1
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Sine ist offline
Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Hallo liebe Leser.
Nachdem es wieder etwas ruhiger geworden ist in der Suchtrubrik werfe ich eine weitere provokante These in den Raum:
Ich behaupte, dass man sich von jedem Suchtmittel mit der simplen Methoder der Reduktion entziehen kann.
Das ist jetzt sehr pauschal gesagt und ich bin gespannt auf eure Argumente für und gegen diese Behauptung.
Ich stütze mich sowohl auf eigene Erfahrungen wie auch auf Erfahrungen aus meinem Umfeld. Bestätigt wird dies zum Beispiel auch durch die gängige Art und Weise, wie die Methadontherapie bei ehemals heroinsüchtigen Menschen gehandhabt wird.
Mein weiterführender Gedanke dazu:
Ein körperlicher Entzug muss nicht gefährlich sein, er muss auch nicht schmerzhaft sein ( ausser bei Schmerzmitteln, solange die Schmerzursache nicht beseitigt wurde ).
Der psychische Entzug hingegen ist der weitaus grössere Teil der Arbeit.
- Hier in diesem Thread möchte ich jedoch nur auf den körperlichen Apsekt eingehen.
Liebe Grüsse, Sine

Entzug durch Reduktion

pita ist offline
Beiträge: 3.128
Seit: 08.04.07
Hallo Sine

Wenn du hier ausschliesslich auf den körperlichen Aspekt eingehen möchtest, wird dies vermutlich ein super kurzer Thread .

Entzug durch Reduktion ist meines Erachtens absolut möglich - die Klippen sind allerdings der Zeitfaktor und die Psyche.

Sehr viele Methadon-Abhängige(!) können ja recht gut ihre Dosis reduzieren, wagen dann aber den letzten Schritt - das Absetzen des Methadons - nicht.
Es dient vielen noch für lange Zeit als eine Art "Krücke".
Dazu kommt, dass sich eine Methadon-Ersatztherapie über lange Zeit hinzieht und viele Süchtige trotzdem gelegentlich ihr altes, oder ein anderes Suchtmittel dazu konsumieren.

Entzug durch Reduktion ist - allein durchgeführt - davon abhängig (), ob dazu über längere Zeit grosser Wille und Konsequenz aufgebracht werden können. Genau dies ist wohl der Knackpunkt der meisten Suchtkarrieren.

Liebe Grüsse
pita

Bei Suchtverhalten kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich mit einem Suchtverhalten (Medikamentensucht, Spielsucht, Wettsucht uvm.) aufhören möchte, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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Entzug durch Reduktion

Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Hallo pita.
Vielen Dank für deinen Beitrag!
Der Zeitfaktor ist bestimmt ein ganz wichtiger Punkt bei diesem Thema.
Um kurz beim Beispiel Metahdon zu bleiben:Je nach Einstiegsdosis wird die Methadontherapie natürlich von längerer oder kürzerer Zeitdauer sein. Jedoch ist der Zeitraum in der Theorie durchaus überschaubar - rein vom körperlichen Apsekt her. Warum viele Methadonpatienten grosse Probleme mit dieser Therapie haben liegt unter anderem daran, dass heute nur noch tägliche Einzeldosen verabreicht werden, anstatt dem Patienten das Mittel mitzugeben, damit er mehrere kleine Dosen täglich zu sich nehmen kann. Warum und wieso und überhaupt könnte man in einem gesonderten Thread diskutieren
Jede Suchtkarriere und jede Entzugskarriere ist einzigartig. Deshalb kann man keine Verallgemeinerungen machen.
Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass viele Süchte ganz privat mit Hilfe der Reduktionsmethode angegangen werden.
Es ist eine Möglichkeit unter Mehreren.
Ich denke da zum Beispiel an eine medikamentesüchtige Frau, die einen Spitalaufenthalt vor sich hat und Angst davor hat, dass ihre Sucht dort entdeckt wird. Oder ich denke an einen Alkoholiker, der in den Strafvollzug geschickt wird und weiss, dass er dort nicht zu seinem notwendigen Quantum Alkohol kommen wird.
Hier kann also der Zeitfaktor durchaus ein Ansporn sein, etwas zu schaffen, was man sonst nicht hinkriegen würde.
Andererseits sehe ich auch eine Chance in dieser Methode, sich im eigenen Tempo von einem Suchtmittel entwöhnen zu können.
Als Beispiel sei das Nikotin genannt. Es kann unter Umständen Jahre dauern, mit kleinen Schritten, je nach Möglichkeit und Verfassung. Aber es kann klappen und dies ganz ohne Bücher, Pflaster und teure Kurse.
Die Beispiele sind willkürlich gewählt und können beliebig ausgetauscht werden.
Wichtig dabei ist mir, wie schon im ersten Beitrag erwähnt:
Ein Entzug muss nicht gefährlich sein und er muss nicht schmerzhaft sein.
Schlussendlich wirst du mit deiner Vermutung wohl recht haben, dass dies ein sehr kurzer Thread sein wird
Trotzdem hat er wohl als Ergänzung seine Berechtigung.
Liebe Grüsse, Sine

Entzug durch Reduktion

Oregano ist offline
Beiträge: 63.690
Seit: 10.01.04
Ob nun jemand mit einer schrittweisen Reduzierung seines Suchtmittels letztlich "clean" wird oder in einem einzigen Schritt, scheint mir auf einen zentralen PUnkt hinaus zu laufen:
Solange die Motivation, aufzuhören, nicht da ist oder nicht ausreicht, werden alle Methoden letztlich versagen. Also liegt - meiner Meinung nach - der Schwerpunkt zunächst auf der Motivation. Dann kann darüber nachgedacht werden, unter welchen Umständen wie entzogen werden kann.

