Der Lactulose-Einlauf

10.03.09 10:11 #1
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Rudi Ratlos ist offline
Beiträge: 2.070
Seit: 01.02.08
Hallo zusammen,
ich eröffne das neue Thema Lactulose-Einlauf mal hier unter M.W., weil es hier sicher die meisten interessiert.
Ich selbst habe kein M.W., das nehme ich jedenfalls im Moment so an. Zum Thema Lactulose kam ich über die Ammoniakproblematik, die durch Verdauungsprobleme (bei mir wahrscheinlich) oder durch Leberschäden ausgelöst werden kann und die Verdauungsschäden und Leberschäden dann gegenseitig verstärkt.

Ich leide seit undenklichen Zeiten an Verstopfung. Damit gehen weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen einher. Immer wenn die Darmtätigkeit (durch recht unterschiedliche Mittel) angeregt wurde, ging es mir kurzfristig besser. Nach einer Weile stellten sich jedoch die alte Problematik wieder ein. Die Ursache ist noch nicht bekannt.

Weil Lactulose erst im Dickdarm aufgeschlossen und von den dortigen Laktobazillen verdaut wird, bietet es sich als Mittel zur Beeinflussung des Dickdarms an. Dabei werden schützende Laktobazillen gefördert und Fäulnisflora verdrängt. Als Stoffwechselprodukt wird Milchsäure frei, die den Darm ansäuert. Das soll ebenfalls gegen die Fäulnisflora wirken. Zudem wirkt sie abführend.

Ich hatte mir also (preiswert) Lactulose besorgt (PZN 4637645, Lactulose Hemopharm Sirup N3 1000 ml) und zu Beginn 10 ml oral mit viel Wasser genommen. Ich habe schnell gemerkt, dass das für mich nichts ist. Schon im Bereich des Magenausganges und Zwölffingerdarms kam es (wahrscheinlich auf Grund von Fehlbesiedlungen, die mich schon lange plagen) zu argen Beschwerden.
Ich habe mir das nicht weiter angetan und überlegt, ob die Anwendung als Einlauf möglich wäre. Dann könnte ich das Problem im oberen Verdaungstrakt umgehen. Lactulose soll als Einlauf schneller und besser wirken, als oral. Auf Leber-info.de wird behauptet, die Wirkung auf Ammoniak sei nur bei Einläufen sicher nachgewiesen:
Wirksamkeitsnachweis:
Die Senkung des Ammoniaks im Blut konnte nur eindeutig für Lactulose- Einläufe gezeigt werden.
Also, warum nicht gleich auf Nummer Sicher gehen und den Einlauf probieren? Im Pflegewiki steht dazu folgendes:
Lactulose-Einlauf
Bei dekompensierte Leberzirrhose mit Koma kann ein Lactulose-Einlauf sehr hilfreich sein. Dazu werden etwa 300 ml Lactulose (Bifiteral®) mit 700 ml Wasser verdünnt und körperwarm langsam verabreicht. Der Einlauf soll so lange wie möglich, mindestens aber 5 Minuten im Darm gehalten werden. Dieser Einlauf wird 2x täglich gegeben.
Mit Einläufen habe ich bisher keine großen Erfahrungen. Erst seit ca. 3 Wochen habe ich tägliche Reinigungseinläufe gemacht um meine Verstopfung aufzulösen. Das hat zwar funktioniert, mehr hat es aber auch nicht gebracht.
Lactulose-Einläufe sind ganz anders.

Ich habe mich erst mal an die Anweisung aus dem Pflege-Wiki gehalten, 300 ml Lactulose und 700 ml Wasser angemischt. Davor habe ich einen Reinigungseinlauf gemacht. Dann kam die Lactulose dran. Schon nach ca. 400 ml, als die Lactulose den Dickdarm erreichte, merkte ich eine schlagartige Reaktion, die auf eine (nicht unangenehme) Veränderung der Schleimhäute in den Bereichen Magenausgang/Zwölffingerdarm und Kiefernebenhöhlen (auch ein bekanntes Problem) hindeutete. Alle Schleimhäute korrespondieren als Teile eines Immunsystems miteinander.

Der Liter war problemlos hinein zu bekommen, jedoch nicht lange drin zu behalten. Die abführende Reaktion auf die Lactulose war beeindruckend. Das war es dann auch schon. Danach war der Darm irritiert, es gluckerte über Stunden (dagegen hilft das hier sehr gut), insgesamt ging es mir leicht besser.Am Abend des gleichen Tages stellte sich eine leichte Erkältung mit Schupfen und Halsschmerzen ein. Ich vermute hier eine Immunreaktion.