Gruss,
Uta

Entzug durch Reduktion

Horaz ist offline
in memoriam
Beiträge: 5.730
Seit: 05.10.06
Ich habe mich schon mehrfach als ein Anhänger des Entzugs durch Reduktion geäußert. Es scheint aber nicht viele (außer Sine und mir) zu geben. Spricht man darüber, tauchen bald gute Menschen auf, die Vorträge über Verantwortungslosigkeit halten. Wie wir gerade kürzlich erlebt haben. Die Befreiung von Sucht ginge nur radikal und unter professioneller Hilfe und jeder kleinste Rückfall sei die Wiederaufnahme der Katastrophe.

Dabei werden doch sogar Medikamente ausgeschlichen, weil auch diese "Drogen" besser nicht im Horuck-Verfahren abgesetzt werden. Ich habe jedenfalls meine Süchte immer durch Reduktion bekämpft und bin damit bestens gefahren. Auch die Zuckersucht gehörte einmal dazu. Die Sache mit dem Nikotin habe ich seinerzeit aufgeschrieben:

http://www.symptome.ch/vbboard/nikot...htraucher.html

Ich kann heute jedenfalls problemlos ein Stück Kuchen essen oder eine
Zigarette rauchen, wenn es sich ergibt, ohne dass ein Rückfall eintritt. In beiden Fällen dachte ich übrigens nie an eine Beendigung dieser Sucht, sondern nur an Reduktion. Hätte ich an Beendigung gedacht, wäre ich in Selbstmitleid zerflossen und hätte dann möglicherweise nicht durchgehalten.

Viele Grüße, Horaz

Entzug durch Reduktion

Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Gehen wir also davon aus, dass die Motivation - aus welchen Gründen auch immer - ausreichend ist, um einen Entzug anzugehen.
Nun möchte man den guten Vorsatz so schnell wie möglich ausführen.
Ein Therapieplatz ist im Moment vielleicht nicht zu kriegen und die Verzweiflung ist gross.
Im Hauruckverfahren das Suchtmittel von heute auf morgen absetzen kann äusserst gefährlich sein!
Deshalb ist das Ausschleichen allemal die vernünftigere Methode.
Ich glaube, dass viele Süchte unbemerkt vom Umfeld vorhanden sind und dass viele Entzüge still und heimlich vor sich gehen.
Was wir von Aufenthalten in Entzugskliniken mitbekommen, ist vermutlich nur ein Teil des Ganzen.
Liebe Grüsse, Sine

Geändert von Sine (20.04.09 um 08:08 Uhr) Grund: die liebe Rechtschreibung

Entzug durch Reduktion

Thunderfoot ist offline
Beiträge: 12
Seit: 08.12.08
Hallo Sine

Besten Dank für den Hinweis auf Dein Thema.
Ich habe die Besserung einfach dürch komplettes Absetzen der Schmerzmedikamente erreicht. Ok, man soll ja den "kalten Entzug" nicht propagieren, bei mir war es die einzige Möglichkeit meinen Körper und meine Psyche vor der Katastrophe zu retten.

Ein Punkt ist beim "kalten Entzug" enorm wichtig: Das Umfeld muss stimmen!!! Damit meine ich Familie, Beziehung (auch Ehe!) und Arbeitsstelle. Da kann man - meiner Meinung nach - auch ohne Schulmediziner arbeiten. Die Ärzte sind vielfach nur auf ihre Provisionen aus und müssen ja schliesslich ihre SUVs bezahlen...
Mein Hausarzt hat nun plötzlich gemerkt, dass er mit mir reden muss und nicht sofort neue Medikamente verschreiben soll.

Gruss

Entzug durch Reduktion

Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Hallo Thunderfoot.
Bitte erzähl noch einmal, wie du vorgegangen bist.
Hast du ein starkes Medikament durch ein schwächeres Medikament ersetzt, hast du die Menge reduziert oder hast du das Medikament von heute auf morgen komplett abgesetzt?
Liebe Grüsse, Sine

Entzug durch Reduktion

Thunderfoot ist offline
Beiträge: 12
Seit: 08.12.08
Hallo Sine

Mein Vorgehen war relativ einfach: Ich habe mich gefragt, warum ich bei immer stärkeren Medikamenten immer stärkere Schmerzen hatte und habe einfach den Umkehrschluss gemacht: Keine Medikamente = Keine Schmerzen. Ich habe also einfach ab eines Morgens keine Schmerztabletten mehr genommen und abgewartet. Überrascht bin ich, dass diese Gleichung bei mir funktioniert hat und sich mein Arzt nicht gewundert hat. Ich bin der Typ, der eine Sache ganz oder gar nicht machen "muss". Sonst geht es einfach nicht.

Als Nebenwirkung hatte ich eine Woche lang einen fürcherlichen Schnupfen (körperliche Umstellung) und den Drang nach meinen Medikamenten (psychische Umstellung). Da hat mir meine Frau geholfen, indem sie einfach alles versteckt hat und ich sie sogar um ein Aspirin fragen musste. Darum sage ich immer wieder, ohne ein funktionierendes Sozialumfeld geht keine Heilung!!!

Ich hoffe Dir eine schlüssige Antwort zu Deiner Frage gegeben zu haben und ich hoffe, ich kann viele weitere Betroffene motivieren.

Gruss

Entzug durch Reduktion

Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Hallo Thunderfoot.
Eine überraschende Geschichte, die du erzählen kannst.
Schön, dass du es gewagt hast und dass du Hilfe hattest.
Viele Substanzen dürfen nicht von heute auf morgen entzogen werden, das wäre zu gefährlich.
Darf ich fragen, um welches Medikament in welcher Dosierung gegen welche Art von Schmerzen es sich gehandelt hat?
Sine


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