Ich habe die Anwendung nun dreimal im täglichen Abstand wiederholt. Die Erkältung hält sich hartnäckig und mir geht es jeden Tag ein wenig besser. Ich werde "standfester", sowohl in körperlicher wie auch psychischer Hinsicht. Früh morgens habe ich jeden Tag mehr den Eindruck wirklich ausgeschlafen zu haben. Die Matschbirne klärt sich, die Laune wird besser. Die Lebensgeister erwachen langsam.

Nach 2 Anwendungen fand ich eine weißes undefinierbares Zeug in der Kloschüssel. Ein Laborarzt meinte zu mir, das sei nach Augenschein nur Darmschleimhaut und also kein Problem. Ich habe hier richtig etwas in Gang gesetzt und bin darüber recht glücklich.

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Gruß
Rudi

Medizinisches Dummi ich, gebe keinen Rat, schreibe allein von eigenem Elend.

Der Lactulose-Einlauf

margie ist offline
Beiträge: 4.553
Seit: 02.01.05
Hallo Rudi,

dass man Laktulose als Einlauf geben kann, wußte ich nicht. Aber ich halte das für sehr umständlich, denn man muß es für die hep. Enzephalopathie sicher täglich machen.
Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob es genügt, wenn man nur einen Einluaf macht, weil doch die Laktulose dann nur den unteren Dickdarm erreicht.
Anfänglich hatte ich mit Laktulose auch Beschwerden wie Blähungen, aber die sind weniger geworden.
Vielleicht hattest Du die unangenehmen Reaktionen auch nur, weil die Laktulose "etwas bewegt" hat, d. h. vielleicht hätten die Reaktionen dann nachgelassen, wenn sie im Darm erst mal "richtig aufgeräumt" hat?

Aber wenn Laktulose bei Dir positiv wirkt, dann solltest Du vielleicht prüfen, ob Du eine Leberkrankheit hast....

Gruß
margie
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“Das Fleisch, das wir essen, ist ein 2-5 Tage alter Leichnam.” - Volker E. Pilgrim, Schriftsteller

Der Lactulose-Einlauf

Rudi Ratlos ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.070
Seit: 01.02.08
Hallo Margie,
mit der Leber stimmt sicher irgendetwas nicht. Meine Endokrinologin meinte jedoch die Leberwerte seien in Ordnung (ist mir schon klar, was diese Aussage wert ist).

Die Lactulose kann auch weiter oben im Dickdarm wirken, wenn statt ein Liter zwei Liter verwendet werden. Viel einfacher ist natürlich die orale Anwendung. Ich habe auch nicht vor die Einläufe ewig zu machen. Im Moment ist es für mich aber so verträglicher.


Wer Lactuloseeinläufe probieren will, sollte dringend an seine Elektrolytversorgung zu denken. Die Lactolose pfeift einiges raus. Bei täglicher Anwendung muss auch regelmäßig mit Elektrolyten nachgelegt werden.
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Gruß
Rudi

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fak2411 ist offline
Beiträge: 791
Seit: 18.02.08
Hallo Rudi.
Da mich das Thema interessiert, werde ich mal einen Selbstversuch machen und dein Produkt versuchen, oral. Auch meiner Mutter, die an Verstopfung leidet werde ich was geben. Mal kucken was passiert..... werde berichten.
Gruß

Der Lactulose-Einlauf

Julia84 ist offline
Beiträge: 60
Seit: 05.11.08
Hallo,

Okay dieses Thema hat höchstens sekundär was mit Morbus Wilson zu tun, aber ich halte die Ammoniakproblematik für sehr wichtig.
ich nehme ja 100 ml Lactulose täglich oral. Ein Lactulose Einlauf wird zum Beispiel auch als Notfallbehandlung bei einer hyperammonämischen Krise bei einem Harnstoffzyklus Defekt gemacht.

Die Reputation der Lactulose hat ja durch diese seltsame Sammelstudie ziehmlich gelitten. Dies wurde aber in einer darauffolgenden Studie wiederlegt. Ich denke es ist kein grosser Unterschied ob die Lactulose Oral oder Anal in den Darm gelingt. Klar bei einer starken Verstopfen kann die Einnahme von Abführmitteln starke Probleme hervorrufen. Ein Einlauf hingegen ist in dem Falle natürlich besser.

Die Wirksamkeit von Lactulose auf alles andere ausser Verstopfung rüht allein daher, dass ammoniakproduzierende Bakterien aus dem Darm ausgeschieden werden. Es gibt zwei verschiedene Ursachen, dass Ammoniak nicht optimal abgebaut werden kann. Wieso bist du da eigentlich bei einer Endokrinologin in Behandlung? Die ist ja nun dafür gar nicht zuständig...

1. Schwerer Leberschaden. Generell ist der Harnstoffzyklus beim gesunden Menschen nur zu 25% augelastet. Das hat natürlich einen guten Grund, denn wenn er überlastet wird, kommt es schnell zu schwerwiegenden Problemen. Der Ammoniakwert ist keinesfalls ein fester Wert (wissen die meisten Ärzte nicht) Innerhalb von einer Stunde kann eine gesunde Leber den Ammoniakwert um mindestens 40 umol/l senken. Bei dem Referenzwert von 15-45 umol/l kann man etwa davon ausgehen, das unter 40 umol unschädlich sind und über 200 umol Koma bedeutet. Daher kann eine gesunde Eintgiftung innerhalb von 4 Stunden von einem Koma in einem normalen zustand Entgiften. Klar, so ein Koma wird noch lange nachwirken, wenn nciht sogar bleibende Schäden verursachen. Bei einem gesunden Menschen wird es aber wohl erst gar nicht zu einem Koma kommen...

Ein wichtiger Begriff ist dabei, ob der Ammoniakwert kompensiert oder nicht, also ob der Harnstoffzyklus gut genug funktioniert um alles Ammoniak was innerhalb von 24 stunden anfällt abzubauen oder nicht. Wenn er dekompensiert wird der Betroffene sehr schnell ins Koma fallen. Wenn nicht, sinkt der Ammoniakwert immer wieder auf ein normales Niveau.

Es muss schon ein Grossteil des Lebergewebes stark beeinträchtigt oder zerstört sein, dass ein Leberschaden zu einer hepatitischen Enzephalopathie führt.

2. Harnstoffzyklus Defekte und einige verwandte Erkrankungen. Werden meistens nur Diagnostiziert, wenn der Harnstoffzyklus dekompensiert. Daher werden meistens nur sehr schwere Fälle diagnostiziert, die meistens schon in der Kindheit zu Tod oder Hirnschaden führen. Dies Erkrankungen haben die Symptome einer Enzephalopathie, wie Morbus Wilson und die hepatitische Enzephalopathie auch eine ist. Scheinbar gibt es bei Ärzten keinerlei bewusstsein für die Erkrankung.

Gruß
Julia

Der Lactulose-Einlauf

himbeere ist offline
Beiträge: 1
Seit: 12.04.09
Hallo Rudi,

nachdem ich nach "ammoniak verstopfung" gegoogelt habe bin ich auch hier zu deinem Thema gekommen.

Mich interessiert, ob deine andauernde Verstopfung sich gebessert hat.

Grüße

Der Lactulose-Einlauf

Rudi Ratlos ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.070
Seit: 01.02.08
Zitat von himbeere Beitrag anzeigen
Mich interessiert, ob deine andauernde Verstopfung sich gebessert hat.
Hallo,
die Verstopfung ist schon lange weg. Der Stuhlgang ist eher zu weich bis flüssig. Das liegt jedoch nicht an der Lactulose, die brauche ich nicht mehr, weil ich den Effekt mit Vitamin C-Hochdosis und mit meinem Aminosäurenmix nebenbei erziele.
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Gruß
Rudi

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Der Lactulose-Einlauf

Elwuwu ist offline
Beiträge: 140
Seit: 15.06.10
Ich finde das Thema hochspannend. Kluge/Wasicki haben gezeigt, dass Lactulose auch bei MS sehr hilfreich sein kann. Der Ammoniak und die Darmbakterien spielen hier eine wichtige Rolle.
Wenn nun der Einlauf direkter wirkt, als die orale Gabe, dann ist das auf jeden Fall zu testen. Ich probiere das gerade seit ein paar Tagen und tatsächlich spüre ich einige Veränderungen. Allerdings bin ich dabei vorsichtig und nehme nur 80 g Lactulose bei ca. 400 ml Wasser, dass ich dann 30 Minuten wirken lasse. Ich benutze Bifiteralpulver, was recht teuer ist, dafür aber konzentrierter.
Wenn das wirklich etwas verbessert, ist es mir egal, ob ich das ständig machen muss. Besser als dauerhaft behindert durchs Leben zu müssen.
Natürlich ist bei solchen Daueranwendungen immer wichtig auf Nachteile zu achten, damit da nicht in anderer Hinsicht Defizite bestehen.


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